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Herausforderung an innovatives Pharmamarketing im Zeitalter wachsenden Consumer Empowerments auf dem deutschen Arzneimittelmarkt

Herausforderung an innovatives Pharmamarketing im Zeitalter wachsenden Consumer Empowerments auf dem deutschen Arzneimittelmarkt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Florian Fuhrmann
  • Abgabedatum: März 2005
  • Umfang: 84 Seiten
  • Dateigröße: 501,3 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9507-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9507-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9507-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fuhrmann, Florian März 2005: Herausforderung an innovatives Pharmamarketing im Zeitalter wachsenden Consumer Empowerments auf dem deutschen Arzneimittelmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Pharmazie, DIC, Direct-to-Consumer, Patient, Arznei

Diplomarbeit von Florian Fuhrmann

Einleitung:

Der deutsche Gesundheitsmarkt hat in den vergangenen Jahren einige Veränderungen erlebt. Diese Veränderungen erfolgten einerseits auf der gesetzlichen Ebene, wie z.B. im Falle des Gesetzes zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG). Andererseits fanden auch auf mentaler Ebene auf Seiten der Verbraucher Änderungen statt.

So hat sich ein verstärktes Bewusstsein für die eigene Gesundheit entwickelt und Patienten werden als Experten für ihre Gesundheit gesehen und durch das Übernehmen von Teilleistungen am Gesunderhaltungs- und Genesungsprozess stärker einbezogen. Dadurch wächst der Patient aus seiner bisherigen Rolle als passiver Statist im Gesunderhaltungs- und Genesungsprozess heraus und entwickelt sich zu einem Partner im Gesundheitswesen.

Im Zuge dieses Consumer Empowerments gibt sich der Endverbraucher nicht damit zufrieden, die Entscheidungen des Arztes zu akzeptieren und die damit einhergehenden Therapien über sich ergehen zu lassen. Heute hinterfragt der Verbraucher die Entscheidungen, lehnt diese bei Nichteinverständnis ab und will über Alternativmöglichkeiten unterrichtet werden. Doch der ärztliche Rat als alleinige Instanz für die eigene Gesundheit reicht dem Verbraucher heute nicht mehr aus.

Zusätzlich zum ärztlichen Rat gewinnen für den modernen Verbraucher die Neuen Medien an Bedeutung, um sich mit seiner Gesundheit bzw. Krankheit zu beschäftigen. Diese Veränderung des Selbstverständnisses der Konsumenten im deutschen Gesundheitssystem wird kritisch betrachtet. Krankenkassen und Politik erhoffen sich durch den informierten Konsumenten dennoch, Gesundheitskosten einsparen zu können.

Auch Pharmaunternehmen bleiben von diesem Trend nicht unberührt und versuchen, auf das gesteigerte Informationsbedürfnis der Endverbraucher ihrer Produkte zu reagieren. Im Zuge dessen möchten Pharmaunternehmen die Kundenbedürfnisse des Verbrauchers in ihr Marketingkonzept, das im Bereich verschreibungspflichtiger Medikamente bislang auf den Arzt abgestimmt ist, einbeziehen. Denn gerade auf dem Pharmamarkt, der analog zu anderen Märkten ein hohes Maß an Komplexität und eine hohe Informationsasymmetrie zwischen Arzt und Patient aufweist, fordert die Nachfrageseite, aufgeklärt zu werden.

Im Bereich der Präparate zur Selbstmedikation, die der Patient rezeptfrei konsumieren kann, nimmt der Hersteller bereits die Möglichkeit wahr, Produkte über Publikumsmedien zu bewerben und darüber zu informieren. Medikamente, die nur mit Erlaubnis des Arztes eingenommen werden dürfen, unterliegen hingegen besonderen Richtlinien. Für diese verschreibungspflichtigen Medikamente dürfen Pharmaunternehmen laut Heilmittelwerbegesetz (HWG) keine, an medizinische Laien gerichtete, Werbemaßnahmen durchführen.

Deshalb zielten noch im Jahr 2002 ca. 90 % der Marketingmaßnahmen auf die Zielgruppen Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und den Großhandel ab. Die bisherige Gesetzeslage rechtfertigte diese Vorgehensweise. Die wachsende Souveränität des Patienten, sein wachsender Einfluss auf die vom Arzt gelenkte Nachfrage nach verschreibungspflichtigen Medikamenten der letzten Jahre und die sich daraus ergebenden Absatzmöglichkeiten verlangt heute, dass das Marketing der Pharmaunternehmen neue Wege geht. Aus diesem Grund wird in Deutschland und in anderen europäischen Ländern von der Pharmaindustrie verstärkt die Forderung gestellt, die Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Medikamente, die nur in den Vereinigte Staaten und Neuseeland zugelassen ist, zu legalisieren oder die bisherigen Bestimmungen zumindest zu lockern.

Nach einer dahingehenden Gesetzesänderung könnten Pharmaunternehmen dem Verbraucher die von ihm geforderten Informationen über rezeptpflichtige Medikamente durch Publikumswerbung zukommen lassen. Der Nutzen und die Gefahr durch die Deregulierung solcher Werbemaßnahmen, insbesondere für den Bereich der AIDS-, Asthma- und Diabetesmedikamente, wurden in den letzten Jahren in der EU-Kommission heftig diskutiert. Doch noch wehren sich viele Politiker und Verbraucherschützer erfolgreich gegen die Forderung der mächtigen Pharmalobby.

Gang der Untersuchung:

Ziel dieser Arbeit ist es, die Erstarkung des Patienten, seine kundenähnlichen Bedürfnisse und die daraus resultierende Unumgänglichkeit für ein Umdenken im Pharmamarketing hin zu mehr Kundenorientierung darzustellen. Als eine Möglichkeit für mehr Kundenorientierung wird die, in den Vereinigten Staaten praktizierte Direktwerbung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, kritisch betrachtet.

Um die hierfür nötigen Grundlagen zu schaffen, wird zunächst die Systematik des Marktes für verschreibungspflichtige Medikamente erläutert. Danach wird die Funktion der relevanten Marktteilnehmer beschrieben und es wird der Begriff des verschreibungspflichtigen Arzneimittels definiert.

Im Anschluss daran wird erörtert, inwieweit sich das Verständnis und das Selbstbewusstsein des Marktteilnehmers Patient im Rahmen des zuvor beschriebenen Pharmamarktes verändern und ob der Patient als Kunde der Pharmaindustrie verstanden werden kann. Es wird weiterhin näher auf die Veränderung des Patient-Arzt-Verhältnis eingegangen.

Der anschließende Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie das Pharmamarketing auf die Tendenzen der wachsenden Patientensouveränität reagieren und die Pharmaunternehmen diese Entwicklungen für sich nutzen können.

Dazu soll kurz auf die Besonderheiten des Pharmamarketings und die bisherige Vorgehensweise im Pharmamarketing eingegangen werden, um dann einen Einstieg in die Theorie des innovativen Pharmamarketings zu finden, das den Patienten als Partner und die Kommunikation von Marken stärker in die Marketingüberlegungen einbezieht. So wird beispielsweise auf die Erweiterung des klassischen Marketingmixes um drei pharmaspezifische Komponenten hingewiesen. Im Rahmen der klassischen Marketinginstrumente wird die Kommunikationspolitik genauer betrachtet sowie die Wichtigkeit und die Grenzen einer verstärkten Kommunikation zwischen Patient und Pharmaunternehmen dargelegt.

Als ein Instrument innerhalb der Kommunikationspolitik, das in Deutschland noch untersagt ist, wird im fünften Kapitel Direct-to-Consumer-Advertising (DTCA) behandelt. Hierfür wird der Vorreiter in Sachen DTCA, die Vereinigten Staaten, als Beispiel herangezogen, um zu versuchen, mögliche Implikationen für Deutschland vorherzusagen. Zu diesem Zweck wird DTCA in den Vereinigten Staaten beschrieben und ein kurzer Abriss der Entwicklungen seit den Anfängen des DTCA gegeben. Es werden die verschiedenen Arten von DTCA und die Medien, in denen DTCA in Erscheinung tritt, vorgestellt.

Die Erfahrungen aus amerikanischen Studien über die positiven und negativen Einflüsse des DTCA auf den Endverbraucher und das Arzt-Patient-Verhältnis sollen im Rahmen der dargestellten aktuellen Diskussionen in Deutschland geschildert werden.

Anhand dieser Erfahrungen werden am Ende des fünften Kapitels Empfehlungen gegeben, welche Anpassungsmaßnahmen notwendig sind, um den moralischen Bedenken, die in Deutschland gegen DTCA bestehen, entgegenzuwirken, wodurch eine Akzeptanz für diese Form des kundenorientierten Pharmamarketings geschaffen werden könnte.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Der deutsche Pharmamarkt 5
2.1 Systematik der Arzneimittelversorgung 5
2.2 Marktteilnehmer auf dem Arzneimittelmarkt 8
2.2.1 Ärzte als Leistungsentscheider und Vertrauenspersonen 8
2.2.2 Krankenkassen als Leistungsträger 9
2.2.3 Pharmaunternehmen als Leistungsgeber 10
2.2.4 Weitere Marktteilnehmer 11
2.3 Das Produkt Arzneimittel 12
3. Der Patient in seiner neuen Rolle 15
3.1 Der Patient, ein Kunde im ökonomischen Sinne? 15
3.2 Consumer bzw. Patient Empowerment 16
3.2.1 Consumer Empowerment im Gesundheitswesen 16
3.2.2 Zugänglichkeit für Consumer Empowerment 19
3.2.3 Entwicklung vom Patienten zum informierten Kunden 19
3.2.4 Informationsmöglichkeiten für Patienten 21
3.3 Die Beziehung zwischen Ärzten und Patienten 23
3.3.1 Paternalismus im Arzt-Patient-Verhältnis 23
3.3.2 Patienten auf dem Weg zum Shared Decision Making 24
4. Pharmamarketing 28
4.1 Vom traditionellen zum innovativen Pharmamarketing 28
4.1.1 Stand und Schwächen des bisherigen Pharmamarketings 28
4.1.2 Vom Push-Marketing zum Pull-Marketing 31
4.2 Bedeutung von Marken auf dem Pharmamarkt 33
4.3 Die sieben P des innovativen Pharmamarketings 36
4.3.1 Drei neue P des innovativen Pharmamarketings 36
4.3.2 Produktpolitik 38
4.3.3 Preispolitik 39
4.3.4 Distributionspolitik 39
4.3.5 Kommunikationspolitik 40
4.3.5.1 Kommunikationspolitik als Dienstleistung 40
4.3.5.2 Gesetzliche Grundlagen für die Kommunikationspolitik 43
5. Direct-to-Consumer-Advertising 46
5.1 Definition Direct-to-Consumer-Advertising 46
5.2 Die Vereinigten Staaten sind Vorreiter für DTCA 48
5.2.1 DTCA in den USA seit Anfang der 80er Jahre 48
5.2.2 Die Vereinigten Staaten und DTCA 49
5.2.3 DTCA in den Medien 50
5.2.4 Gesetzliche Vorschriften der FDA für DTCA 51
5.2.5 Ausgaben für DTCA in den Vereinigten Staaten 52
5.2.6 DTCA kann den Rat des Arztes ersetzen 53
5.3 DTCA in Deutschland und Europa 54
5.3.1 Aktuelle Situation in Deutschland und Europa 54
5.3.2 Pharmaunternehmen befürworten eine Gesetzesänderung 58
5.3.3 Patientenverbände und Verbraucherschützer sind gegen DTCA 59
5.3.4 Erfahrungen mit DTCA aus amerikanischen Studien 60
5.3.4.1 Reaktionen der Patienten auf DTCA 60
5.3.4.2 Auswirkungen von DTCA auf das Arzt-Patient-Verhältnis 61
5.3.4.3 Aussagekraft von DTCA Studien 63
5.3.5 DTCA und Moral 64
5.3.6 AIDS-Therapie-Werbung in den Vereinigten Staaten 65
5.3.7 Empfehlungen für das deutsche Gesundheitssystem 66
6. Fazit 68
Literaturverzeichnis 71

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die an den Kundenbedürfnissen orientierte Leistungserstellung bzw. die Gestaltung derselben ist ein Kernstück der Marketingbemühungen eines jeden Unternehmens. Für ein konsequentes, strategisches Produktportfoliomanagement ist es notwendig, den Markt und die eigene Konkurrenz ununterbrochen zu analysieren, Kundenreaktionen auszuwerten, Stärken und Schwächen des eigenen Angebotes zu erkennen und eine enge Zusammenarbeit mit Forschung und Entwicklung zu forcieren. Dabei muss der Endkunde immer im Fokus bleiben. Im Pharmabereich bedeutet das, Produktvariationen und Produktdifferenzierungen z.B. in Form neuer Darreichungsformen, Dosierungen sowie Produktinnovationen kundenorientiert voranzutreiben.115 Weiterhin wird durch die Produktpolitik das Markenimage stark beeinflusst. Im Rahmen der Produktpolitik ist der Aufbau eines Markenzeichens mit einem Wiedererkennungswert sehr wichtig. Hierbei werden für patentgeschützte Medikamente nicht die Wirkstoffnamen, sondern einprägsame frei erfundene Wortkreationen verwendet, die nach Ablauf der Patentfrist nur für das Originalpräparat benutzt werden dürfen, was einen vorteilhaften Wiedererkennungseffekt bei Patienten und Ärzten generiert.116 [...]

37 durch Einzeldienstleistungen neu im Markt positioniert, z.B. durch die Einbeziehung von Informationen in das Servicepaket. Politics: Die Politik muss aktiv in Marketingüberlegungen einbezogen werden, da die Politik die gesetzlichen Regelungen für das Pharmamarketing, beispielsweise im Bereich der Kundenansprache, vorgibt. Durch diese Regelungen sollen die Gesundheitskosten, z.B. durch die Forderung nach KostenNutzen-Optimierung, drastisch gesenkt werden und ein verantwortungsvolles Pharmamarketing garantiert werden. Patients: Auf Grund des neu gewachsenen Selbstbewusstseins der Patienten muss das Marketing ein konstruktiver Dienstleister werden, der den souveränen Kunden durch Informationen über Indikationen und Therapien zum kompetenten Gesprächspartner für den behandelnden Arzt macht.114 Die Einflussnahme der drei innovativen P auf die bestehenden vier P wird in Abbildung 11 graphisch dargestellt. [...]

Um den Produktlebenszyklus und das Markenbewusstsein eines verschreibungspflichtigen Medikaments ähnlich wie bei anderen Produkten durch das Marketing positiv zu beeinflussen, muss der Marketinggedanke operationalisierbar werden. In der klassischen Marketingtheorie spricht man bei den Marketinginstrumenten von den so genannten vier P: Product (Produktpolitik), Price (Preispolitik), Place (Distributionspolitik) und Promotion (Kommunikationspolitik).111 Da der Pharmamarkt aber die bereits erwähnten Besonderheiten aufweist, wird in der wissenschaftlichen Literatur der letzten Jahre die Frage gestellt, ob die vier Säulen des klassischen Marketings allein zur Operationalisierung des Pharmamarketings ausreichen.112 Denn das gesellschaftliche Umdenken im Bezug auf das gewachsene Selbstbewusstsein der Patienten wirkt sich auf die bereits bestehenden vier P des Marketings aus und generiert neue Ansatzpunkte für das Marketingdenken. In der aktuellen Pharmamarketingforschung sieht man eine theoretische Lösung in der Erweiterung der vier klassischen P um weitere drei innovative P. Die drei neuen P sind Positioning (Positionierung), Politics (Politik) und Patient und stellen keine weiteren selbständigen Instrumente dar, sondern beeinflussen die klassischen vier P und verdeutlichen weitere zentrale, zu berücksichtigende Elemente des Pharmamarketings.113 Positioning: Es ist langfristig notwendig, ein partnerschaftliches Verhältnis zum Kunden aufzubauen, indem man sich durch ein Servicepaket und nicht [...]

Arbeit zitieren:
Fuhrmann, Florian März 2005: Herausforderung an innovatives Pharmamarketing im Zeitalter wachsenden Consumer Empowerments auf dem deutschen Arzneimittelmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Pharmazie, DIC, Direct-to-Consumer, Patient, Arznei

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