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Das INTRA-Modell

Warum das derzeitige Modell der Ratingagenturen zum Scheitern verurteilt ist, und die Lösung eine internationale NPO-Ratingagentur ist.

Das INTRA-Modell
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Erich Johann Haberhauer
  • Abgabedatum: Mai 2012
  • Umfang: 134 Seiten
  • Dateigröße: 2,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: WWEDU - Worldwide Education, Josef Schumpeter Institut, Wels Österreich
  • Originaltitel: Warum das derzeitige Modell der Ratingagenturen zum Scheitern verurteilt ist, und die Lösung eine internationale NPO-Ratingagentur ist.
  • Bibliografie: ca. 60
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-3190-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haberhauer, Erich Johann Mai 2012: Das INTRA-Modell, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ratingagentur, Rating, Ratingprozess, Middlefacts, Bewertungsgrundsatz

Studienarbeit von Erich Johann Haberhauer

Einleitung:

Die vorliegende Arbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil, der von Kapitel 2-8 reicht, analysiert das bisherige Agieren der Ratingagenturen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Im zweiten Teil (Kapitel 9-12) wird ein Lösungsansatz in Form einer internationalen Ratingagentur (INTRA) modelliert.

Am Beginn der Arbeit stehen die verschiedenen Sichten der Marktteilnehmer im Finanzbereich mit dem Bezug auf Ratingbewertungen. Anschließend wird der Ratingprozess näher erläutert. Dieser wird sowohl in einen externen als auch in einen internen Prozess zerlegt. Dabei wird die Informationsasymmetrie deutlich und in weiterer Folge genauer untersucht.

Danach wird der Frage nachgegangen, wie Fehler bei Entscheidungen zu Stande kommen, bzw. wie diese Fehler anhand einer systematisierten Entscheidungsfindung verhindert werden können. Da Rating Agenturen lediglich ‘opinions’ abgeben, werden anhand von vergangenen Bewertungen die Schwächen dieser aufgezeigt, sowie anschließend eine genauere Analyse zwischen Meinung und Bewertung durchgeführt.

Die Frage der Steigerung des Wettbewerbs durch mehrere Ratingagenturen, die in der Literatur häufig zu finden ist, wird im nächsten Kapitel hinterfragt. Insbesondere wird auf die Qualität, die hier genauer analysiert und definiert wird, in diesem Zusammenhang eingegangen. Ebenso werden Ursachen gesucht, die zu einem Qualitätsverlust führen.

Im Kapitel sechs geht es vor allem um die Qualifikationen der Ratingagenturen. Wobei zuerst eine Begriffsdefinition erfolgt, um anhand dieser sowie der Fehler der Rating Agenturen in der Vergangenheit deren Qualifikation zu hinterfragen.

Die sich daraus ergebende Frage, wie stark die Manipulation bzw. Einflussnahme bei den Ratingagenturen erfolgt, wird im nächsten Kapitel untersucht. Begonnen wird mit Definitionen dieser Begriffe. In weiterer Folge werden Beispiele angeführt, aus denen sowohl Manipulation als auch Einflussnahme hervorgeht – insbesondere im Zusammenhang mit Länderratings und Verkomplizierung und Verschachtelung. Anschließend wird ein fiktives Modell aufgrund der Geheimniskrämerei aufgezeigt. Ebenfalls wird auf die in der Literatur oftmals verpönte staatliche Ratingagentur eingegangen, da hier Bedenken bestehen, dass diese Agenturen einer besonders starken Beeinflussung und Manipulation durch den Staat unterliegen. Auch die Haftungsfrage, die in diesem Zusammenhang gestellt wird, wird untersucht. Insbesondere wird auf den Vergleich zwischen Banken und Ratingagenturen in punkto Haftung eingegangen.

Mit der anschließenden Überleitung beginnt der zweite Teil dieser Arbeit, der auch als vorgezogene Conclusio betrachtet werden kann. In der Überleitung werden die derzeitig herrschenden Mängel aufgezeigt sowie deren künftige Situation analysiert. Dabei stellt sich heraus, wie in Zukunft das Umfeld der Ratingagenturen auszusehen hat.

Die anschließende Modellierung einer internationalen Ratingagentur zeigt einen logischen Lösungsansatz der gegenwärtigen Problematik. Zur Darstellung dieser internationalen Ratingagentur (INTRA) werden einige Schwerpunkte genauer ausgearbeitet. Da eine genauere Untersuchung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, werden hier nur auf die im ersten Teil auftretenden Mängel näher eingegangen.

Bei der Betrachtung der Struktur wird besonderen Wert auf die Organe der INTRA gelegt. In weiterer Folge sollen die Aufgaben näher betrachtet werden, wobei eine Erweiterung dieser unumgänglich ist. Auch die Aufgaben der mit der internationalen Ratingagentur in Verbindung stehenden Marktteilnehmer (INTRA-’Beteiligte’) werden einer genaueren Betrachtung unterzogen. Da die künftige INTRA als NPO geführt wird, muss auch deren Finanzierung analysiert werden. Aufgrund der Tatsache, dass die INTRA eine weltweit operierende Ratingagentur ist, in der alle Länder vertreten sein sollten, müssen sowohl zentrale als auch dezentrale Baulichkeiten und Hierarchien existieren.

Daran anschließend werden die neuen Bewertungskriterien modelliert, wobei hier neben Hard- und Softfacts auch Middlefacts behandelt werden. Sowohl das Unternehmens-, Länder-, Branchen- und Währungsrating werden hier unter neuen Gesichtspunkten ansatzweise modelliert. Da in der INTRA die Transparenz eine wichtige Rolle spielt, folgt ein Überblick über einen künftigen Ratingbericht.

Aufgrund der Tatsache, dass bei der Umsetzung mit Widerstand zu rechnen ist, wird im folgenden Kapitel ein Lösungsansatz für einen Umsetzungsprozess vorgestellt. In der abschließenden Conclusio werden die Hauptargumente mit deren Lösungsansätzen kurz zusammengefasst, da der zweite Teil dieser Arbeit schon eine Schlussfolgerung des ersten Teils ist.

Inhaltsverzeichnis:

0 Abkürzungsverzeichnis 5
1 Einleitung 7
2 Verschiedene Sichten einiger Marktteilnehmer 9
2.1 Schuldner/Emittenten/Fondsgesellschaften 10
2.2 Ratingagenturen 13
2.3 Bank 15
2.4 Gläubiger/Risikoträger 15
2.5 Zusammenfassung 16
3 Ratingprozess 17
3.1 Externer Prozess 18
3.2 Interner Prozess 19
3.3 ‘Rating Shopping’ 23
3.4 Auftragsloses Rating 23
3.5 Zusammenfassung 24
4 Asymmetrie der Information 24
4.1 Informationen - Ratingagenturen 25
4.2 Informationen – Investoren 26
4.3 Zusammenfassung 27
4.3.1 Schutz der Anleger 27
5 Meinung 30
5.1 Analyse von Fehlern 30
5.1.1 Fehleinschätzung 30
5.1.2 Ursachen von Fehlentscheidungen und Risiken im Zusammenhang 32
5.1.3 Systematisierte Entscheidungsfindung 35
5.2 Opinion und Rating 38
5.2.1 Opinion 38
5.2.2 Rating 39
5.2.2.1 Meinung 39
5.2.2.2 Bewertung 40
5.3 Zusammenfassung 41
5.3.1 Opinion in den USA 42
6 Wettbewerb und Qualität 43
6.1 Qualitätsbegriff 43
6.1.1 Zielkostenmanagement 45
6.1.2 Obsoleszenz 46
6.1.3 Weitere Ursachen des Qualitätsverlustes 48
6.1.3.1 Gewinnorientierung ohne nennenswerte Konkurrenz 48
6.1.3.2 Keine Haftung 50
6.1.3.3 Interessenskonflikt 50
6.1.3.4 Mangelnde Überprüfung, -barkeit und Transparenz 51
6.1.3.5 Spekulation 52
6.2 Wettbewerb in der Literatur 53
6.2.1 Wettbewerb als Ursache des ‘Rating Shoppings’ 54
6.3 Zusammenfassung 56
7 Qualifikation der Ratingagenturen 56
7.1 Definition Qualifikation 56
7.2 Definition Wissen 57
7.3 Definition Kernkompetenz 57
7.4 Zusammenfassung mitBezugnahme auf Ratingagenturen 58
7.4.1 Fehler der Vergangenheit 59
7.4.2 Schlussbetrachtung 63
8 Manipulation und Einflussnahme 64
8.1 Definitionen 64
8.1.1 Definition Manipulation 64
8.1.2 Definition Einfluss/Einflussnahme 66
8.2 Manipulation und Einflussnahme von außen 67
8.3 Manipulation und Einflussnahme nach außen 71
8.4 Länderrating 73
8.4.1 Japan 73
8.4.2 USA 76
8.4.3 EU-Rettungsschirm - Eurozone 80
8.5 Mystifikation durch Verkomplizierung und Verschachtelung 82
8.6 Fiktives Modell aufgrund der Geheimniskrämerei der Ratingagenturen 84
8.7 Staatliche Ratingagentur als Alternative? 86
8.8 Haftungsvergleich zwischen Banken und Ratingagenturen 89
8.9 Zusammenfassung 91
9 Überleitung 91
10 Modell 93
10.1 Struktur der INTRA 94
10.1.1 Organe 94
10.1.1.1 Hauptversammlung 95
10.1.1.2 Kommissionen 96
10.1.1.3 Gruppen 97
10.1.1.4 Gremien 97
10.1.1.5 Abteilungen 99
10.1.2 Ratingprozess 99
10.2 Aufgaben der INTRA 101
10.2.1 Analyse 102
10.2.2 Kontrolle 103
10.2.3 Lieferfunktion, Transparenz, Veröffentlichung 104
10.2.4 Bewertungen 105
10.2.5 Steuerung 105
10.2.6 Koordination 106
10.3 Aufgaben der INTRA-’Beteiligten’ 106
10.3.1 Banken 108
10.3.2 Schuldner, börsennotierte Unternehmen 108
10.3.3 Staaten 108
10.3.4 Wirtschaftsprüfer 108
10.3.5 Öffentlichkeit 109
10.3.6 Börsen 109
10.3.7 Kontrollorgan 109
10.3.8 Universitäten 110
10.3.9 Investoren/Anleger 110
10.4 Finanzierung der INTRA 110
10.5 Dezentraler Zentralismus 112
11 Bewertungskriterien 113
11.1 Unternehmensrating 115
11.1.1 Hardfacts (HFt) 115
11.1.2 Middlefacts (MFt) 116
11.1.2.1 Beispiele für MFt 116
11.1.2.2 Bewertungsbeispiel MFt 117
11.1.2.3 Beeinflussung von MFt auf Gesamtrating 118
11.1.3 Softfacts (SFt) 119
11.1.4 Bewertung 119
11.2 Länderrating 120
11.3 Branchenrating 121
11.4 Währungsrating 121
11.5 Ratingbericht (Überblick) 122
12 Umsetzungsprozedere 123
13 Conclusio 127
14 Literaturverzeichnis 129
15 Internetverzeichnis 131
16 Abbildungsverzeichnis 136
17 Tabellenverzeichnis 137

Textprobe:

Kapitel 4., Asymmetrie der Information:

Um die Informationsasymmetrie der in diesem Zusammenhang Hauptbeteiligten besser zu verstehen, soll nun analysiert werden, wer diese Beteiligten sind und wie sie zu ihren Informationen kommen. Des Weiteren wird der Inhalt der beiden Informationsstände sowie deren Möglichkeiten der Beschaffung verglichen, um die Asymmetrie deutlicher zu machen. Die in diesem Zusammenhang relevanten Beteiligten sind einerseits die Ratingagenturen und die Anleger andererseits.

4.1., Informationen – Ratingagenturen:

Für die Ratingagenturen ist es notwendig Informationen zu beschaffen, um eine entsprechende Ratingnote zu vergeben. Der Emittent als Ratingadressat hat der Rating-Agentur alle relevanten Informationen in einem Rating-Handbuch und während verschiedener Präsentationen zur Verfügung zu stellen. Daneben versorgt sich die Rating-Agentur mit öffentlich zugänglichen Informationen über das Unternehmen, welche gemeinsam nach einem geheimen System ausgewertet werden.

Des Weiteren kann aufgrund der großen Anzahl an unterschiedlichen Auswertungen auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgegriffen werden. Dieser dient ebenfalls dazu, einen Schnitt durch die verschiedenen Branchen zu ziehen, um auch der Branche eine Ratingnote zuzuteilen. Da Ratingagenturen unternehmensrelevante Daten ermitteln, sammeln, bewerten, archivieren und sie diese in standardisierten Notationen zusammenfassen, ist es den Agenturen durch diese internationale Tätigkeit möglich, die Angleichung international abweichender Rechts-, Rechnungslegungs- und Finanzsysteme zu gewährleisten.

Trotz der EU-Ratingverordnung ist das Rating (bislang) ein intransparentes und nicht reproduzierbares Verfahren. Sowohl die Anleger als auch die bewerteten Unternehmen wissen in der Regel nicht, nach welchen individuellen Kriterien uns Bewertungsmethoden die Ratingagenturen die Bonität der Unternehmen und Anleihen ermittelt.

4.2., Informationen – Investoren:

Die Anleger brauchen Information, um das Risiko ihrer Investition abschätzen zu können. Von zentraler Bedeutung für die Investoren ist das Rating, weil sie mit der Fülle der Informationen überfordert sind und oft auch nicht wissen, wie die Selektion und Bewertung zu bewerkstelligen ist. Diese Aufgabe ist schwierig und mag insbesondere für klein- und mittelständische Unternehmen sowie für Privatanleger eine kaum überwindbare Hürde sein. Trotzdem stehen neben agentureigenen Periodika auch Internetseiten, die nach Abschluss eines Abonnementvertrages genutzt werden können, zur Verfügung. Davon machen überwiegend institutionelle Anleger Gebrauch. Private Investoren informieren sich häufig im Finanz- oder Wirtschaftsteil überregionaler Tageszeitungen.

Da die Bewertungsmethoden der Ratingagenturen bislang intransparent sind und die Überprüfung des erteilten Ratings durch eine weitere Agentur oder einen Gutachter mit erheblichen Kosten verbunden ist, stehen dem privaten wie institutionellen Anleger grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Entweder ermitteln sie sämtliche Informationen, Daten und Kennzahlen selbständig und ressourcenaufwendig, oder sie nutzen bereits existierende, fremd erstellte Datenbanken und Analysen. Die zuletzt genannte Variante erscheint oft vorzugswürdig, um die unüberschaubare Flut an Daten und Informationen, die bestehenden Sprachbarrieren sowie die unterschiedlichen Bilanzierungs- und Rechnungslegungsvorschriften halbwegs bewältigen zu können. Globalisierung, Internationalisierung, Deregulierung sowie das Wachstum der nationalen und internationalen Finanzmärkte haben zu einer Informationsexplosion geführt, die allein nicht mehr handhabbar ist. Genau das ist die Aufgabe der Ratingagentur. Da jedoch vielerlei Interessen auf ein Rating einwirken (siehe 8.3. Manipulation und Einflussnahme nach außen), ist es für die Anleger oft schwer ein objektives und neutrales Rating von einem Gläubiger zu erhalten.

4.3., Zusammenfassung:

Aufgrund der hier klar erkennbaren Informationsasymmetrie wird verständlich, warum sich die Anleger auf ein Rating verlassen wollen. Jedoch ist dies angesichts der Interessen der bestehenden Ratingagenturen nicht immer realisierbar. Vor allem dann nicht, wenn sich die Agenturen sowohl für die Strukturierung als auch für die Bewertung bezahlen lassen. Das ist gerade so, als wäre der ADAC kein Mitgliederverband, sondern einer, der sich von den Autofirmen dafür bezahlen lassen würde, dass er beim Design der Autos mithilft und die Autos anschließend testet und positiv bewertet. Diese positive Bewertung beleuchtet Sinn auch noch von einer anderen Sichtweise. So wie ein schlechter Lehrer sich an den Arbeitgebern und Universitäten vergeht, wenn er seinen Schülern lauter Einser gibt, haben die Rating-Agenturen die Kunden der Banken an der Nase herumgeführt, indem sie den CDO-Papieren viel zu gute Bewertungen ausstellten. Um die Investoren nicht einer derartigen Willkür auszusetzen, muss über eine Absicherung diesbezüglich nachgedacht werden.

4.3.1., Schutz der Anleger:

Zur Einleitung soll der Anlegerschutz bei Banken betrachtet werden. Die besondere Schutzwürdigkeit eines Großteils der Bankgläubiger kann aus mehreren sie charakterisierenden Eigenschaften abgeleitet werden. So ist das den Banken anvertraute Geldvermögen für die wirtschaftliche Existenzsicherung der breiten Bevölkerung von außerordentlicher Bedeutung, da viele der sogenannten Kleinanleger einen wesentlichen Teil ihres Vermögens in den Geldanlagemöglichkeiten der Banken als Altersvorsorge und Absicherung gegen die Wechselfälle des Lebens halten. Über das Charakteristikum der wirtschaftlichen Schwäche hinaus dürfte den meisten Bankgläubigern die Möglichkeit fehlen, vermögenssichernde Selbstschutzmaßnahmen durchzuführen. In aller Regel befinden sie sich gegenüber Kreditinstituten in einer Verhandlungsposition, die es ihnen nicht erlaubt, Informations- und Kontrollrechte einzufordern oder spezifische Wünsche nach Sicherheiten durchzusetzen. So ist es den Einlegern allgemein nicht möglich, zur Bonitätsbeurteilung eines Kreditinstituts ausreichende Finanzinformationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse zu erlangen, wobei sich die meisten Einleger aufgrund ihrer mangelnden ökonomischen Erfahrung und Sachkenntnis ohnehin außerstande sehen dürften, die Bonität einer Bank sachgerecht zu beurteilen. Um vor allem die Kleinanleger zu schützen, müssen alle Banken in Österreich per Gesetz die Einlagen bis zu EUR 100.000,-- pro Person garantieren. Hierzu werden die Einlagen über einen Sicherungsfonds abgesichert.

Eine Möglichkeit die Informationsasymmetrie bei Ratings indirekt auszugleichen, ist die Einführung einer Institution nach dem Vorbild der Einlagensicherung. Hier müssen die Schuldner einen Teil des Wertes der gesamten Emission bei Sicherungsfonds hinterlegen, um im Anlassfall Einlagen bis zu einer festzusetzenden Höhe abzusichern.

Als weitere Maßnahme bietet sich eine Haftung für vergebene Ratings durch die Agenturen an. Um jedoch nicht unnötig lange Gerichtsverfahren in Gang zu setzten, deren Ausgang ungewiss ist, und auch, um möglichst rasch und unbürokratisch den Gläubigern ihren Schaden zu ersetzen, sollten Ratingagenturen einerseits einen Teil ihrer Honorare in Haftungsfonds hinterlegen und andererseits verpflichtend Versicherungen abschließen müssen. Diese Versicherungen sollten für die von den Agenturen verursachten Schäden einspringen. Wobei eine detaillierte Betrachtung über die Höhe der Schadensersatzleistung den Rahmen dieser Arbeit sprengt. Auch die Frage welche organisatorische Einrichtung über die Schadensersatzzahlungen zu entscheiden hat, kann hier nicht ausführlich genug behandelt werden.

Nicht abwegig ist und überlegenswert scheint der Gedanke einer persönlichen Haftung derer, die die Ratingentscheidung getroffen haben.

Derartige Maßnahmen haben mehrere Vorteile. Ersten wären Anleger besser geschützt als heute. Zweitens steigt die Qualität der Beurteilung, weil die Ratingagenturen auch indirekt mithaften. Schließlich könnte als präventiv disziplinierende Maßnahme die Höhe der beim Sicherungsfonds hinterlegten Mittel von der Irrtumswahrscheinlichkeit der einzelnen Agenturen abhängig gemacht werden. Daraus ergibt sich zwangsläufig der dritte Vorteil. Da sich nicht nur die hinterlegten Mittel sondern auch die Höhe der Versicherungsprämien an der Fehlerwahrscheinlichkeit der Ratingagenturen orientieren, dienen diese Maßnahmen als weiterer Ansporn zum Überdenken ihrer ‘opinions’ und zur Verbesserung der Qualität dieser. Viertens zahlen jene, die Krisen wie die derzeitige verursacht haben, auch entsprechende Teile des Schadens. Dazu kommt noch, dass sowohl Sicherungsfonds und Versicherungen im Falle von zu häufigen Zahlungen, die Verträge mit den Ratingagenturen aufkündigen werden. Ohne eine Absicherung durch Sicherungsfonds und Versicherungen, sollte die Anerkennung aberkannt werden. Dies führt zu einer indirekten Kontrolle der Agenturen.

Arbeit zitieren:
Haberhauer, Erich Johann Mai 2012: Das INTRA-Modell, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ratingagentur, Rating, Ratingprozess, Middlefacts, Bewertungsgrundsatz

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