Identitätswechsel in Großbritanien
Der Wandel britischer Identität seit dem Antritt der Labour-Regierung 1997
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Daniela Hohme
- Abgabedatum: April 2000
- Umfang: 79 Seiten
- Dateigröße: 4,9 MB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2909-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2909-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2909-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hohme, Daniela April 2000: Identitätswechsel in Großbritanien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Britishness, Branding Britain, Nationale Identität, New Britain
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Magisterarbeit von Daniela Hohme
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit untersucht den Identitätswandel in Großbritannien, der seit der General Election vom 1. Mai 1997 von der Labour-Regierung mit unvergleichlichen Bemühungen vorangetrieben wird. Die sich daran anschließenden Jahre zeigten, dass dieser Regierungswechsel nachhaltige Auswirkungen auf britische Identität, nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch auf internationaler Ebene hatte. Hierbei geht es um eine Thematik, die hauptsächlich durch die Vorstellung- vom Wandel britischer Identität getragen wird. Das Verhältnis der Engländer, Schotten und Waliser zu Großbritannien steht im Mittelpunkt, wobei der englischen Identität in diesem Gefüge eine besondere Betrachtung zuteil wird. Nord-Irland als Teil des Vereinigten Königreiches wird an dieser Stelle aus den Beobachtungen ausgeklammert, da dessen Identität und Stellung eine separate Problematik darstellt.
Die Aufnahme der Veränderung des gesellschaftlichen Profils Großbritanniens in die Rhetorik der Politiker wurde in den britischen Printmedien detailliert beschrieben. Die Öffentlichkeit reagierte auf recht unterschiedliche Art und Weise auf die Modernisierungsbestrebungen Tony Blairs. Daher bot es sich an, einige der überregionalen britischen Zeitungen der Jahre 1997-1999 auf diese Thematik hin zu untersuchen. Sie dienten als Primärquellen zur Bestimmung von Tendenzen, inwiefern die von der Regierung propagierte Neuorientierung Großbritanniens von den Briten aufgenommen wird.
Eines der bedeutendsten Projekte der Regierung ist das branding Britain (welches teilweise auch als rebranding bezeichnet wird). Dabei handelt es sich um eine Strategie, die ihren Ursprung in der Wirtschaft hat: Das aufwendige und gezielte Vermarkten von namhaften Produkten (brands). Diese Strategie wird jetzt hauptsächlich von Personen angewendet, die die erfolgreiche Vermarktung nationaler Symbole anstreben. In erster Linie handelt es sich um Firmen, deren äußeres Erscheinungsbild Assoziationen mit Großbritannien hervorruft und identitätsstiftend wirkt. Aber auch das Bild des Landes an sich, so wird Tony Biair des öfteren zitiert, soll hierbei erfolgreich erneuert werden. Dies stößt in der Öffentlichkeit nicht immer auf Zustimmung. Die häufigste und stärkste Kritik am branding bemängelt die Reduzierung von Identität auf ein Produkt.
Die Bemühungen der Regierung gehen allerdings weit über das branding hinaus. Wie im einzelnen untersucht wird, sind es vor allem politische Institutionen, die einst identitätsstiftend wirkten, ihre Wirkungsweise aber in der Gegenwart einbüßen. Einige wurden reformiert, andere verloren an Bedeutung, wieder andere werden längerfristig nicht überleben.
Tony Blair bezeichnete sein Regierungsprogramm als the biggest constitutional programme of change to democracy ever proposed. Eine der wichtigsten politischen Reformen, die kurz nach der General Election durchgesetzt wurde, ist die Devolution. Waliser und Schotten stimmten in Referenden über eine eigene Nationalversammlung, resp. Parlament ab. Dies bedeutete eine Neuformulierung des politischen Konstruktes Großbritannien und gibt Anstoß zu unzähligen Fragestellungen zur politischen Einheit Großbritanniens und des Konzeptes von Britishness. Die Labour-Regierung fördert die Dezentralisierung und betont, dass diese nicht als eine Bedrohung der Einheit des Landes, sondern als Bereicherung und Beispiel demokratischer Selbstbestimmung der einzelnen Nationen gilt.
Großbritanniens Einheit zeichnet sich heutzutage durch die Akzeptanz und Förderung von Multinationalität und den daraus entstandenen, sich überlagernden Identitäten aus. Das war nicht immer so, die Aufnahme eines neuen Konzeptes von Britishness auf die Tagesordnung vieler Politiker gab dieser Thematik eine zusätzliche Bedeutung.
Die Anerkennung multipler Identitäten in Großbritannien schließt natürlich auch die Briten ein, die den dort lebenden ethnischen Minderheiten angehören. Umfragen zufolge bezeichnen sich die vor allem seit den 50er Jahren zugewanderten Bevölkerungsgruppen als British und nicht English, Scottish oder Welsh. Deren Umgang mit ihrer ursprünglichen Nationalität und Kultur und der Britishness bildet eine gesonderte Thematik und ist ebenso nicht Gegenstand dieser Arbeit. Vordergründig ist hier das Verhältnis der Engländer, Schotten und Waliser zu britischer Identität.
Meine Studienfachkombination Kulturwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik ermöglichte mir die detaillierte Erforschung und Darstellung dieses Themas. Die Motivation hinter den nachfolgenden Betrachtungen war die interdisziplinäre Arbeitsweise. Identitäten sind oftmals gekoppelt an gemeinsame Kulturkreise, von denen ausgehend sich eine Bevölkerungsgruppe zu anderen unterscheidet. Dieser kulturelle Aspekt ist in ;Großbritannien eng verbunden mit der Vorstellung von nationaler Identität und der heute problematischen Beziehung der einzelnen Nationen zu dem politischen Konstrukt. Daher bot es sich an, den kulturwissenschaftlichen und den politischen Aspekt von Identität zu beleuchten und den Bezug von britischer Identität stets unter dem Vorzeichen der Konstruierung des Staates herzustellen.
Der Anspruch dieser Arbeit ist es, den Weg, auf dem der Identitätswechsel sich befindet, näher zu betrachten. Ob und in welcher Form eine neue Identität von der Gemeinschaft angenommen und weitergetragen wird, ist in der jetzigen Situation noch nicht festzustellen. Viel wichtiger ist es, Tendenzen aufzuzeigen, die auf mögliche Veränderungen schließen lassen. Richtungsänderungen sind in Großbritannien unübersehbar, und diese Tatsache bietet die Grundlage für die kulturwissenschaftliche Erforschung der Motive und Methoden der Köpfe, die zur Schaffung neuer Identitäten beitragen.
So wird es nicht nur um die Widerspiegelung der öffentlichen Meinung in der Presse gehen, sondern auch darum, die gezielte Aufnahme der politischen Rhetorik in das tägliche Erscheinungsbild der Presse zu belegen.
Gegenstand der nachfolgenden Beobachtungen waren hauptsächlich Printmedien, aber auch Jahresberichte und Werbematerial der britischen Fremdenverkehrszentrale, Projekt- und Konferenzberichte sowie Webseiten der britischen Regierung. Zusätzlich geben sogenannte think tanks in ihren Schriften den Blick auf Diskurse und Hintergründe im Umgang mit der sogenannten Krise britischer Identität frei. Ausgehend von verschiedenen Konzepten von Identität ließ sich der von der britischen Regierung propagierte Identitätswechsel kritisch betrachten.
Inhaltsverzeichnis:
| FORSCHUNGSANSATZ | 2 | |
| I. | DER ZEITUNGSMARKT UND DIE ROLLE DER PRINTMEDIEN IN DER ÖFFENTLICHEN MEINUNGSBILDUNG | 5 |
| II. | NATIONALE IDENTITÄT | 7 |
| II.1 | Ursprünge britischer Identität | 10 |
| II.2 | Britishness = Englishness = Britishness? - Ein Missverständnis und seine Folgen | 13 |
| III. | MULTINATIONALES GROßBRITANNIEN | 17 |
| III.1 | Englishness | 19 |
| III.1.1 | Die Bedeutung des englischen Nationalfeiertages in der Bewältigung der Identitätskrise | 27 |
| III.2 | Scottishness | 29 |
| III.3 | Welshness | 33 |
| IV. | WORAN ERKENNT MAN EINEN IDENTITÄTSWANDEL? | 36 |
| IV.1 | The Battle over Britain - Die Suche nach der neuen britischen Identität | 44 |
| IV.2 | Ansichten Gordon Browns zur Britishness | 47 |
| V. | DIE MODERNISIERUNG DER ÄUßEREN IDENTITÄT | 51 |
| V.1 | Die neue Aufgabe des Foreign and Commonwealth Office: Panel 2000 (A new image for Britain in the new millennium) | 51 |
| V.2 | Der Design Council und das Projekt Creative Britain | 53 |
| V.3 | Die Erfindung einer neuen Identität? - Die „Denkfabrik“ Demos und Britain (tm) - Renewing our Identiy | 54 |
| VI. | ALTE SYMBOLE - NEUE INHALTE? | 59 |
| VI.1 | Die Nationalhymne(n) | 59 |
| VI.2 | Die Fahne | 64 |
| VI.3 | British Airways | 67 |
| VI.4 | British Tourist Authority | 70 |
| VI.5 | Die BBC | 71 |
| FAZIT | 72 | |
| BIBLIOGRAPHIE | 73 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832429096
Arbeit zitieren:
Hohme, Daniela April 2000: Identitätswechsel in Großbritanien, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Britishness, Branding Britain, Nationale Identität, New Britain



