Mit Hilfe der Trainingsmethode „Culture Assimilator“ interkulturelle Unterschiede verstehen
Ansätze für Indien
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Sabine Kübert
- Abgabedatum: Oktober 2006
- Umfang: 168 Seiten
- Dateigröße: 833,0 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule der Medien (ehem. Hochschule für Druck und Medien Stuttgart (FH)) Deutschland
- Bibliografie: ca. 88
- ISBN (eBook): ,
-
ISBN (Paperback) :
, P - ISBN (CD) :, CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kübert, Sabine Oktober 2006: Mit Hilfe der Trainingsmethode „Culture Assimilator“ interkulturelle Unterschiede verstehen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Culture Assimilator, Kulturunterschiede, Kulturdimension, Kulturstandard, Indien
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MA-Thesis / Master von Sabine Kübert
Einleitung:
Unabhängig davon, ob ein Auslandsaufenthalt aus beruflichen oder privaten Gründen stattfindet, eine gute Vorbereitung erleichtert den Einstieg in eine fremde Kultur. Sie kann dabei helfen, Frustrationen auf einem niedrigen Niveau zu halten, mit denen jeder rechnen muss, der sich längere Zeit in einem anderen Land aufhält. Daher gibt es immer mehr interkulturelle Trainingsprogramme, die Menschen auf einen Aufenthalt in einer fremden Kultur vorbereiten wollen. Neben Faktenwissen über die Zielkultur möchten diese Programme vor allem interkulturelle Kompetenzen vermitteln. Dazu gehört auch, dass ein Trainingsteilnehmer dazu befähigt werden soll, sich in die Arten des Denkens und Handelns der Mitglieder einer anderen Kultur hineinversetzen zu können. Letzteres ist das Hauptanliegen der Trainingsmethode Culture Assimilator, die im Rahmen dieser Arbeit vorgestellt wird.
Der Culture Assimilator ist ein schriftliches Trainingsmaterial, bestehend aus Fallbeispielen in denen Personen aus der Kultur des Trainingsteilnehmers und Personen aus der Kultur, in die der Trainingsteilnehmer reisen möchte, aufeinander treffen. Es werden Situationen geschildert, in denen es zu einem kulturellen Missverständnis kommt und die daher zu Unverständnis oder Spannungen zwischen den Beteiligten führen. Ziel der Trainingsmethode ist es, dem Trainingsteilnehmer dabei zu helfen, Verhaltensweisen fremdkultureller Interaktionspartner kulturadäquat beurteilen zu können.
Das Konzept des Culture Assimilators wird anhand kultureller Unterschiede zwischen Indien und Deutschland veranschaulicht. Warum Indien? Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Grund dafür ist, dass es bisher noch keinen Culture Assimilator gibt, der die deutsche und indische Kultur gegenüberstellt. Überdies gibt es auch sonst wenig Literatur, die sich mit einem direkten Vergleich kultureller Merkmale Deutschlands und Indiens beschäftigt. Was verwunderlich ist, denn mit über 1 Milliarde Menschen ist Indien nach China das zweitgrößte Land der Welt. Außerdem zählt Indien mittlerweile zu den zehn größten Industrienationen der Erde. Ihm wird ein enormes Wachstumspotential prognostiziert, was es für deutsche Firmen immer interessanter macht, dort zu investieren.
Ein deutsch-indisches Trainingsprogramm ist sowohl für deutsche Arbeitskräfte interessant, die nach Indien gehen, als auch für indische Arbeitskräften, die in Deutschland arbeiten möchten. Auch für Studenten sind solche Trainingsprogramme von Interesse. Immer mehr deutsche Studenten zieht es nach Indien, sei es für ein Auslandspraktikum oder ein Auslandssemester. Dabei treffen sie auf eine Kultur, die sich in vielen Punkten grundlegend von der Deutschlands unterscheidet. Neben offensichtlichen Unterschieden wie infrastrukturellen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten, betrifft das auch das soziale Miteinander. Trainingsmethoden wie der Culture Assimilator bieten einen guten Einstieg, kulturellen Missverständnissen vorzubeugen. Nicht zuletzt ist Indien ein beliebtes Reiseziel für Deutsche.
Wer sich nicht nur für Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Besonderheiten, sondern auch für die Kultur eines Landes interessiert, findet in einem Culture Assimilator wertvolle Hinweise. Mit dieser Arbeit möchte ich dem Leser erste Einblicke in die indische Kultur geben und ihm dabei auch die Möglichkeit bieten, etwas über die deutsche Kultur und Mentalität zu erfahren.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit gliedert sich in sieben (gedankliche) Abschnitte:
Abschnitt 1: Zunächst wird der Kulturbegriff, der dieser Arbeit zugrunde liegt, näher definiert und das Phänomen des „Kulturschocks“ erläutert.
Abschnitt 2: Im zweiten Abschnitt folgt eine Einführung in interkulturelle Trainingsmethoden, um den Culture Assimilator theoretisch zu verorten. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, die Fülle interkultureller Trainingsmethoden zu strukturieren.
Abschnitt 3: Im dritten Teil wird die Trainingsmethode Culture Assimilator vorgestellt. Neben einer umfassenden Definition des Begriffs wird an dieser Stelle besonderes Augenmerk auf die Entwicklung eines Culture Assimilators gelegt. Zudem werden einige Ansätze aufgezeigt, welche Formen der Darstellung neben der klassischen Geschichtsform noch gewählt werden könnten.
Abschnitt 4: Zum Einstieg in die indische Kultur werden zunächst einige Daten und Fakten über das Land Indien umrissen. Anschließend wird ein Überblick über den Hinduismus gegeben, da der Hinduismus die indische Gesellschaft nachhaltig geprägt hat.
Abschnitt 5: Ein wesentlicher Teil dieser Arbeit besteht darin, anhand von Kulturmodellen kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Indien herauszuarbeiten. Dazu wird in diesem Abschnitt zunächst erläutert, was Kulturmodelle sind. Anschließend werden die Kulturmodelle „Strukturmerkmale“, „Kulturdimensionen“ und „Kulturstandards“ definiert und zu einem Vergleich zwischen Deutschland und Indien herangezogen. Zur Veranschaulichung der Kulturmodelle werden teilweise auch Beispiele aus anderen Kulturen angeführt.
Abschnitt 6: Um das im Abschnitt 5 theoretisch Erarbeitete empirisch zu überprüfen, wird eine Befragung von Deutschen und Indern durchgeführt, die mit der jeweils anderen Kultur vertraut sind. Darin werden sie gebeten, Situationen zu schildern, in denen ihnen das Verhalten ihrer fremdkulturellen Interaktionspartner merkwürdig vorkam. Das erhobene Datenmaterial wird auf die ihm zugrunde liegenden kulturellen Merkmale untersucht und dient als Basis zur Erarbeitung der Fallbeispiele.
Abschnitt 7: Im letzen Abschnitt werden einige Fallbeispiele ausgearbeitet. Sie veranschaulichen das Culture Assimilator Konzept und greifen einige der herausgearbeiteten kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Indien auf.
Inhaltsverzeichnis:
| Kurzfassung | 2 | |
| Abstract | 2 | |
| Inhaltsverzeichnis | 3 | |
| Abbildungsverzeichnis | 6 | |
| Tabellenverzeichnis | 6 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 2. | Kultur | 11 |
| 2.1 | Kulturbegriff | 11 |
| 2.2 | „Kulturschock“ | 14 |
| 3. | Interkulturelles Training | 17 |
| 4. | Culture Assimilator | 20 |
| 4.1 | Psychologische Grundlage | 20 |
| 4.2 | Vorstellung der Trainingsmethode | 22 |
| 4.2.1 | Grundlagen zum Konzept des Culture Assimilators | 22 |
| 4.2.2 | Elemente und Ablauf des Trainings | 24 |
| 4.2.3 | Arten von Culture Assimilators | 28 |
| 4.2.4 | Lernziele | 30 |
| 4.2.5 | Kernbegriff Verhalten | 32 |
| 4.2.6 | Kritische Würdigung | 33 |
| 4.3 | Die Fallbeispiele | 35 |
| 4.3.1 | Inhaltliche Anforderungen | 35 |
| 4.3.2 | Schreiben eines Fallbeispiels | 36 |
| 4.3.3 | Mögliche andere Formen der Darstellung | 38 |
| 4.4 | Entwicklung eines Culture Assimilators | 40 |
| 4.5 | Möglichkeiten des Internets | 43 |
| 4.6 | Ein Culture Assimilator für Indien | 47 |
| 5. | Indien | 48 |
| 5.1 | Ein Überblick | 48 |
| 5.2 | Hinduismus | 53 |
| 5.2.1 | Begriffsdefinition | 53 |
| 5.2.2 | Heilige Schriften | 54 |
| 5.2.3 | Religionsgeschichte | 55 |
| 5.2.4 | Wichtige Elemente der hinduistischen Weltanschauung | 57 |
| 5.3 | Gesellschaftsstruktur | 62 |
| 5.3.1 | Varna: Die religiös-philosophische Ebene des Kastenwesens | 62 |
| 5.3.2 | Jati: Die gesellschaftliche Ebene des Kastenwesens | 64 |
| 5.3.3 | Eigentümlichkeiten des hinduistischen Kastenwesens | 64 |
| 5.3.4 | Die indische Großfamilie | 68 |
| 6. | Kulturmodelle | 69 |
| 6.1 | Kulturmodelle als theoretischer Rahmen | 69 |
| 6.2 | Basis oder Resultat | 71 |
| 7. | Strukturmerkmale nach Maletzke | 74 |
| 7.1 | Begriffsdefinition | 74 |
| 7.2 | Die Strukturmerkmale | 75 |
| 7.2.1 | Wahrnehmung | 75 |
| 7.2.2 | Zeiterleben | 76 |
| 7.2.3 | Raumerleben | 78 |
| 7.2.4 | Denken | 79 |
| 7.2.5 | Sprache und sprachliche Verständigung | 83 |
| 7.2.6 | Nonverbale Kommunikation | 87 |
| 7.2.7 | Verhaltensmuster | 90 |
| 7.2.8 | Soziale Gruppierungen und Beziehungen | 92 |
| 8. | Kulturdimensionen | 96 |
| 8.1 | Begriffsdefinition | 96 |
| 8.2 | Kulturdimensionen nach Hofstede | 98 |
| 9. | Kulturstandards | 108 |
| 9.1 | Begriffsdefinition | 108 |
| 9.2 | Deutsche Kulturstandards nach Schroll-Machl | 110 |
| 10. | Kritische Interaktionssituationen | 116 |
| 10.1 | Erhebungsmethode | 116 |
| 10.2 | Fragebogen | 117 |
| 10.2.1 | Zieldefinition | 117 |
| 10.2.2 | Inhalt und Aufbau | 118 |
| 10.2.3 | Gestaltung | 120 |
| 10.2.4 | Befragung | 121 |
| 10.2.5 | Kritische Anmerkungen | 122 |
| 10.3 | Auswertung | 123 |
| 10.3.1 | Grundlegendes | 123 |
| 10.3.2 | Auswertung der deutschen Antworten | 125 |
| 10.3.3 | Auswertung der indischen Antworten | 131 |
| 10.3.4 | Überraschend positive Erfahrungen | 132 |
| 11. | Indische Fallbeispiele | 134 |
| 11.1 | Herangehensweise | 134 |
| 11.2 | Fallbeispiele | 136 |
| 12. | Zusammenfassung und Ausblick | 152 |
| Anhang A: Hinduistisches Tauffest | 155 | |
| Anhang B: Fragebogen | 157 | |
| Literaturverzeichnis | 162 | |
| Sekundärliteratur | 169 | |
| Erklärung | 170 |
Inhaltsverzeichnis:
| Kurzfassung | 2 | |
| Abstract | 2 | |
| Inhaltsverzeichnis | 3 | |
| Abbildungsverzeichnis | 6 | |
| Tabellenverzeichnis | 6 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 2. | Kultur | 11 |
| 2.1 | Kulturbegriff | 11 |
| 2.2 | „Kulturschock“ | 14 |
| 3. | Interkulturelles Training | 17 |
| 4. | Culture Assimilator | 20 |
| 4.1 | Psychologische Grundlage | 20 |
| 4.2 | Vorstellung der Trainingsmethode | 22 |
| 4.2.1 | Grundlagen zum Konzept des Culture Assimilators | 22 |
| 4.2.2 | Elemente und Ablauf des Trainings | 24 |
| 4.2.3 | Arten von Culture Assimilators | 28 |
| 4.2.4 | Lernziele | 30 |
| 4.2.5 | Kernbegriff Verhalten | 32 |
| 4.2.6 | Kritische Würdigung | 33 |
| 4.3 | Die Fallbeispiele | 35 |
| 4.3.1 | Inhaltliche Anforderungen | 35 |
| 4.3.2 | Schreiben eines Fallbeispiels | 36 |
| 4.3.3 | Mögliche andere Formen der Darstellung | 38 |
| 4.4 | Entwicklung eines Culture Assimilators | 40 |
| 4.5 | Möglichkeiten des Internets | 43 |
| 4.6 | Ein Culture Assimilator für Indien | 47 |
| 5. | Indien | 48 |
| 5.1 | Ein Überblick | 48 |
| 5.2 | Hinduismus | 53 |
| 5.2.1 | Begriffsdefinition | 53 |
| 5.2.2 | Heilige Schriften | 54 |
| 5.2.3 | Religionsgeschichte | 55 |
| 5.2.4 | Wichtige Elemente der hinduistischen Weltanschauung | 57 |
| 5.3 | Gesellschaftsstruktur | 62 |
| 5.3.1 | Varna: Die religiös-philosophische Ebene des Kastenwesens | 62 |
| 5.3.2 | Jati: Die gesellschaftliche Ebene des Kastenwesens | 64 |
| 5.3.3 | Eigentümlichkeiten des hinduistischen Kastenwesens | 64 |
| 5.3.4 | Die indische Großfamilie | 68 |
| 6. | Kulturmodelle | 69 |
| 6.1 | Kulturmodelle als theoretischer Rahmen | 69 |
| 6.2 | Basis oder Resultat | 71 |
| 7. | Strukturmerkmale nach Maletzke | 74 |
| 7.1 | Begriffsdefinition | 74 |
| 7.2 | Die Strukturmerkmale | 75 |
| 7.2.1 | Wahrnehmung | 75 |
| 7.2.2 | Zeiterleben | 76 |
| 7.2.3 | Raumerleben | 78 |
| 7.2.4 | Denken | 79 |
| 7.2.5 | Sprache und sprachliche Verständigung | 83 |
| 7.2.6 | Nonverbale Kommunikation | 87 |
| 7.2.7 | Verhaltensmuster | 90 |
| 7.2.8 | Soziale Gruppierungen und Beziehungen | 92 |
| 8. | Kulturdimensionen | 96 |
| 8.1 | Begriffsdefinition | 96 |
| 8.2 | Kulturdimensionen nach Hofstede | 98 |
| 9. | Kulturstandards | 108 |
| 9.1 | Begriffsdefinition | 108 |
| 9.2 | Deutsche Kulturstandards nach Schroll-Machl | 110 |
| 10. | Kritische Interaktionssituationen | 116 |
| 10.1 | Erhebungsmethode | 116 |
| 10.2 | Fragebogen | 117 |
| 10.2.1 | Zieldefinition | 117 |
| 10.2.2 | Inhalt und Aufbau | 118 |
| 10.2.3 | Gestaltung | 120 |
| 10.2.4 | Befragung | 121 |
| 10.2.5 | Kritische Anmerkungen | 122 |
| 10.3 | Auswertung | 123 |
| 10.3.1 | Grundlegendes | 123 |
| 10.3.2 | Auswertung der deutschen Antworten | 125 |
| 10.3.3 | Auswertung der indischen Antworten | 131 |
| 10.3.4 | Überraschend positive Erfahrungen | 132 |
| 11. | Indische Fallbeispiele | 134 |
| 11.1 | Herangehensweise | 134 |
| 11.2 | Fallbeispiele | 136 |
| 12. | Zusammenfassung und Ausblick | 152 |
| Anhang A: Hinduistisches Tauffest | 155 | |
| Anhang B: Fragebogen | 157 | |
| Literaturverzeichnis | 162 | |
| Sekundärliteratur | 169 | |
| Erklärung | 170 |
Textprobe:
Kapitel 7.2.8., Soziale Gruppierungen und Beziehungen:
Vater, Mutter und Kind; Ober-, Mittel- und Unterschicht; Vorgesetzter und Mitarbeiter etc. Auf den ersten Blick scheinen die gesellschaftlichen Strukturen in jeder Kultur annähernd gleich. Beschäftigt man sich allerdings näher damit, wie eine Gesellschaft sozial strukturiert ist, fällt auf, dass es doch erhebliche kulturelle Unterschiede geben kann. Diese zeigen sich zum Beispiel darin, wie stark eine Gesellschaft hierarchisch gegliedert ist oder welcher Status einer bestimmten Personengruppe in einer Gesellschaft zukommt.
Doch nicht nur auf struktureller, sondern auch auf Beziehungsebene lassen sich kulturelle Unterschiede feststellen. Während einige Kulturen beispielsweise individuelles Handeln fördern, steht in anderen Kulturen die Gruppe an erster Stelle. Soziale Strukturen und Beziehungen (Prozesse) lassen sich jedoch nur theoretisch voneinander trennen, in der Realität sind beide wechselseitig miteinander verbunden. In und zwischen jeder Gruppierung laufen Prozesse ab; wie diese aussehen, ist wiederum durch Strukturen bedingt.
Hauptmerkmale der indischen Gesellschaft sind das Kastenwesen und die Großfamilie, „joint family“. Sie prägen das gesellschaftliche Leben nachhaltig und sind mit vielen Verpflichtungen verbunden, bieten aber auch soziale Sicherheit und geben den Mitgliedern ein soziales Netzwerk mit vielen wichtigen Informationen und Kontakten an die Hand. Da beide weiter oben bereits ausführlich erläutert wurden, sei an dieser Stelle nur auf sie verwiesen. Viele der kulturellen Missverständnisse zwischen Deutschland und Indien beruhen auf den großen Unterschieden zwischen den Gesellschaftsstrukturen beider Länder.
Sich in einer neuen, fremden Gesellschaft zurechtzufinden, ist meist schwierig. Ebenso verwirrend kann es sein, gewissermaßen „zwischen“ zwei Kulturen zu leben. Mit diesem Problem sind häufig die Eliten eines Landes konfrontiert; jene Gruppen, die in der sozialen Rangordnung ganz oben stehen und hohen Einfluss genießen. Dies zeigt sich auch am Beispiel Indien. Während der Kolonialzeit und auch noch heute wurden beziehungsweise werden die Angehörigen der indischen Elite nach britischem Vorbild erzogen. Dennoch bleiben sie ihrer indischen Kultur mit ihren Sitten, Normen und Werten verhaftet. Westliches Denken und indische Kultur prallen somit aufeinander.
Menschen, die in so eine Position zwischen zwei Kulturen geraten, identifizieren sich mit beiden Bezugsgruppen und versuchen beiden Rollen gleichermaßen gerecht zu werden, was häufig zu Unsicherheiten führt.
Elite, Kaste und Großfamilie sind Beispiele für die Struktur einer Gesellschaft. Die Beziehungsebene lässt sich unter anderem daran charakterisieren, wie die Gesellschaft Freundschaft definiert. Nach Meinung des Indologen und Reiseschriftstellers Rainer Krack gibt es wohl kaum ein Volk, das schneller bereit ist, Freundschaft zu schließen, als die Inder. Ein Reisender muss sich darauf einstellen, häufig angesprochen und auch prompt nach Hause eingeladen zu werden.
Viele „Westler“ empfinden so ein Verhalten als aufdringlich, insbesondere in Reisesituationen. Sie möchten das Land genießen, aber dabei eher unter sich bleiben. Ihr Verlangen nach einem „individuellen Leben“ kollidiert mit dem Wunsch der Inder nach möglichst vielen freundschaftlichen Beziehungen. Hat man aber einmal mit einem Inder Freundschaft geschlossen, dann erweist sich dieser meist als sehr loyal. Freundschaft bedeutet in Indien jedoch nicht nur gemeinsam etwas zu unternehmen, mit ihr sind auch immer Verpflichtungen und Abhängigkeiten verbunden. So wird ein Inder etwa versuchen, seinem Freund das Leben in der Fremde so angenehm wie möglich zu machen. Gleiches wird er aber auch bei einem Gegenbesuch in Deutschland erwarten.
Beziehungen sind in Indien sehr wichtig. Man ist bemüht, ständig neue Verbindungen zu schaffen. Begrüßungen und Treffen dauern deshalb oft so lange, weil sich die einzelnen Personen zunächst verbal abtasten müssen, um sich ein Bild von der Wichtigkeit des Gegenübers machen zu können. Wichtig ist eine Person dann, wenn sie „well connected“ ist, das heißt, Personen des öffentlichen Lebens kennt oder zumindest Verwandte von ihnen. Die indische Gesellschaft lässt sich beschreiben als ein Verbund von Splittergruppen, wobei jede Splittergruppe aus einem weitläufigen Netzwerk von Kontakten aufgebaut ist. Innerhalb einer Gruppe ist man bemüht, den anderen Mitgliedern so oft wie möglich einen Gefallen zu tun, was wiederum gewährleistet, dass man in seinen eigenen Angelegenheiten von den anderen unterstützt wird. Hat jemand ein Problem, dann ruft er alle Personen an, die ihn auf irgendeine Art behilflich sein können und die telefonieren entsprechend weiter, bis ein Zuständiger erreicht wurde. So entsteht ein ständiges Geben und Nehmen.
Wie einleitend bereits erwähnt, sind die sozialen Beziehungen in einer Gesellschaft auch dadurch gekennzeichnet, ob die Interessen einer Gruppe denen eines Individuums übergeordnet sind oder ob das Individuum Vorrang vor der Gruppe genießt. Hofstede spricht von kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften. Während in Deutschland eher das Individuum im Mittelpunkt steht, ist Indien trotz individualistischer Züge eine kollektivistische Kultur.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/,
Arbeit zitieren:
Kübert, Sabine Oktober 2006: Mit Hilfe der Trainingsmethode „Culture Assimilator“ interkulturelle Unterschiede verstehen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Culture Assimilator, Kulturunterschiede, Kulturdimension, Kulturstandard, Indien



