Hilfsangebote für Scheidungskinder
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Karin Gerstner
- Abgabedatum: Oktober 2000
- Umfang: 140 Seiten
- Dateigröße: 783,1 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Koblenz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5919-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5919-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5919-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gerstner, Karin Oktober 2000: Hilfsangebote für Scheidungskinder, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kindschaftsrecht, Kindergruppenarbeit, Trennung, Bewältigungsstrategien, Jugendamt
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Diplomarbeit von Karin Gerstner
Einleitung:
Im Rahmen dieser Diplomarbeit ist es mir ein Anliegen herauszustellen, welche Hilfemöglichkeiten für Scheidungskinder angeboten werden, denn auch diese haben Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche, bezüglich der elterlichen Trennung und Scheidung. Edelgard Placke- Brüggemann hat diese Wünsche zusammengefasst, z.B.:
„Redet mit mir. Ich kriege schon seit längerer Zeit mit, dass etwas in unserer Familie nicht stimmt. Wenn ihr nicht mit mir redet, wachsen meine Fantasien ins Unerträgliche.“.
„Sagt mir ausdrücklich, dass ich keine Schuld an der Trennung habe, auch wenn ich mitbekommen habe, dass ihr euch oft über meine Erziehung gestritten habt.“.
„Haltet meine Wut, meine Angst, meine Stimmungsschwankungen aus, so versuche ich meine Konflikte zu bewältigen.“.
„Helft mir zu sehen, dass mit der Trennung endlich der Streit zu Hause aufhören kann, dass dies auch eine Chance für einen Neubeginn darstellt.“.
Die Kinder sind das schwächste Glied in der Kette der Betroffenen. Gerade deshalb benötigen sie Hilfe und Unterstützung, damit die elterlichen Konflikte, sowie die Trennung/ Scheidung für sie nicht zu einer lebenslangen Belastung werden.
Die Ergebnisse der Scheidungsforschung, welche sich mit der Dynamik des Scheidungsprozesses und den Folgen für alle Beteiligten befassen, geben Hinweise für den Umgang mit Scheidungsfamilien. Desweiteren berücksichtigen die Fachkräfte der Institutionen, welche Maßnahmen für Scheidungsfamilien anbieten, diese Ergebnisse. So bemühen sich z. B. Familiengerichte, Jugendämter, Beratungsstellen, Anwälte, Psychologen und Sozialarbeiter, den betroffenen Kindern und den Eltern gerecht zu werden.
Mit der Einführung des neuen Kindschaftsrechts vom 1.7.1998 veränderten sich einige Bedingungen für die Betroffenen.
So wird z. B. deutlich herausgestellt, dass das Kind ein Recht auf Umgang mit beiden Eltern auch nach einer Trennung/ Scheidung hat. Desweiteren besitzen Eltern einen Rechtsanspruch auf Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung. Inwieweit sich diese neuen Bedingungen deeskalierend auf die streitenden Eltern auswirken, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Die positive Wirkung des Gesetzes hängt mit der Umsetzung in die Praxis und der gelingenden Kooperation aller Institutionen, die in die Arbeit mit Scheidungsfamilien eingebunden sind, zusammen.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht, wie bereits erwähnt, die bestehenden Hilfeangebote für Scheidungskinder unter Berücksichtigung der Veränderungen durch das neue Kindschaftsrecht. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass aufgrund des umfangreichen Themas nicht alle Aspekte berücksichtigt werden können. Außerdem habe ich eine Bestandsaufnahme bezüglich bestehender Hilfeangebote für Scheidungskinder im Raum Koblenz durchgeführt, um einen Einblick über bestehende Angebote und deren Nutzung in der Praxis zu erhalten.
Gang der Untersuchung:
Nach dem kurzen einführenden Überblick, durch Kapitel 1, gliedert sich die Arbeit in weitere sieben Teile auf.
Der erste Teil (Kapitel 2) stellt die Entwicklung der emotionalen Eltern- Kind- Beziehung von der vorindustriellen- bis in unsere heutige Zeit dar. Desweiteren wird das kindliche Erleben der Scheidung beschrieben. Ebenso wird auf die zur Zeit diskutierten Modelle von Ehescheidung eingegangen.
Im Blickfeld des zweiten Teils (Kapitel 3) stehen die Ergebnisse der Scheidungsforschung wie alters- und entwicklungsspezifische Reaktionen, Reaktionen in den einzelnen Trennungs- und Scheidungsphasen, sowie geschlechtsspezifische Reaktionen der Kinder. Außerdem werden einige Aspekte bezüglich des elterlichen Entfremdungssyndroms angeführt.
Im dritten Teil (Kapitel 4) werden die unterschiedlichen Schutz- und Risikofaktoren, sowie die Bewältigungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten des Kindes bezüglich der elterlichen Trennung und Scheidung näher betrachtet.
Einen Schwerpunkt dieser Arbeit bilden die unterschiedlichen Hilfeangebote für Scheidungskinder im vierten Teil (Kapitel 5). Diese werden entsprechend den Scheidungsphasen in die Ambivalenzklärungs- , Regelungs- und Bewältigungshilfen unterteilt. Da es sehr viele unterschiedliche Angebote und Konzepte diesbezüglich gibt, können nur einige dieser beispielhaft dargestellt werden.
Die Institutionen, welche Maßnahmen für Scheidungskinder anbieten, werden im fünften Teil (Kapitel 6 ) vorgestellt. Die Veränderungen, die durch die Kindschaftsreform 1998 in Kraft traten, werden mitberücksichtigt. Im Mittelpunkt der Arbeit dieser Einrichtungen steht unter anderem „Das Wohl des Kindes“, deshalb wird dieser unbestimmte Rechtsbegriff kurz umrissen.
Einen weiteren Schwerpunkt dieser Arbeit stellt der sechste Teil ( Kapitel 7) dar. Die von mir durchgeführte Bestandsaufnahme zu Hilfeangeboten für Scheidungskinder wird näher erläutert. Ziel dieser war es, einen Überblick über bestehende Hilfeangebote und deren Nutzung in der Praxis zu erhalten. Desweiteren werden die Ergebnisse dargestellt.
Meine Meinung bezüglich des gewählten Themas fließt in den siebten Teil (Kapitel 8) mit ein.
Das Hauptanliegen meiner Arbeit ist es aufzuzeigen, welche Hilfeangebote für Trennungs- und Scheidungskinder bestehen. Denn nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder benötigen Hilfe und Unterstützung vor, während und nach einer Trennung und Scheidung.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 3 |
| 2. | BEZIEHUNGSWANDEL | 7 |
| 2.1 | WANDEL DER BEZIEHUNGSFORMEN - EIN GESCHICHTLICHER RÜCKBLICK | 7 |
| 2.2 | TRENNUNG UND SCHEIDUNG IM ERLEBEN DER KINDER | 11 |
| 2.3 | MODELLE DER EHESCHEIDUNG | 13 |
| 2.3.1 | Desorganisationsmodell | 14 |
| 2.3.2 | Reorganisationsmodell | 16 |
| 2.3.3 | Transitionsmodell | 17 |
| 2.4 | ZUSAMMENFASSUNG | 19 |
| 3. | REAKTIONEN DER KINDER AUF TRENNUNG/SCHEIDUNG UND DARAUS RESULTIERENDE FOLGEN | 21 |
| 3.1 | ALTERS- UND ENTWICKLUNGSSPEZIFISCHE REAKTIONEN | 21 |
| 3.1.1 | Geburt bis dritte Lebensjahr | 21 |
| 3.1.2 | Vorschulalter | 22 |
| 3.1.3 | Grundschulkinder | 24 |
| 3.1.4 | Vorpubertät und Pubertät | 25 |
| 3.2 | REAKTIONEN IN EINZELNEN TRENNUNGS- UND SCHEIDUNGSPHASEN | 27 |
| 3.2.1 | Ambivalenzphase | 28 |
| 3.2.2 | Trennungsphase | 30 |
| 3.2.3 | Scheidungsphase | 31 |
| 3.2.4 | Nachscheidungsphase | 33 |
| 3.3 | GESCHLECHTSSPEZIFISCHE REAKTIONEN | 36 |
| 3.4 | PARENTAL ALIENATION SYNDROM (PAS) | 39 |
| 3.5 | ZUSAMMENFASSUNG | 41 |
| 4. | BEWÄLTIGUNG UND VERARBEITUNG | 43 |
| 4.1 | SCHUTZ- UND RISIKOFAKTOREN | 43 |
| 4.2 | COPING STRATEGIEN | 45 |
| 4.2.1 | Aktive und Defensive Strategien | 48 |
| 4.2.2 | Einflußfaktoren | 50 |
| 4.3 | ZUSAMMENFASSUNG | 51 |
| 5. | HILFEANGEBOTE | 53 |
| 5.1 | AMBIVALENZKLÄRUNGSHILFEN | 56 |
| 5.1.1 | Ambivalenz- Paargruppe | 56 |
| 5.1.2 | Strukturierte Trennung | 57 |
| 5.1.3 | Informationsprogramme | 58 |
| 5.2 | REGELUNGSHILFEN | 60 |
| 5.2.1 | Verfahrenspfleger | 60 |
| 5.2.2 | Betreuter Umgang | 63 |
| 5.2.3 | Mediation | 66 |
| 5.2.4 | Regensburger Modell | 69 |
| 5.3 | BEWÄLTIGUNGSHILFEN | 73 |
| 5.3.1 | Kurzzeit-Angebote | 74 |
| 5.3.2 | Phasengerechte Angebote | 76 |
| 5.3.3 | Gruppen Angebote | 78 |
| 5.3.4 | Therapeutische Angebote | 84 |
| 5.4 | ZUSAMMENFASSUNG | 91 |
| 6. | INSTITUTIONEN | 93 |
| 6.1 | JUGENDAMT | 96 |
| 6.2 | BERATUNGSSTELLEN | 101 |
| 6.3 | ZUSAMMENFASSUNG | 105 |
| 7. | BESTANDSAUFNAHME | 106 |
| 7.1 | ZIELE | 106 |
| 7.2 | MESSINSTRUMENTE | 106 |
| 7.3 | STICHPROBE | 107 |
| 7.4 | ERGEBNISSE | 108 |
| 7.5 | AUSWERTUNG | 119 |
| 8. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 120 |
| 9. | LITERATURVERZEICHNIS | 122 |
| ANHANG | 130 | |
| ERKLÄRUNG | 140 |
Der Ablauf einer Mythodramasitzung besteht aus folgenden Elementen: Begrüßung/ Joining in/ Entspannung/ Geschichte/ Dialog/ Imbiß/ und Spielphase. Die Begrüßung findet im Imbiß- Raum statt. Der Gruppenleiter begrüßt das Kind persönlich und phantasiert über es, d. h. er läßt zu, dass unbewußte Gefühle bezüglich des Kindes aufsteigen. Dadurch erhöht sich die Chance Veränderungen beim Kind intuitiv zu spüren. Danach begrüßen sich die Kinder gegenseitig und können die weiteren Gruppenräume erforschen. In der zweiten Phase des Joining in soll ein Nachlassen der Bewußtseinsspannung durch Kontaktspiele, Gruppenübungen oder new games erreicht werden. Gleichzeitig wird das Gruppengefühl gestärkt. Anschließend gehen die Kinder in den Magischen Raum, wo sie sich Kissen suchen um sich bequem auf den Boden zu legen. Die Gruppenleiter setzen verschiedene Beruhigungstechniken, ein damit die Kinder sich entspannen können. Erst dann sind sie bereit die Geschichte mit geschlossenen Augen zu hören und diese innerlich zu visualisieren. Der Gruppenleiter erzählt 5- 10 Minuten ein Märchen, eine Geschichte oder eine Mythe, wobei der Schluß offen bleibt. Diese Geschichten enthalten in abgewandelter Form Probleme und Schwierigkeiten der Kinder. Sie dienen als ein Medium oder ein Transportmittel zwischen dem Gruppenleiter und den Kindern. In den Mythen werden Situationen und Probleme beschrieben, welche als Urmuster in unserer kollektiven Psyche vorhanden sind wie Angst, Konfrontation mit dem Vater oder Verlassenheitsgefühle. Über diese imaginäre Welt gelingt es den Abwehrmechanismen der Kinder auszuweichen, so dass das Unbewußte direkt angesprochen wird. So werden die Kinder indirekt angeregt über ihr Inneres zu reden, was ihnen ansonsten sehr schwer fällt. Sie können aus ihrer Alltagswelt herauszutreten. Für sie ist es einfacher über Hexen zu sprechen als über den Schatten der eigenen Mutter. [...]
Nach fünf Jahren zog die Familienberatung bei Trennung und Scheidung aus organisatorischen Gründen in ein zum Gerichtskomplex gehörendes Nebengebäude um. Durch den Umzug fielen jetzt die kurzen informellen Gespräche wie terminliche Absprachen zwischen Richtern und Beratern weg. Durch diese Veränderung ergaben sich auch Vorteile wie, z. B. ein unferfängliches Gespräch zwischen Klient und Familientherapeut auf dem Weg vom Sitzungssaal ins Nebengebäude. Auch symbolisierte der Umzug eine gewisse Distanz zum Familiengerichtsgeschehen. Desweiteren finden regelmäßige Treffen zwischen Beratern und Richtern statt. Diese dienen dem gegenseitigen Austausch bezüglich inhaltlicher, organisatorischer und struktureller Fragen des Modellprojektes. Bei dem gemeinsamen Meinungs- und Erfahrungsaustausch zeigten sich trotz der gemeinsamen Zielsetzungen Unterschiede hinsichtlich des beruflichen Selbstverständnisses, Ansehen und Status der Berufsgruppen. Die Transparenz des jeweiligen Vorgehens stellt eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit dar. So ermöglichten die Richter den Beratern an Familiengerichtssitzungen teilzunehmen. Im Gegenzug konnten die Familienrichter an der Supervision der Berater teilnehmen, aber nur wenn keine Fälle aus dem Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Richters besprochen wurden. Dies geschah zur Wahrung der Schweigepflicht. Desweiteren ist eine klare dienstrechtliche und fachliche Unabhängigkeit zwischen beiden Berufsgruppen wichtig. Ebenso wichtig ist eine klare Aufgaben- und Kompetenzverteilung. "Die Verbindung von Rechtsprechung und Beratung ist eine Zweckgemeinschaft und nicht unbedingt eine Liebesheirat von Rechtswissenschaft und Psychologie." (zit.: Autoren des Regensburger Modell in Buchholz- Graf, Vergho (Hrsg.),2000, S.47). [...]
Eine Beratung und Vermittlung in Trennungs- und Scheidungsangelegenheiten wird häufig im Zusammenhang mit der Umgans- und Sorgerechtsregelung durchgeführt. Dabei wird eine einvernehmliche Regelung der Eltern angestrebt. Es besteht die Tendenz, gerade hochstrittigen Eltern dieses Angebot zu unterbreiten. Zwischen 40% und 50% aller Eltern wurden von den Familienrichtern an die Berater vermittelt. Zunächst fühlen sich die Eltern dem Richter gegenüber verpflichtet, dass Angebot wahrzunehmen. Doch im weiteren Verlauf versuchen die Berater die Verpflichtungsmotivation in eine Eigenmotivation umzuwandeln. Viele Betroffene scheuen sich ein Beratungsangebot von öffentlichen Einrichtungen anzunehmen, deshalb ist dieses niedrigschwellige Angebot direkt bei Gericht besonders gut geeignet nicht nur die juristische Trennung, sondern auch die seelische Verarbeitung zu fördern. Von Vorteil sind vor allem die kurzen Wartezeiten für den ersten Kontakt. Damit die Beratungskapatizität möglichst gut genutzt werden kann, wird von den Eltern auch eine gewisse Eigeninitiative verlangt. Sie müssen die schriftliche Terminvergabe durch die Berater telefonisch bestätigen. Es kann sogar vorkommen, dass der Richter die Eltern direkt nach dem Verfahren in das Beratungszimmer begleitet. Während des Erstkontaktes betont der Berater nochmals seine Schweigepflicht gegenüber dem Gericht und den Anwälten. Auch verdeutlicht er dem Klienten, dass er nicht am familiengerichtlichen Verfahren nach § 50 KJHG beteiligt ist, d. h. er erstellt keine Stellungnahme, Empfehlung oder Gutachten für gerichtliche Entscheidungen. Nur so kann es den Mitarbeitern des Projekts gelingen die emotionalen Kosten der Eltern, aber vor allem die der Kinder zu verringern. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832459192
Arbeit zitieren:
Gerstner, Karin Oktober 2000: Hilfsangebote für Scheidungskinder, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kindschaftsrecht, Kindergruppenarbeit, Trennung, Bewältigungsstrategien, Jugendamt



