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Der Hilfe- und Kontrollauftrag der Bewährungshilfe in der Arbeit mit Sexualstraftätern

Der Hilfe- und Kontrollauftrag der Bewährungshilfe in der Arbeit mit Sexualstraftätern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Maschack
  • Abgabedatum: Juli 2005
  • Umfang: 139 Seiten
  • Dateigröße: 462,8 KB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9041-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9041-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9041-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Maschack, Stefan Juli 2005: Der Hilfe- und Kontrollauftrag der Bewährungshilfe in der Arbeit mit Sexualstraftätern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Begriffsdefinitionen, Ausmaß, Rückfallforschung, Erklärungsansätze, Therapiemöglichkeiten

Diplomarbeit von Stefan Maschack

Einleitung:

Kaum eine Verbrechensart beschäftigt die öffentliche Meinung so sehr, wie Sexualstraftaten. 1995 gingen die schrecklichen Missbrauchs- und Mordtaten von Marc Dutroux durch die Medien. Fast zeitgleich bewegten und erregten die sexuellen Gewalttaten und Morde an Natalie Astner, Kim Kerkow oder Christiane Evers in Deutschland die Öffentlichkeit. Auch die Gegenwart zeigt anhand der Straftaten von Mark Hoffmann die Aktualität dieses Themas.

Als Konsequenz dieser scheinbar gestiegenen Anzahl von Sexualstraftaten hat der Gesetzgeber reagiert und am 26. Januar 1998 das „Gesetz zur Bekämpfung von Sexualdelikten und anderen schweren Straftaten“ (BUNDESGESETZBLATT 1998, S. 160) erlassen. In diesem Gesetz ist unter anderem bestimmt worden, dass Sexualstraftäter, die zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sind, auch ohne ihr Einverständnis zu einer psychotherapeutischen Behandlung mittels einer Weisung gezwungen werden können. Diese veränderte Gesetzeslage stellt die Arbeit der Bewährungshilfe vor eine Reihe neuer Herausforderungen. Probanden der Bewährungshilfe, die aufgrund von Sexualstraftaten verurteilt worden sind, benötigen oftmals wegen der besonderen Umstände der Sexualdelinquenz und einer möglichen Rückfallgefahr eine andere und unter Umständen weitaus intensivere Betreuung als andere Probanden. Hinzu kommt, dass viele Bewährungshelfer aufgrund unterschiedlicher Faktoren (Ausbildung, praktisches Wissen, hohe Fallbelastung oder auch Vorbehalte gegen den Täterkreis) einen erschwerten Zugang zu dieser komplexen Thematik haben.

Mit dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass das System der Bewährungshilfe im Rahmen der definierten Aufgabenstellung (Hilfe anzubieten und Kontrolle auszuüben) aufgrund ihrer besonderen Einbindung in den justiziellen und sozialarbeiterischen Kontext in der Lage ist, einen entsprechenden Beitrag zur Verringerung der Sexualstraftaten zu leisten. Dabei wird von der Grundannahme ausgegangen, dass die Beschäftigung mit Sexualstraftätern im sozialarbeiterischen Kontext in erster Linie ein Beitrag ist, um weitere Sexualdelinquenz zu verhindern und zukünftige Opfer zu schützen.

In dieser Arbeit wird nicht der Frage nachgegangen, ob Sozialarbeit grundsätzlich und Bewährungshilfe im Besonderen, Hilfe und Kontrolle miteinander vereinbaren kann, sondern was von Seiten der Bewährungshilfe und anderen Institutionen notwendig ist, um diesem Auftrag gerecht zu werden.

Gang der Untersuchung:

Inhaltlich ist die Arbeit so aufgebaut, dass im ersten Kapitel die Entwicklung, die Grundlagen, der rechtliche Rahmen und der Auftrag des Systems Bewährungshilfe dargestellt wird.

Kapitel zwei beschäftigt sich mit dem sexuellen Missbrauch und beginnt mit einer definitorischen Eingrenzung dieses Themenkomplexes. Dem folgt eine Beschreibung des strafrechtlichen Rahmens unter besonderer Berücksichtigung der historischen Komponente des Sexualstrafrechts. Das Ausmaß von Sexualstraftaten (Hell- und Dunkelfeld) sowie eine Auseinandersetzung mit dem Rückfallrisiko dieser Tätergruppe schließt dieses Kapitel ab.

Das dritte Kapitel beginnt mit einer Übersicht über den Forschungsstand zur Erklärung von Sexualstraftaten und behandelt die Opferfolgen des sexuellen Missbrauchs. Die Möglichkeiten der Therapie von Sexualstraftaten insbesondere im ambulanten Rahmen werden in Kapitel 3.5 diskutiert.

Im vierten Kapitel wird dargelegt, wie sich die praktische Arbeit mit Sexualstraftätern im Rahmen der Bewährungshilfe gestaltet. Dies wird anhand eines Fallbeispieles verdeutlicht. Zudem wird aufgezeigt welche Konsequenzen sich aus der aktuellen Rechtslage (Therapieweisung) für die Arbeit der Bewährungshilfe ergeben. Anschließend wird beschrieben, welche Schritte zu unternehmen sind bzw. von den Beteiligten schon unternommen worden sind, um dem Arbeitsauftrag der Bewährungshilfe gerecht zu werden. Dazu wird gezeigt, wie der Hilfe und Kontrollauftrag in Zusammenarbeit mit dem Klienten genutzt werden kann, um ihm die „erfolgreiche“ Durchführung der Bewährungszeit mit ihren Auflagen und Weisungen zu ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 5
1. Bewährungshilfe: Entwicklung, institutioneller Rahmen und Aufgaben 7
1.1 Die geschichtliche Entwicklung bis 1949 7
1.2 Die geschichtliche Entwicklung ab 1949 bis heute 18
1.3 Der Auftrag der Bewährungshilfe 23
1.4 Der Hilfe- und Kontrollauftrag 23
1.4.1 Der Hilfe- und Betreuungsauftrag 24
1.4.2 Der Kontroll- und Überwachungsauftrag 26
1.5 Die gesetzlichen Grundlagen der Bewährungshilfe und ihre organisatorische Umsetzung am Beispiel der Sozialen Dienste der Justiz im Land Bremen 28
2. Sexueller Missbrauch: Begriffe, rechtlicher Rahmen, Ausmaß und Rückfallforschung 37
2.1 Sexualstraftaten in verschiedenen Kontexten 38
2.2 Sexueller Missbrauch - Begriffe und Definitionen 39
2.3 Der strafrechtliche Rahmen 46
2.4 Das Ausmaß von Sexualstraftaten und das Rückfallrisiko 52
2.4.1 Das Hellfeld 53
2.4.2 Das Dunkelfeld 57
2.5 Die Rückfallgefahr von Sexualstraftätern 60
3. Sexualstraftaten: Erklärungsansätze und Möglichkeiten der Therapie 64
3.1 Die Sexualstraftäter 65
3.2 Die Täterstrategien 67
3.2.1 Die Kontaktaufnahme 68
3.2.2 Der Beziehungsaufbau 69
3.2.3 Die Verpflichtung des Opfers zum Schweigen 70
3.3 Theoretische Erklärungsansätze und -modelle für sexuellen Missbrauch 71
3.3.1 Der Psychoanalytische Ansatz 72
3.3.2 Der Familiendynamische Ansatz 74
3.3.3 Der Sozialisationstheoretische Ansatz 76
3.3.4 Das Modell der vier Voraussetzungen von Finkelhor 80
3.3.5 Das Drei-Perspektiven Modell sexueller Gewalt 84
3.4 Die Folgen des sexuellen Missbrauchs 87
3.4.1 Methodische Probleme der Folgenforschung 88
3.4.2 Einteilung der Missbrauchsfolgen 89
3.5 Therapie von Sexualstraftätern 91
3.5.1 Erfolg von Therapie 92
3.5.2 Divergierende Therapiekonzepte 93
3.5.3 Ambulante Therapiemodelle für Sexualstraftäter am Beispiel des „Rotterdamer Modells“ 96
4. Arbeit mit Sexualstraftätern: Hilfe und Kontrolle durch die Bewährungshilfe 100
4.1 Die Zusammenarbeit auf der Grundlage eines Arbeitskontraktes 102
4.2 Problemlagen bei der ambulanten Behandlung von Sexualstraftätern 110
4.2.1 Die Kostenfrage 111
4.2.2 Die Therapiemotivation 113
4.2.3 Die Zusammenarbeit mit der Justiz 115
4.3 Mögliche Lösungsansätze 117
4.3.1 Die Stuttgarter Psychotherapie-Ambulanz 117
4.3.2 Die Kooperation der Beratungsstelle im Packhaus mit der Bewährungshilfe in Schleswig Holstein 121
5. Schlussbetrachtung und Ausblick 124
6. Literaturverzeichnis 131
Abkürzungsverzeichnis 136
Abbildungsverzeichnis 137

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wenn man sich mit den männlichen Verursachern sexuellen Missbrauchs beschäftigt, trifft man immer noch sehr schnell auf bestimmte Vorstellungen und Mythen, die sowohl in der Gedankenwelt der breiten Öffentlichkeit als auch zum Teil in der Fachöffentlichkeit vorherrschen. Beispielhaft kann hier die Auffassung genannt werden, der Missbraucher sei ein fremder, überwiegend triebgesteuerter, vom Sozialhilfebezug lebender älterer Mann, der seinen Opfern auflauert, sie missbraucht und oftmals auch tötet. In der Vorstellung vieler Menschen sind Sexualstraftaten gleichgesetzt mit den Verbrechen, über die insbesondere die Printmedien und private Fernsehsender sehr ausführlich, aber zum Teil sehr undifferenziert berichten, wie es gegenwärtig das Beispiel von Marc Hoffman eindrucksvoll zeigt. Diese Berichterstattung bedient bei großen Teilen der Bevölkerung das vorhandene Bedürfnis nach klaren Ein- und Abgrenzungen, und kommt damit sicherlich auch dem Verlangen nach, eigene negative Anteile im sexuellen und aggressiven Bereich auf die vermeintlichen Sexualstraftäter zu projizieren. [...]

durchgeführt. Als Definitionskriterien galten hier die Altersgrenze von 14 Jahren, ein Altersunterschied von fünf Jahren und das Ausüben von physischem oder psychischem Druck bzw. der Eindruck, dass der sexuelle Kontakt als unangenehm empfunden wurde. Der Rücklauf lag bei 925 und die Prävalenzquote betrug bei den Frauen 25% und bei den Männern 6%. 1992 befragte BANGE mittels eines Fragebogens 861 Studenten und Studentinnen der Universität Dortmund und ermittelte bei ähnlichen Definitionskriterien eine Prävalenzquote von 25% bei Frauen und 8% bei Männern. Diese Untersuchung wurde von DEEGENER in Homburg mit 868 Probanden wiederholt und kam auf einen Anteil von 22% bei den Frauen und 5% bei den Männern. 1992 wurde vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen die bislang einzige bundesweite repräsentative Studie mit über 3241 Befragten (1661 Frauen und 1580 Männer) durchgeführt. Die schriftliche Befragung wurde um eine mündliche Befragung ergänzt und erbrachte bei einer Schutzaltersgrenze von 14 Jahren bei den Frauen eine Quote von 10,7% und bei den Männern von 3,4% bzgl. einschlägiger Opfererfahrungen. [...]

Der Bereich der Sexualdelikte, die unaufgedeckt bleiben und dementsprechend nicht strafrechtlich geahndet werden, wird als Dunkelfeld bezeichnet. Um dieses Feld aufzuhellen, bemüht sich die Forschung seit Jahrzehnten. Hauptsächlich werden dazu epidemiologische Studien durchgeführt, die mithilfe retrospektiver Opferbefragungen Rückschlüsse, insbesondere auf die quantitative Dimension von Sexualstraftaten, ermöglichen sollen. Bezüglich der ermittelten Werte dieser Studien sind allerdings erhebliche Unterschiede festzustellen. So schwanken die Prävalenzraten für erlebten sexuellen Missbrauch in den verschiedenen bisher durchgeführten Untersuchungen bei Frauen zwischen 6% bis 62% und bei Männern zwischen 3% bis 30%. Die in diesem Zusammenhing errechneten Dunkelziffern in Bezug auf nicht entdeckte bzw. angezeigte Sexualstraftaten 57 [...]

Arbeit zitieren:
Maschack, Stefan Juli 2005: Der Hilfe- und Kontrollauftrag der Bewährungshilfe in der Arbeit mit Sexualstraftätern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Begriffsdefinitionen, Ausmaß, Rückfallforschung, Erklärungsansätze, Therapiemöglichkeiten

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