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Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen

Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christoph Oldekop
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 72 Seiten
  • Dateigröße: 622,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Helmut Schmidt Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9454-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9454-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9454-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Oldekop, Christoph November 2005: Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Investitionsrechnung, Investition, Principle-Agent-Theorie, Realoptionstheorie, Option

Diplomarbeit von Christoph Oldekop

Problemstellung:

Da weite Teile der Praxis und Wissenschaft dem Realoptionsansatz sehr skeptisch und ablehnend gegenüberstehen, während die Vertreter dieses Ansatzes ihn im Gegensatz als wesentliche Verbesserung zu bisherigen Investitionsrechenverfahren ansehen, lohnt sich die kritische Untersuchung hinsichtlich der theoretischen und praktischen Stärken sowie der die Skepsis erzeugenden Schwächen.

Realoptionsansätze werden in Unternehmen in verschiedener Art und Weise eingesetzt. Zum einen wird der Ansatz als generelle Denkweise zur qualitativen Beurteilung von Entscheidungsproblemen verwendet. Weiterhin dient er als Instrument der strategischen Planung, um Realoptionen zu identifizieren, aufzubauen und zu managen. Die dritte und in dieser Arbeit schwerpunktmäßig untersuchte Verwendungsmöglichkeit besteht darin, den Realoptionsansatz als quantitatives Bewertungsinstrument anzuwenden, indem unternehmerische Flexibilität mit Methoden der Finanzoptionstheorie bewertet wird und so den Gesamtwert einer Investition potentiell erhöht.

Dass in einer immer dynamischeren Umwelt vor allem Unternehmen mit hoher Flexibilität hohe Gewinnchancen haben, steht unzweifelhaft fest, und der generelle Wert von Handlungsspielräumen wird auch von Kritikern des Realoptionsansatzes nicht bestritten. Die monetäre Bewertung dieser unternehmerischen Freiheitsgrade mit analog angewandten Verfahren aus der Finanzoptionspreistheorie wird jedoch angezweifelt.

Eine kritische Analyse des Realoptionsansatzes hat daher zu fragen, ob eine Analogie zwischen Finanzoptionen und unternehmerischer Flexibilität soweit besteht, dass die identischen Bewertungsverfahren theoretisch angewendet werden dürfen und von Praktikern angewendet werden können. Die investitionstheoretischen Probleme werden in dieser Arbeit ebenso wie die Operationalisierbarkeit des Realoptionsansatzes in der Praxis untersucht. Es wird anhand von Parameterermittlung, Prämissen und Limitationen der vermeintlichen Analogie zwischen Investitionsflexibilität und Finanzoptionen überprüft, inwieweit es zulässig ist, die Bewertungsmethoden, die speziell für Finanzoptionen entwickelt worden sind, auf reale Investitionsprojekte zu übertragen.

Die Gründe für eine fehlende Akzeptanz in der Praxis sind neben der investitionstheoretischen Perspektive ebenso aus dem Blickwinkel sinnvoller Anwendungsmöglichkeiten und Schwierigkeiten der Implementierung zu analysieren.

Der zukünftige Grad der Akzeptanz des Realoptionsansatzes in Wissenschaft und Praxis hängt wesentlich davon ab, ob zu betrachtende Vorwürfe gegen den Ansatz entkräftet werden können oder durch vorhandene Stärken relativiert werden.

Gang der Untersuchung:

Zunächst werden die Schwächen der bisher angewendeten Investitionsrechenverfahren insbesondere der standardmäßig angewandten Kapitalwertmethode erläutert, die den Realoptionsansatz als den traditionellen Bewertungsverfahren überlegenen Ansatz erscheinen lassen. In diesem Zusammenhang werden die Eigenschaften von Irreversibilität, Flexibilität und Unsicherheit bei realen Investitionen als notwendige Voraussetzungen für eine Fehlbewertung durch die Kapitalwertmethode sowie für die Werthaltigkeit von Handlungsspielräumen erläutert.

Der Begriff der Realoption wird anschließend definiert, um die darauf folgende konzeptionelle Analogie zwischen Finanzoptionen und Handlungsspielräumen im Rahmen realer Investitionsmöglichkeiten zu begründen.

Im dritten Abschnitt werden Realoptionstypen anhand von Eigenschaftsmerkmalen näher betrachtet, damit eine über die allgemeine Begriffsdefinition hinausgehende Identifizierung und Kategorisierung von Realoptionen erfolgen kann.

Allgemeine Begriffsbestimmungen, theoretische Wertgrenzen und die beiden prominentesten Bewertungsverfahren der Finanzoptionstheorie werden in Abschnitt 4 erläutert.

Die bei der Ermittlung der Bewertungsparameter für eine Realoptionsbewertung zu berücksichtigenden Besonderheiten werden ausführlich im fünften Abschnitt behandelt.

Eine kritische Würdigung des Realoptionsansatzes erfolgt in Abschnitt 6 unter besonderer Berücksichtigung der Limitationen der Analogie zwischen Finanzoptionen und Realoptionen, der speziell aus dem Realoptionsdenken entstehenden Principle- Agent- Problematik sowie praxisorientierten Implementierungsproblemen.

Kapitel 7 gibt eine abschließende zukunftsorientierte Anwendbarkeitseinschätzung des Realoptionsansatzes. Dabei werden die neben der Bewertung bestehenden Einsatzbereiche von Realoptionen mit einbezogen.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
SYMBOLVERZEICHNIS V
1. NEUES STANDARDVERFAHREN IST KEIN STANDARD 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Untersuchung 3
2. MOTIVE FÜR VERWENDUNG DES REALOPTIONSANSATZES 3
2.1 Voraussetzungen für den Wert von Handlungsspielräumen 5
2.1.1 Irreversibilität 5
2.1.2 Flexibilität 6
2.1.3 Unsicherheit 7
2.2 Begriffsbestimmung Realoption 8
2.3 Analogie zwischen Finanzoptionen und Handlungsspielräumen 10
3. TYPEN VON REALOPTIONEN 12
3.1 Flexibilitätsoptionen 13
3.1.1 option to wait – Warte- und Lernoption 13
3.1.2 option to default during staged construction- Verzögerungsoption 14
3.1.3 option to switch input and output- Wechseloption 14
3.1.4 option to abandon- Abbruchoption 15
3.1.5 option to shut down and reopen– Schließungs- und Wiedereröffnungsoption 15
3.1.6 option to expand and to contract capacity 16
3.2 Wachstumsoptionen- the option to expand 16
4. BEWERTUNG VON FINANZOPTIONEN 17
4.1 Theoretische Bewertungsgrundlagen 17
4.1.1 Modellunabhängige Wertgrenzen und Wertrelationen von Optionen 18
4.1.2 Prinzip der Arbitragefreiheit als Bewertungsgrundlage 19
4.2 Das Binomialmodell 21
4.3 Das Black und Scholes – Modell 23
5. ERMITTLUNG DER PARAMETER ZUR REALOPTIONSBEWERTUNG 25
5.1 Basiswert 26
5.2 Volatilität 28
5.3 Risikoloser Zins 30
5.4 Laufzeit , Ausübungspreis und Dividenden 32
6. DIFFERENZIERTE WÜRDIGUNG DES ANSATZES 34
6.1 Vorteile des Realoptionsansatzes 34
6.2 Limitationen und Vorbehalte hinsichtlich der Analogie 36
6.2.1 Unschärfe 37
6.2.2 Marktunvollkommenheiten 39
6.2.3 Endogenität und mangelnde vertragliche Fixierung 41
6.2.4 Interaktionen und multiple Unsicherheitsquellen 42
6.2.5 Exklusivität und Wettbewerbseffekte 45
6.3 Analogiegrenzen und ihre Auswirkungen 46
6.4 Probleme der praktischen Implementierung 48
6.5 Principle- Agent- Probleme des Realoptionsansatzes 50
7. ANWENDBARKEITSORIENTIERTER AUSBLICK 52
LITERATURVERZEICHNIS 57
EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG 68

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der Verlauf des Basiswertes wird bei Realoptionsmodellen meist als geometrische Brownsche Bewegung mit Drift modelliert.150 Die relativen Veränderungen des Wertes bleiben dabei im Zeitablauf konstant und die Zufallsvariable kann keinen negativen Wert annehmen. Aufgrund des Random Walk sind Varianz und Erwartungswert im Zeitverlauf nicht begrenzt.151 Bei realen Investitionen von geometrischer Brownscher Bewegung als stochastischem Prozess auszugehen, erscheint subjektiv, da in der Realität Wertentwicklungen nicht zwingend der stochastischen Funktion des geometrischen Brownschen Prozesses folgen. Denkbar sind etwa auch mean- reverting- Prozesse, bei denen die Wertentwicklung sich langfristig an einem konstanten Wert orientiert und nur temporär von diesem abweicht. Auch jump- Prozesse, die sprunghafte Wertentwicklungen etwa durch technologische Neuerungen abbilden, können modelliert werden.152 Der Optionswert wird wesentlich durch den bei der Basiswertentwicklung unterstellten stochastischen Prozess beeinflusst.153 Die Schwierigkeit besteht also darin, einen die künftige Wertentwicklung möglichst genau abbildenden stochastischen Prozess auszuwählen. Man greift dabei auf vorhandene statistische Daten von Werttreibern zurück.154 Es ist jedoch keinesfalls zwingend, dass der gewählte Prozess die Realität über die gesamte Projektlebenszeit adäquat abbildet, und ob nicht im Zeitverlauf wechselnde Prozesse zu optimaleren Ergebnissen führen würden. [...]

Wertpapieren und Realinvestitionen ist bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, so dass es an adäquaten Daten zur Bestimmung eines Substitutes mangelt.141 Bei Investitionen, die nur mit Hilfe eines hochkomplexen Portfolios nachgebildet werden können, führt dies eventuell zur praktischen Unbestimmbarkeit des perfekt korrelierten Portfolios.142 Insbesondere bei Investitionen, die einen hohen Innovationsgrad aufweisen, ist die konkrete Ermittlung des twin assets problematisch, da dies die Bestimmung der exakten Risikostruktur eines erst zu schaffenden Basiswertes erfordert.143 Hommel/Pritsch schlagen vor, dass in solchen Situationen ein risikoadjustierter Barwert anhand von geschätzten freien Cash Flows und des Residualwertes berechnet wird.144 Dieser auf Copeland und Antikarov zurückzuführende Marketed Asset Disclaimer – Ansatz berücksichtigt, dass ein perfekt korreliertes twin asset in der Praxis kaum zu finden sein wird. Zur Bildung des Duplikationsportfolios wird an Stelle eines gehandelten twin assets der Barwert der Cash Flows der Investition herangezogen.145 Dies wird damit begründet, dass der Barwert ohne Flexibilität der beste Schätzwert für den Barwert unter Berücksichtigung der Flexibilität sei.146 Die traditionelle Kapitalwertmethode wird explizit als wesentlicher Teil der Bewertung genutzt, daher unterliegt der Ansatz keinen weiteren Einschränkungen als die Kapitalwertmethode.147 Gleichzeitig entfernt sich der Ansatz damit von der marktorientierten Optionspreistheorie, und als verwendete Marktdaten treten nur die risikoadjustierten Kapitalkosten der Unternehmung als Diskontierungszinssatz auf.148 Dabei taucht wieder die bekannte Problematik der risikoadjustierten Diskontierung auf, deren Umgehung als vermeintlicher Vorteil gegenüber den traditionellen Verfahren angeführt worden ist. Die theoretische Möglichkeit, dass ein Duplikationsportfolio mit marktgehandelten Positionen aufgebaut werden könnte, wird von diesem Ansatz nicht berücksichtigt. Die Spanning- Bedingung wird quasi aufgehoben. Der Marketed Asset Disclaimer-Ansatz könnte gerechtfertigt sein, wenn die Investition keinerlei Bezug zum Kapitalmarkt hätte.149 Die marktorientierte Bewertung stellt aber das Kernstück des gesamten Realoptionsansatzes dar. [...]

wobei N (.) der kumulierten Standardnormalverteilung entspricht. T stellt die Restlaufzeit der Option in Jahren dar. σ2 bezeichnet die Volatilität des Basiswertes. K bezeichnet den Ausübungspreis. Die Anwendbarkeit des Black und Scholes- Modells beschränkt sich im Grundmodell allerdings auf europäische Optionen oder amerikanische Optionen, die während der Optionslaufzeit keine Dividenden ausschütten.129 Realoptionen hingegen weisen häufig Merkmale amerikanischer Optionen auf Basiswerte mit einer dividendenähnlichen Ausschüttung auf. Nur für den Spezialfall, dass die Wertminderung dieser Ausschüttung in diskreter, nicht stochastischer Weise erfolgt, ist die Ermittlung einer analytischen Lösungsformel möglich.130 Ein wesentlicher Erkenntnisfortschritt durch das Black und Scholes- Modell ergibt sich durch die entwickelten Sensitivitätskennziffern, die die Reagibilität des Optionswertes auf Veränderungen der einzelnen Parameter bei Konstanz der anderen Parameter messen.131 Die Volatilität besitzt dabei neben dem aktuellen Kurswert des Basisinstruments den größten Einfluss auf den Optionswert.132 Zur Ermittlung dieser informativen Kennziffern für Realoptionen ist es notwendig, die Inputdaten der Bewertungsparameter plausibel zu bestimmen. [...]

Arbeit zitieren:
Oldekop, Christoph November 2005: Zur Implementierung der Optionspreistheorie für reale Investitionen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Investitionsrechnung, Investition, Principle-Agent-Theorie, Realoptionstheorie, Option

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