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Immobilienzyklen in Deutschland

Ursachen und empirische Analyse

Immobilienzyklen in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nico Rottke
  • Abgabedatum: Januar 2001
  • Umfang: 119 Seiten
  • Dateigröße: 862,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5227-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5227-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5227-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rottke, Nico Januar 2001: Immobilienzyklen in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Zyklus, Strategie, Konjunktur, Bauwirtschaft

Diplomarbeit von Nico Rottke

Einleitung:

Auf dem Frankfurter Büroflächenmarkt verzeichnen monatliche Spitzenmieten für Büroimmobilien in zentraler Lage folgenden Verlauf: von 1985 bis 1991 stiegen diese Mieten um ca. 170%, worauf sie von 1991 bis 1995 wieder um ca. 30% nachgaben, um von 1995 bis 2000 wieder um über 27% zu steigen.

Dieses Beispiel versinnbildlicht die enorme praktische Wichtigkeit von Immobilienzyklen für die deutsche Immobilien- und Bauwirtschaft: Für Investoren, Finanzierer oder Bewerter ebenso wie für Projektentwickler sind Schwankungen, wie die oben aufgezeigten, Schlüsselinformationen. Der Investor verlangt eine angemessene Rendite, der Finanzierer die Rückzahlung seines Kredites, der Bewerter benötigt die „nachhaltige“ Miete eines Objektes, um so möglichst genau einen „fairen Marktwert“ berechnen zu können, und der Projektentwickler möglichst hohe, konstante Cash Flows, um eine Finanzierung für seine Objekte von den Banken zu erhalten. Pyhrr, Roulac und Born unterstützen diese Wichtigkeit durch eine Studie, nach der 80% von 685 befragten „real estate plan sponsors” angeben, dass Immobilienzyklen und ihre Vorhersehbarkeit zu den drei wichtigsten Forschungsgebieten der Immobilienökonomie zählen.

Die theoretische Wichtigkeit des Themas wird deutlich, wenn man Bezug auf das Rahmengerüst zur Immobilienökonomie als wissenschaftliche Disziplin, verbildlicht als das „Haus der Immobilienökonomie“ nimmt, das an der European Business School gelehrt wird. So stellt der Begründer dieses Bezugsrahmens, Prof. Dr. Karl-Werner Schulte, fest, dass viele Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen Volkswirtschaftslehre und Immobilienökonomie unzureichend erforscht sind, wie bspw. der Zusammenhang zwischen gesamtwirtschaftlichen Konjunktur- und Immobilienzyklen.

Daraus ergeben sich die Ziele für die vorliegende Arbeit, die sich methodisch und inhaltlich aufteilen lassen. Methodisch soll ein Beitrag zur Erforschung von Immobilienzyklen und deren Ursachen in Deutschland geleistet werden. Insbesondere in Deutschland ist ein solches Unterfangen mit Datenproblemen behaftet, da es für deutsche Immobilienteilmärkte nur wenige repräsentative lange Zeitreihen gibt. Zudem existiert kaum deutsche Literatur zu diesem Forschungsgebiet. Deshalb ist es ebenfalls Ziel der Arbeit, auf Basis einer Analyse der angloamerikanischen Literatur Anwendungen für deutsche Immobilienmärkte zu finden.

Inhaltlich sollen vier Ziele erreicht werden: Zuerst soll das Phänomen der Immobilienzyklen abgegrenzt und systematisiert werden, da dies in der bestehenden Literatur sehr uneinheitlich geschieht. Dabei soll aufgezeigt werden, wie das Thema in den Gesamtzusammenhang einzuordnen ist. Zweitens sollen die endogenen Ursachen von Immobilienzyklen theoretisch erarbeitet und in den Kontext zu den exogenen Ursachen gesetzt werden. Es soll u.a. gezeigt werden, warum es „den“ typischen Immobilienzyklus nicht gibt. Es soll drittens anhand einer empirischen Analyse belegt werden, inwieweit und welcher Form (Büro)Immobilienzyklen in Deutschland vorkommen. Viertens ist es Ziel der Arbeit, Handlungsempfehlungen für Investoren, Projektentwickler und Mieter aus der empirischen Analyse abzuleiten, um Immobilienzyklen handhabbar zu machen, sie also in das operative Geschäft zu integrieren.

Die oben gesetzten methodischen und inhaltlichen Ziele werden von 38 Abbildungen und 9 Tabellen grafisch verdeutlicht. 5 Interviews mit Experten aus Theorie des Forschungsgebiet, aber vor allem aus der Praxis, gewährleisten die Praxisnähe der Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Gang der Untersuchung und Abgrenzung 2
2. Theoretische und konzeptionelle Grundlagen 4
2.1 Begriffsabgrenzung 4
2.1.1 Zyklen 4
2.1.2 Immobilienzyklen 6
2.2 Systematisierung von Immobilienzyklen 8
2.2.1 Ansatz von Pyhrr und Born 8
2.2.2 Ansatz von Grissom und DeLisle 9
2.2.3 Ansatz von Becker 9
2.3 Bedeutung von Immobilienzyklen für die Lehre der Immobilienökonomie 10
2.4 Methodische Analyseprobleme in Deutschland 12
2.4.1 Verwendung angloamerikanischer Modelle für Deutschland 12
2.4.2 Datenlage in Deutschland 13
3. Ursachen von Zyklen in Immobilienmärkten 16
3.1 Begriffsabgrenzung 16
3.2 Vier Phasen des Immobilienzyklus 16
3.3 Endogene Ursachen 18
3.3.1 Cobweb- Theorem 18
3.3.2 Time-lags 20
3.3.3 Spekulative Blasenbildung 21
3.4 Exogene Ursachen 22
3.4.1 Konjunkturelle Aspekte 22
3.4.2 Strukturelle Aspekte 25
4. Empirische Analyse von Immobilienzyklen in Deutschland am Beispiel ausgewählter Büromärkte 27
4.1 Horizont der Empirischen Analyse 27
4.1.1 Vorgehen 27
4.1.2 Limitationen der empirischen Analyse 28
4.1.3 Einteilung in drei Immobilienteilmärkte 29
4.2 Leistungsmarkt 31
4.2.1 Spitzenmieten 31
4.2.2 Leerstände 32
4.2.3 Arbeitslosigkeit und Bürobeschäftigung 33
4.2.4 Zinsen und Bruttoinlandsprodukt 35
4.3 Vermögens- und Neubaumarkt 36
4.3.1 Renditevergleiche und -korrelationen 36
4.3.2 Baufertigstellungen und Baugenehmigungen 38
4.3.3 Zinsen und Bruttoinlandsprodukt 39
5. Handlungsableitungen der Analyse 39
5.1 Einordnung in den Zusammenhang 39
5.2 Risikostreuung 40
5.2.1 Investoren 40
5.2.2 Projektentwickler 41
5.3 Timing 42
5.3.1 Investoren 42
5.3.2 Projektentwickler 43
5.3.3 Mieter 44
6. Schlussfolgerungen und Ausblick 44
ANHANG 48
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Interviewverzeichnis
LITERATURVERZEICHNIS (9Seiten)

Automatisiert erstellter Textauszug:

aus realistischeres Bild der tatsächlichen Marktsituation dar, und außerdem werden Spitzenmieten lediglich von ca. 5-30% des Marktes in Abhängigkeit der Stadt gezahlt134, doch sind Immobilienzyklen besser anhand von Spitzenmieten zu verdeutlichen, da gerade Neuvermietungen durch lag-induzierte Nachfrageüberschüsse große Schwingungen produzieren.135 Auch reichen die verwendeten Marktdaten der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle nur bis 1985 zurück. D.h., dass in dieser Zeitspanne von 16 Jahren höchstens ein bis zwei Zyklen abgebildet werden können. Auch können die Datensätze nicht genügend differenziert werden.136 Diese Umstände sind aufgrund der mangelnden Erhältlichkeit spezifischerer Daten nicht zu ändern. Schließlich hat die Analyse nur limitiert forschenden Charakter. Es wird nicht berechnet, welcher Teil eines Immobilienzyklus endogener, welcher exogener, welcher Anteil konjunktureller oder struktureller Natur ist.137 Einige Autoren sind der Ansicht, dass dies aufgrund der Komplexität von Immobilienzyklen überhaupt nicht möglich sei.138 Trotz dieser Einschränkungen wird die Studie als sinnvoll betrachtet, da besseres Datenmaterial in ähnlichem Umfang nicht zur Verfügung stand und die Tendenzaussagen, die getroffen werden können, Aufschluss über das Funktionieren der wichtigsten Teile des deutschen Büromarktes geben. [...]

onaler Hinsicht wurde als Untersuchungsgegenstand der Büromarkt ausgewählt, da auf diesem aufgrund der größeren Time-lags Zyklen noch deutlicher zu beobachten sind als auf dem Wohnungsmarkt.127 In regionaler Hinsicht wurden die Büromärkte Frankfurt, München, Hamburg, Düsseldorf und mit Einschränkungen Berlin ausgewählt.128 In Detailbetrachtungen wird aus Gründen des limitierten Umfangs der Arbeit beispielhaft eine Analyse der Städte Frankfurt und München vorgenommen, da beiden Städte in Deutschland hohe Bedeutung zukommt und für sie mehr Daten als für Berlin vorliegen. Mit der Durchführung einer empirischen Analyse muss die Frage beantwortet werden, an welchen Adressaten sie sich richten soll und welchen Schwerpunkt dieser setzt. Die Diskussion der zyklischen Schwankungen in Immobilienmärkten wird in der Tagespresse von Investoren, Projektentwicklern, Beraterfirmen, Mietern und Akademikern am häufigsten anhand des Leistungsmarktes geführt.129 Deshalb wird hier abermals ein Schwerpunkt gesetzt. Auch die Datenlage kommt der Eingrenzung entgegen, weil für den Vermögens- und Neubaumarkt (noch) keine detaillierten langen Zeitreihen (insbesondere Renditevergleiche) vorhanden sind130, dies aber für den Leistungsmarkt der Fall ist. Der Kapitalmarkt als vierter Teilmarkt wird nicht explizit aufgeführt und fließt als exogene Variable über den Zins in die Betrachtung mit ein.131 [...]

Es stellt sich nun die Frage, welchen Einfluss der Strukturwandel auf die Immobilienmärkte in Deutschland hat. Mit dem Rückgang der Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes zugunsten neuer Technologien wie Telekommunikation und Datenverarbeitung und einem parallelen Anstieg des Dienstleistungsgewerbes auf mittlerweile einen Anteil von 67% für 1999 (64% = 1998)123 überwiegen die dämpfende Effekte für den Immobilienmarkt. Vor allem der damit einhergehende Fortschritt der Informations- und Telekommunikationstechnologie reduziert den Bedarf an Bürofläche. Telearbeitsplätze in den eigenen vier Wänden und zentrale Call-Center gewinnen an Bedeutung. Outsourcing von Diensten und damit eine Effektivitätssteigerung sowie eine Rationalisierung der Bürotätigkeit verringern die künftige Nachfrage nach Büroflächen weiter.124 Dazu kommt noch, dass Unternehmen der New Economy zwar sehr stark Flächen nachfragen, aber immer flexibel bleiben müssen, da ein Hightech-Unternehmen in einem Jahr das Doppelte an Fläche benötigen oder vielleicht gar vom Markt verschwunden sein kann. So lassen sich Standardmietverträge von fünf Jahren oft nicht mehr durchsetzen.125 Wichtig ist die Erkenntnis, dass der Strukturwandel den Konjunkturphasen übergeordnet ist, so dass er auch von Boom und Rezession unabhängig auf den Zyklus einwirkt. [...]

Arbeit zitieren:
Rottke, Nico Januar 2001: Immobilienzyklen in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Zyklus, Strategie, Konjunktur, Bauwirtschaft

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