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Ideologie und Erziehung am Beispiel der Lehrpläne für Kindergärten der Provinz Jiangsu

Ideologie und Erziehung am Beispiel der Lehrpläne für Kindergärten der Provinz Jiangsu
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sandra Liedtke-Aherrahrou
  • Abgabedatum: Dezember 1997
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 463,4 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3171-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3171-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3171-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Liedtke-Aherrahrou, Sandra Dezember 1997: Ideologie und Erziehung am Beispiel der Lehrpläne für Kindergärten der Provinz Jiangsu, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: China, Vorschulerziehung, Familienpolitik, Erziehungswissenschaft

Diplomarbeit von Sandra Liedtke-Aherrahrou

Zusammenfassung:

Die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen.

Immer wieder erscheinen Bücher, die sich mit Erziehung beschäftigen. Auch über das Erziehungswesen in China wird geschrieben. Allerdings berichten Autoren vorwiegend über die Hochschulausbildung und die Erwachsenenbildung. Die Erziehung in Schulen und Universitäten beeinflusst das ganze weitere Leben. Wer seine ganze Schulzeit gesagt bekommt, was er zu tun hat, wird auch als Erwachsener bei der Arbeit nicht selbständig entscheiden. Das Forschungsinteresse steigt, aber kaum jemand beachtet, dass die Erziehung nicht erst in der Schule beginnt, sondern schon im Kindergarten. Im Kindergarten werden die Grundlagen für das spätere Leben gelegt.

Ich kann mit dieser Arbeit nicht umfassend das gesamte Erziehungssystem im Kindergarten darstellen, jedoch soll diese Arbeit einen Einblick geben. Ursprünglich sollte die Arbeit einen Vergleich zwischen deutschen und chinesischen Kindergärten beinhalten. Die unterschiedlichen traditionellen Bilder des Kindes und die heutigen verschiedenen Bedingungen im sozialen und familiären Bereich lassen einen solchen Vergleich aber nicht zu.

Die starke Ähnlichkeit von Schule und Kindergarten war für mich sehr überraschend. In diesem Punkt weicht die deutsche Lehrmeinung sehr stark ab. Die Kinder sollen im Kindergarten die Möglichkeit haben, sich selbst und ihre Umwelt durch das Spiel kennenzulernen.

Die großen Unterschiede in der Erziehung lassen sich wahrscheinlich auch auf die unterschiedlichen politischen Systeme zurückführen.

Ich denke, dass sich die Führer des chinesischen politischen System nur halten können, wenn das Volk diszipliniert ist und gelernt hat, höherstehende Personen zu achten. Die Grundlagen hierfür werden schon im Kindergarten gelegt.

Ich hoffe, dass ich diese These durch meine Arbeit belegen kann.

Im ersten Kapitel sollen die Strukturen und die Funktionen der Familie dargestellt werden. Die „Familie“ war schon immer in der chinesischen Geschichte eine Sonderinstitution der Gesellschaft mit großer Bedeutung für die Erziehung. Die Strukturen und Funktionen wirken teilweise noch bis in die heutige Familie, teilweise werden sie durch die neuen Entwicklungen und von der Familienpolitik erschüttert. Am Ende bleibt die Frage offen, welche Maßnahmen man treffen könnte, um die Nebenwirkungen während der sozialen Umwälzungen zu kompensieren.

Der zweite Teil soll die Reform und die heutige Struktur des Kindergartens darstellen. Hierbei soll zunächst die veränderte Einstellung der staatlichen Stellen zum Kindergarten beleuchtet werden. Des- weiteren geht es um den internen Aufbau des Kindergartens, sowie um eine zusammenfassende Darstellung der verschiedenen Unterrichtsarten. Jedes Land hat eigene Vorstellungen, wie man Kinder unterrichten sollte, danach werden dann Lehrpläne entwickelt.

Der Hauptteil meiner Arbeit beschäftigt sich dann mit den Lehrplänen für Kindergärten der Provinz Jiangsu. Diese Pläne sind sehr detailliert und geben jede Unterrichtsstunde vor. Doch auch heute, wo der Kommunismus an Einfluss verliert, stellt sich die Frage, in wie weit soll Wissen und Ideologie vermittelt werden. Wenn heute noch die Ideologie im Vordergrund stände, würden die Kinder wirklich für die Zukunft ausgebildet werden?

Im vierten Teil der Arbeit möchte ich von meinen persönlichen Eindrücken während meiner Praktika im chinesischen Kindergarten berichten. Dieser vierte Teil ist eine rein subjektive Darstellung, die auch von den Lernzielen der Lehrpläne abweicht. Ich möchte mehr zeigen, wie die Erziehung sich auf die Kinder ausgewirkt hat, als darzustellen, ob die Ziele des Lehrplans erfüllt wurden.

In meiner Schlussbemerkung möchte ich dann doch noch einmal die Frage aufwerfen, ob China für die Zukunft gerüstet ist, wenn das Erziehungssystem nicht verändert wird.

Meine Absicht ist es, mit dieser Arbeit das Interesse an der Kleinkindererziehung zu wecken. Wenn wir das deutsche Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“ umkehren, bedeutet es dann nicht, das was man als kleines Kind gelernt hat, einen sein ganzes Leben begleitet? Könnte es nicht sein, dass sich die ganze Entwicklung der Kinder in China ändern würde, wenn die Vorschulerziehung anders wäre? Ich kann diese Frage nicht mit dieser Arbeit beantworten, jedoch möchte ich zumindest Denkanstöße geben.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung
1. Die Familie in China
1.1 Die gegenwärtige Familie unter der Familienpolitik
1.1.1 Demographische Daten
1.1.2 Der Inhalt und die Maßnahmen der Familienpolitik
1.1.3 Die Folgen der Familienpolitik
1.2 Die moderne Familie
1.2.1 Das Alltagsleben in der Familie
1.2.2 Die Rollenverteilung innerhalb der Familie
1.2.3 “Der kleine Kaiser“ - Ein Problem infolge der „Ein-Kind-Politik“?
1.3 Kleinkindererziehung - gestern und heute
1.3.1 Das traditionelle Bild des Kindes
1.3.2 Die traditionelle Kindererziehung
1.3.3 Kleinkindererziehung im modernen China
1.4 Resümee
2. Reform und gegenwärtige Struktur des Kindergartens
2.1 Vorschulische Erziehung
2.1.1 Vorschulische Erziehung als Objekt gesellschaftswissenschaftlicher Forschung
2.1.2 Staatliche Planung und Kontrolle
2.1.3 Pädagogische Fachkräfte im Kindergarten
2.2 Aufbau innerhalb des Kindergartens
2.2.1 Arbeitsaufteilung im Kindergarten
2.2.2 Klasseneinteilung im Kindergarten
2.3 Die Lehrfächer im Kindergarten
2.3.1 Die Hauptinhalte und Grundgedanken in den einzelnen Fächern
2.3.2 Die verschiedenen Unterrichtsarten und -methoden im Kindergarten
2.3.3 Die Hauptunterschiede zwischen Kindergarten und Grundschule
2.3.4 Der Tagesablauf im Kindergarten
2.4 Resümee
3. Die Lehrpläne für Kindergärten der Provinz Jiangsu
3.1 Allgemeine Ziele im Kindergarten
3.1.1 Entwicklungsziele
3.1.2 Gesundheit und Bewegungsfähigkeiten
3.1.3 Sprach- und Erkenntnisfähigkeiten
3.1.4 Moral und gesellschaftliche Fähigkeiten
3.2 Der Lehrplan der Xiao Ban
3.2.1 Die Themen des 1. Semesters
3.2.2 Das 2. Halbjahr
3.3 Der Lehrplan der Zhong Ban
3.3.1 Das 1. Halbjahr
3.3.2 Das 2. Halbjahr
3.4 Der Lehrplan der Da Ban
3.4.1 Das 1. Halbjahr
3.4.2 Das 2. Halbjahr
3.5 Untersuchung themenbezogener Beispiele auf ideologische Hintergründe
3.6 Resümee
4. Prakitkumsberichte der besuchten Kindergärten
4.1 Der Praktikumsbericht des Kindergartens Nr. 2
4.1.1 Formale Struktur des Kindergartens Nr. 2 in Nanjing
4.1.2 Äußeres Erscheinungsbild
4.1.3 Finanzierung
4.1.4 Unterricht in der Da Ban I
4.1.5 Mathematikunterricht in der Da Ban I
4.1.6 Fächerübergreifende Beobachtungen in der Da Ban I
4.2 Bericht über den Kindergarten Nr. 1 in Nanjing
4.2.1 Der Unterricht in der Da Ban III
4.2.2 Ein Vormittag in der Da Ban III
4.2.3 Fächerübergreifende Beobachtungen in der Da Ban III
4.3 Resümee
5. Schlussbemerkung
Anhang
Literaturliste

Automatisiert erstellter Textauszug:

a. Die Kinder sollen Eltern und Lehrer lieben, ihren Schutz und Fürsorge fühlen. Im Umgang mit anderen, sollen Höflichkeitsfloskeln benutzt werden. b. Mit Hilfe von Erwachsenen, lernen die Kinder, sich an die Regeln der Gruppe zu halten. Sie lernen mit anderen Kindern zu spielen. c. Was die Kinder selbst erledigen können, sollen sie auch allein tun. Sie sollen selbständig werden und auch einfache Arbeiten ausführen. d. Die Kinder sollen mit Lust und Freude an allen Aktivitäten teilnehmen. Außerdem sollen sie durch die Ermunterung der Erzieherin, ihre eigene Meinung ausdrücken. e. Die Kinder sollen gerne untereinander Kontakt aufnehmen und keine Einzelgänger bleiben. [...]

Der größte und auffälligste Unterschied zu deutschen städtischen Kindergärten ist die Einteilung in altersbezogenen Klassen. Nach chinesischer Lehrmeinung, wird nur so die optimale Entwicklung der Kinder gewährleistet. Ich bin allerdings der Meinung, daß die gemischten Gruppen in unseren Kindergärten durchaus auch Vorzüge haben. Die Kinder können sich freier entwickeln und die Interaktionen laufen auf verschiedenen Altersstufen ab. Die chinesischen Kinder haben wenig Möglichkeiten mit Kindern aus anderen Altersstufen zu spielen. Dies verhindert eine gute Entwicklung solcher Kinder, die etwas klüger sind, als ihre Altersgenossen. Durch die verstärkte Körperertüchtigung sollen die Auswirkungen des Leistungsdruckes entschärft und der Wachstum gefördert werden. 31 [...]

messen. Die Kinder sollen abgehärtet und ihr Wachstum gefördert werden. Sehr auffällig ist die relativ geringe Zeit, die die Kinder im Freispiel verbringen. Der Tagesablauf ist streng geregelt. Die Kinder haben kaum Möglichkeit, ihren eigenen Interessen nachzugehen, wenn sie es möchten. Dies übt einen starken Druck auf die Kinder aus. Dadurch lernen sie schon sehr früh, ihre eigenen Wünsche zu unterdrücken und die vorgegebene Ordnung zu halten. Ein fester Tagesablauf kann aber auch von Vorteil sein. Für unsichere Kinder bietet dieses stark geregelte Leben im Kindergarten, die Möglichkeit, sich seiner sicher zu fühlen. Allerdings müßte es mehr Wege geben, um aufgeweckteren Kindern Platz für eine individuellere Entwicklung zu geben. [...]

Arbeit zitieren:
Liedtke-Aherrahrou, Sandra Dezember 1997: Ideologie und Erziehung am Beispiel der Lehrpläne für Kindergärten der Provinz Jiangsu, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
China, Vorschulerziehung, Familienpolitik, Erziehungswissenschaft

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