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Der Hörbuchmarkt in Deutschland

Der Hörbuchmarkt in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ute Hennig
  • Abgabedatum: November 1997
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 596,0 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4448-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4448-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4448-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hennig, Ute November 1997: Der Hörbuchmarkt in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Buchhandel, Buchmarkt, Hörbuch, Worttonträger

Diplomarbeit von Ute Hennig

Einleitung:

Der deutschsprachigen Presse dient das Hörbuch als neues Zeitgeistprodukt, das nach langer Durststrecke zum Höhenflug ansetzt. Kann man aber von einem Boom sprechen, wenn in einem Zeitraum von drei Tagen statt einem Exemplar plötzlich zwei verkauft werden? Handelt es sich um eine geschickte Werbemaßnahme oder ein tatsächlich relevantes Wachstum? Warum trauen sich nicht mehr Buchverlage und Händler an das verheißungsvolle Medium heran? Ich möchte darstellen, wie die Situation des Hörbuchmarktes wirklich aussieht, warum Worttonträger plötzlich eine verstärkte Beachtung finden und was für Maßnahmen zur weiteren Expansion ergriffen werden und werden müssten.

Außer zahlreichen Pressemeldungen unterschiedlicher Qualität und Länge existiert so gut wie keine Sekundärliteratur zum Thema. Um zuverlässige Daten und Definitionen der direkt am Herstellungsprozess beteiligten Verlage zu erhalten, habe ich Interviews mit Fachleuten geführt und an 49 deutschsprachige Hörbuchproduzenten einen Fragebogen verschickt, dessen Auswertung mir konkrete Informationen über die jeweilige Verlagsgeschichte, die Einführung des Produktes auf dem Markt, Werbestrategien, Produktion, Wechselwirkungen mit dem gedruckten Buch sowie über Vertriebswege beschaffen sollte. Die Ergebnisse sind trotz eines sehr hohen Rücklaufes von 63 Prozent keineswegs repräsentativ. Sie zeigen dennoch Tendenzen, Meinungen und Stimmungen, die das in der Öffentlichkeit nicht einheitlich gezeichnete Bild bestätigen und ergänzen. Bei dieser Untersuchung steht die verlegerische Sicht im Vordergrund, da es aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht möglich war, ebenfalls Buchhändler und Endverbraucher zu befragen.

Eine Klärung des Begriffes Hörbuch und eine Bestandsaufnahme der aktuellen Marktsituation verdeutlichen die verschiedenen Auffassungen der Entwicklung und führen direkt in die Fragestellung ein. Die der Auswertung der Fragebögen und darauf folgenden Interviews entnommenen Informationen sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit sich das Hörbuch in Deutschland etabliert hat und welche Hürden es - auch im vielzitierten und nicht immer angebrachten Vergleich zu den USA und Großbritannien - noch zu nehmen gilt. Dafür ist es notwendig, mehr als nur die Entwicklung von Absatzzahlen und Verlagsprogrammen zu betrachten.

Das Hörbuch ist keine neue Erfindung dieses Jahrzehnts. Seine Ursprünge sind in der Tradition des Vorlesens begründet und reichen zurück bis zu dem Moment, in dem es das erste Mal gelang, Sprache auf einem Tonträger festzuhalten. Zur Basisinformation werde ich einen kurzen Abriss der Entstehung der Worttonträger geben. Die Besprechung der Stärken und Schwächen dieses Mediums einschließlich ihrer Ursachen verdeutlicht, womit es bis zu seiner Durchsetzung kämpfen und was für Vorurteilen es gezielt mit welchen Methoden begegnen muss. Es handelt sich zum Teil um zunächst banal erscheinende Dinge, die nicht schwer zu lösen sind, aber bei einer negativen Grundeinstellung von seiten der Händler und Endverbraucher im Hinblick auf Marketing und Vertrieb keineswegs unterschätzt werden dürfen. Ein Überblick über den Produktionsweg des Hörbuches gibt Aufschluss über die schon im Vorfeld beginnenden Schwierigkeiten auf dem Weg zum Erfolg. Eine Analyse der PR-Arbeit, der Marketingstrategien und der bereits existierenden Vertriebsschienen wird durch weitere Vorschläge ergänzt.

Kinderkassetten müssen auf dem Worttonträgermarkt nicht mehr durchgesetzt werden. Der Vollständigkeit halber gehe ich in einem Exkurs, der die unterschiedlichen Voraussetzungen im Vergleich zum Tonträgermarkt und dem Hörverhalten der Erwachsenen aufzeigt, auf sie ein. Ebenfalls vorgestellt werden muss die „Initiative Wort Cassette“ (IWC), deren Existenzbedingungen Rückschlüsse auf die Situation des Hörbuchmarktes zulassen. Die Beschreibung ausgewählter Verlage mit unterschiedlichen Gründungsdaten, Größen und Programmen soll das Bild vervollständigen, um die jeweiligen Verfahrensweisen und Ansprüche aufzuzeigen. Die veränderte Marktlage spiegelt sich darin wider.

Das Anwachsen des Hörbuchmarktes bringt nicht nur die Diskussion um die Textbearbeitungen der Lektorate und die Interpretationen durch die jeweiligen Sprecher mit sich, sondern erneuert einmal mehr die Prophezeiung des Endes der Lesekultur. Schlussbetrachtungen und ein Ausblick runden die Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Was genau ist ein Hörbuch? Eine Definition 7
3. Die Situation des Worttonträgermarktes in Deutschland 10
4. Die Entstehung des Hörbuches 16
4.1 Hören und Zuhören 16
4.2 Hörbuch und Hörspiel in Rundfunkwortprogrammen 17
4.3 Das Worttonträgerangebot in den USA und in Großbritannien 19
4.4 Die Entwicklung des Worttonträgerangebotes in Deutschland 22
4.5 Die Einsatzmöglichkeiten des Hörbuches 23
5. Die Produktion und der Vertrieb des Hörbuches 25
5.1 Die Produktion 25
5.1.1 Die Textauswahl 25
5.1.2 Textbearbeitungen und Spielzeiten 28
5.1.3 Sprecher 30
Exkurs: Gert Westphal - der Vorleser der Nation 32
5.1.4 Sprechen 33
5.1.5 Die technische Umsetzung 37
5.1.6 Die Verpackung 38
5.1.7 Die Beilagen 40
5.1.8 Compact Disc oder Kassette? 44
5.1.9 Die Entstehung des Preises und die Preisbindung 46
5.2 PR-Arbeit, Marketing und Werbung 49
5.2.1 Die PR-Arbeit 49
5.2.2 Marketing und Werbung 51
5.2.3 Die Werbemittel 55
5.3 Der Vertrieb 62
5.3.1 Die Angebotsorte und -formen von Hörbüchern 65
a) Buchhandel 65
b) Versandhandel/Buchclubs 67
c) Musikfachhandel 69
d) Kaufhäuser 69
e) Bahnhofsbuchhandel 69
f) Tankstellen 70
g) Kaffeeketten 70
h) Supermärkte 71
i) Krankenhauskioske 71
j) Hörbuchläden 71
k) Internet 72
l) Bibliotheken 73
Exkurs: Der Kinderkassettenmarkt 76
6. Initiative Wort Cassette (IWC) 79
7. Anbieter von Worttonträgern 82
7.1 Deutsche Grammophon 83
7.2 DerHörVerlag 83
7.3 Verlag Franz Josef Knape 84
7.4 Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen 85
7.5 Rowohlt Verlag 85
7.6 Edition schumm sprechende bücher im Jutta Steinbach Verlag 85
7.7 Carl-Auer-Systeme-Verlag 86
7.8 con anima Verlag 86
7.9 Quickborn Verlag 87
7.10 Aufbau Verlag 87
7.11 Bertelsmann 87
8. „Double your time“ - Das Ende der Lesekultur? 88
9. Schlussbetrachtungen 90
Anhang 92
Fragebogen 93
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 95
LITERATURVERZEICHNIS 96
Abbildungsverzeichnis 100

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zu den bekannten Trägermedien bestehen derzeit keine brauchbaren Alternativen. Die Minidiscs konnten sich auf dem deutschen Markt nicht durchsetzen, und eine andere Konkurrenz zu Kassette und Compact Disc steht derzeit nicht zur Diskussion. Der verstärkte Einsatz der BASF im Bereich Hörbuch, zum Beispiel als Anreger der Initiative Wort Cassette, verwundert nicht, wenn man die sinkenden Absatzzahlen der Musikkassette bedenkt. Eine steigende Nachfrage an Wortkassetten bedeutet für einen Hersteller des Trägermaterials natürlich wachsende Umsätze mit einem totgeglaubten Produkt. Aufhalten läßt sich der Niedergang der Audio-Kassette kaum - er läßt sich vorläufig gewinnträchtig hinauszögern. Die Bemühungen der im Gegensatz zu den kleinen Hörbuchverlagen finanzkräftigen BASF kommen dabei allen Beteiligten zugute. [...]

43 Die CD ist nach wie vor das teurere Produkt und verkauft sich schlechter als Kassetten, welche auf Dauer jedoch sicherlich nicht mithalten können. Zur Demonstration von Hörbeispielen ist sie besser geeignet. Während die Kassette den punktgenauen Einstieg einer Stelle bietet, weist die CD den Vorteil des sekundenschnellen Überspringens von Passagen auf, die ein „Diagonal-Hören“ zur Auswahl eines Hörbuches im Handel ermöglicht. Der Trend tendiert zur Compact Disc. Autoradios inclusive CD-Player und -Wechsler sind mittlerweile kaum noch teurer als solche, in die nur ein Kassettenrekorder integriert ist. Das während des Fahrens riskante Greifen und Auspacken des Tonträgers fällt ebenfalls weg. CD-Wechsler können versteckt im Kofferraum angebracht und Autoradios mit Codes und abnehmbaren Bedienungsleisten gesichert werden, so daß sich die Sorge vor Diebstahl verringert. [...]

42 Fast die Hälfte der befragten Verlage produziert ihre Programme ausschließlich auf Kassette, ein Viertel zu 70 bis 90 Prozent. Lediglich 8 Prozent veröffentlichen nur Compact Discs. Ein Verlag nennt als Grund, daß Compact Discs bislang nicht gewünscht wurden; für einen anderen sind die Grundkosten zu hoch. Noch stellt die Kassette nicht zuletzt wegen des niedrigeren Endpreises das meistproduzierte und gewünschte Trägermedium dar, doch die Zukunft gehört tendenziell der Compact Disc. Das Hörbuch auf Audio-Kassetten muß gegen einen schlechten Ruf aufgrund minderwertiger Bandqualitäten im Musiktonträgerbereich ankämpfen. Obwohl die Verlage der Wortprogramme versichern, daß für diese Produkte hochwertiges Material verwendet wird, lassen sich diese im Tonträgerhandel, also vornehmlich Plattenläden, schwer anbieten. Der Buchhandel dagegen bevorzugt die Audio-Kassette85. Klanglich kann die Kassette mit digitalen Speichermedien nicht mithalten. Jeder Abspielvorgang erhöht den Grad der Abnutzung. Andererseits - und das ist ein schlagendes Argument für dieses Trägermedium - finden sich auf Kassetten die Stellen, an denen unterbrochen wurde, zielgenau wieder. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis dieses Problem bei Compact Discs gelöst ist. Bis dahin hat der Kassettenrekorder keinesfalls ausgedient. Er ist in deutschen Haushalten nach wie vor weit verbreitet, und Autos verfügen in der Regel über ein serienmäßig eingebautes Radio mit Kassettenabspielmöglichkeit. Solange diese technisch vergleichsweise altmodische Variante von der Zielgruppe überwiegend benutzt wird, empfiehlt sich die Kassette als Tonträger. [...]

Arbeit zitieren:
Hennig, Ute November 1997: Der Hörbuchmarkt in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Buchhandel, Buchmarkt, Hörbuch, Worttonträger

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