Indexprodukte: Underlyings, Ausgestaltung und Zielgruppen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Friebel
- Abgabedatum: September 2009
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 4,9 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- Bibliografie: ca. 62
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4288-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Friebel, Markus September 2009: Indexprodukte: Underlyings, Ausgestaltung und Zielgruppen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Indizes, Indexberechnung, Indexfonds, Exchange Traded Funds, Indexzertifikate
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Diplomarbeit von Markus Friebel
Einleitung:
Indizes werden als Barometer für die Konjunktur einer Volkswirtschaft angesehen. Dabei spiegeln sie nicht nur die aktuelle Lage wieder, sondern eilen den realen volkswirtschaftlichen Daten sogar zum Teil 6-12 Monate voraus. Indizes etablieren sich aber auch immer mehr zur Handelsgrundlage von Indexprodukten, welche diese abbilden. Diese Diplomarbeit soll sowohl eine Beschreibung von Indizes als auch der zugehörigen Produkte liefern.
Problemstellung:
‘Gunning for average is your best shot at finishing above average’.
Tyler Mathisen, Finanzjournalist.
Dieses Zitat mag auf den ersten Blick verwundern, da es doch in sich ein wenig widersprüchlich erscheint. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird jedoch gezeigt, dass diese Aussage dennoch ihren Sinn hat. Hierfür werden unter anderem Finanzprodukte vorgestellt, die eine Anlagestrategie repräsentieren, welche bis vor wenigen Jahren und zum Teil auch heute noch als eintönig angesehen werden sowie auf einer ‘Nichts-tun-Philosophie’ basieren.
Nach einem geschichtlichen Überblick von Indizes und Indexprodukten sowie deren Begründung werden in Kapitel 2 die wichtigsten Anbieter von Indizes vorgestellt. Daraufhin werden in Kapitel 3 die verschiedenen Berechnungsmethoden und die Konstruktion von Indizes beschrieben. Des Weiteren soll gezeigt werden, welche Anforderungen Indizes zu erfüllen haben und wie ihre Aktualität gewährleistet wird. Eine genauere Betrachtung einzelner Indizes, die tatsächliche Erfüllung der Anforderungen in der Realität sowie eine Abgrenzung des Indexmarktes anhand der Underlyings finden in Kapitel 4 statt. Das Hauptthema der Arbeit soll im 5. Kapitel erörtert werden. Hierzu wird zunächst sowohl eine theoretische als auch praktische Fundierung des passiven Investierens, auch Indexing genannt, präsentiert. Anschließend werden die einzelnen Finanzprodukte aufgezeigt, mit denen sich eine derartige Anlagestrategie verwirklichen lässt. Schließlich soll in Kapitel 6 ein grober Einblick in das Geschäft der Indexanbieter sowie Gründe für die Motivation des Erwerbs von Indexlizenzen gegeben werden.
Entstehung, geschichtliche Entwicklung, Begründung und Bedeutung von Indizes und Indexprodukten:
Wertpapiere wie z.B. Anleihen und Aktien existieren schon seit geraumer Zeit. Die Geschichte der Aktie z.B. geht bis in das Jahr 1602 zurück, in dem durch Gründung der Holländisch-Ostindischen Kompanie die erste Aktiengesellschaft ins Leben gerufen wurde. Allerdings kam erst in den darauffolgenden Jahrhunderten mit wachsender Anzahl der Aktiengesellschaften und mit steigendem Handelsvolumen in Aktien das Bedürfnis nach einem Wert auf, welcher die Entwicklung der Gesamtheit aller Kurse in einer einzigen Zahl wiederspiegelt. Dieses Informationsbedürfnis können Aktienindizes befriedigen. Dabei beschreibt ein Index allgemein ‘die zeitliche Entwicklung einer Gesamtheit von Objekten durch eine geeignete Maßzahl. In der Regel wird eine solche Maßzahl durch geeignete Mittelung oder Aggregation von Einzelwerten gebildet’.
Der weltweit erste Aktienkursindex wurde von Charles Henry Dow am 3. Juli 1884 im heutigen Wall Street Journal, welches von der von ihm gegründeten Dow Jones & Company herausgegeben wurde, veröffentlicht. Aufgrund der enormen Bedeutung des Eisenbahnbaus zu jener Zeit und da die meistgehandelten Aktien die der Eisenbahngesellschaften waren, erhielt der Index den Namen ‘Dow Jones Railroad Average’. Später erhielt dieser seine noch bis heute gültige Bezeichnung ‘Dow Jones Transportation Average’. Einige Jahre später entwickelte Dow den weitaus bekannteren ‘Dow Jones Industrial Average’ und veröffentlichte ihn am 25. Mai 1896. Der erste sich ergebende Indexwert betrug dabei 40,94 Punkte, was allerdings nur ein Bruchteil des heutigen Indexstandes ist (siehe Abbildung 1).
Die ursprünglichen 12 im Dow Jones enthaltenen Werte stiegen 1916 auf 20 und 1928 auf die heutigen 30. Dow kam mit der Entwicklung seiner Aktienindizes zum richtigen Zeitpunkt, denn zu dieser Zeit wurden rund 250.000 Aktien täglich gehandelt, wobei 35 Papiere einen regelmäßigen Handel aufwiesen. Somit war das Verlangen nach einer einzelnen Kennzahl für die Entwicklung des Gesamtmarktes groß.
Die Geschichte der Indexierung in Deutschland gestaltet sich dagegen ein wenig anders. Der erste Aktienindex war der, der Frankfurter Zeitung. Dieser unter dem Namen ‘Börsenindexziffer’ bekannte Index wurde erstmals am 1. September 1919 berechnet und setzte sich aus 25 Aktien und 10 Anleihen zusammen, wodurch nur der die 25 Aktien betreffende Teilindex als reiner Aktienindex bezeichnet werden kann. Allerdings war es in Deutschland in keinster Weise möglich, wie in den USA eine kontinuierliche Indexberechnung zu gewährleisten. Grund hierfür war die Hyperinflation in den 20er Jahren sowie der Zweite Weltkrieg, wodurch mehrmals über längere Zeit kein vernünftiger Aktienhandel möglich war. Erst am 1. Juli 1988 wurde der bis heute etablierte Leitindex der deutschen Volkswirtschaft, der ‘Deutsche Aktienindex’ (DAX), welcher an den Index der Börsen-Zeitung anknüpft, erstmalig veröffentlicht. Dabei wurde er eingeführt, um als geeignetes Basisinstrument für Terminkontrakte (Optionen und Futures) verwendet werden zu können. Des Weiteren wurde der DAX am 30. Dezember 1987 auf 1.000 Punkte normiert.
Bis zur Gründung des ersten Investmentfonds im Jahre 1924 konnten Anleger nur in einzelne Wertpapiere investieren. Die Möglichkeit einen ganzen Index zu ‘kaufen’ gab sich ihnen allerdings erst 1976, denn Indizes sind aufgrund ihres synthetischen Charakters nicht direkt handelbar.
Zwar begann man schon ab den frühen 30er Jahren, kurz nach dem Aufkommen aktiver Investmentfonds, den Vorteil von Indexanlagen zu erkennen, jedoch bedurfte es für die ersten konkreten Anlageprodukte noch einige Jahrzehnte. Grund hierfür war, dass sich das Verwalten eines indexbasierten Portfolios ohne Computerunterstützung, welche erst Mitte der 70er Jahre zur Verfügung stand, als äußerst kompliziert herausstellte. Indexfonds halten hunderte Wertpapiere und die täglichen Zu- und Abflüsse von Kapital erfordern ein ständiges Anpassen des Portfolios, um den entsprechenden Index kontinuierlich korrekt abzubilden. Ein zweiter Grund war, dass die damaligen Transaktionskosten auf einer fixen Gebührenstruktur beruhten und somit selbst bei kleineren Trades, welche bei Indexfonds häufig vorkommen, so hoch waren, dass deren Vorteile ausgelöscht würden. Schlussendlich wurden Investmentfonds über Broker vertrieben, welche hierfür eine hohe Provision erhielten. Allerdings waren Investoren nicht dazu bereit, diese auch bei einem simplen Indexfonds zu bezahlen. Andererseits wollten die Broker natürlich vornehmlich die Produkte verkaufen, bei der sie die höchste Provision beziehen konnten. Darüber hinaus passten kostengünstige Indexfonds nicht in das durch hohe Managergehälter geprägte Geschäftsmodell der Fondsgesellschaften.
Der weltweit erste Indexfonds wurde schließlich im Jahr 1973 von Wells Fargo aufgelegt, allerdings nur für institutionelle Anleger. Kurz darauf folgte dann aber auch der erste Indexfonds für Privatanleger im Jahr 1976 durch die amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard. Der Fonds, der heute den Namen ‘Vanguard 500 Index Fund’ trägt und den Standard and Poors 500 Index (S&P 500) abbildet, zählt mit seinen knapp 84 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Fondsvermögen zu den größten Publikumsfonds der Welt.
Das gesamte investierte Kapital in Indexfonds ist von 11 Millionen US-Dollar im Jahr 1976 bis auf derzeit über 1 Billionen US-Dollar gestiegen. Dies entspricht in etwa 25 Prozent aller in Investmentfonds investierten Gelder. Dabei entstammt seit 2002 das meiste Wachstum von Indexfonds aus Exchange Traded Funds (ETFs). Zu den größten Indexanlegern zählen institutionelle Investoren. In den USA z.B. haben diese mehr als 30 Prozent ihrer Finanzmittel in passive Indexanlagen investiert. Der Anteil der passiv anlegenden Privatpersonen ist dagegen mit 10 bis 15 Prozent um rund die Hälfte geringer und in Deutschland wird deren Anteil auf sogar nur 5 bis 10 Prozent geschätzt.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| Symbolverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | PROBLEMSTELLUNG | 1 |
| 1.2 | ENTSTEHUNG, GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG, BEGRÜNDUNG UND BEDEUTUNG VON INDIZES UND INDEXPRODUKTEN | 2 |
| 2. | Wichtige Anbieter von Indizes | 6 |
| 2.1 | DEUTSCHE BÖRSE AG | 6 |
| 2.2 | DOW JONES & COMPANY | 10 |
| 2.3 | STANDARD & POOR‘S | 10 |
| 2.4 | MORGAN STANLEY CAPITAL INTERNATIONAL | 11 |
| 3. | Berechnung und Zusammensetzung von Aktienindizes | 13 |
| 3.1 | ANFORDERUNGEN AN DIE INDIZES | 13 |
| 3.2 | INDEXFORMELN | 15 |
| 3.2.1 | Kursgewichtete Indizes | 15 |
| 3.2.2 | Gleichgewichtete Indizes | 17 |
| 3.2.3 | Gewichtete Indizes | 18 |
| 3.3 | UNTERSUCHUNG DER WICHTIGSTEN INDEXVARIABLEN | 21 |
| 3.4 | BEREINIGUNGEN | 24 |
| 3.4.1 | Dividenden und andere Ausschüttungen | 25 |
| 3.4.2 | Kapitalerhöhungen | 27 |
| 3.4.3 | Veränderungen in der Indexzusammensetzung | 27 |
| 3.5 | KRITERIEN FÜR DIE AUSWAHL VON INDEXGESELLSCHAFTEN | 28 |
| 3.6 | AUSTAUSCH VON INDEXGESELLSCHAFTEN | 29 |
| 3.6.1 | Ordentliche Anpassungen | 30 |
| 3.6.2 | Außerordentliche Anpassungen | 32 |
| 3.7 | AUSWIRKUNGEN VON INDEXVERÄNDERUNGEN | 32 |
| 4. | Untersuchung des Marktes für Indizes anhand der Underlyings | 35 |
| 4.1 | AKTIENINDIZES | 35 |
| 4.2 | RENTENINDIZES | 39 |
| 4.3 | ROHSTOFFINDIZES | 41 |
| 4.4 | STRATEGIEINDIZES | 42 |
| 4.4.1 | DivDAX | 42 |
| 4.4.2 | LevDAX und ShortDAX | 42 |
| 4.4.3 | DAXplus Minimum Variance Germany | 44 |
| 4.5 | VOLATILITÄTSINDIZES | 45 |
| 5. | Indexing und Indexprodukte | 47 |
| 5.1 | THEORETISCHE FUNDIERUNG VON INDEXING | 47 |
| 5.2 | EMPIRISCHE FUNDIERUNG UND VORTEILE VON INDEXING | 49 |
| 5.3 | INDEXPRODUKTE | 52 |
| 5.3.1 | Indexfonds | 53 |
| 5.3.2 | Exchange Traded Funds | 55 |
| 5.3.3 | Indexzertifikate | 61 |
| 5.3.4 | Strukturierte Produkte | 62 |
| 5.3.5 | Index-Futures | 65 |
| 6. | Lizenzierung und Käufer von Indexlizenzen | 67 |
| 7. | Fazit und Ausblick | 70 |
| Literaturverzeichnis | 72 | |
| Anhang | 78 |
Textprobe:
Kapitel 3.7, Auswirkungen von Indexveränderungen:
Die Zugehörigkeit zu einem Aktienindex bedeutet für die entsprechenden Unternehmen vor allem einen höheren Bekanntheitsgrad aufgrund der häufigeren Erwähnung in den Medien, insbesondere im Zusammenhang mit dem Index. Dadurch steigt die Aussicht auf eine bessere Kursentwicklung der Aktie, eine verbesserte Handelbarkeit derselbigen und es könnten zusätzliche und kostengünstigere Kapitalquellen erschlossen werden. Des Weiteren kann die Aktionärsbasis erweitert und durch neue beziehungsweise größere institutionelle Investoren stabilisiert werden. Nachteilig wirken sich allerdings die zusätzlichen Pflichten, die mit der Indexaufnahme einhergehen sowie die stärkere Beobachtung durch den Markt auf die in einen Index aufzunehmende Gesellschaft aus.
Stehen Unternehmen vor einer Aufnahme oder Ausscheidung aus einem Index, kommt es in den meisten Fällen zu anormalen Entwicklungen im Markt für die Aktien der betreffenden Unternehmen. Bei der Untersuchung dieser Indexeffekte anhand des FTSE-100 fand Bettscheider heraus, dass die Aktienkurse des aufzunehmenden Wertes vor dem Tag der Indexaufnahme steigen, die des aus dem Index Fallenden dagegen sinken. Nach der Indexveränderung beginnen die Kurse der neu aufgenommenen Indexgesellschaft allerdings wieder zu fallen und die der abgegangenen Gesellschaft steigen wieder. Des Weiteren steigt der Börsenumsatz der entsprechenden Aktien genau am Tag der Indexanpassung signifikant an. Auch die Volatilität nimmt an den Tagen um den Umsetzungstermin zu. Diese Effekte resultieren, neben den oben genannten Gründen, ganz besonders aus der Tatsache, dass Indexfonds, ETFs oder aktiv gemanagte Fonds und Anleger, die ihre Anlagestrategie stark an einem Index ausrichten, diesen mit den entsprechenden Gewichten abbilden beziehungsweise sich daran orientieren müssen. Daher müssen sie aus dem Index ausscheidende Aktien verkaufen und die neu hinzukommenden kaufen, was zu den genannten Effekten führt. Nach der Indexanpassung werden die Effekte wieder größtenteils korrigiert und es wird annähernd das gewohnte Maß erreicht. Die Liquidität in der neuen Indexaktie hat sich ungeachtet dessen verdoppelt, während sich die des Indexabgangs halbiert hat.
Ähnlich anormale Marktentwicklungen sind beim sehr breit angelegten Russell 1000, 2000 und 3000 Index zu beobachten. Die Indexzusammensetzung wird jedes Jahr am letzten Handelstag im Juni verändert. Dabei wurde untersucht, dass in den Jahren 1996 bis 2001 die Indexgesellschaften, welche neu in den Russell 3000 aufgenommen wurden, im Juni um durchschnittlich 15 Prozent besser als die Indexabgänge und im Juli 5 Prozent schlechter abschnitten. Dies resultiert daraus, dass in dieser Zeit die Indexfonds, welche den Index abbilden, nahezu zeitgleich die Zugänge kaufen und die Abgänge verkaufen müssen. Den Effekt verstärkend kommt noch hinzu, dass aufgrund der großen Marktbreite des Russell 3000 auch viele kleinere Gesellschaften darin enthalten sind, welche aufgrund ihrer Größe sehr sensitiv auf die Fondskäufe und –verkäufe reagieren. Die Kursumkehrung im Juli gleich nach der Indexanpassung zeigt allerdings, dass dieser Effekt nur vorübergehend ist.
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http://www.diplom.de/ean/9783836642880
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