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Implementierung und Evaluation einer Krebsnachsorge-Sportgruppe für Leukämie-, Lymphom- und knochenmarktransplantierte Patienten

Implementierung und Evaluation einer Krebsnachsorge-Sportgruppe für Leukämie-, Lymphom- und knochenmarktransplantierte Patienten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Constanze Handmann
  • Abgabedatum: Juni 2009
  • Umfang: 86 Seiten
  • Dateigröße: 3,5 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 112
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3542-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Handmann, Constanze Juni 2009: Implementierung und Evaluation einer Krebsnachsorge-Sportgruppe für Leukämie-, Lymphom- und knochenmarktransplantierte Patienten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Krebs, Sport, Bewegungstherapie, Hämatopoese, Leistungsfähigkeit

Diplomarbeit von Constanze Handmann

Einleitung:

‚Es gibt kein Medikament und keine Maßnahme, die einen vergleichbaren Effekt hat wie das körperliche Training. Gäbe es ein solches Medikament mit solch hervorragenden Wirkungen und quasi ohne Nebenwirkungen, wäre jeder Arzt gehalten, es zu verschreiben’, Zitat von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Wildor Hollmann.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland ca. 25.000 Erwachsene neu an einer Leukämie oder an einem malignen Lymphom. Diese Krankheiten sind im Allgemeinen bekannt unter den Namen Blut- bzw. Lymphdrüsenkrebs.

Derzeit liegen nur wenige wissenschaftliche Erfahrungen bewegungstherapeutischer Maßnahmen mit dieser Patientengruppe, sowie Patienten bei einer Knochenmarktransplantation vor. Diese beschränken sich fast ausschließlich auf den klinischen Bereich. Daten zur Umsetzung der dort gewonnenen Erfahrungen vom stationären in den anschließenden ambulanten Bereich sowie in den Alltagsbereich fehlen.

In den bisher bestehenden ambulanten Krebsnachorge-Sportgruppen sind 90% aller Teilnehmer Brustkrebspatientinnen. Gemischte Krebssportgruppen existieren nur wenige.

Für Leukämie- und Lymphompatienten ist deutschlandweit derzeit keine Reha-Sportgruppe bekannt. Es besteht demnach wahrscheinlich ein enormer Bedarf an Nachsorgegruppen, um den Krebspatienten durch ein Netz von Angeboten aufzufangen, wie es heute schon im Bereich der Herzsportgruppen üblich ist. Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine Krebsnachsorge-Sportgruppe für Leukämie-, Lymphom- und knochenmarktransplantierte Patienten gegründet, um auf diese Weise die sporttherapeutischen Möglichkeiten zu untersuchen sowie erste praktische Erfahrungen auf diesem Gebiet zu erhalten. In der vorliegenden Arbeit sollen die Einflüsse von Bewegung und Sport auf die physische, psychische und psychosoziale Verfassung des Krebspatienten wissenschaftlich evaluiert werden. Die Gründung dieser Gruppe und die wissenschaftliche Untersuchung der Auswirkungen wurden finanziell unterstützt von der Stefan-Morsch-Stiftung.

Inhaltsverzeichnis:

Widmung 3
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Medizinische Grundlagen 2
2.1 Hämatopoese 2
2.2 Leukämie 3
2.3 Maligne Lymphome 8
2.4 Knochenmark-/ Stammzelltransplantation 10
3. Problembesprechung 12
3.1 Körperliche Beschwerden bei Leukämie- und Lymphom- und knochenmarktransplantierten Patienten 12
3.2 Lebensqualität bei Leukämie- und Lymphom- und knochenmarktransplantierten Patienten 14
3.3 Fatigue bei Leukämie- und Lymphom- und knochenmarktransplantierten Patienten 17
3.4 Bewegung und Sport in der Onkologische Rehabilitation 20
3.4.1 Onkologische Rehabilitation 20
3.4.2 Bewegung und Sport in der onkologischen Rehabilitation 21
3.4.3 Rehabilitationssportgruppen am Wohnort 23
3.5 Bewegung und Sport bei Leukämie-, Lymphom- und knochenmarktransplantierten Patienten 24
3.5.1 Auswirkungen von Bewegung auf die körperliche Leistungsfähigkeit 25
3.5.2 Auswirkungen von Bewegung auf die Lebensqualität 26
3.5.3 Auswirkungen von Bewegung auf das Fatigue-Syndrom 27
3.6 Fragestellung 28
4. Methodik 29
4.1 Projektbeschreibung 30
4.2 Nordic-Walking 32
4.3 Bewegungstherapeutisches Angebot 33
4.4 Fahrradspiroergometrie 35
4.5 Die Fragebögen 36
4.5.1 EORTC QLQ-C30 36
4.5.2 FACIT-Fatigue 38
4.6 Messgrößen 38
4.7 Statistik 39
5. Ergebnisse 40
5.1 Körperliche Leistungsfähigkeit 40
5.2 EORTC QLQ-C30 44
5.2.1 Subjektive Lebensqualität 44
5.2.2 Funktionsskalen 44
5.2.3 Symptomskalen 47
5.2.4 Einzelitems 48
5.3 FACT- Fatigue 49
6. Diskussion 50
6.1 Methodenkritik 50
6.1.1 Nordic Walking 50
6.1.2 Bewegungstherapeutisches Angebot 51
6.1.3 Spiroergometrie 52
6.1.4 Fragebögen 53
6.2 Diskussion der Ergebnisse 55
6.2.1 Körperliche Leistungsfähigkeit 55
6.2.2 Lebensqualität und Fatigue 57
6.3 Zusammenhängende Diskussion 59
7. Zusammenfassung und Ausblick 61
8. Literaturverzeichnis 63
9. Anhang A 73
10. Anhang B 76

Textprobe:

Kapitel 3.1, Körperliche Beschwerden bei Leukämie- und Lymphom- und knochenmarktransplantierten Patienten:

Bei einer Leukämie- oder Lymphomerkrankung leiden viele der Patienten vor der Behandlung, wie unter Kapitel 2.2 näher erläutert, an den verschiedensten Symptomen. Hierzu zählen beispielsweise Anämie, Blutungen, Infektionen und Schmerzen. Die meisten der Patienten fühlen sich schon zu diesem Zeitpunkt müde und erschöpft und leiden oft unter Gewichtsverlust. Im Laufe ihrer Therapie müssen sich sehr viele der Leukämie- und Lymphompatienten aggressiven Behandlungen unterziehen. Hämato-onkologische Erkrankungen führen üblicherweise zu mehrwöchigen Krankenhausaufenthalten und werden nach unterschiedlichen individuellen Therapieprotokollen mit hochdosierter Chemotherapie behandelt. In der Regel führt diese Behandlung zu einer Aplasie, einer extremen Verminderung der weißen Blutzellen (Leukozyten), von mehreren Tagen bis Wochen. Durch den Einsatz dieser Hochdosis-Chemotherapien konnte zwar eine Verbesserung der Remissionsraten erreicht werden, aber diese höhere Dosisintensität bringt auch eine therapieassozierte Toxizität mit sich. Neben der Zerstörung der Tumorzellen wirken die Zytostatika auch auf gesundes Gewebe, insbesondere die Schleimhäute des Gastrointestinaltraktes oder die Zellen des hämatopoetischen Systems sind stark betroffen. Dies führt häufig zu gastrointestinalen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Mukositis und Diarrhoe. Durch die Schädigung des Knochenmarkes kommt es zunächst zu einer Reduktion der Leukozytenzahl, im weiteren Verlauf dann auch der Thrombozyten- und Erythrozytenzahl. Hierdurch kommt es infolgedessen zu erhöhter Infektanfälligkeit, Blutungsneigung und Anämie.

Eine weitere Problematik stellt die Mangelernährung der Patienten dar, die nicht nur aufgrund der eingeschränkten Lebensmittelauswahl während der Aplasie entsteht, sondern auch durch das häufige Erbrechen, Übelkeit und Diarrhoe. Dies führt in den meisten Fällen zu enormem Gewichtsverlust. Weitere mögliche Komplikationen betreffen das Nervensystem (z.B. Polyneuropathie) und die Atmungsorgane. Diese Auswirkungen der Therapie und der mitunter sehr lange Krankenhausaufenthalt führen, bei einem Grossteil der hämato-onkologischen Patienten, zusätzlich zu Bewegungsmangelerscheinungen und Bewegungsmangelerkrankungen. Es gibt nur wenige Patienten, die nicht ein bestimmtes Maß an Muskelabbau zu beklagen haben. Insbesondere der Muskelabbau von Rücken- und Beinmuskulatur führt zu Immobilität. Der Patient, dem oft noch Schonung und Ruhe empfohlen wird, begibt sich so durch .Ruhigstellung. in einen gefährlichen Teufelskreis aus Nebenwirkungen der medizinischen Behandlung und den negativen Folgen des Bewegungsmangels. Durch dieses Bewegungsverbot entsteht ein Verlust der körperlichen und psychischen Leistungsfähigkeit mit zunehmender Gefahr der Immobilität. Eine daraus resultierende wiederholte stationäre Aufnahme führt unter Umständen zu einem erneuten Bewegungsverbot, welches zu mehr Verunsicherung des Patienten führen kann. Es entsteht eine verstärkte Chronifizierung der beschriebenen Problematik, die für den Patienten eine zunehmende Einschränkung der aktiven Teilnahme am Familienleben, im Beruf und in der Gesellschaft bedeuten kann.

KÖRPERLICHE BESCHWERDEN IM RAHMEN EINER STAMMZELLTRANSPLANTATION:

Für Patienten, die sich einer Stammzelltransplantation unterziehen müssen, kommen zusätzlich zu den genannten krankheits- und therapiebedingten Beschwerden noch die spezifischen Auswirkungen der Transplantation hinzu. Auch im Falle einer erfolgreichen Therapie mit Stammzelltransplantation können diese Belastungen auftreten.

Die eigentliche Transplantation stellt einen einfachen und komplikationsarmen Eingriff dar. Problematisch sind die in den darauf folgenden Wochen und Monaten schweren und eventuell tödlichen Komplikationen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Infektionen und, bei der allogenen Stammzelltransplantation, um die so genannte Graft-versus-host-Reaktion. Diese Reaktion bedeutet, dass die Zellen des Empfängers die vom Spender empfangenen Stammzellen als .fremd. erkennen. Hierbei können entzündungsähnliche Reaktionen von Geweben des Knochenmarkempfängers auftreten. Zu den besonders betroffenen Geweben gehören die Haut, die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes sowie die Leber. Erstsymptome können Hautausschläge, Durchfälle und Ikterus (Gelbsucht), sowie verstärkte Immunschwäche und hohes Fieber sein. Des Weiteren können Probleme durch Spätfolgen entstehen, zu denen Grauer Star, Karies und Haarverlust zählen. Leider kann es auch zu Tumorrezidiven kommen.

Bei der autologen Stammzelltransplantation, bei denen der Patient zugleich Spender und Empfänger ist, entfallen zwar die Probleme der Graft-versus-host-Reaktion, dennoch können Komplikationen beispielsweise durch Pneumonitis und Infekte entstehen [KRONER 2006, S.169ff]. Auch hier besteht das Hauptproblem jedoch in Rezidiven der Grundkrankheit, wenn der Tumor durch die hochdosierte Chemotherapie nicht völlig zerstört wurde oder die retransfundierten Stammzellen mit Tumorzellen verunreinigt sind.

Arbeit zitieren:
Handmann, Constanze Juni 2009: Implementierung und Evaluation einer Krebsnachsorge-Sportgruppe für Leukämie-, Lymphom- und knochenmarktransplantierte Patienten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Krebs, Sport, Bewegungstherapie, Hämatopoese, Leistungsfähigkeit

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