Heroinabgabe statt Methadonsubstitution
Eine aktuelle Streitfrage und ihre Auswirkungen auf die akzeptierende Drogenarbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Rapp
- Abgabedatum: Mai 2000
- Umfang: 136 Seiten
- Note: 1,6
- Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Darmstadt Deutschland
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6969-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6969-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rapp, Michael Mai 2000: Heroinabgabe statt Methadonsubstitution, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Drogenabhängigkeit, Drogenhilfe, psychische Abhängikeit, physische Abhängigkeit, Drogenpolitik
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Diplomarbeit von Michael Rapp
Einleitung:
Die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Drogenpolitik neben der Reduzierung des Drogenangebotes durch die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität - das vorrangige Ziel, die Nachfrage nach illegalen Rauschmitteln so gering wie möglich zu halten. Dies bedingt neben einer offensiven und gezielten Öffentlichkeitsarbeit und Suchtprävention ein ausreichendes und flächendeckendes Angebot an Beratungs- und Therapieplätzen, um bereits Drogenabhängigen einen Ausweg aus der Sucht zu öffnen.
Trotz verschiedener ambulanter und stationärer Behandlungsformen, stieg die Zahl der Drogentoten in der Bundesrepublik von 1.565 im Jahr 1995 um 9,4% auf 1.712 für 1996. Hiervon sind allein 999 Personen (58,4%) durch eine Heroinüberdosis (bei 198 Todesfällen in Verbindung mit anderen Drogen) ums Leben gekommen.
Angesichts der hohen Zahl von Heroinkonsumenten unter den Drogentoten stellt sich die Frage, wie gerade den Heroinabhängigen geholfen werden kann, die durch die bisher bestehenden Therapieformen, z.B. die Methadonsubstitution, nicht bzw. nicht mehr erreicht werden können und in ihrer Sucht zu verelenden bzw. zu sterben drohen. Für diese Zielgruppe wurde in der Schweiz in einem Modellversuch die ärztlich kontrollierte Verschreibung von Betäubungsmitteln erprobt, bei dem die Abhängigen überwiegend mit Heroin substituiert wurden.
Die vorliegende Arbeit besteht aus acht Kapiteln, wobei der thematische Schwerpunkt auf den Kapiteln 3,5,6,7 und 8 liegt.
Das erste Kapitel gibt eine Einführung in die Sucht und Abhängigkeitsproblematik, damit die Drogenabhängigkeit aus ihren Wurzeln her verstanden werden kann, um dadurch effektiver auf Drogenabhängigkeit eingehen zu können, und um geeignete individuelle Hilfemaßnahmen zu finden.
Das zweite Kapitel zeigt das Drogenhilfesystem, von der Drogenberatung über die abstinenzorientierte Drogenhilfe zur akzeptierenden Drogenhilfe, bzw. zur Substitution. Abschließend endet das Kapitel mit den Zielen der Substitution.
Ebenfalls wie das erste Kapitel dient das zweite Kapitel unter anderem dazu einen Grundstock für nachfolgenden Themenschwerpunkte zu setzen. Kapitel eins stellt sozusagen das Problem „Drogenabhängigkeit“ dar, wobei im zweiten Kapitel die „Drogenhilfe“ als problemlösendes System dargestellt wird.
Die Methadonsubstitution im dritten Kapitel setzt den ersten Themenschwerpunkt. Hier geht es um die Darstellung des Stoffes „Methadon“ mit seinen Eigenschaften und Wirkungen. Im ganzen geht es kurz gesagt, um die Vor- und Nachteile bzw. um den Erfolg der Methadonsubstitution und um die Probleme bei der Methadonbehandlung.
Bedeutend in diesem Kapitel ist es herauszufinden, ob die Methadonsubstitution auf alle Heroinabhängige anspricht und ausreichend ist. Zugleich dient die Darstellung der Methadonsubstitution als Brennpunkt zum Vergleich mit der Heroinabgabe.
Interviews mit Heroinabhängige bilden den Abschluss dieses Kapitels. Diese Interviews sollen Auskunft geben, wie zufrieden Heroinabhängige mit der Methadonsubstitution sind und ob ersatzweise zur Methadonsubstitution auf eine Originalsubstitution mit Heroin Interesse besteht.
Kapitel vier zeigt anhand vom Betäubungsmittelgesetz und der Drogenpolitik, die Problematik und die Schwierigkeit ein kontrolliertes Heroinabgabe-Projekt in Deutschland zu verwirklichen. Es zeigt das Betäubungsmittelgesetz als Hindernis der Drogenhilfe. Das Kapitel gibt zu verstehen, dass die derzeitige Drogenpolitik geändert werden muss, damit Drogenhilfe individuell gestaltet werden kann, d.h., dass Projekte wie eine kontrollierte Heroinabgabe realisiert werden können.
Das fünfte Kapitel beschreibt das Betäubungsmittel Heroin (Diacetylmorphin). Es gibt Anmerkungen zu seiner Geschichte und erklärt die Wirkungsweise der Opioide, zu denen Heroin als Morphinderivat zählt. Ausführungen zu den Wirkungen und Nebenwirkungen der Opioide sowie zu den auftretenden Entzugserscheinungen und der Toleranzentwicklung bei Opioidabhängigkeit verdeutlichen die substanzspezifischen Hintergründe einer Heroinsucht.
Das sechste Kapitel stellt das Konzept der Heroinabgabe in Deutschland dar und befasst sich mit dem Schweizer Versuch der ärztlichen Verschreibung von Betäubungsmitteln. Neben geschichtlichen Anmerkungen zur Entstehung des Projektes, erläutert es seine Ziele und rechtliche Grundlage. Bei den Forschungsergebnissen wird zwischen patienten-, substanz- und projektspezifischen Ergebnissen unterschieden, welche jeweils gesondert aufgeführt und bewertet werden. In einem Vergleich werden die Ergebnisse des Modellversuchs denen anderer Suchtbehandlungsformen gegenübergestellt.
Des weiteren wird in diesem Kapitel eine Einrichtung vorgestellt (Zokl2), welche kontrollierte Heroinabgabe in Zürich unter wissenschaftlicher Begleitung praktiziert.
Das siebte Kapitel vergleicht die Methadonsubstitution mit der Originalsubstitution (Heroinabgabe). Zu Beginn des Kapitels wird ein substanzbezogener Vergleich aufgeführt. Darauffolgend werden Methadonpatienten mit Heroinpatienten verglichen.
Das achte Kapitel beschäftigt sich mit der Rolle der Sozialarbeit innerhalb des Schweizer Projektes. Es erläutert zunächst die allgemeine Aufgabe der Sozialarbeit und zeigt anschließend ihre Position im Betreuungsnetzwerk der Versuchsteilnehmer und ihren Tätigkeitsbereich im interdisziplinären Team der Behandlungsstellen. Neben dem konkreten Auftrag der Sozialarbeit im Versuch der kontrollierten Betäubungsmittelvergabe und seiner Umsetzung in der Praxis, werden ihre probandenspezifischen Behandlungszielsetzungen beschrieben.
In der Schlussbetrachtung wird das Schweizer Modellprojekt, speziell die kontrollierte Verschreibung von Heroin, aus sozialarbeiterischer Perspektive betrachtet und der aktuelle Stand zur Durchführung eines ähnlichen Versuchs in der Bundesrepublik geschildert. Letzteres beispielhaft am Urteil des Berliner Verwaltungsgerichtes bezüglich der Klage der Stadt Frankfurt am Main gegen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte um Zulassung eines wissenschaftlich begleiteten Pilotprojektes zur ärztlich kontrollierten Heroinvergabe an Abhängige.
Im folgenden Text wird aufgrund der besseren Lesbarkeit die grammatikalisch männliche Form in bezug auf Personen, Berufsgruppen etc. verwendet. Soweit nicht gesondert gekennzeichnet, sind jeweils Männer und Frauen gemeint.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Die Drogenabhängigkeit | 3 |
| 1.1 | Was sind Drogen und Betäubungsmittel | 3 |
| 1.2 | Sucht und Abhängigkeit | 4 |
| 1.3 | Bedeutung und Entstehung der Drogenabhängigkeit | 6 |
| 1.3.1 | Entstehung und Ursache der Drogenabhängigkeit | 7 |
| 1.4 | Die Physische (körperliche) Abhängigkeit | 9 |
| 1.5 | Die Psychische Abhängigkeit | 12 |
| 2. | Die Drogenhilfe | 14 |
| 2.1 | Entwicklung der Drogenarbeit in Deutschland | 14 |
| 2.2 | Drogenhilfe zwischen Abstinenz und Substitution | 15 |
| 2.2.1 | Die Drogenberatung | 15 |
| 2.2.2 | Drogentherapie | 16 |
| 2.2.2.1 | Drogentherapeutische Versorgung in Deutschland | 16 |
| 2.2.3 | Die abstinenzorientierte Drogenhilfe | 17 |
| 2.2.4 | Die akzeptierende Drogenhilfe | 18 |
| 2.2.4.1 | Niedrigschwellige Drogenhilfe | 19 |
| 2.2.4.1.1 | Substitution als akzeptierende Drogenhilfe | 19 |
| 2.2.4.1.1.1 | Substitution war schon im 19. Jahrhundert ein Thema | 19 |
| 2.2.4.1.1.2 | Ziele der Substitution | 20 |
| 3. | Die Methadonsubstitution | 23 |
| 3.1 | Was ist Methadon? | 23 |
| 3.2 | Methadon ist das die Lösung? | 23 |
| 3.3 | Ursprung und Hintergrund der Methadon-Substitution | 24 |
| 3.4 | Pharmakologie des Methadons | 25 |
| 3.4.1 | Eigenschaften und Wirkungen von Methadon | 25 |
| 3.5 | Methadonsubstitution in der Praxis | 28 |
| 3.5.1 | Struktur und Methodik der Substitutionstherapie | 29 |
| 3.6 | Rechtliche Grundlagen der Substitution mit Methadon | 30 |
| 3.7 | Vorteile der Methadonsubstitution | 31 |
| 3.8 | Nachteile einer Methadonsubstitution | 32 |
| 3.9 | Wer kann mit Methadon substituiert werden? | 33 |
| 3.9.1 | NUB-Richtlinien | 33 |
| 3.10 | Wem hilft Methadon? | 35 |
| 3.11 | Zum Problem der Methadon-Substitution | 36 |
| 3.11.1 | Verhindert Methadon den Konsum anderer Drogen? | 36 |
| 3.11.2 | Polytoxikomanie und Suchtverlagerung durch Methadonsubstitution | 39 |
| 3.11.3 | Probleme im Bereich der medizinischen Hilfe | 40 |
| 3.12 | Wissenschaftliche Ergebnisse zur Methadon-Substitution | 41 |
| 3.13 | Interview mit Heroinabhängigen im Metha-Programm | 43 |
| 3.13.1 | Fragebogenauswertung | 44 |
| 3.14 | Zusammenfassung | 47 |
| 4. | Die Drogenpolitik | 49 |
| 4.1 | Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) | 49 |
| 4.2 | Neue Wege bei der Drogen- und Suchtbekämpfung | 51 |
| 4.2.1 | Heroin soll verschreibungsfähig gemacht werden - erste Projekte stehen an | 53 |
| 5. | Heroin (Diacetylmorphin) - ein Opioid | 54 |
| 5.1 | Opioide | 54 |
| 5.1.1 | Herkunft und Verwendungsform | 54 |
| 5.1.2 | Zur Wirkungsweise der Opioide | 55 |
| 5.1.3 | Zur Pharmakologie der Opioide | 57 |
| 5.1.4 | Zur Toxikologie der Opioide | 57 |
| 5.1.5 | Zu den Entzugserscheinungen bei Opioidabhängigkeit | 59 |
| 5.1.6 | Zur Toleranzentwicklung bei Opioidabhängigkeit | 60 |
| 5.2 | Historische Anmerkung zum Arzneimittel Heroin | 61 |
| 5.3 | Legende und Wirklichkeit des Heroinkonsums | 63 |
| 6. | Heroinabgabe bzw. Originalsubstitution | 65 |
| 6.1 | Warum kontrollierte Abgabe von Heroin? | 65 |
| 6.2 | Konzepte einer kontrollierten Heroinabgabe in Deutschland | 67 |
| 6.3 | Kontrollierte Heroinabgabe in der Schweiz | 68 |
| 6.3.1 | Schweizer Ideen und Schweizer Realitäten | 69 |
| 6.4 | Das Schweizer Forschungsprojekt (PROVE) „Versuche für eine ärztliche Verschreibung von Betäubungsmitteln“ | 70 |
| 6.4.1 | Historische Anmerkungen zur Entstehung des Projektes | 70 |
| 6.4.2 | Ziele des Gesamtversuchs | 72 |
| 6.4.3 | Die Forschungsfragen des Gesamtversuchs | 73 |
| 6.4.4 | Anmerkungen zu den rechtlichen Voraussetzungen einer ärztlichen Verschreibung von Betäubungsmitteln | 74 |
| 6.4.5 | Forschungsergebnisse | 77 |
| 6.4.5.1 | Allgemeines zur Datenauswertung | 77 |
| 6.4.5.2 | Statistische Zielgruppencharakteristik bei Projekteintritt | 78 |
| 6.4.5.3 | Darstellung der Ergebnisse | 78 |
| 6.4.5.3.1 | Substanzbezogene Ergebnisse | 79 |
| 6.4.5.3.2 | Patientenbezogene Ergebnisse | 79 |
| 6.4.5.3.3 | Projektbezogene Ergebnisse | 82 |
| 6.4.5.4 | Schlußbetrachtung des Gesamtversuchs | 83 |
| 6.4.5.5 | Schlußfolgerungen der Forschungsergebnisse | 85 |
| 6.5 | Heroinabgabe in Zürich (Zokl2) | 87 |
| 6.5.1 | Zokl2 | 87 |
| 6.5.1.1 | Grundlagen, Ziel und Zweck | 87 |
| 6.5.1.2 | Betreuungsangebot | 89 |
| 7. | Methadon- und heroinunterstützte Behandlung Heroinabhängiger im Vergleich | 91 |
| 7.1 | Substanzbezogene Untersuchungen | 91 |
| 7.1.1 | Pharmakologische Vergleichsuntersuchung | 91 |
| 7.1.2 | Toxikologische Vergleichsuntersuchung | 94 |
| 7.2 | Deutschschweizer Methadon- und Heroinpatienten im Vergleich | 95 |
| 7.2.1 | Vergleich der Eintrittsmerkmale | 96 |
| 7.2.2 | Vergleich der Austritte | 97 |
| 7.2.3 | Analyse des Behandlungsverlaufs | 98 |
| 7.2.3.1 | Veränderungen in den strukturellen Integrationsmerkmalen | 98 |
| 7.2.3.2 | Veränderungen der sozialen Vernetzung | 99 |
| 7.2.3.3 | Veränderungen des Suchtmittelkonsums | 100 |
| 7.2.3.4 | Veränderungen von Szenenkontakten und Delinquenz | 101 |
| 7.2.3.5 | Veränderungen hinsichtlich psychischer und körperlicher Beschwerden | 102 |
| 7.2.3.5.1 | Veränderungen der psychischen Beschwerden | 102 |
| 7.2.3.5.2 | Veränderungen hinsichtlich der körperlichen Beschwerden | 102 |
| 7.2.3.6 | Resümee zur Analyse des Behandlungsverlaufs | 103 |
| 7.3 | Auswertung und Diskussion der Ergebnisse | 104 |
| 7.4 | Zusammenfassung | 108 |
| 8 | Zur Rolle der Sozialarbeit in bezug auf die kontrollierte Heroinabgabe | 109 |
| 8.1 | Zur allgemeinen Aufgabe der Sozialarbeit | 109 |
| 8.2 | Sozialarbeit im interdisziplinären PROVE-Team | 111 |
| 8.3 | Auftrag der Sozialarbeit in den PROVE-Projekten | 112 |
| 8.4 | Probandenspezifische Zielsetzung der PROVE-Sozialarbeit | 113 |
| 8.5 | Umsetzung des Auftrags der Sozialarbeit in den PROVE-Projekten | 114 |
| 8.5.1 | Interventionsbereiche der PROVE-Sozialarbeit | 114 |
| 8.5.2 | Beratungsgespräche | 115 |
| 8.5.2.1 | Rahmenbedingungen der Beratungsgespräche | 115 |
| 8.5.2.2 | Inhalt der Beratungsgespräche | 116 |
| 8.5.3 | HIV-Prävention, Betreuung von HIV-Positiven und Aids-Kranken | 116 |
| 8.5.3 | Gruppenarbeit | 117 |
| 8.5.3.1 | Ziele der Gruppenarbeit | 117 |
| 8.5.3.2 | Erfahrungen der Gruppenarbeit | 117 |
| 8.5.3.3 | Themen der Gruppenarbeit | 119 |
| 9. | Schlußbetrachtung aus sozialarbeiterischer Perspektive | 120 |
| 10. | Anhang | 123 |
| 10.1 | Abkürzungsverzeichnis | 123 |
| 10.2 | Literaturverzeichnis | 124 |
| 10.3 | Erklärung | 129 |
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http://www.diplom.de/ean/9783832469696
Arbeit zitieren:
Rapp, Michael Mai 2000: Heroinabgabe statt Methadonsubstitution, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Drogenabhängigkeit, Drogenhilfe, psychische Abhängikeit, physische Abhängigkeit, Drogenpolitik



