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Identität im historischen Wandel aus machttheoretischer Perspektive

Identität im historischen Wandel aus machttheoretischer Perspektive
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bernhard Schröder
  • Abgabedatum: Juni 2009
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 541,3 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • Bibliografie: ca. 78
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4159-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schröder, Bernhard Juni 2009: Identität im historischen Wandel aus machttheoretischer Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Identität, Massenkultur, Macht, Foucault, Medienidentität

Diplomarbeit von Bernhard Schröder

Einleitung:

Die Frage nach der eigenen Identität , verstanden als die Fragen ‘Wer bin ich?’ und ‘Wohin gehöre ich?’, gehört zu den zentralen Fragen der Menschheit. Es ist die Frage nach dem Sinn, die sich der einzelne Mensch und ganze Gemeinschaften in Bezug auf ihr vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Handeln stellen. Diese Sinnfrage entwickelt sich in der abendländischen Kultur in zunehmendem Maße zu einer komplizierten, individuell zu lösenden Aufgabe, die dem Einzelnen immer mehr Eigenverantwortung für die eigene Identitätsfindung überträgt. Wurde das Individuum des Mittelalters durch die Auffassung einer von Gott gewollten Gesellschaftsordnung noch schicksalhaft in seine vorbestimmte Rolle hineingeboren und ihm somit eine feste Identität zugewiesen, muss der Mensch heutzutage eigenverantwortlich herausfinden, welche Eigenschaften ihn überhaupt als Teil einer sich permanent verändernden, globalisierten Gesellschaft kennzeichnen und ihm einen Platz in dieser zuordnen.

Als Auslöser für eine Verbreitung und Problematisierung der Identitätsfrage können gesellschaftliche Umbrüche und Veränderungsprozesse gelten, die sich aus Zuständen allgemeiner gesellschaftlicher Orientierungskrisen entwickeln. Besonders der Übergang vom Mittelalter zur Epoche der Moderne führt zu einer generellen Komplexitätssteigerung der Gesellschaft. Funktional differenzierte Teilssysteme wie Politik, Wirtschaft, Militär und Familie, konfrontieren das Individuum nun mit unterschiedlichen Sinnvorstellungen und Anforderungen, die es selbst zu einem kohärenten Zusammenhang vereinen muss. Einerseits ergeben sich daraus neue Chancen und Freiheiten bezüglich der eigenen Lebensgestaltung, andererseits werden jedoch alte Handlungsroutinen, Strukturen und damit verbundene Identitätsentwürfe verunsichert und abgewertet, die den Alltag und den Sinn des Lebens des Einzelnen bis dato strukturierten und bestimmten.

In diesem Kontext ist Identität nicht als ein eigenständiges Resultat von Selbstbildern und Selbstäußerungen des Individuums zu verstehen, sondern als ein Produkt sozialer Interaktionen, die den persönlichen Identitätsentwurf a priori in einen prädeterminierten sozialen Rahmen einbetten, der geprägt ist von spezifischen Werte- und Normenvorstellungen, Weltdeutungen, Abhängigkeits- und Machtverhältnissen, Wissensgebäuden und Zielvorstellungen einer Gesellschaft. Unter diesen Rahmenbedingungen entstehende Identitäten spiegeln schlussfolgernd die beeinflussende Wirkung ihrer Umwelt wider und stabilisieren dadurch, metaphorisch als neuer Faden, das soziale Netz, in dem sie sich konstituieren. In dieser wechselseitigen, symbiotischen Beziehung zwischen dem Einzelnen und einem Kollektiv werden gesellschaftliche Veränderungen und ihre Folgen durch die persönliche Identität, der Heiner Keupp in diesem Zusammenhang die Metapher des ‘Brennglases’ zuschreibt, in prismatischer Form gebündelt.

Die vorliegende Arbeit ‘Identität im historischen Wandel aus machttheoretischer Perspektive’ stellt die Absicht dar, Identität fokussiert als ein Produkt historisch spezifischer Machtstrukturen zu analysieren. Diese Sichtweise lässt die persönliche Identität als ein historisches Konstrukt erscheinen, das sich aus gesellschaftlich vermittelten Bedeutungsressourcen konstituiert und mich veranlasst, im weiteren Verlauf von Identitätskonstruktionen zu sprechen. Eine klare Definition des Identitätsbegriffes erscheint vor diesem Hintergrund als problematisches Unterfangen und kann nur mit Blick auf spezifische gesellschaftliche Verhältnisse und Bedingungen geschehen, in denen die Individuen leben.

Der Begriff der Macht, welcher ausführlich von Michel Foucault analysiert wurde und auf dessen Erkenntnisse sich ein Teil der vorliegenden Arbeit stützt, spielt im Prozess der Formung, Produktion und Stabilisierung von Gesellschaft und persönlicher Identität eine zentrale Rolle. Die Individuen der modernen Gesellschaft lernen sich durch den Einfluss von Machtmechanismen so zu verhalten, wie sie es nach allgemein gültigen, normativen Vorstellungen sollen. Durch diese Transformationsmechanismen, welche ich im Laufe dieser Arbeit aufdecken möchte, inkorporiert das Individuum in seinem Sozialisationsprozess den übergeordneten Sinn einer Gesellschaft, der diese als gemeinsamer Nenner erst als Kollektiv generiert und verbindet. Dadurch tritt dieses übergeordnete Leitmotiv als subjektiv empfundener und das eigene Handeln motivierender Sinn in das Bewusstsein des einzelnen Gesellschaftsmitgliedes. Durch diesen Prozess bildet der einzelne ein gewisses Maß an Verhaltenskonformität als notwendige Bedingung für das Funktionieren einer Gesellschaft aus.

Die zentrale These meiner Arbeit lautet, dass die abendländische Gesellschaft und individuelle Identitätskonstruktionen, insbesondere seit der Epoche der Moderne, durch einen gesellschaftlichen Metasinn der unaufhörlichen Steigerung gelenkt und stabilisiert werden, dessen einendes Prinzip auf der ‘[…] Idee der Steigerung: ‚immer mehr, immer schneller, immer besser’[…]’ beruht und sich auf alle Gesellschaftsbereiche erstreckt. Eine Aufrechterhaltung dieser Steigerungslogikführt im historischen Verlauf zu sich verändernden Machtverhältnissen und daraus folgend zu einem veränderten ‘sozialen Charakter’ der Gesellschaft. Die ‘Produktion’ von Individuen, die nach diesem Prinzip funktionieren und handeln, übernimmt in der modernen Gesellschaft maßgeblich die von Michel Foucault bezeichnete Disziplinarmacht, die durch ihre Instrumente das Individuum ganzheitlich erfasst und diese durch eine nützliche Formung ihrer Körper zwanghaft in den gesellschaftlichen Produktionsapparatintegriert, dessen Effizienz es zu steigern gilt.

Im Verlauf des 20.ten Jahrhunderts kommt es jedoch zu einem anderen menschlichen Typenbedarf, um eine weitere gesellschaftliche Vorwärtsbewegung auf den geschaffenen ‘Steigerungspfaden’ zu gewährleisten. Durch technischen und wissenschaftlichen Fortschritt (Maschinenbau, Arbeitsorganisation, usw.) entwickelt sich eine Massenproduktion, die zu einem drastischen Anstieg der Produktionskapazität führt, wodurch es zu ernsthaften Absatzproblemen kommt, die nur über einen veränderten ‘sozialen Charakter’ gelöst werden können. Für die Menschen dieses Charakters wandelt sich der Stellenwert des Konsums, der noch in der bürgerlichen Gesellschaft des 18.ten und 19.ten Jahrhunderts in seiner verschwenderischen Formals unvernünftig und unmoralisch gegen das moderne Grundsatzprinzip des rationalen, vernünftigen Handelns verstieß. Durch eine geschickte Verschränkung zwischen sozialen, psychischen und ökonomischen Interessen, die sich auf einem massenkulturell erzeugten Spielfeld vollzieht, wird der Konsum in der so genannten Postmoderne zur tragenden Stütze für Lebens- und Identitätsentwürfe.

Durch die Massenkultur und ihre Medien wird ein Gesellschaftstypus der ‘Außen-Lenkung’ geformt, in dem die Menschen ihre Identität als etwas begreifen, das sie zunehmend öffentlich sichtbar mit Hilfe von Konsumgütern konstruieren. Diese Waren und Güter fungieren auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung als Stilmetaphern der eigenen Individualität und als Objekte libidinösen Begehrens. Als Orientierung für das eigene Verhalten dienen nun nicht mehr alte Werte- und Normenvorstellungen und damit verbundene zwanghafte, normative Vorgaben, sondern vielmehr das Verhalten der Anderen, der Mitmenschen. In dieser neuen Gesellschaftsstruktur finden Identitätsentwürfe nicht mehr auf der Basis eines Vertrauens auf sich selbst oder auf übermittelte Identitätsblaupausen statt, die einen klaren Lebensentwurf nach tradierten Mustern vorgeben, sondern im Modus der ständigen Kontrolle des sozialen Umfeldes. Dieser Kontrolle liegen die Fragen zu Grunde:

Wie sehen mich die anderen? Was erwarten sie von mir? Wie muss ich mich verhalten, um begehrenswert zu sein?

In diesem Zusammenhang agiert die Massenkultur als neues ‘Medium der Subjektivierung’, indem sie eine künstliche symbolische Ordnung produziert, mit deren Hilfe die Menschen interagieren und sich dadurch orientieren und sozialisieren. Konsumwaren dienen in diesem Kontext als Repräsentanten dieser symbolischen Ordnung, die einen Rückschluss auf die Werte-, Normen- und Idealvorstellung der Gesellschaft zulassen. Durch das Konsumverhalten der Masse etabliert sich eine Sphäre der Normalität, die als Richtschnur für den eigenen Identitätsentwurf Verhaltenskonformität und damit Anschlussfähigkeit an die Gesellschaft vermittelt. In dieser Funktion löst die Massenkultur die Disziplinen der Moderne als sozialisierendes und integrierendes Machtinstrument ab.

Ich möchte schlussfolgernd für die gegenwärtige gesellschaftliche Situation die zusammenfassende These formulieren, dass sich persönliche Identität maßgeblich im Rückgriff auf eine massenmedial und –kulturell produzierte symbolische Ordnung und Infrastruktur bildet. Diese Ordnung ist nicht als ein starres Gebilde zu verstehen, sondern ist einer permanenten Modulation unterworfen, die sich aus einer generalisierten Kontrolle zwischen Produzenten und Konsumenten von Waren und Bedeutungen und der Gesellschaftsmitglieder untereinander ergibt. Aus dem Kontrollprozess ergibt sich ein ständig neues Begehren nach neuen Werten und warenförmigen Symbolen, mit denen man sich selbst ausdrückt und die als Bausteine für die eigene Identität anzusehen sind.

Aufgrund der sozialisierenden Macht der allgegenwärtigen Massenkultur und Massenmedien, kann darüber hinaus heutzutage nicht mehr von Identitäten die Rede sein, sondern es muss vielmehr von hybriden Medienidentitäten gesprochen werden. Diese konstruieren sich mit Hilfe einer technischen medialen Infrastruktur, aus einem bunten Mix global zirkulierender Waren, Informationen und kulturellen Bedeutungsressourcen. Diese Zirkulation führt zu einer Dekonstruktion klassischer Raum-Zeitverhältnisse, die bis ins frühe 20.te Jahrhundert den sozialen Raum des Einzelnen durch fehlende Transport- und Kommunikationsmittel auf einen Ort der direkten gesellschaftlichen Begegnungen beschränkten. Durch neue Transportmittel (Auto, Flugzeug, Bahn, usw.) und ein sich ausdehnendes Verkehrsnetz auf der einen Seite und durch neue Kommunikationsmittel (Fernsehen, Radio, Telefon/Mobiltelefon, Internet, usw.) auf der anderen Seite, kommt es zu einer Mobilisierung der Gesellschaft und zu einer Ausdehnung des sozialen Raumes, in dem lokale Kulturen von einer expandierenden Massenkultur überlagert werden. In diesem Raum bündelt und steigert sich das individuell Erfahr-, Erleb- und Konsumierbare, gleichzeitig aber auch das Potenzial an verpassten Gelegenheiten und Chancen, scheinbar ins Unermessliche. Die Schaffung eines kohärenten Sinns, den man seinem Leben und seinem Identitätsentwurf zuschreibt,wird in dieser Gesellschaft zu einem unaufhörlichen Projekt, das im Interesse einer ökonomischen Verwertungslogik, die durch gegenwärtige Machtverhältnisse gefördert wird, immer wieder von vorne zu beginnen scheint und damit an den Mythos von Sisyphos erinnert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Vorgehen 6
3. Identitätsgenese 8
4. Geschichte der Identität 12
4.1 Vormoderne 13
4.2 Moderne 15
4.2.1 Die imprägnierende Kraft der rationalen Vernunft 17
4.3 Postmoderne 20
5. Die Bedeutung der Macht 23
5.1 Der Machttyp der Moderne 26
5.2 Mechanismen der Macht: Von der Fremd- zur Selbstkontrolle 29
5.3 Panoptismus 32
6. Von der ‘innen-geleiteten’ Disziplinar-zur ’außen-geleiteten’ Kontrollgesellschaft 36
7. Psychoanalytische Erkenntnisse über den Antrieb menschlichen Handelns 43
7.1 Sigmund Freud- Der psychische Apparat 43
7.2 Jacques Lacan - Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion 49
7.3 Objekt klein a 51
7.4 Begehrensökonomie 52
7.5 Zeichenökonomie 54
8. Massenkultur als Medium der Subjektivierung und Vergesellschaftung 55
8.1 Die Verzahnung zwischen Psyche und Konsum 58
8.2 Die Macht der Massenkultur 65
8.3 Die Sendung ‘Big Brother im Internet’ als Topos einer artifiziellen Gesellschaft 67
9. Medienidentität 73
9.1 Medienidentitäten im Internet 77
10. Fazit 81
Literaturverzeichnis 87

Textprobe:

Kapitel 7.3, Objekt klein a:

Aus der Differenzerfahrung zwischen Realität, in der sich die psychische Instanz des ‘Ichs’ bewegt und Imagination, in welcher das ‘Ich-Ideal’ entworfen wird, entwickelt sich im Individuum ein subjektiv empfundener Mangel. Dieser Mangel, der durch die imaginäre Spiegelung ins Bewusstsein des Individuums tritt, schürt das Begehren, dass verlorene Vollkommenheitsgefühl der Kindheit zurück zu erlangen. Zur Entledigung des Mangels fungiert das von Lacan bezeichnete ‘Objekt klein a’ als Objekt des Begehrens, das Freud als ‘libidinös besetztes’ Objekt erwähnt, welches die Differenzerfahrung zwischen ‘Ich’ und ‘Ich-Ideal’ und das damit verbundene Unvollständigkeitsgefühl des Individuums aufheben soll. Prinzipiell kann jedes beliebige Objekt zum ‘Objekt klein a’ werden, das für das Individuum Eigenschaften seines imaginierten ‘Ich-Ideals’ verkörpert, das es selbst nicht zu besitzen glaubt. Durch den Konsum des ‘Objektes klein a’ erhofft sich das Individuum einen Übergang der ‘fehlenden’ Eigenschaften auf sich selbst. Es lindert insofern das Mangelgefühl, indem es an vergangene Bedürfnisbefriedigungen erinnert, an Momente des Vollkommenheitsgefühls. Diese Momente sind von Geburt an auf die Anwesenheit und Hilfe eines Anderen angewiesen: ‘Im Angewiesensein auf eine »spezifische Aktion«, die vom Anderen aus erfolgt (etwa: Nahrungszufuhr) macht das Individuum die Erfahrung eines Befriedigungserlebnisses, das als affektiv besetztes Erinnerungsbild im Gedächtnis haften bleibt’. Verspürt das Individuum ein neues Bedürfnis, wird das Begehren geweckt, ‘[…]das erste Befriedigungserlebnis in der Wahrnehmung zu suchen’. Während Grundbedürfnisse, wie Hunger, Durst, usw. am Objekt gestillt werden können, kreist das Begehren eher um das Objekt, in der Hoffnung auf die Wiederherstellung des alten Befriedigungserlebnisses, in der Phantasie des Individuums. ‘Auf diese Weise stellt sich ein unbewusster Sinnzusammenhang zwischen Bedürfnis und Wunsch/Begehren her’. Hannelore Bublitz verweist auf die Deckungsgleichheit des Begriffes ‘Wunsch’ bei Freud mit dem des ‘Begehrens’ bei Lacan. Das Bedürfnis befriedigt sich demnach an einem spezifischen Objekt während sich das Begehren ‘[…]auf das Wiedererscheinen der Wahrnehmung (die Wahrnehmungsidentität), die mit dem Wunschobjekt verbunden ist’ bezieht, darin bestehe die Wunscherfüllung. Das Begehren kann demnach nur für einen kurzen Moment befriedigt werden. Führt z.B. die Bedürfnisbefriedigung von Hunger durch Nahrung zu einem Zustand der Sättigung, hält der Moment der Erinnerung an ein begehrtes Vollkommenheitsgefühl der Vergangenheit nur für kurze Zeit an. Kaum erscheint dieses Gefühl in der Phantasie des Individuums, wird sein imaginärer Charakter durch die Realität entzaubert. Das Begehren muss sich ein neues ‘Objekt klein a’ suchen, um die Illusion zukünftiger Vollkommenheit aufrecht zu erhalten, die das Denken, Fühlen und Handeln des Individuums antreibt.

7.4, Begehrensökonomie:

Wir haben es an dieser Stelle also mit einer Überschneidung zwischen Realität, in der sich das spezifische Objekt befindet, und Phantasie zu tun, in der das spezifische Objekt zu einem begehrenswerten aufgeladen wird. Diese Aufladung erinnert an alte Vollkommenheitsgefühle und Allmachtsphantasien der Kindheitsphase und schürt dadurch die Hoffnung auf eine zukünftige Wiederkehr dieses Zustandes. In diesem phantasmatischen Raum findet nach dem ‘Lustprinzip’, das es auf eine sofortige Triebbefriedigung abgesehen hat, eine illusionäre Realisierung der Begehrensbefriedigung am Objekt statt, die das Gefühl der Vollkommenheit vermittelt. Die Unerreichbarkeit dieses Gefühls in der Realität wird durch eine Aufrechterhaltung des Begehrens in der Phantasie überblendet, die wenigstens die Illusion einer zukünftigen Erfüllung am Leben erhalten soll. Das Begehren dient in diesem Funktionszusammenhang als eine Art Lebenselixier, welches das Subjekt überhaupt erst konstituiert, als Garant seiner Existenz und als Versprechen einer erfüllten Zukunft. Dieser Gedanke findet sich auch bei Hannelore Bublitz: ‘Kein Objekt kann das Begehren stillen, denn damit würde nicht nur das Begehren, sondern auch das begehrende Subjekt verschwinden’. Das Individuum stellt sich anhand von Objekten die Realisierung des Begehrens lediglich vor, indem ‘[…]die Objekte so angeordnet werden, dass sie sich der Befriedigung gerade entziehen und ein unablässiges Verlangen nach mehr, ein Mehr-Begehren erzeugen’. In diesem Zusammenhang kann von einer ‘Ökonomie des Begehrens’ gesprochen werden, die es auf die Herstellung neuer (Begehrens-)Objekte (objekt klein a) abgesehen hat, um das Begehren und somit das begehrende Individuum am Leben zu erhalten, es entsteht folglich ein unendlicher Kreislauf der Begehrensproduktion und -konsumtion. Die Realisierungsvorstellung des Begehrens vollzieht sich in einem Raum, ‘[…]indem alle Objekte, Handlungen und Personen der Phantasie unterworfen sind’. Dieser Raum setzt dem Individuum die Koordinaten durch welche es ‘[…]die Objekte der Begierde spezifiziert und anordnet[…]’ (ebd.). und seine eigene Position bestimmt. Die ‘phantasmatische Struktur des Begehrens’ geht der Frage nach, welche Objekte den Zweck erfüllen, ‘’daß ich mich selbst als ›wertvoll für das Begehren des Anderen‹ wahrnehme’. […] Hier zählt das Objekt der Phantasie als Einsatz im intersubjektiven Kampf um Anerkennung und Liebe’. Es geht dem Individuum in diesem Zusammenhang nicht um den realen Nutzwert der Waren, sondern um eine Inkorporation des in die Objekte eingeschriebenen Begehrens der anderen, um selbst begehrenswert zu sein.

Arbeit zitieren:
Schröder, Bernhard Juni 2009: Identität im historischen Wandel aus machttheoretischer Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Identität, Massenkultur, Macht, Foucault, Medienidentität

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