Hochbegabte Kinder in Kindertagesstätte und Grundschule
Verkannt und vernachlässigt, umworben und gefördert
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Yvonne Kossmann
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 158 Seiten
- Dateigröße: 6,0 MB
- Note: 1,8
- Institution / Hochschule: Universität Koblenz-Landau, Abt. Koblenz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5437-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kossmann, Yvonne August 2001: Hochbegabte Kinder in Kindertagesstätte und Grundschule, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Phänomenbestimmung, Frühforderung, Schulförderung, Studie, Internationales Vergleich
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Diplomarbeit von Yvonne Kossmann
Gang der Untersuchung:
Obwohl die Förderung besonders begabter Kinder in vielen Ländern, wie z.B. den USA, auf eine lange Tradition an adäquat angewandten Fördermaßnahmen zurückblicken kann, ist innerhalb der Bundesrepublik erst seit einigen Jahren Interesse und Sensibilität bezüglich dieses Themas zu spüren. Dabei beginnt die Präsens hochbegabter Kinder langsam, aber stetig, in das Bewusstsein der Eltern, Pädagogen und Politiker zu rücken. Durch diese immer deutlich werdende Präsens geraten diese Personen aber auch in die Position einer Handlungsnotwendigkeit.
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich intensiv mit der Förderung hochbegabter Kinder in Kindertagesstätten und Grundschulen der Bundesrepublik. Dabei soll zunächst durch eine Phänomenbestimmung der abstrakte Begriff „Hochbegabung“ genauer dargelegt werden., um einen umfassenden Einstieg in die Thematik zu ermöglichen. Begriffe wie „Intelligenz“ oder „Kreativität“ werden hier als Definitionskriterium Berücksichtigung finden.
An dieser Stelle werden auch historisch fachwissenschaftliche Streitpunkt behandelt. So wird der Frage nachgegangen, ob besondere Begabungen ererbt oder umweltbedingt sind. Als Konsequenz aus diesem Streitpunkt wird dann auch ein besonderes Augenmerk auf die Wichtigkeit einer früh einsetzenden Förderung gelegt.
Nachdem in der Phänomenbestimmung der Begriff „Hochbegabung“ in seiner Gesamtheit untersucht worden ist, wird anschließend der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der pädagogischen Förderung hochbegabter Kinder liegen. Dabei finden fachwissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich einer frühen Förderung ebenso Berücksichtigung, wie erkannte Probleme und Verhaltensauffälligkeiten, die durch das Ausbleiben von adäquater Förderung bei hochbegabten Kindern entstehen können.
Des weiteren werden einschlägige Fördermaßnahmen für hochbegabte Kinder, wie z.B. das vorschulische Lesenlernen oder das Überspringen in der Grundschule, aus verschiedenen Gesichtspunkten erläutert. Vor- und Nachteile, sowohl für betroffene Kinder, als auch für Pädagogen, werden dabei abgewogen.
Nach dieser theoretischen Auseinandersetzung mit der pädagogischen Förderung hochbegabter Kinder, erfolgt dann eine genaue Untersuchung bezüglich der aktuellen Gegebenheiten, die hochbegabte Kinder und ihre Erzieher / Lehrer in einschlägigen Bildungseinrichtungen der Bundesrepublik vorfinden. Hierzu werden zunächst das Kindertagesstättengesetz und die Leitlinien des Kultusministeriums für die Grundschule genau untersucht und bezüglich ihrer Eignung zu einer individuellen Förderung besonderer Begabungen ausgewertet. Anschließend wird mit einer von der Autorin durchgeführten Studie an Kindertagesstätten und Grundschulen innerhalb der Bundesrepublik die aktuelle Situation hochbegabter Kinder in deutschen Bildungseinrichtungen durchleuchtet. Die Untersuchung betrifft die Präsens hochbegabter Kinder in deutschen Bildungseinrichtungen, ihre soziale und intellektuelle Entwicklung und die besonderen Fördermaßnahmen, die sie innerhalb ihrer Einrichtung bekommen haben. Zudem werden aber auch die Erzieher und Lehrer zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen mit den einschlägig empfohlenen Fördermaßnahmen, sowie die Eignung ihrer eigenen Ausbildung für die Arbeit mit hochbegabten Kindern sprechen dürfen.
Zuletzt werden dann in dieser Diplomarbeit bildungspolitische Fördermaßnahmen der Bundesrepublik mit Fördermaßnahmen auf internationaler Ebene verglichen. Grundlage hierzu dient die Plazierung deutscher Schüler bei internationalen intellektuellen Leistungswettbewerben. Die in den letzten fünf Jahren bestplazierten Länder werden bezüglich ihrer bildungspolitischen Fördermaßnahmen mit denen innerhalb der Bundesrepublik verglichen. Dabei werden Besonderheiten und Unterschiede herausgestellt. Ein etwaiger Zusammenhang zu den internationalen Plazierungen wird dargestellt.
Zusammenfassend kann dann im Endresumee ein Überblick über die aktuelle bildungspolitische Situation hochbegabter Kinder in Kindertagesstätten und Grundschulen der Bundesrepublik, sowie ihrer Erzieher und Lehrer gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 4 |
| 2. | ZUM BEGRIFF HOCHBEGABUNG | 7 |
| 2.1 | Intelligenz und Talent | 8 |
| 2.2 | Kreativität | 11 |
| 2.3 | Hochbegabung - erebert oder umweltbedingt? | 13 |
| 2.4 | Zusammenfassung | 16 |
| 3. | DEFINITIONEN VON HOCHBEGABUNG | 18 |
| 3.1 | Motivation als Definitionskriterium | 23 |
| 3.2 | Zusammenfassung | 24 |
| 4. | BEGRIFFSBESTIMMUNG INNERHALB DIESER ARBEIT | 26 |
| 5. | FACHWISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE | 27 |
| 5.1 | Früherkennung und Frühförderung | 28 |
| 5.2 | Hochbegabte Kinder in der Kindertagesstätte | 33 |
| 5.2.1 | Asynchronie | 38 |
| 5.3 | Hochbegabte Kinder in der Grundschule | 43 |
| 5.3.1 | Akzeleration und Enrichement | 46 |
| 5.3.2 | Die Rolle des Lehrers | 52 |
| 5.4 | Zusammenfassung | 55 |
| 6. | HOCHBEGABUNG UND DIE GESELLSCHAFT | 59 |
| 6.1 | Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Hochbegabung | 60 |
| 6.2 | Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber den Eltern hochbegabter Kinder | 63 |
| 6.3 | Weshalb sollte eine Gesellschaft Hochbegabung fördern? | 65 |
| 6.4 | Zusammenfassung | 67 |
| 7. | HOCHBEGABTE KINDER IN BILDUNGSEINRICHTUNGEN DER BUNDESREPUBLIK | 70 |
| 7.1 | Allgemeine Bestimmungen | 71 |
| 7.1.1 | Das Kindertagesstättengesetz in Rheinland-Pfalz | 71 |
| 7.1.2 | Die Leitlinien des Kultusministeriums Rheinland-Pfalz für die Arbeit in der Grundschule | 79 |
| 7.2 | Studie zur aktuellen Situation hochbegabter Kinder in Kindertagesstätten und Grundschulen | 87 |
| 7.2.1 | Problemformulierung | 89 |
| 7.2.2 | Beschreibung des Untersuchungsrahmens | 91 |
| 7.2.3 | Auswertung | 93 |
| 7.3 | Zusammenfassung | 109 |
| 8. | POLITISCHE MAßNAHMEN ZUR SPEZIELLEN FÖRDERUNG HOCHBEGABTER KINDER IN DER BUNDESREPUBLIK | 112 |
| 8.1 | Parteipolitische Konzepte zur Förderung Hochbegabter innerhalb der Bundesrepublik | 116 |
| 8.2 | Die bundesdeutsche Hochbegabtenförderung im Vergleich auf internationaler Ebene | 123 |
| 8.3 | Zusammenfassung | 131 |
| 9. | ENDRESUMEE | 133 |
men kann hochbegabte Kinder seelisch frustrieren und demotivieren. Es wirkt sich aber auch nachteilig auf die Entfaltung von vorhandenem Potential aus, wenn Kinder ihre Fähigkeiten nicht entfalten können. Dieses Kapitel soll nun die bildungspolitische Wirklichkeit darstellen. Dabei sollen zuerst die aktuellen pädagogischen Konzepte der Kindertagesstätten und Grundschulen auf ihre Eignung zur individuellen Förderung hin untersucht werden. Hierzu dient das „Kindertagesstättengesetz Rheinland-Pfalz“ und die „Leitlinien für die Arbeit in der Grundschule“. Nach den allgemeinen Fördermaßnahmen soll untersucht werden, ob Fördermaßnahmen speziell für hochbegabte Kinder in bundesdeutschen Bildungseinrichtungen praktiziert werden oder bildungspolitisch in Arbeit sind. Zu diesem Zweck wurde für diese Arbeit eine Studie durchgeführt, die das aktuelle Meinungsbild der Pädagogen zur derzeitigen Situation hochbegabter Kinder in Kindertagesstätten und Grundschulen erfassen soll. Im Hinblick auf die Ergebnisse dieser Studien soll dann eine Stellungnahme des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland-Pfalz untersucht werden. Zuletzt soll dargelegt werden, wie Hochbegabtenförderung im Ausland praktiziert wird. Dazu werden Platzierungen aus internationalen Schülerwettbewerben herangezogen, um zu sehen, ob die einzelnen Platzierungen der Schüler von der jeweiligen Bildungspolitik des Landes bestimmt werden. [...]
Eltern hochbegabter Kinder wollen also keineswegs eine Sonderstellung in der Gesellschaft, sondern leiden vielmehr unter dem öffentlichen Druck. Das Hauptproblem stellt dabei die Abweichung von normativen Vorstellungen dar. Wie HEINBOKEL (1996) jedoch aufzeigen konnte, sind die Normvorstellungen einer Gesellschaft zeitlich gebunden. Noch vor vierzig Jahren wäre eine frühe Einschulung der Norm entsprechend gewesen. Heute gilt die frühe Einschulung eines schnell entwickelten Kindes als Normverstoß und wird heftigst diskutiert. Insgesamt kann gesagt werden, dass die Gesellschaft in einer paradoxen Beziehung zu ihren hochbegabten Mitgliedern steht. Einerseits achten sie die Leistungen hochbegabter Menschen, andererseits wird jedoch nicht die Notwendigkeit gesehen, bestehendes Potential zu fördern. Hochbegabte Menschen müssen sich meist allein ihren Weg bahnen. Dabei würde, nach URBAN (1982), die Gesellschaft selbst von einer gezielten Hochbegabtenförderung profitieren. Besonders Deutschland sollte als rohstoffarmes Land nicht auf bestehendes Potential in seiner Bevölkerung verzichten. Genau dies ist jedoch der Fall, wenn hochbegabte Kinder keinen Nährboden zur Entfaltung finden. Hochbegabungen zu fördern, bedeutet eine Investition in die gesellschaftliche Zukunft, weil sich die späteren Leistungen hochbegabter Menschen positiv auf das Land auswirken. Dies wurde teilweise in den USA oder Japan erkannt, die als Länder innerhalb spezifischer Bereiche auf dem Weltmarkt führend sind. Wenn also eine Gesellschaft Hochbegabung fördert, so muss dies nicht allein aus Wohltätigkeit geschehen. Eine Gesellschaft ist eigentlich auf das Potential angewiesen, dass ihre Mitglieder zu bieten haben. Jede Investition in die Hochbegabtenförderung kann zugleich als gesellschaftlicher Profit gesehen werden. [...]
hilfsbedürftigen Gruppe entsprechen. Oberflächlich erscheinen Hochbegabte sogar als vom Schicksal begünstigt, da sie in vielen ihrer Fähigkeiten dem Durchschnitt voraus sind. Die Wohltätigkeit einer Gesellschaft richtet sich jedoch an Mitglieder, die mit ihren Fähigkeiten unter dem Durchschnitt liegen. Es mangelt gesellschaftlich meist an der Sensibilität für die Probleme hochbegabter Menschen. Hier wird u.U. über ein Phänomen geurteilt, obwohl ausreichende Kenntnisse nicht vorhanden sind, um die gesamte Problematik zu überschauen. Als ein Kritikpunkt gegen eine Hochbegabtenförderung wird die fehlende Chancengleichheit genannt. Hierzu konnte jedoch aufgezeigt werden, dass mit Chancengleichheit meist die Anpassung an den Durchschnitt gemeint wird. Für das hochbegabte Kind würde diese Art der Chancengleichheit eine Vereitelung seiner Chancen bedeuten. Im Gegenzug darf Hochbegabtenförderung nicht mit Elitebildung gleichgesetzt werden. Dies ist auch nie im Sinne der Hochbegabtenförderung gewesen. Hochbegabtenförderung bedeutet nicht das Erschaffen einer Elitegruppe. Sie setzt vielmehr da an, wo das hochbegabte Kind individuelle Hilfen benötigt, damit es zu einem zufriedenen Mitglied der Gesellschaft heranwachsen kann. Aber nicht nur die Hochbegabtenförderung unterliegt gesellschaftlichen Vorurteilen, sondern auch die hochbegabten Menschen, sowie ihre Eltern. Die Eltern werden am häufigsten als überehrgeizig postuliert. Ihnen wird vorgeworfen, mit starkem Leistungsdruck ihre Kinder als Genies zu erzeihen. Dagegen konnte aufgezeigt werden, dass die Eltern selbst mit den Fähigkeiten ihrer Kinder hadern. Hochbegabung kann nicht antrainiert werden. Vielmehr zeichnen sich hochbegabte Kinder selbst durch große Wissbegierde aus, die auch die Nerven ihrer Eltern fordert. Viele Eltern fühlen sich oft von den ständigen Fragen ihrer Kinder unter Stress gesetzt. Auch sind sich die Eltern hochbegabter Kinder dem Argwohn ihres Umfeldes bewusst. Viele versuchen daher, so wenig als möglich von der Norm abzuweichen, um nicht ins gesellschaftliche Abseits zu geraten. Dabei stehen sie oft im Konflikt mit dem Wohl ihres Kindes. Denn eine Anpassung an die Norm bedeutet zugleich auch immer eine Unterdrückung des Potentials ihres Kindes. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832454371
Arbeit zitieren:
Kossmann, Yvonne August 2001: Hochbegabte Kinder in Kindertagesstätte und Grundschule, Hamburg: Diplomica Verlag
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Phänomenbestimmung, Frühforderung, Schulförderung, Studie, Internationales Vergleich



