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Die Identitätssuche im zeitgenössischen US-indianischen Roman: Ursachen des Identitätsverlusts und Aspekte der Identitätsfindung

Die Identitätssuche im zeitgenössischen US-indianischen Roman: Ursachen des Identitätsverlusts und Aspekte der Identitätsfindung
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Christine Müller
  • Abgabedatum: April 1997
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 5,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität des Saarlandes Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0115-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0115-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0115-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Christine April 1997: Die Identitätssuche im zeitgenössischen US-indianischen Roman: Ursachen des Identitätsverlusts und Aspekte der Identitätsfindung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: indianische Identität, indianischer Roman, Landschaft, Sprache, Storytelling

Staatsexamensarbeit von Christine Müller

Zusammenfassung:

1969 erhielt N. Scott Momaday als erster indianischer Autor den Pulitzer-Preis für seinen Erstlingsroman House Made of Dawn (1968), in dessen Mittelpunkt die Identitätssuche des "Mixedblood" Abel steht. Obgleich der erste Roman eines indianischen Autors, Joaquin Murieta von John Rollin Ridge, schon 1854 veröffentlicht worden war, erschienen bis 1969 nur neun Romane indianischer Autoren.

In der Einleitung zu American Indian Novelists: An Annotated Critical Bibliography verfolgt Tom Colonnese die Entwicklung des indianischen Romans und stellt fest, daß die ersten indianischen Autoren im Umgang mit der Romanform und mit dem Problem, einer nicht-indianischen Leserschaft eine indianische Thematik in einer nicht-indianischen Sprache zu vermitteln, noch sehr unsicher waren. So versuchte z. B. John Rollin Ridge seine Wut über den Völkermord der Vereinigten Staaten an seinem Stamm, den Cherokee, zu unterdrücken und Morning Doves Roman Cogewa, the Half-Blood (1927) beschreibt "the bittersweet, romantic atmosphere that surrounds the Indian in much American literature." Diese romantische Atmosphäre begann zwar in den dreißiger Jahren aus dem indianischen Roman zu verschwinden, und Schriftsteller wie John Joseph Mathews und D'Arcy McNickle stellten Protagonisten vor, die als "Mixedbloods" zwischen verschiedenen Welten und Identitäten gefangen waren, aber diese Autoren betonten die scheinbare Ausweglosigkeit einer solchen Zwangslage. Erst Momaday schuf mit Abel, dem entfremdeten Protagonisten aus House Made of Dawn, ein "Mixedblood", der zu seinen indianischen Wurzeln und damit auch zu seiner Identität zurückfindet.

Das Erscheinen von House Made of Dawn markiert einen außerordentlich wichtigen Punkt in der Geschichte der indianischen Literatur, denn es ist der erste indianische Roman, dem ernsthaft kritische Aufmerksamkeit geschenkt wurde, und es ist der Roman, der die "Native American Renaissance" auslöste, in deren Folge eine Fülle von Romanen indianischer Autoren veröffentlicht wurden, unter anderem auch Ceremony (1977) von Leslie Marmon Silko und The Woman Who Owned The Shadows (1983) von Paula Gunn Allen, auf die ich in dieser Arbeit eingehen will. Ein Grund dafür, daß diese indianische Literatur erst in den siebziger Jahren einen solchen Aufschwung erlebte, mag darin liegen, daß sich die amerikanischen Indianer vorher nicht als eine Gruppe sahen, sondern sich eher über ihre unterschiedliche Stammeszugehörigkeit identifizierten, wie Thekla Zachrau erklärt. Aber in den siebziger Jahren änderte sich this attitude...significantly with the advent of 'Red Power' - a political and sociological movement indicating the birth of a new sense of identity.

Das zentrale Thema im zeitgenössischen indianischen Roman ist daher die Identitätssuche eines Protagonisten, der auf Grund diverser Begebenheiten (wie z.B. gemischtrassiger Abstammung) oder Erfahrungen (hauptsächlich in der Welt der Weißen) von sich selbst und von seiner Kultur entfremdet ist. In der vorliegenden Arbeit soll nun diese Suche in drei zeitgenössischen indianischen Romanen von Autoren mit einem multikulturellen Hintergrund untersucht werden. Dabei will ich anhand von House Made of Dawn von N. Scott Momaday die Bedeutung von Wort und Sprache für die Identitätsfindung des Protagonisten herausstellen und in Leslie Marmon Silkos Ceremony werde ich die Rolle der Landschaft für die Wiederherstellung einer ganzheitlichen Identität des Helden untersuchen. Auch die Akzeptanz der Dualität von Gut und Böse ist bei beiden sehr wichtig. In Paula Gunn Allens The Woman Who Owned the Shadows werde ich näher auf die Bedeutung der überlieferten Geschichten für die Selbstfindung der Protagonistin eingehen. Natürlich sind aber die verschiedenen Aspekte der Identitätssuche und -findung in allen drei Romanen zu erkennen. Handlungshintergrund ist in diesen Romanen vor allem die Pueblo-Kultur des amerikanischen Südwestens, mit der auch die drei Autoren eng verbunden sind.

Zunächst möchte ich jedoch zu klären versuchen, was überhaupt "indianisch" bedeutet, da dieser Begriff die Komplexität, die sich hinter ihm verbirgt, nicht zum Ausdruck bringt. Denn gerade viele Europäer haben ein häufig oberflächliches Indianerbild, welches sich an den Romanen Karl Mays, Hollywood-Westem oder anderen einseitigen Darstellungen orientiert. Oft werden dabei Indianer als "hinterlistige Rothäute" verteufelt, oder als "edle Wilde" verklärt. Diese Darstellungen tragen kaum zu einer objektiven Betrachtungsweise der indianischen Kultur und ihrer Mannigfaltigkeit bei.

Weiterhin ist zum Verständnis des indianischen Romans ein Einblick in dessen Entwicklung aus einer oralen Tradition notwendig, weshalb auch diese vor der eigentlichen Betrachtung der Romane kurz erläutert werden soll.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
II. Versuch einer Begriffsklärung: Was heißt "indianische Identität"? 3
III. Das geschriebenene Wort: Der Weg zum indianischen Roman 6
IV. "A Word has Power" - N. Scott Momadays House Made of Dawn 9
1. Biographisches 9
2. Form und Struktur des Romans 11
3. Abels Identitätssuche 14
3.1. Eine Gratwanderung zwischen Integration und Isolation 14
3.2. Der Verlust der Balance 18
3.3. Wort und Sprache als Lebenselexier 23
3.4. Die Bedeutung der "Night Chant" Zerermonie 28
3.5. Abels Rückkehr zu Wort und Tradition 33
V. "Voice out of the Land" - Leslie Marinon Silkos Ceremony 38
1. Biographisches 38
2. Form und Struktur des Romans 40
3. Tayos Identitätssuche 43
3.1. Isolation und Integration eines "Mixedblood" 43
3.2. Der totale Identitätsverlust 46
3.3. Heilungsansatz und Rückschlag 50
3.4. Die Landschaft als Ursprung der Identität 53
Vl. "You don't have anything if you don't have the stories" - Paula Gunn Allens The Woman Who Owned the Shadows 70
1. Biographisches 70
2. Form und Struktur des Romans 72
3. Ephanies Identitätssuche 74
3.1. Ursachen des Identitätsverlusts 74
3.2. Die Erinnerung kehrt zurück 76
3.3. Ephanie findet ihren Platz in der Geschichte 83
VII. Zusammenfassung 86
Anmerkungen 88
Literaturverzeichnis 100

Arbeit zitieren:
Müller, Christine April 1997: Die Identitätssuche im zeitgenössischen US-indianischen Roman: Ursachen des Identitätsverlusts und Aspekte der Identitätsfindung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
indianische Identität, indianischer Roman, Landschaft, Sprache, Storytelling

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