IFRS im Mittelstand – eine Chance für KMU?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Mösch
- Abgabedatum: Juli 2006
- Umfang: 71 Seiten
- Dateigröße: 738,9 KB
- Note: 2,5
- Institution / Hochschule: AKAD Wissenschaftliche Hochschule Lahr GmbH Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9866-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9866-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9866-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mösch, Martin Juli 2006: IFRS im Mittelstand – eine Chance für KMU?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unternehmenstransparenz, Rating, Basel II, SME, Rechnungswesen
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Diplomarbeit von Martin Mösch
Problemstellung:
Die International Financial Reporting Standards sind auf dem Vormarsch – und betreffen nicht nur Global Player. Auch für den Mittelstand nimmt die Bedeutung der internationalen Rechnungslegung ständig zu und doch stehen viele mittelständische Unternehmen den IFRS noch skeptisch gegenüberstehen. Vorteile der internationalen Rechnungslegung sollen vor allem in der Vergleichbarkeit der Unternehmensabschlüsse zu sehen sein. Unternehmen, die international tätig sind und somit rechnungslegungspflichtige Niederlassungen in verschiedenen Ländern haben, können die Ergebnisse besser vergleichen.
Während kapitalmarktorientierte Unternehmen schon seit dem 01.01.2005 verpflichtet sind auf IFRS umzustellen, gestaltet sich die Lage im Mittelstand komplexer. Auf freiwilliger Basis ist auch die Anwendung von IFRS im Einzelabschluss bzw. für nicht-kapitalmarkorientierte Gesellschaften möglich, d.h. es besteht die Option einen zusätzlichen Abschluss nach internationalen Richtlinien zu erstellen. Die Regelungen des deutschen HGB und der IFRS unterscheiden sich aufgrund der Grundkonzeption jedoch erheblich.
Die internationalen Rechnungslegungsstandards verzichten dabei auf wesentliche Elemente des handelsrechtlichen Gläubigerschutzes zugunsten einer Investororientierung. Sie stehen allein im Fokus der Informationsfunktion. Demgegenüber sind die Bilanzierungsgrundsätze nach HGB aufgrund der Ausschüttungsbemessungsfunktion und dem damit angestrebten Kapitalerhaltungsprinzip vom Vorsichtsprinzip geleitet.
Es stellt sich die Frage, welche Bedeutung diese Entwicklung für die Unternehmen hat und inwiefern der Mittelstand betroffen ist. Insbesondere steht zur Diskussion, ob Mittelständler durch eine freiwillige Umstellung der Rechungslegung auf IFRS Vorteile z.B. hinsichtlich der Finanzierung erwarten können, oder ob die Nachteile z.B. Kosten einer Umstellung die Vorteile kompensieren oder sogar übersteigen.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Zukunft der Rechnungslegung im Mittelstand. Zielsetzung ist es, die Vor- und Nachteile einer Umstellung auf IFRS aus Sicht des Mittelstands darzustellen, da sich die überwiegende Anzahl von Untersuchungen zur internationalen Rechnungslegung mit kapitalmarktorientierten Großbetrieben beschäftigt. Zudem werden die Entwicklungen eigener internationaler Rechnungslegungsstandards für kleine und mittlere Unternehmen aufgezeigt.
Die vorliegende Arbeit ist in sieben Kapitel gegliedert. Nach diesem einleitenden Abschnitt folgt der Teil 2, der die Charakteristika mittelständischer Unternehmen erläutert und damit die arbeitsspezifische Definition darlegt.
Das darauf folgenden Kapitel 3 befasst sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, sowie den grundlegenden Unterschieden der IFRS zum deutschen HGB, bevor im Hauptteil der Arbeit in den Kapiteln 4 und 5 die Vor- und Nachteile einer Umstellung speziell für den Mittelstand erörtert werden.
Im anschließenden 6. Teil soll das sog. SME-Projekt des IASB, auch IASB-Projekt Accounting Standards for Non-Publicity Accountable Entities, vorgestellt werden.
Die Arbeit schließt im Teil 7 mit einem Fazit ab.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollten die Vor- und Nachteile einer Umstellung der Rechnungslegung von KMU auf IFRS dargestellt werden. Die Vorteile durch eine Umstellung auf IFRS für kapitalmarktorientierte Unternehmen sind nicht ohne weiteres auf den deutschen Mittelstand übertragbar. Es zeigt sich auch, dass der Nutzen aus einer Umstellung abnimmt, je kleiner die Unternehmensgröße ist.
Die Abschlussadressaten mittelständischer Unternehmen stellen i.d.R. weniger Informationsanforderungen an die Rechnungslegung, sie haben häufig auch direkten Zugang zu den Informationen. Für international tätige KMU und Unternehmen, die mit einem positiven Image am Markt ihren Auftritt stärken wollen, sowie Unternehmen, die einen Börsengang oder internationale Kreditgeber suchen, können die IFRS hilfreich sein. Dies wird aber i.d.R. auch nur bei größeren Mittelständlern der Fall sein.
Die These, dass die Kreditfinanzierung und damit zusammenhängend die Finanzierungskonditionen auch im Hinblick auf Basel II 2007 verbessert werden, kann nicht eindeutig bestätigt werden, da die Banken ihre Beurteilung vom zu analysierenden Unternehmen und nicht vom Rechnungslegungssystem abhängig machen.
Ebenso zeigt die Arbeit, dass nur wenige KMU den Markt für Mezzanine-Finanzierungen derzeit in Anspruch nehmen und dass der Ausweis des Eigenkapitals sich reduzieren kann, da nach IAS 32 das wirtschaftliche Eigenkapital u.U. als Fremdkapital auszuweisen ist, da es keinen „Zwischenausweis“ in der Bilanz zwischen Eigenkapital und Fremdkapital gibt. Nachteilig für die Mittelständler sind zusätzlich die hohen Umstellungskosten und der Schulungsaufwand, den der positive Aspekt einer Annäherung von externem und internem Rechnungswesen nicht wirklich abschwächen kann. Die Problematik der Maßgeblichkeit und der Auschüttungsberechnung zeigen noch deutlicher die Tendenz auf, für Mittelständler nicht freiwillig umzustellen.
Die derzeit vorliegenden IFRS beinhalten keine größenabhängigen Staffelungen, wie vergleichsweise das HGB. Deshalb schafft man mit dem IASB Projekt for Non-Publicly Accountable Entities eine zusätzliche Chance für KMU sich an geeignetere „IFRS für KMU“ anzunähern. Hier bleibt jedoch abzuwarten, ob es sich lediglich um weniger Vorschriften bei den Anhangspflichten oder auch um wirklich einfachere und praxistauglichere IFRS für den Mittelstand.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | VI | |
| 1. | EINFÜHRUNG | 1 |
| 1.1 | PROBLEMSTELLUNG | 1 |
| 1.2 | ZIELSETZUNG DER ARBEIT | 2 |
| 2. | KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN (KMU) | 3 |
| 2.1 | QUANTITATIVE KRITERIEN ZUR DEFINITION VON KMU | 3 |
| 2.2 | QUALITATIVE KRITERIEN ZUR DEFINITION VON KMU | 4 |
| 3. | RECHNUNGSLEGUNG NACH IFRS | 6 |
| 3.1 | RECHTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN | 6 |
| 3.2 | GRUNDLEGENDE UNTERSCHIEDE ZUM DEUTSCHEN HGB | 8 |
| 4. | ARGUMENTE FÜR DIE ANWENDUNG DER IFRS BEI KMU | 11 |
| 4.1 | UNTERNEHMENSTRANSPARENZ | 12 |
| 4.2 | NEUE GESCHÄFTSBEZIEHUNGEN DURCH ZUNEHMENDE GRENZÜBERSCHREITENDE TÄTIGKEITEN | 14 |
| 4.3 | UNTERNEHMENSIMAGE - IFRS ALS POSITIVES SIGNAL | 15 |
| 4.4 | HARMONISIERUNG VON EXTERNEM UND INTERNEM RECHNUNGSWESEN | 16 |
| 4.4.1 | Konvergenznotwendigkeit im Rechnungswesen | 17 |
| 4.4.2 | IFRS als Ausgangspunkt für die Konvergenz | 18 |
| 4.5 | BILANZPOLITIK | 20 |
| 4.6 | VERBESSERTE MÖGLICHKEITEN ZUR UNTERNEHMENSFINANZIERUNG | 22 |
| 4.6.1 | Rating/Basel II | 22 |
| 4.6.2 | Schneller Zugang zum Kapitalmarkt bei Bedarf | 26 |
| 4.6.3 | Leichterer Zugang zu internationalen Kreditgebern | 27 |
| 4.6.4 | Leichterer Zugang zu möglichen Finanzierungsformen | 27 |
| 4.6.4.1 | Eigenkapitalfinanzierungen | 29 |
| 4.6.4.2 | Mischformen - Mezzanine-Finanzierungen | 30 |
| 4.6.4.2.1 | Begriff Mezzanine-Kapital | 31 |
| 4.6.4.2.2 | Arten von Mezzanine-Kapital | 32 |
| 4.6.4.2.3 | Bilanzielle Behandlung von Mezzanine-Kapital | 32 |
| 4.6.4.2.4 | Beurteilung von Mezzanine-Kapital für den Mittelstand | 34 |
| 4.6.4.3 | Fremdkapitalfinanzierungen | 36 |
| 5. | ARGUMENTE GEGEN DIE ANWENDUNG DER IFRS BEI KMU | 39 |
| 5.1 | AUSWIRKUNGEN AUF DIE DARSTELLUNG DER VERMÖGENS-, FINANZ- UND ERTRAGSLAGE | 40 |
| 5.1.1 | Generelle Informationsvermittlung durch Bilanzen | 40 |
| 5.1.2 | Grenzen bilanzieller Erfolgsermittlung | 40 |
| 5.2 | MAßGEBLICHKEIT/MEHRFACHBILANZIERUNG | 42 |
| 5.2.1 | Maßgeblichkeit und Probleme bei der Abkehr | 43 |
| 5.2.2 | Tendenz des Gesetzgebers | 44 |
| 5.3 | UMSTELLUNGS- UND FOLGEKOSTEN | 45 |
| 5.4 | KOMPLEXITÄT DER REGELUNGEN | 47 |
| 6. | ENTWICKLUNG EINES EIGENSTÄNDIGEN REGELWERKS FÜR KMU | 50 |
| 6.1 | AUSGANGSSITUATION UND HISTORIE DES PROJEKTS | 50 |
| 6.2 | DERZEITIGER STAND DES NPAE PROJEKTS | 51 |
| 6.3 | VORAUSSICHTLICHE ERLEICHTERUNGEN FÜR KMU | 51 |
| 6.4 | BEURTEILUNG AUS SICHT DES MITTELSTANDS | 53 |
| 7. | FAZIT | 54 |
| QUELLENVERZEICHNIS | 55 |
IFRS nicht forcieren werden.93 „Die finanzwirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens und damit die tatsächliche Ausfallwahrscheinlichkeit der von ihm aufgenommenen Kredite ist unabhängig davon, ob das Unternehmen nach IFRS oder HGB bilanziert.“94 Die ursprüngliche These, aufgrund der Anforderungen von Basel II bestehe ein faktischer Zwang zum Wechsel der Bilanzierung nach IFRS, wird also hinsichtlich inländischer Abschlüsse nicht eindeutig bestätigt.95 „Externe Analysten werden bestrebt sein, das Analyseurteil vom zu analysierenden Unternehmen und nicht von der eingesetzten Rechnungslegungsmethode abhängig zu machen.“96 Abschließend kann somit nicht über das derzeitige Ausmaß des Vorteils für mittelständische Betriebe entschieden werden. Voraussichtlich werden sich die Banken in der zukünftigen Entwicklung, z.B. auch aus praktischen Gründen, auf eine Rechnungslegungsnorm verständigen. Mit dem verpflichtenden Rating nach Basel II werden sich die Tendenzen zu den IFRS auch im Mittelstand weiter verstärken. Es wäre eine schwierige und kostenintensive Angelegenheit für die Banken, auf Dauer nach zwei verschiedenen Systemen zu arbeiten. Deshalb kann aus Bankensicht das Bedürfnis bestehen, so früh wie möglich IFRS auch für nichtbörsenorientierte Unternehmen zu fordern.97 4.6.2 Schneller Zugang zum Kapitalmarkt bei Bedarf [...]
genkapitalpuffer) benötigt. Diese Informationen können durch die Jahresabschlüsse der vergangenen Jahre, durch Zwischenabschlüsse des laufenden Geschäftsjahrs und durch die Unternehmensplanung (Investitionsplan, Kapitalmaßnahmen, Liquiditätsplan u.a.) gewonnen werden. Die mit Basel II eingeführte Pflicht zum Rating der Unternehmen soll den Banken dabei eine Aussage über die Fähigkeit zur vollständigen und termingerechten Rückzahlung der Verbindlichkeiten auf Basis von Unternehmensanalysen anhand von „harten“ und „weichen“ Faktoren ermöglichen.91Positive Auswirkungen auf das Rating eines mittelständischen Unternehmens könnten sich aus einer freiwilligen Anwendung der IFRS ergeben. Denn einerseits kann die Anwendung der IFRS zu einer Erhöhung der Eigenkapitalquote (z.B. durch die Neubewertung von Grundstücken und Gebäuden), sowie zu einer Erhöhung des Ergebnisses vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern führen, welche von den meisten Ratingsystemen als zentrale Beurteilungskriterien genutzt werden. Andererseits ergibt sich der Zinssatz für ein Darlehen aus einer risikolosen Basisrendite zuzüglich eines vom jeweiligen Unternehmen abhängigen Risikozuschlags. Dieser Risikozuschlag hängt unter anderem vom Umfang und der Transparenz der zur Verfügung gestellten Informationen ab. Da die IFRS durch ihre an der betriebswirtschaftlichen Realität ausgerichtete Bilanzierung deutlich mehr Informationen und Transparenz als das HGB bieten, könnte sich ein tendenziell geringerer Risikoaufschlag bzw. eine bessere Risikoeinstufung ergeben. Vereinzelt wird auch vermutet, dass die Kreditinstitute im Laufe der Zeit bei größeren Finanzierungen einen mit anderen Unternehmen der Branche vergleichbaren Abschluss nach IFRS verlangen werden.92 Den genannten Argumenten steht aber ein Statement des Bundesverband Deutscher Banken gegenüber, wonach das Ergebnis des Ratings nicht von der gewählten Rechnungslegungsnorm abhängt, da eine Umstellung des Rechnungslegungssystems die Realität nicht verändert und somit keine Änderung des Risikos vorliegt und die Banken auch einen Abschluss nach [...]
/NORDEN/WEBER die Auswirkungen von Basel II und damit auch die Gewährung und die Konditionen bei Bankkrediten für Kreditnehmer, mit dem Ergebnis, dass mittelständische Unternehmen im Vergleich zu großen Unternehmen mit einer Erhöhung des Kreditzinses rechnen müssen, weil die Bonitätsratings mit abnehmender Unternehmensgröße entscheidend schlechter werden.87 Aufgrund des höheren Informationswerts der IFRS Bilanzierung und der damit verbundenen höheren Unternehmenstransparenz wird vielfach davon ausgegangen, dass auch die den Mittelstand betreuenden Kreditinstitute verstärkt IFRS-Abschlüsse einfordern werden.88 Im Wesentlichen orientiert sich die traditionelle Kreditwürdigkeitsprüfung auf den Jahresabschluss nach handelsrechtlichen Gesichtspunkten. Die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens wird mit vergangenheitsorientierten Bilanzkennzahlen abgebildet. Demgegenüber soll ein Rating die Zukunftsfähigkeit einer Unternehmung beurteilen. Zu diesem Zweck werden zusätzlich zu den vergangenheitsorientierten Werten auch zukunftsorientierte Größen benötigt und in die Analyse mit einbezogen.89 Besonderes Interesse der Kreditinstitute liegt in der Gewinnung von Informationen, die eine möglichst zuverlässige Einschätzung der Kreditrückzahlungsfähigkeit ermöglichen.90 Diese entscheidet, ob und in welcher Höhe die Kreditinstitute finanzielle Mittel bereitstellen. Informationen werden hinsichtlich der Ertragssituation (künftige Jahresüberschüsse), der Liqiditätssituation (künftige Cashflows) und dem Vorhandensein von Reserven (Ei86 87 88 89 90 [...]
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Arbeit zitieren:
Mösch, Martin Juli 2006: IFRS im Mittelstand – eine Chance für KMU?, Hamburg: Diplomica Verlag
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Unternehmenstransparenz, Rating, Basel II, SME, Rechnungswesen



