Implementierung und Nutzung eines Ratingssystems im Rahmen von Basel II
Chancen und Risiken aus der Sicht der Kreditinstitute
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Chi Lap Hoang
- Abgabedatum: Dezember 2002
- Umfang: 84 Seiten
- Dateigröße: 2,3 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6387-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6387-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6387-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hoang, Chi Lap Dezember 2002: Implementierung und Nutzung eines Ratingssystems im Rahmen von Basel II, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Banken, Rating, Bonitätsprüfung, Baseler Konsultationspapier, Ratingsystem
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Diplomarbeit von Chi Lap Hoang
Problemstellung:
Die aktuelle Diskussion über die neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (kurz: Basel II) zeigt, dass noch nicht alle Fragen geklärt sind und viele Punkte dieses Papiers weiterhin kontrovers diskutiert werden. Es wird von verschiedenen Stellen eine Überarbeitung von Basel II gefordert.
Für die Sparkassen-Finanzgruppe beispielsweise geht es nicht nur um die Frage der differenzierteren risikoorientierten Eigenkapitalunterlegung bei Kreditinstituten, die mit der Stabilität des Finanzsystems verbunden ist, sondern auch um die Veränderung der Rahmenbedingungen der Kreditkonditionen und Transparenz in der Beziehung zwischen Kunden und Kreditinstitut. Dabei sollte eine sichere und zuverlässige Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen gewährleistet werden.
Die Sparkassen-Finanzgruppe befürwortet die Forderung nach einem effizienteren Eigenkapitaleinsatz und bessere Risikozuordnung, aber lehnt insgesamt einen höheren Eigenkapitaleinsatz ab. Kritisiert werden die zu hohen Kapitalunterlegungssätze, die nach Praxiseinschätzung nicht begründet sind. Erste Proberechnungen hätten dies bestätigt. Die Eigenkapitalbelastungen für die Institute müssen im Vergleich zu den bisherigen Vorschlägen deutlich gesenkt werden. Weiterhin haben die Proberechnungen ergeben, dass das interne Rating bei der Firmenkundenbewertung deutlich teurer für die Kreditinstitute wird als der herkömmliche Ansatz. Dadurch ergibt sich kein Anreiz zur Verwendung modernerer Risikomanagementinstrumente. Insgesamt ergeben sich zehn wichtige Kernforderungen der Sparkassen-Finanzgruppe, die an den Baseler Ausschuss herangetragen werden.
Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen klagen über die schlechte Versorgung mit Bankkrediten und befürchten eine Verschärfung der Situation durch Basel II. Dadurch würde die Kreditaufnahme für den Mittelstand erschwert werden und ihn im internationalen Wettbewerb schwächen. Nach ihrer Ansicht werden sich die Kredite erheblich verteuern. Aufgrund der hohen Kosten eines externen Ratings, stellt sich die Frage nach einem erschwinglichen Ratingverfahren. Weiterhin stellen die erforderlichen Transparenzanforderungen die Unternehmen vor weiteren Problemen, da sie aufgrund des internen Ratingverfahrens ihre vertrauliche Daten preisgeben müssen.
Auch bei den Experten herrscht noch Unklarheit darüber, wie sich die neuen Basler Regeln auf die Unternehmensfinanzierung auswirken werden. Es ist abzusehen, dass die Gewinner die Unternehmen mit guter Bonität sein werden.
Einer Studie der Universität Hamburg nach nehmen einige Banken in ihrer Kreditvergabepolitik die strengeren Baseler Kriterien schon vorweg. Sie bevorzugen jetzt schon große Firmen mit positiver Gewinnentwicklung und handeln somit risikominimierend. Damit setzen sie aber langjährige Beziehungen mit Unternehmen schlechterer Bonität aufs Spiel, die eventuelle Existenzprobleme besitzen und zerstören somit langjährige Geschäftsbeziehungen.
Weiterhin wird die termingerechte Einrichtung der internen Ratingsysteme die Banken vor Probleme stellen. Auch die Beschaffung eines angemessenen Datenbestandes zur Erfassung der Kreditrisiken dürfte sich als schwierig gestalten. Gerade kleinere Institute dürften mit dem stellenweise hohen Detaillierungsgrad und Komplexität der vorgeschlagenen Regelungen erhebliche Probleme haben. Deshalb sollten die einzelnen Scoring- und Ratingverfahren der Kreditinstitute miteinbezogen werden. Die Beschlüsse werden aber auch die Weiterentwicklung der internen Ratingverfahren, vor allem der Messungs- und Steuerungsverfahren verstärken. Grundsätzlich wird Basel II als ein Schritt in die richtige Richtung betrachtet, wenn auch in vielen Punkten noch Kalibrierungsbedarf herrscht und viele Antworten offen bleiben.
Aus dem wissenschaftlichen Bereich wird außerdem Kritik an Basel II laut. Sieben Professoren der London School of Economics kritisieren, dass die Vorschläge nicht die Tatsache der Endogenität von Risiken berücksichtigen.
Nach ihrer Ansicht können die verwendeten Value-at-Risk-Modelle zu einer Destabilisierung der Wirtschaft beitragen und zu Zusammenbrüchen bei Firmenkunden führen, die andernfalls nicht auftreten würden. Sie halten die vom Baseler Ausschuss vorgeschlagenen Risikomodelle für untauglich und bezweifeln darüber hinaus die Qualität der Kreditratings von externen Agenturen, da sich ihre Ergebnisse schon oft als inkonsistent erwiesen hätten und ihre Risikoeinschätzung in der Regel nicht überprüfbar seien. Die Modellierung von operationellen Risiken sei angesichts der derzeitigen Datenbasis und Technologie unmöglich.
Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung wird auf jeden Fall weitreichende Auswirkungen auf die Kreditinstitute haben. Diese stehen vor erheblichen organisatorischen und technischen Problemen. Basel II erfordert eine Überprüfung aller mit dem Eingehen und der Erfassung von Kredit- und operationellen Risiken verbundenen Abläufe und Prozesse in den Banken. Weiterhin erfolgen umfangreiche qualitative Anforderungen an die Organisation, die Risikostruktur, die Prozesse und die Datenqualität der Institute.
Der Stand der derzeitigen Diskussionen zeigt, dass noch einige Modifikationen von verschiedenen Seiten verlangt wird und eine endgültige Umsetzung von Basel II derzeit noch offen bleibt.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| 1. | Einleitungsteil | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielvorstellung | 3 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 4 |
| 2. | Veränderte Rahmenbedingungen für die Kreditinstitute durch Basel II | 5 |
| 2.1 | Die Idee von Basel II | 5 |
| 2.1.1 | Das Problem der Eigenkapitalunterlegung | 6 |
| 2.1.2 | Von Basel I zu Basel II | 7 |
| 2.2 | Die Inhalte von Basel II | 8 |
| 2.2.1 | Die Ziele von Basel II | 8 |
| 2.2.2 | Der „Drei-Säulen-Ansatz“ | 9 |
| 2.3 | Das Rating vor dem Hintergrund von Basel II | 16 |
| 2.3.1 | Die Entstehung und Bedeutung des Ratings | 16 |
| 2.3.2 | Das interne Rating | 18 |
| 2.3.3 | Das externe Rating | 21 |
| 2.3.4 | Der Vergleich zwischen internen und externen Rating | 28 |
| 3. | Zur Implementierung und Nutzung eines firmenkundenbezogenen Ratingsystems | 30 |
| 3.1 | Der derzeitige Kreditvergabeprozeß | 30 |
| 3.1.1 | Klassische Bonitätsprüfung | 30 |
| 3.1.1.1 | Traditionelle Jahresabschlussanalyse | 31 |
| 3.1.1.2 | Einbezug von qualitativen Informationen | 34 |
| 3.1.2 | Diskriminanzanalyse | 37 |
| 3.1.3 | Neuere Ansätze | 40 |
| 3.1.3.1 | Künstliche Neuronale Netze | 40 |
| 3.1.3.2 | Expertensysteme | 42 |
| 3.2 | Die Bonitätsprüfung anhand eines Ratingsystems | 44 |
| 3.2.1 | Ratingsystem der Bundesbank | 45 |
| 3.2.2 | Ratingsystem der Commerzbank | 49 |
| 3.3 | Anforderungen eines Ratingsystems in Hinblick auf Basel II | 51 |
| 3.3.1 | Aufbau des Ratingsystems | 51 |
| 3.3.2 | Anforderungen an das Ratingverfahren | 53 |
| 3.3.3 | Anforderungen an die Organisation der Bank | 55 |
| 4. | Möglichkeiten und Grenzen eines Ratingssystems in Hinblick auf Basel II | 56 |
| 4.1 | Aus interner Sicht der Bank | 56 |
| 4.2 | Aus externer Sicht des Kreditnehmers | 58 |
| 4.3 | Veränderung der Kreditbeziehung | 60 |
| 5. | Die aktuelle Diskussion um Rating bei Basel II | 62 |
| 5.1 | Thesen zum Rating in Hinblick auf Basel II | 62 |
| 5.2 | Beurteilung der Thesen | 62 |
| 5.3 | Ausblick: Basel II bedeutet mehr Chancen als Risiken | 69 |
| 6. | Anhang | 72 |
| 6.1 | Definition von kleinen und mittleren Unternehmen | 72 |
| 6.2 | Eigenkapitalbelastungen nach QIS 2.5 | 72 |
| 6.3 | Fremdkapitalquellen | 73 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 74 |
37 Es wurde in verschiedenen Studien festgestellt, dass die oberste Führungsebene in den erfolgreichen Unternehmen eine deutlich höhere Betriebszugehörigkeit aufweist als in weniger erfolgreichen Unternehmen.60 Zudem haben sie eine größere Anzahl verschiedener Funktionen innegehabt. Außerdem zeichnen sie sich durch außergewöhnliches Engagement aus, dass gekennzeichnet ist durch erheblich höhere Arbeitszeiten als die der Angestellten und intensiverer Anteilnahme am alltäglichen Einzelheiten des Geschäfts. Weiterhin beeinflusst bei personenbezogenen Unternehmen der private Lebensstil die Privatentnahmen und muß dementsprechend berücksichtigt werden. Eine vorher geklärte Unternehmensnachfolge ist positiv zu bewerten. • Finanzplanung Diese ist notwendig, um Aufwendungen, Erträge und Bilanzdaten vorausschauend darzustellen. „Finanzplanung heißt begrifflich zukünftige Einnahmen– wie Ausgabenströme systematisch zu ordnen“61. Es kann damit schnell nachgerechnet werden, wie sich die notwendigen Anpassungen an Markterfordernissen auf Bilanz und Liquidität auswirken. Weiterhin lassen sich dadurch u.a. der betriebsnotwendige Umsatz (break-even), die Kapitaldienstgrenze, die optimale Planungsalternative und marketingrelevante Größen bestimmen. • Forschung und Entwicklung Durch die Forschung und Entwicklung sollen Chancen in der Zukunft erkannt werden. Neue und innovative Produkte sorgen für entsprechende Einnahmen und sichern den Unternehmenserfolg. Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, indem sie neue Produkte und Produktverbesserungen in Zusammenarbeit mit Kunden entwickeln und umsetzen.62 Weiterhin besitzen sie die Fähigkeit, ihre Mitarbeiter zu Initiative und Kreativität bezüglich Innovationen anzuregen. Die Innovationen beziehen sich auch auf Prozesse. Weitere qualitative Informationen lassen sich im Bereich des Bilanzierungsverhaltens, des Personals, des Umweltschutzes und des Marketings untersuchen. Die quali60 61 [...]
34 dauert die Liquidierung von kurzfristig fälligen Forderungen. Die schlechteste Liquidierbarkeit innerhalb des Umlaufvermögens hat das Lagervermögen. Rentabilität und Ertragskraft sind Faktoren, die für den Fortbestand des Unternehmens unverzichtbar sind. Im Verlauf einer Krise ist die Erfolgskrise zeitlich der Liquiditätskrise vorgelagert.54 Auch bei guter Liquidität sind schlechte Rentabilitätskennziffern ein ernster Krisenindikator. Nach einer Untersuchung der Deutschen Bundesbank lag die Umsatzrendite in 68% der Konkursfälle unter 1%.55 Es muss aber berücksichtigt werden, dass die Umsatzrendite stark branchenabhängig ist. Gewährte und erhaltene Zahlungsziele, die die Dauer der Kapitalbindung maßgeblich beeinflussen und die Umschlaghäufigkeiten des Lagers, die die Höhe der Kapitalbindung innerhalb des Produktionsprozesses messen, zeigen den Zusammenhang zwischen Liquidität und Umlaufvermögen. Aus dieser Größe lässt sich die Vorfinanzierungsbelastung für das Unternehmen aus der Struktur des Umlaufvermögens ablesen. Dadurch lässt sich noch keine Krise ableiten, da diese Aussagen vom Produktionsverfahren und der gewählten Organisationsform abhängig sind. Durch einen Branchenvergleich ergeben sich aber Aufschlüsse über die Fähigkeit des Managements, ob die vorhandenen Mittel gegenüber der Konkurrenz besser eingesetzt worden sind. Die Vorteile der Bilanzanalyse sind die niedrigen Informationskosten, da die Jahresabschlussdaten der Bank in den meisten Fällen vorliegt oder leicht beschaffbar ist.56 Außerdem ermöglicht die hohe Standardisierung der Datenauswertung eine kurze Bearbeitungszeit für die Kreditentscheidung. Zu den Schwierigkeiten der Bilanzanalyse gehört einerseits die Vielzahl von Kennziffern, deren Interpretation und Zusammenführung Probleme bereitet. Die andere Schwierigkeit besteht in der Beeinflussbarkeit der Kennzahlen und Messgrößen durch den Bilanzierenden. Ein weiterer Schwachpunkt ist der starke Vergangenheitsbezug, der durch spätes Einreichen verschärft wird. Weiterhin baut die traditionelle Bilanzanalyse auf die subjektive Einschätzung des Kreditsachbearbeiters auf. Damit [...]
33 spielräume wird mit der Kapitalstruktur bzw. der Verschuldungsrate gemessen. Eine niedrige Eigenkapitalquote wurde in sehr vielen insolventen Unternehmen beobachtet. Bei der Belastung aus der Verschuldung ist zu beachten, dass eine höhere Verschuldung im positiven Sinn zu einem Hebel für die Eigenkapitalrentabilität werden kann, wenn die erzielte Gesamtkapitalrendite über dem Fremdkapitalzins liegt (Leverage-Effekt). Mit den Kennziffern der dynamischen Verschuldungsgrade, der Kapitaldienstgrenze und der Zinsdeckungsrate wird der Cash-Flow als Maß für die erwirtschaftete Liquidität den gesamten Fremdmitteln bzw. der Belastung aus der Verschuldung (kurz-, mittel- und langfristigen Verbindlichkeiten, Rückstellungen, passive Rechnungsabgrenzungsposten, Zins u.a.) gegenübergestellt. Damit lassen sich Aussagen über die Selbstfinanzierungskraft und die Unternehmensfinanzierung treffen. Durch die Kombination von dynamischer Ertragskraft und statischer Verschuldung lassen sich schon geringste Veränderung der Ertragskraft erkennen und Rückschlüsse auf die Qualität der unternehmerischen Finanzierungspolitik ziehen: Je geringer der dynamische Verschuldungsgrad ist, um so schneller kann das Unternehmen seine Schulden tilgen.53 Mit dem dynamischen Verschuldungsgrad lässt sich die Frage beantworten, ob ein Unternehmen in der Lage sein wird, aufgenommene Kredite in dem vorgesehenen Zeitraum zu tilgen. Eine starke Verschuldung bei stagnierenden Unternehmen, ausgedrückt durch einen hohen dynamischen Verschuldungsgrad, ist kritisch zu beurteilen. Dagegen sorgen hingegen in Wachstumsbranchen gute Erträge und hohe Abschreibungen selbst bei einer hohen Verschuldung oft noch einen akzeptablen dynamischen Verschuldungsgrad. Die Liquidität stellt eine notwendige Bedingung für die Existenz des Unternehmens dar. Dazu wird die Liquidität, strukturiert nach Graden der Liquidierbarkeit, mit den Verbindlichkeiten, die kurzfristig fällig gestellt werden können, verglichen. Die Liquidität 1. Grades sind die Kassenbestände, das Bankguthaben und die Wertpapiere des Umlaufvermögens in Relation zu kurzfristigen Verbindlichkeiten. Etwas länger [...]
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