Herausforderungen und Tendenzen im deutschen Kinomarkt unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Situation
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Matthias Gibtner
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 125 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9673-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9673-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9673-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gibtner, Matthias Januar 2006: Herausforderungen und Tendenzen im deutschen Kinomarkt unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Situation, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kino, Medien, Freizeitbudget, Digitalisierung, Kinokrise
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Diplomarbeit von Matthias Gibtner
Zusammenfassung:
Das Kino sieht sich als klassisches Unterhaltungsangebot zunehmendem Veränderungsdruck ausgesetzt. Alle Anbieter haben mit veränderten Freizeitgewohnheiten, geringeren Budgets für Freizeitausgaben infolge der Wirtschaftskrise sowie den durch die Contentanbieter in den Kinomarkt hineingetragenen Veränderungen zu kämpfen.
Zum einen haben gerade die technischen Entwicklungen der letzten fünf Jahre dazu geführt, daß den Kinos außerordentlich starke Konkurrenz aus dem Heimbereich entgegentritt. Die Auswertung von Filmen in diversen Vertriebskanälen, die früher im Sinne der ›Zweitverwertung auf Bildträger‹ gegenüber der Kinoauswertung tatsächlich nachrangig war, spielt eine immer stärkere Rolle und beeinflußt inzwischen direkt den Abspielmodus in den Kinos. Hinzu kommt, daß ein bis vor wenigen Jahren mangels technischer Möglichkeiten nicht relevanter Verbreitungsweg an Raum gewinnt: das illegale, dh. von den Rechteinhabern nicht autorisierte Weiterverbreiten von Kinofilmen. Die teilweise hysterische Züge aufweisende »Raubkopierer-Kampagne« der ZKM verweist bei all ihrer Fragwürdigkeit auf ein wichtiges Thema: das Konsumieren von Filmen ist längst nicht mehr alleinige Domäne der Kinos, sondern wird mit den veränderten technischen Möglichkeiten – ob legal oder illegal – Teil des Home-Entertainments.
Aber auch in der Filmindustrie selbst geht die technische Entwicklung massiv in Richtung des Einsatzes digitaler Techniken. Produktion wie Auswertung von Kinofilmen stehen damit vor tiefgreifenden Umbrüchen, die gegenwärtig vollzogen werden.
Berlin hat derzeit (2005) 3,38 Mio. Einwohner, von denen 3,24 Mio. im ›kinofähigen‹ Alter ab 5 Jahren sind. Um diesen Markt bewerben sich 81 Kinostandorte mit über 58.000 Zuschauerplätzen, die – bis auf wenige Ausnahmen – das ganze Jahr über, sieben Tage in der Woche bespielt werden. Im Berliner Umland kommen weitere 14 Standorte hinzu, in deren Einzugsbereich insbesondere die stadtrandnahen Berliner Ortsteile liegen. Regelmäßig im Sommerhalbjahr öffnen noch 6–9 saisonal betriebene Freiluftkinos.
In den Jahren seit dem Mauerfall ist es in Berlin zu einem massiven Umbruch in der Kinolandschaft gekommen. Beobachter des Marktes sprechen von einem regelrechten Kinosterben im westlichen Innenstadtbezirk Charlottenburg; andererseits haben in der ganzen Stadt – vorwiegend, aber nicht nur in den östlichen Bezirken – neue Multiplex-Zentren eröffnet. Allerdings scheinen diese den Zenit ihrer Entwicklung bereits überschritten zu haben, Berlin gilt mittlerweile als mit Kinoplätzen überversorgt: hier teilen sich 57 Einwohner einen Sitzplatz, während es in einigen Großstädten des Ruhrgebietes teilweise weit mehr als 100 Einwohner sind. Folgerichtig wurde der Berliner Pionier der Multiplex-Welle (»UFA-Palast Kosmos« in Friedrichshain) bereits wieder geschlossen.
Daneben existiert in Berlin, wie es in einer multikulturellen und -ethnischen Großstadt nicht verwunderlich ist, eine große Zahl kleiner Kinos, die spezialisierte Programme jenseits des Mainstreams anbieten. Einige von diesen sind recht kurzlebige Einrichtungen, andere blicken auf eine lange Tradition zurück. In jüngster Zeit hat sich parallel dazu eine Szene etabliert, die mit dem Kino klassischen Zuschnitts wenig gemein hat: das sind die im verborgenen und jenseits der Legalität im »Untergrund« tätigen Kleinst-, Kneipen- und ›Guerillakinos ‹.
Die vorliegende Arbeit beleuchtet die Situation des deutschen und des Berliner Kinomarktes und behandelt die Frage, in welche Zukunft sich dieser bewegt.
Nach einer Darstellung des Mediums Kino und seiner Geschichte wird das Phänomen der Multiplexkinos näher untersucht, ein Abriß über die Wirtschaftsfaktoren der Filmproduktion und das Studio-System schließen sich an. Neben der Darstellung der wirtschaftlichen Prozesse wird detailliert auf die Verwertungskette von Kinofilmen eingegangen.
Anschließend werden die Gefahren für das Kino (demografische Entwicklung, technische Trends samt Konkurrenzen, Störfaktoren) detailliert herausgearbeitet. An diese Ursachendarstellung anschließend erfolgt die Analyse der gegenwärtigen Situation, indem statistisches Datenmaterial ausgewertet wird.
Unter den Strategien, die die Kinobetreiber als Ausweg aus der Krise betrachten, wird der Prozess der Digitalisierung des Kinos ausführlicher beleuchtet.
Eine Auflistung der Berliner Kinostandorte und eine grafische Darstellung der Veränderungen in den letzten 15 Jahren im Anhang runden die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis:
| 0. | Inhaltsverzeichnis | 2 |
| 0.1 | Verzeichnis der Tabellen und Abbildungen | 4 |
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Das Kino | 7 |
| 2.1 | Eine Entstehungsgeschichte | 7 |
| 2.2 | Multiplexkinos | 13 |
| 2.3 | Die Dichotomie des Kinos | 15 |
| 2.3.1 | Kino als Kulturgut | 15 |
| 2.3.2 | Kino als Ware | 17 |
| 3. | Die Produktion und die Auswertung von Kinofilmen | 19 |
| 3.1 | Produktion | 19 |
| 3.2 | Distribution | 20 |
| 3.3 | Digitalisierung | 22 |
| 4. | Die Verwertungskette | 25 |
| 4.1 | Die zweite Hälfte der 1980er Jahre | 25 |
| 4.2 | Die aktuelle Situation | 26 |
| 5. | Die Gefahren für das Kino | 30 |
| 5.1 | Bevölkerungsentwicklung | 31 |
| 5.1.1 | Die Berliner Situation | 32 |
| 5.2 | Die kinoaffinen Gruppen | 33 |
| 5.3 | Zeitbudgets und Freizeitausgabenbudgets | 34 |
| 5.3.1 | Die Berliner Situation | 35 |
| 5.4 | Heimkino | 36 |
| 5.4.1 | Fernsehen | 36 |
| 5.4.2 | Video | 37 |
| 5.4.3 | DVD | 38 |
| 5.4.4 | Breitbandanschluß | 41 |
| 5.5 | Raubkopierer und illegale Downloads | 42 |
| 5.6 | Guerilla-Kino und andere »Off«-Formen | 44 |
| 5.7 | Werbung | 45 |
| 6. | Zur gegenwärtigen Lage | 47 |
| 6.1 | Preise | 48 |
| 6.1.1 | Die Berliner Situation | 49 |
| 6.2 | Das Filmangebot | 49 |
| 6.3 | Betreiber und Konkurrenz | 50 |
| 6.3.1 | Greater Union Filmpalast GmbH | 51 |
| 6.3.2 | UFA-Theater AG | 52 |
| 6.3.3 | CinemaxX AG | 53 |
| 6.3.4 | UCI Multiplex GmbH | 53 |
| 6.4 | Die Krise der Standorte (Berlin) | 54 |
| 6.4.1 | Anpassung 1990–1997 | 55 |
| 6.4.2 | Wachstum und Umbruch 1997–2002 | 57 |
| 6.4.3 | Stagnation 2002–2005 | 57 |
| 6.5 | Die Krise der Inhalte | 59 |
| 6.6 | Wirtschaftliche Probleme | 61 |
| 7. | Überleben in der Krise | 64 |
| 7.1 | Die Digitalisierung der Kinos | 64 |
| 7.1.1 | Digital Rights Management | 67 |
| 7.2 | Preis | 69 |
| 7.2.1 | »One Dollar-Kino« | 69 |
| 7.3 | Technik | 70 |
| 7.4 | Zusatzangebote | 70 |
| 7.5 | Kino als Veranstaltungsort für Events | 71 |
| 7.6 | Zielgruppenspezifische Angebote | 72 |
| 7.7 | Kiezkinos | 72 |
| 7.8 | Werbung für das Kino | 73 |
| 8. | Schlußbetrachtung | 76 |
| 8.1 | Das Kino in 15 Jahren | 76 |
| 8.1.1 | Szenario A | 76 |
| 8.1.2 | Szenario B | 76 |
| 8.2 | Fazit | 77 |
| 9. | Abkürzungsverzeichnis | 80 |
| 10. | Quellenverzeichnis | 81 |
| 11. | Anhang | 85 |
| Fragebogen Kino | 86 | |
| Kinostandortein Berlin 1989–2005 | 87 | |
| infoRadio 2005 (Mitschrift) | 113 |
Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß die Spielfilmindustrie Hollywoods einhergehend mit der wirtschaftlichen und politischen Dominanz der USA über Jahrzehnte die Definitionsmacht über Formen und Inhalte des massenwirksamen Kinos. Aus ganz Europa waren verfolgte Filmschaffende dorthin emigriert, die der Branche einen enormen künstlerischen Impuls verliehen, und die USA profitierten wirtschaftlich und politisch in besonderer Weise von der Nachkriegsordnung. Seit den Umbrüchen in Hollywood in den 1970er Jahren und der Etablierung des ›Sunset Boulevard-Kapitalismus‹ wurden Blockbuster praktisch am Reißbrett konstruiert, um sie erfolgreich durch die Screenings zu bringen und im Markt zu plazieren. Auch die übrige Filmproduktion wurde konsequent einem Formatierungsraster unterworfen, um den wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen.138 Die Studios investieren neben den astronomischen Produktionsbudgets auch massiv in die Werbung für diese »must-see movies«. Regelmäßig erreicht der Marketingaufwand die Höhe des eigentlichen Produktionsbudgets (≥ 50–100 Mio. EUR). Lange Zeit waren derartige Produktionen auch mit großer Sicherheit als Erfolge in die Kinos zu bringen: durch Auswahl eines [...]
6. Zur gegenwärtigen Lage »UFA-Palast Kosmos« am 31.07.2005 seinen Spielbetrieb eingestellt. Unterdessen hat auch der Betreiber des 1998 als zweites Berliner Multiplex eröffneten »CinemaxX Colosseum« in Prenzlauer Berg angekündigt, die Nutzung dieses Kinos durch vorzeitige Auflösung des ursprünglich auf 20 Jahre geschlossenen Mietvertrages möglichst bald beenden zu wollen.136 Auch in diesem Fall betrüge die Nutzungsdauer des Kinos nach der Eröffnung lediglich 8 Jahre. Als Grund für diesen Schritt werden zwar offiziell Baumängel der Immobilie genannt, die Ursache dürfte aber in erster Linie in den unbefriedigenden Auslastungszahlen zu suchen sein. Der »UCI ZooPalast« blickt ebenfalls einer ungewissen Zukunft entgegen. Vordergründig steht er der beabsichtigten Neugestaltung des Zoo-Ensembles an der Hardenbergstraße im Wege. Die Tatsache, daß bei diesen Planungen der Kinostandort offen in Frage gestellt wird, zeigt aber, daß auch hier der Betreiber mit den wirtschaftlichen Daten unzufrieden ist (aktuell versucht UCI, den Mietvertrag aufzulösen137): noch in den 1990er Jahren hätte die städtebauliche Entwicklung eines derartigen Areals die Erhaltung – wenn nicht gar Neuerrichtung – eines Kinos ganz selbstverständlich mit eingeschlossen. [...]
6. Zur gegenwärtigen Lage Ku'damm-Kinos schrumpfte weiter, angesichts der acht verbliebenen Charlottenburger Kinos ist in diesem Bezirk endgültig die Normalität eingekehrt. Mittlerweile hat die krisenhafte Entwicklung auf dem Berliner Kinomarkt auch Auswirkungen auf die lange Zeit stürmisch wachsenden Multiplexe. Dies fällt damit zusammen, daß die ersten dieser Häuser in die Phase eines notwendigen Relaunches kommen. Allgemein wird bei Freizeit-Immobilien davon ausgegangen, daß regelmäßig Maßnahmen ergriffen werden müssen, die die Attraktivität eines Standortes für die Besucher wiederherstellen.133 Das sind Renovierungen, Umbauten und Modernisierungen, aber auch Relaunches mit völligen Veränderungen des Betriebskonzeptes iVm. entsprechenden Marketingkampagnen, was entsprechenden Kapitaleinsatz erfordert. Eine umfassende Revitalisierung der Freizeiteinrichtung ist demnach nach spätestens 20 Jahren erforderlich. Alternativ ist auch eine Schließung und Umnutzung des Standortes möglich. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832496739
Arbeit zitieren:
Gibtner, Matthias Januar 2006: Herausforderungen und Tendenzen im deutschen Kinomarkt unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Situation, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kino, Medien, Freizeitbudget, Digitalisierung, Kinokrise



