Identität, Kontinuität - Reflexivität?
Umgang mit Gedenken in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen am Beispiel des ehemaligen Mädchen Konzentrations- und Vernichtungslagers Uckermark
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Kirsten Wacker
- Abgabedatum: Juli 2006
- Umfang: 73 Seiten
- Dateigröße: 550,5 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0275-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8366-0275-4 P - ISBN (CD) :978-3-8366-0275-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wacker, Kirsten Juli 2006: Identität, Kontinuität - Reflexivität?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gedenkstättenpädagogik, Jugendarbeit, Bildungsarbeit, Konzentrationslager, Nationalsozialismus
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Diplomarbeit von Kirsten Wacker
Problemstellung:
Wie erklärt sich das Phänomen, dass spezifische Orte und ihre Vergangenheit als Gedenkstätten in den Status offizieller `Kulturdenkmäler´ gehoben werden und andere mitsamt ihrer Vergangenheit in Vergessenheit geraten? Wie entscheidet sich, welchen Orten, Ereignissen und Erfahrungen öffentlich gedacht und somit Bedeutung und Anerkennung verliehen wird? Weshalb werden andere Orte, bzw. Vergangenheit(en) vergessen, verschwiegen und verdrängt, so dass sie in der Gegenwart unsichtbar werden – oder bleiben? Welche Rolle spielt in diesen Zusammenhang die Bildungsarbeit? Kann historischen Ereignissen in der Bildungsarbeit gedacht werden und was gilt es in diesem Kontext hinsichtlich des Umgangs mit der Vergangenheit, als auch hinsichtlich des Umgangs mit den Jugendlichen zu berücksichtigen? Diesen und weiteren Fragen gehe ich am Beispiel des ehemaligen Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslagers´ Uckermark im Rahmen dieser Arbeit nach.
Im ersten Kapitel findet eine grobe Skizzierung der Gedächtnisthematik statt, die das theoretische Fundament dieser Arbeit darstellt. Anhand des Begriffes `Identität´ werde ich die Bedeutung der Vergangenheit zur Konstruktion von Gesellschaft im Gedenken explizieren, da Identitätskonzeptionen meines Erachtens, sowohl für den Kontext `Gedenken´, als auch für die Bildungsarbeit eine zentrale Rolle spielen.
Das zweite Kapitel erläutert anhand der Frage nach den `Kontinuitäten´ die historische Dimension der Konstitution >nationaler Volksgemeinschaft< am Beispiel des ehemaligen Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslagers´ Uckermark, bevor ich mich im dritten Kapitel anhand des Prinzips der `Reflexivität´ der zentralen Fragestellung dieser Arbeit nach einem Umgang mit Gedenken in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen zuwenden und eigene Vorstellungen erörtern möchte.
Ich verstehe diese Arbeit als eine theoretische Auseinandersetzung mit und Annäherung an das Spannungsfeld historisch-politischer Bildungsarbeit an Orten ehemaliger, nationalsozialistischer Konzentrationslager. Sie ist jedoch nicht als konkreter Leitfaden für die pädagogische Praxis am spezifischen Ort des ehemaligen Mädchen-KZ und `Vernichtungslagers´ Uckermark konzipiert, sondern hofft vielmehr allgemein, Reflexions- und Bewusstseinsprozesse anzustoßen und den persönlichen und professionellen Handlungsspielraum zu erweitern.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Konstruktion von Gesellschaft im Gedenken | 6 |
| 1.1 | Kollektives Gedächtnis | 6 |
| 1.2 | Kommunikatives Gedächtnis | 9 |
| 1.3 | Kulturelles Gedächtnis | 10 |
| 1.3.1 | Konnektive Struktur | 12 |
| 1.3.2 | Kanon | 14 |
| 1.4 | Identität(en) | 17 |
| 1.4.1 | Individuelle und personale Identität | 17 |
| 1.4.2 | Kollektive Identität | 19 |
| 1.4.3 | Nationale Identität | 20 |
| 1.5 | Formen der Vergangenheitsbewältigung | 21 |
| 1.5.1 | Erinnern | 22 |
| 1.5.2 | Vergessen, Verdrängen | 23 |
| 1.6 | Zwischenresümee | 24 |
| 2. | Historischer Exkurs: Das Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslager´ Uckermark | 26 |
| 2.1 | Die >Volksgemeinschaft< als Norm | 26 |
| 2.2 | Verfolgung von Menschen als >Asoziale< | 29 |
| 2.3 | Das System >Jugendschutzlager< | 30 |
| 2.4 | Das Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslager´ Uckermark – ein Überblick | 31 |
| 2.5 | Kontinuitäten nach 1945. | 34 |
| 2.5.1 | Im Umgang mit den als >asozial< Verfolgten | 34 |
| 2.5.2 | Im Umgang mit dem Ort des ehemaligen Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslager´ Uckermark | 36 |
| 2.6 | Zwischenresümee | 39 |
| 3. | Umgang mit Gedenken in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen | 41 |
| 3.1 | Annäherung an das Verhältnis von Geschichte, Bildung und Identität | 41 |
| 3.2 | Anregungen für die Bildungsarbeit | 43 |
| 3.2.1 | Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse | 44 |
| 3.2.1.1 | Gesellschaft als Herrschaftssystem | 44 |
| 3.2.1.2 | Mechanismen gesellschaftlicher Diskriminierung | 47 |
| 3.2.2 | Reflexivität als Prinzip der Dekonstruktion. | 51 |
| 3.2.2.1 | Auf der Ebene des Selbstbezugs | 51 |
| 3.2.2.2 | Auf der Ebene der Zielsetzung | 53 |
| 3.2.2.3 | Auf der Ebene der Methodenwahl | 54 |
| 3.3 | Umgang in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen. | 56 |
| 3.3.1 | Mit dem Kanon | 56 |
| 3.3.2 | Mit Vorstellungen kollektiver Identität | 57 |
| 3.3.3 | Mit Gedenken | 60 |
| 4. | Resümee | 62 |
| 5. | Quellenverzeichnis | 65 |
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 4 | |
| 1. | Konstruktion von Gesellschaft im Gedenken | 6 |
| 1.1 | Kollektives Gedächtnis | 6 |
| 1.2 | Kommunikatives Gedächtnis | 9 |
| 1.3 | Kulturelles Gedächtnis | 10 |
| 1.3.1 | Konnektive Struktur | 12 |
| 1.3.2 | Kanon | 14 |
| 1.4 | Identität(en) | 17 |
| 1.4.1 | Individuelle und personale Identität | 17 |
| 1.4.2 | Kollektive Identität | 19 |
| 1.4.3 | Nationale Identität | 20 |
| 1.5 | Formen der Vergangenheitsbewältigung | 21 |
| 1.5.1 | Erinnern | 22 |
| 1.5.2 | Vergessen, Verdrängen | 23 |
| 1.6 | Zwischenresümee | 24 |
| 2. | Historischer Exkurs: Das Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslager´ Uckermark | 26 |
| 2.1 | Die >Volksgemeinschaft< als Norm | 26 |
| 2.2 | Verfolgung von Menschen als >Asoziale< | 29 |
| 2.3 | Das System >Jugendschutzlager< | 30 |
| 2.4 | Das Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslager´ Uckermark – ein Überblick | 31 |
| 2.5 | Kontinuitäten nach 1945. | 34 |
| 2.5.1 | Im Umgang mit den als >asozial< Verfolgten | 34 |
| 2.5.2 | Im Umgang mit dem Ort des ehemaligen Mädchenkonzentrations- und `Vernichtungslager´ Uckermark | 36 |
| 2.6 | Zwischenresümee | 39 |
| 3. | Umgang mit Gedenken in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen | 41 |
| 3.1 | Annäherung an das Verhältnis von Geschichte, Bildung und Identität | 41 |
| 3.2 | Anregungen für die Bildungsarbeit | 43 |
| 3.2.1 | Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse | 44 |
| 3.2.1.1 | Gesellschaft als Herrschaftssystem | 44 |
| 3.2.1.2 | Mechanismen gesellschaftlicher Diskriminierung | 47 |
| 3.2.2 | Reflexivität als Prinzip der Dekonstruktion. | 51 |
| 3.2.2.1 | Auf der Ebene des Selbstbezugs | 51 |
| 3.2.2.2 | Auf der Ebene der Zielsetzung | 53 |
| 3.2.2.3 | Auf der Ebene der Methodenwahl | 54 |
| 3.3 | Umgang in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen. | 56 |
| 3.3.1 | Mit dem Kanon | 56 |
| 3.3.2 | Mit Vorstellungen kollektiver Identität | 57 |
| 3.3.3 | Mit Gedenken | 60 |
| 4. | Resümee | 62 |
| 5. | Quellenverzeichnis | 65 |
Textprobe:
Kapitel 1.4.2, Kollektive Identität:
Obwohl das `Ich-Bewusstsein´ des Individuums von den kollektiven Grundstrukturen geprägt wird, ist mit ihm nicht zwangsläufig auch ein `Wir-Bewusstsein´ verbunden. „Diese Zugehörigkeit,“ so Assmann, „liegt vielmehr als eine Selbstverständlichkeit unterhalb der Schwelle eines bewußten und handlungsleitenden Selbstbildes.“ Kultur, verstanden als Zeichen- und Symbolsysteme, „deren symbolische Ordnungen, kulturelle Codes und Wertehierarchien sich in kulturspezifischen Praktiken und Sinnstiftungsprozessen manifestieren“ ist im Alltag als alternativlose „Weltordnung naturalisiert und in ihrer Eigenart und Konventionalität dem Einzelnen unsichtbar.“ Dieses bewirkt, dass sie „[i]n ihrer Unsichtbarkeit vollkommener Selbstverständlichkeit und Implizität [...] dem Einzelnen auch kein Wir-Bewußtsein, keine [kollektive, K.W.] Identität vermitteln“ kann.
Die Erweiterung der kulturellen Formation, infolge globaler Migration oder aufgrund gesellschaftlicher Spannungen und Konflikte, bewirkt eine Konfrontation mit den verdrängten oder marginalisierten Interessen, Standpunkten, bzw. Personen(gruppen). Auftretende Unterschiede und Widersprüche wirken „auslösend [...] für jene Reflexivität, die einen Verlust an Selbstverständlichkeit und eine Bewusstwerdung des verbindenden und verbindlichen kulturellen Sinns herbeiführt.“ Bewusstwerdung kollektiver Identität entsteht somit „in einer dynamischen Wechselwirkung mit Konzepten von Alterität.“ Neben Prozessen gezielter Kodierung `kollektiver Identität´, findet diese darüber hinaus auch unbewusst Ausdruck in spezifischen Handlungsmustern, Vorstellungsstrukturen und Mentalitäten von Personen. Die Stabilisierung kollektiver Identitätsvorstellungen findet zum einen anhand kollektiver Initiationsriten statt, z.B. Konfirmation oder Heirat, kann aber auch mit diskriminierenden Zuschreibungen gegenüber anderen Lebensformen und Verhaltensweisen einhergehen, die der positiven Selbstvergewisserung dienen.
Als Beispiel für diskriminierende Zuschreibungen kann das Stigma der `sexuellen Verwahrlosung´ gelten, mit dem während des NS Mädchen und Frauen diskriminiert und als `asozial´ verfolgt wurden, die aufgrund wechselnder Liebesbeziehungen und sexueller Kontakte dem bürgerlichen Weiblichkeitsideal von Treue, Mütterlichkeit und Opferbereitschaft widersprachen. Die gesteigerte Abgrenzung nach `außen´, durch die Ausgrenzung von Personen mit abweichendem Verhalten, bewirkte unweigerlich eine gesteigerte Einheit im Inneren.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836602754
Arbeit zitieren:
Wacker, Kirsten Juli 2006: Identität, Kontinuität - Reflexivität?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gedenkstättenpädagogik, Jugendarbeit, Bildungsarbeit, Konzentrationslager, Nationalsozialismus



