Homo oeconomicus – ein universell geeignetes Modell für die ökonomische Theorie?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Nehring
- Abgabedatum: Dezember 2008
- Umfang: 154 Seiten
- Dateigröße: 689,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Helmut Schmidt Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 64
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4858-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Nehring, Martin Dezember 2008: Homo oeconomicus – ein universell geeignetes Modell für die ökonomische Theorie?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Homo oeconomicus, Verhaltensmodell, Ökonomie, Theorie, Ökonomik
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Diplomarbeit von Martin Nehring
Problemstellung:
Ökonomische Theorien und Handlungsempfehlungen bestimmen unternehmerische Tätigkeiten, Politik und das öffentliche Bewusstsein. Sie bilden die Grundlagen für Politikberatung und prägen das Verständnis sozialer Wirklichkeit. Kaum andere wissenschaftliche Denkmodelle haben einen vergleichbaren Einfluss. Ökonomen sprechen darüber hinaus wirtschaftspolitische Empfehlungen aus, die die Entwicklung der Wirtschaftsordnung und damit der gesamten Gesellschaft maßgebend mitbestimmen. Das Modell des Homo oeconomicus spielt in der ökonomischen Theorie seit dem Beginn der modernen Wirtschaftswissenschaften eine implizite und seit Vilfredo Pareto auch eine explizite Rolle. Es bildet das zentrale Element und die Grundlage neoklassischer Modelle. Durch den dominierenden Einfluss der Neoklassik innerhalb der Wirtschaftswissenschaften nimmt das Modell des Homo oeconomicus in der ökonomischen Theoriebildung eine Schlüsselposition ein. Das gilt in einem bestimmten Umfang auch für andere wissenschaftliche Disziplinen, wie z. B. die Soziologie und die Rechtswissenschaften. Das Modell des Homo oeconomicus hat mittlerweile längst eine implizite Normativität erreicht und beeinflusst somit auch auf diese Weise das Handeln der unternehmerischen und politischen Entscheidungsträger.
Dabei sind die Ansichten über das Modell desHomo oeconomicus selbst in den Wirtschaftswissenschaften nicht unumstritten: Nicht alle Ökonomen sehen umfassende Anwendungsmöglichkeiten für dieses Konzept. Den Mittelpunkt von Diskussionen bilden vor allem einzelne Modellannahmen, wie die Rationalität oder das eigennützige Verhalten, aber auch die Frage, ob es sich beim Homo oeconomicus um ein ökonomisches oder verhaltenswissenschaftliches Modell handelt, ist nicht vollständig geklärt. Viele Probleme treten außerdem bei dem Versuch auf, die einzelnen Fassetten des Konzepts genau darzustellen: Ökonomen meinen nicht zwingend das Gleiche, wenn sie über den Homo oeconomicus sprechen. Das ursprüngliche Modell, das in der neoklassischen Theoriebildung definiert wurde, kann von den modifizierten Versionen, die im 20. Jahrhundert entwickelt wurden, unterschieden werden. Ein empirisches Verständnis des Konzepts kann von einem fiktiven Verständnis getrennt werden. Und eine normative Auffassung des Modells steht der nicht-normativen Auffassung gegenüber. Die Vorstellungen über die genauen Eigenschaften und Annahmen des Homo oeconomicus sowie über seinen methodologischen Status gehen weit auseinander.
Die Kritik an dem Konzept hat vor allem in den letzten zwanzig Jahren an Bedeutung und Einfluss gewonnen. Die Kritiker des Homo oeconomicus behaupten, dass das mit dem Modell (implizit) einhergehende Menschenbild für die Erklärung vieler Phänomene nicht ausreichend ist. Zweifel gibt es deshalb darüber, ob das Konzept des Homo oeconomicus tatsächlich ein angemessenes Modell menschlichen Verhaltens darstellt. Insbesondere wird betont, dass menschliche Entscheidungen in der Realität anders getroffen werden, als es das Modell des Homo oeconomicus darstellt. Aus diesem Grunde sollten Ökonomen vor allem psychologische Erkenntnisse in ihren Theorien berücksichtigen. Die Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften an Daniel Kahneman und Vernon Smith für ihre Forschungen auf dem Gebiet der verhaltensorientierten Ökonomie und der experimentellen Wirtschaftsforschung im Jahre 2002 hat diese Entwicklung unterstützt und die Bedeutung psychologischer Ansätze für die Wirtschaftswissenschaften insgesamt erhöht. Bereits im Jahr davor wurde der Nobelpreis an George A. Akerlof, A. Michael Spence und Joseph Stiglitz verliehen, die sich kritisch mit der Vorstellung der Existenz vollkommener Märkte auseinandersetzten.
Dabei sind die Kritikpunkte an dem Modell an sich nicht neu. Bereits Adam Smith maß Emotionen in seinen Theorien einen besonderen Stellenwert zu. Und Gustav v. Schmoller bildete mit seiner Aussage, dass für eine angemessene Einschätzung des Wirtschaftslebens die menschliche Psyche berücksichtigt werden müsste, eine Grundlage für den Methodenstreit zwischen den Vertretern der Historischen Schule und den Befürwortern der klassischen Theorie. Die Isolationsannahme und das Rationalitätspostulat des Modells wurden bereits 1898 durch Thorstein Veblen kritisiert. Und auch Arthur Pigou stand dem Modell skeptisch gegenüber. 1955 wurde der Homo oeconomicus durch den Psychologen Herbert Simon infrage gestellt. Seit der Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften an Simon im Jahre 1978 hat die psychologische Ökonomie viel Einfluss gewonnen und zu der gegenwärtigen Kritik am Modell beigetragen.
Die Argumente gegen den Homo oeconomicus kommen aus einer Vielzahl empirischer Belege, vor allem jedoch aus den Bereichen der verhaltenswissenschaftlichen und experimentellen Forschung. Durch die Entwicklung moderner ökonomischer Experimentaltechniken ist es möglich, praktisches Verhalten in Laboursituationen gezielt mit theoretischen Prognosen zu vergleichen. Experimente zeigen, dass Individuen nicht immer rational handeln. Sie sind außerdem empfänglich für Fairness und Emotionen. Vor allem die Beachtung bestimmter sozialer Normen führt die Annahme rein konsequentialischer Nutzenmaximierung ad absurdum. Der Einfluss von Fairness auf menschliches Handeln ist darüber hinaus in einer Vielzahl von Experimenten unter variierenden Bedingungen und in verschiedenen Kulturen bestätigt worden. In der aktuellen Diskussion sehen viele Kritiker das neoklassische Modell des Homo oeconomicus daher als empirisch widerlegtes und überholtes Konzept an, das im Grunde ein verfehltes Menschenbild impliziert. Psychologie, experimentelle Wirtschaftsforschung und Neuroökonomie haben dieser Ansicht nach das Modell des Homo oeconomicus widerlegt. Mit ihm kann der Anspruch moderner Wirtschaftswissenschaften, wieder eine Sozialwissenschaft bzw. eine Wissenschaft vom Verhalten des Menschenzu sein, nicht erfüllt werden. In Lehrbüchern und ökonomischen Grundlagenwerken befinden sich mittlerweile häufiger Aussagen, die das Modell als zu einseitig und zu einfach für eine moderne Wirtschaftstheorie brandmarken. Dazu kommen außerdem Tendenzen, die Interdisziplinarität zwischen den einzelnen Wissenschaften zu fördern, sowie wissenschaftstheoretische Trends, verschiedene wissenschaftliche Perspektiven in zunehmendem Maße nebeneinander bestehen zu lassen und nach der jeweiligen Problemstellung auszuwählen. Die Notwendigkeit universell anwendbarer Modelle wird so auch in der Ökonomie infrage gestellt.
Die Berücksichtigung dieser Aspekte hat zwar zu Verunsicherung und zu einer zunehmenden Ablehnung des Modells geführt. Auf der anderen Seite scheint das Konzept des Homo oeconomicus für die Wirtschaftswissenschaften jedoch unabdingbar zu sein. Viele Ökonomen rechtfertigen das Modell und betrachten es, auch mangels besserer Alternativen, als zweckmäßig und geeignet. Seine Entwicklung zeigt darüber hinaus, dass das Modell immer wieder angepasst und somit weiter genutzt werden konnte. Die Mehrheit der Ökonomen ist sich deshalb über die Anerkennung des Konzepts als Kern der ökonomischen Theoriebildung einig. Faktisch ist der Homo oeconomicus das bevorzugte Modell menschlichen Verhaltens in der Ökonomie.
Auf der Grundlage dieser Ausführungen stellt sich die Frage nach den genauen Anwendungsmöglichkeiten desKonzepts Homo oeconomicus. Fraglich ist insbesondere, inwieweit das Modell denn wirklich eine angemessene und vor allem universell anwendbare Basis für die Entwicklung ökonomischer Theorien darstellt. Als Ziel dieser Arbeit möchte ich deshalb die Frage beantworten, ob der Homo oeconomicus für die Wirtschaftswissenschaften grundlegend geeignet ist oder nicht.
Dazu werde ich das Modell des Homo oeconomicus zunächst grundsätzlich erörtern. Dabei werde ich in Kapitel 2 auf seine historische Entwicklung eingehen, die Charakteristika des Homo oeconomicus illustrieren und seine Stärken aufführen. In Kapitel 3 erfolgt eine Darstellung der Kritik an dem Konzept. Die Argumente der Befürworter des Modells, die das Konzept trotz der Kritikpunkte für gerechtfertigt halten, werden in Kapitel 4 diskutiert. Anschließend wird in Kapitel 5 gezeigt, welche Folgen das Auftreten von Irrationalität in Form von Geldillusion aufmakroökonomischer Ebene haben und wie sich dieses Phänomen im Zusammenhang mit bestimmten Fairnessvorstellungen auswirken kann. Dabei werde ich auch die oben gestellte Frage beantworten. Eine Einschätzung der Ergebnisse meiner Betrachtungen erfolgt in Kapitel 6.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | III | |
| 1. | Gegenstand der Arbeit | 1 |
| 2. | Das Modell des Homo oeconomicus | 5 |
| 2.1 | Die historische Entwicklung | 5 |
| 2.1.1 | Einflussfaktoren vor der klassischen Nationalökonomie | 5 |
| 2.1.2 | Die klassische Nationalökonomie | 7 |
| 2.1.3 | Der klassische Utilitarismus | 12 |
| 2.1.4 | Die Neoklassik | 15 |
| 2.1.5 | Modifikationen des Modells im 20. Jahrhundert | 22 |
| 2.1.6 | Der Vorwurf des ‘ökonomischen Imperialismus’ | 26 |
| 2.1.7 | Anmerkungen zur historischen Entwicklung | 28 |
| 2.2 | Die Charakteristika des Modells | 37 |
| 2.2.1 | Die Rationalitätsannahme | 38 |
| 2.2.2 | Die Eigennutzannahme | 42 |
| 2.2.3 | Die Bedeutung von Restriktionen in der ökonomischen Analyse | 46 |
| 2.2.4 | Der methodologische Individualismus | 47 |
| 2.2.5 | Anmerkungen zu den Modellcharakteristika | 48 |
| 2.3 | Stärken des Modells | 49 |
| 3. | Die Kritik am Modell | 51 |
| 3.1 | Die Kritik an der Rationalitätsannahme | 53 |
| 3.1.1 | Das Konzept der eingeschränkten Rationalität | 54 |
| 3.1.2 | Verhaltensanomalien | 56 |
| 3.1.3 | Die Bedeutung von Emotionen für menschliches Verhalten | 60 |
| 3.2 | Die Kritik an den Präferenzen | 61 |
| 3.2.1 | Die Kritik an den Präferenzen des klassischen Modells des Homo oeconomicus | 61 |
| 3.2.2 | Die Kritik an der Annahme konstanter Präferenzen | 63 |
| 3.3 | Begrenzter Eigennutz | 66 |
| 3.3.1 | Soziale Präferenzen | 67 |
| 3.3.1.1 | Reziprozität | 68 |
| 3.3.1.2 | Altruismus | 69 |
| 3.3.1.3 | Implikationen | 70 |
| 3.3.2 | Intrinsische Motivation und Identität | 72 |
| 3.4 | Glück als alternatives Konzept zur Wohlfahrtsmessung | 74 |
| 3.5 | Die Kritik an den Restriktionen | 75 |
| 3.6 | Soziale Normen und Regeln | 77 |
| 3.7 | Der methodologische Individualismus | 78 |
| 3.8 | Die Kritik an der formalen Ausrichtung und der Orientierung an den Naturwissenschaften | 79 |
| 3.9 | Anmerkungen zur Kritik am Modell des Homo oeconomicus | 80 |
| 4. | Das Modell des Homo oeconomicus als notwendige heuristische Grundlage für die ökonomische Theorie | 82 |
| 4.1 | Die Methodologie der positiven Ökonomik | 83 |
| 4.2 | Die Kompensation individuell irrationalen Verhaltens durch Märkte | 86 |
| 4.3 | Das Modell als Fiktion für die Bestimmung durchschnittlichen Verhaltens von Wirtschaftssubjekten aufgrund der Knappheit von Ressourcen | 87 |
| 4.4 | Das Modell des Homo oeconomicus als Grundlage für die Analyse nicht intendierter Ergebnisse individuellen Handelns | 92 |
| 4.5 | Die Rationalitätsannahme als Voraussetzung für die Analyse des Einflusses von Restriktionen auf das Verhalten von Individuen | 93 |
| 4.6 | Die Eigennutzannahme als Motiv für die universelle Erklärung menschlichen Handelns | 96 |
| 4.7 | Der Vorwurf mangelnder Realitätsnähe | 104 |
| 4.8 | Anmerkungen zu den Argumenten der Befürworter des Modells | 107 |
| 4.8.1 | Die Methodologie der positiven Ökonomik | 107 |
| 4.8.2 | Die Irrelevanz von Verhaltensanomalien für die aggregierte Ebene | 110 |
| 4.8.3 | Die heuristische Funktion der Rationalitätsund Eigennutzannahme | 113 |
| 4.8.4 | Die mangelnde Realitätsnähe der Annahmen | 116 |
| 5. | Die Auswirkungen des Phänomens Geldillusion auf die Ergebnisse individuellen Handelns auf makroökonomischer Ebene | 119 |
| 5.1 | Die Annahme rationaler Erwartungen in der ökonomischen Theorie | 119 |
| 5.2 | Das Phänomen Geldillusion | 123 |
| 5.3 | Der Einfluss von Geldillusion auf die Anpassung nach einem Schock | 128 |
| 5.4 | Der Einfluss von Geldillusion im Zusammenhang mit Fairnessvorstellungen auf die Arbeitsnachfrage | 133 |
| 5.5 | Anmerkungen zum Einfluss von Geldillusion und Fairness | 135 |
| 6. | Fazit | 137 |
| Literaturverzeichnis | 145 |
Textprobe:
Kapitel 2, Das Modell des Homo oeconomicus:
Kapitel 2.1, Die historische Entwicklung:
Der Ursprung des Modells des Homo oeconomicus bzw. seine „Geburtsstunde“ ist nicht mehr genau zu ermitteln. Eine Vollständigkeit beanspruchende historische Untersuchung müsste aber wohl bereits die Vorstellungen der antiken Sophisten, die negative Bewertung der Orientierung am Privatnutzen bei Aristoteles, im Neuen Testament und in der mittelalterlichen Philosophie berücksichtigen sowie die Neubewertung des Eigennutzes in der Renaissance. Eine solche Untersuchung sollte die Ansichten der Spätscholastiker ebenso einbeziehen wie die Werke Machiavellis und Hobbes. Neben den zentralen Arbeiten Smiths, Mills und Gossens müssten wohl auch die Werke von Marx und Malthus Beachtung finden, um anschließend das eigentliche Konzept des Homo oeconomicus, wie es in der Neoklassik zum ersten Mal in Erscheinung tritt, darzustellen.
Kapitel 2.1.1 Einflussfaktoren vor der klassischen Nationalökonomie:
Neben einer solchen umfassenden Betrachtung lassen sich jedoch wesentliche gedankliche Voraussetzungen für die Entwicklung des Modells auch in einem kleineren Rahmen ausmachen. Wichtige Grundlagen für das Modell wurden bereits vor den Anfängen der klassischen Nationalökonomie gebildet. Mit dem Beginn des Merkantilismus wurde die mittelalterliche Bedarfswirtschaft durch eine an Profitmaximierung orientierte frühkapitalistische Marktwirtschaft ersetzt. Die damit einhergehende Veränderung in der Mentalität der Kaufleute, vor allem die Orientierung an dem Prinzip der Profitmaximierung, wurde zu einer frühen Grundlage des Modells des Homo oeconomicus. Auch Hobbes trug im Leviathan zumindest in indirekter Weise zur Modellentstehung bei, indem er den englischen Bürgerkrieg als Ergebnis nicht-intendierter Handlungen betrachtete und den Menschen zur Darstellung gesellschaftlicher Probleme in reduzierter Weise modellierte. Mandevilles Bienenfabel, zwischen 1714 und 1729 in mehreren Auflagen publiziert und eigentlich als Sittenspiegel für den Adel gedacht, rechtfertigte Eigenschaften wie private Selbstsucht, Leidenschaften, Triebbefriedigung, Gier und Laster als wohlstandssteigernd und wies darüber hinaus dem Eigeninteresse und persönlichem Profitstreben eine auf das Allgemeinwohl bezogene Richtung zu.
Weitere Voraussetzungen wurden durch den Physiokratismus gebildet. Der Physiokratismus suchte vor dem Hintergrund unangemessen erscheinender Aktivitäten absolutistischer Entscheidungsträger und als Antwort auf den Merkantilismus nach einem wissenschaftlichen System, das die Gesetze menschlichen Handelns zusammenhängend erklären konnte. Die notwendigen Erkenntnisse wollten die Physiokraten durch eine Rückbesinnung auf die Natur erhalten. Dadurch sollte eine universelle Gestaltung der Gesellschaft gewährleistet werden. Insbesondere auf ökonomischer Ebene beabsichtigten die Physiokraten, eine exakte Steuerung der absolutistischen Wirtschaft zu ermöglichen. Aufgrund naturgegebener Anreize und Beschränkungen würde die Ökonomie eines Landes nach physiokratischer Vorstellung von selbst zu einem Gleichgewicht tendieren, wenn diese Prozesse nicht durch äußere Eingriffe behindert würden.
Eine der Grundlagen ökonomischer Entscheidungen im Physiokratismus bildete das auf der Maximierungsannahme basierende Rationalitätsprinzip, das das Eigeninteresse der Individuen als Hauptprinzip der natürlichen Ordnung und des menschlichen Handelns rechtfertigte. Das Rationalitätsprinzip wurde von den Physiokraten als das eigeninteressierte Streben nach Genuss bei weitestgehend geringen Kosten ausgelegt. Verbunden damit war die Emanzipation der Wirtschaft von der Ethik. Wirtschaftliches Handeln wurde von nun an als eigenständiger Bereich angesehen, der nicht ein Teilbereich einer politischen Ordnung war, sondern seiner eigenen Logik folgte. Das persönliche Streben nach ökonomischen Vorteilen wurde nicht mehr als negative Leidenschaft betrachtet, sondern vielmehr als positives Interesse bewertet. Eigeninteresse und Hedonismus konnten sich im Physiokratismus zu ökonomischen Prinzipien durchsetzen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836648585
Arbeit zitieren:
Nehring, Martin Dezember 2008: Homo oeconomicus – ein universell geeignetes Modell für die ökonomische Theorie?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Homo oeconomicus, Verhaltensmodell, Ökonomie, Theorie, Ökonomik



