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Herausforderung eines drohenden Klimawandels an die Versicherungswirtschaft vor dem Hintergrund einer möglichen Elementarschaden-Zwangsversicherung

Herausforderung eines drohenden Klimawandels an die Versicherungswirtschaft vor dem Hintergrund einer möglichen Elementarschaden-Zwangsversicherung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Peter Landmann
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 108 Seiten
  • Dateigröße: 844,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8382-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8382-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8382-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Landmann, Peter Dezember 2003: Herausforderung eines drohenden Klimawandels an die Versicherungswirtschaft vor dem Hintergrund einer möglichen Elementarschaden-Zwangsversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rückversicherung, Naturkatastrophe, Risikotransfer, Captives, Versicherungsderivate

Diplomarbeit von Peter Landmann

Gang der Untersuchung:

Ist der drohende Klimawandel nur eine Prophezeiung pessimistischer Zeitgenossen, oder handelt es sich um eine unbestreitbare Tatsache? In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, welche Folgen ein Klimawandel mit sich bringen kann und welchen Herausforderungen sich die Versicherungswirtschaft daraufhin stellen muss. Da in Deutschland die Einführung einer Elementarschaden-Zwangsversicherung für Gebäudeeigentümer zur Diskussion steht, liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Versicherung von Gebäuden und dem dazugehörigen Hausrat. Auf die Bereiche Kraftfahrt-, Haftpflicht-, Reise-, Unfall- und Lebensversicherung wird nicht näher eingegangen, obwohl ein Klimawandel durch die Zunahme von Elementargefahren zweifellos auch Auswirkungen auf diese Sparten haben wird.

Als Grundlage zum Verständnis der zunehmenden Elementargefahren werden in Kapitel 2 die Elementarrisiken vorgestellt, die von einer Klimaänderung betroffen sind. Danach folgt ein kurzer, historischer Überblick über die Entwicklung der Elementarschadenversicherung in Deutschland und eine Darstellung der aktuellen Versicherungsmöglichkeiten. Da durch Elementargefahren Schäden in großer Höhe entstehen können, spielt die Rückversicherungsnahme eine besonders wichtige Rolle. Daher wird untersucht, welche Rückversicherungsformen sich am besten zur Absicherung gegen Elementargefahren eignen.

Um zu erklären, welche Folgen ein Klimawandel für die Versicherungswirtschaft haben kann, wird dieses Phänomen in Kapitel 3 genauer analysiert. In diesem Zusammenhang soll auch die Frage geklärt werden, welchen Einfluss der Mensch auf die Entwicklung des Klimas ausübt. Ein weiterer Untersuchungsgegenstand ist der nach oben weisende Schadentrend von Elementarereignissen. Zu klären ist hierbei, ob der Klimawandel die alleinige Ursache dafür ist, oder ob noch andere Faktoren dazu beitragen. Nach einer Untersuchung, wie sich das Verhältnis der versicherten zu den volkswirtschaftlichen Schäden entwickelt hat, werden Verfahren zur Prognose von zukünftigen Elementarschäden vorgestellt.

In Kapitel 4 werden die Herausforderungen an die Versicherungswirtschaft aufgezeigt: Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um vorausschauend auf die steigenden Schadentrends infolge eines Klimawandels zu reagieren, und wie kann dabei gleichzeitig das Insolvenzrisiko niedrig gehalten werden? Zunächst wird ein Überblick über die klassischen Möglichkeiten der Versicherungsunternehmen geliefert. Im Anschluss daran folgt eine Vorstellung der wichtigsten innovativen Instrumente, die unter dem Oberbegriff Alternativer Risikotransfer zusammengefasst werden. Abschließend wird kurz darauf eingegangen, ob die Versicherungswirtschaft die Debatte zum Klimaschutz in ihrem Sinne beeinflussen kann.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln erfolgt in Kapitel 5 eine Untersuchung, ob die Einführung einer Elementarschaden-Zwangsversicherung tatsächlich notwendig ist. Nach einem Überblick über Referenzlösungen, wie eine Zwangsversicherung in verschiedenen anderen Ländern ausgestaltet worden ist, folgt eine Aufstellung von Argumenten, die für bzw. gegen eine solche Einführung in Deutschland sprechen. Als mögliche Ausgestaltungsformen werden abschließend die Monopol- und die Wettbewerbslösung auf ihre Eignung hin untersucht.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Grundlagen 2
2.1 Elementarrisiken 2
2.1.1 Vorbemerkungen 2
2.1.2 Überschwemmung 5
2.1.3 Sturm 6
2.1.4 Hagel 8
2.1.5 Dürre 9
2.1.6 Weitere Elementarrisiken 10
2.2 Die Versicherung von Elementarrisiken 12
2.2.1 Historische Entwicklung 12
2.2.2 Elementarschadenversicherung in Deutschland 14
2.3 Die Rolle der Rückversicherung bei der Bewältigung von Elementarrisiken 17
2.3.1 Allgemeine Betrachtung 17
2.3.2 Problematik seltener Großschadenereignisse 20
2.3.3 Rückversicherung von Elementarrisiken in der Praxis 23
3. Klimawandel und Versicherungswirtschaft 25
3.1 Klimawandel 25
3.1.1 Vorbemerkungen 25
3.1.2 Natürliche Ursachen 26
3.1.3 Anthropogene Ursachen 28
3.2 Durch Naturkatastrophen verursachte Schäden 30
3.2.1 Volkswirtschaftliche Schäden 30
3.2.2 Versicherte Schäden 33
3.3 Prognose 34
3.3.1 Allgemeine Betrachtung 34
3.3.2 Modelle 37
3.4 Zusammenfassung 42
4. Herausforderungen der Versicherungswirtschaft 43
4.1 Vorbemerkungen 43
4.2 Klassische Versicherung 44
4.2.1 Produktgestaltung 44
4.2.2 Prämienpolitik 47
4.2.3 Kapazitätsausweitung 50
4.2.4 Öffentlichkeitsarbeit 52
4.2.5 Schnelle Schadenabwicklung 54
4.3 Alternativer Risikotransfer 55
4.3.1 Allgemeine Betrachtung 55
4.3.2 Captives 57
4.3.3 Finanzrückversicherung 58
4.3.4 CATEX 60
4.3.5 Versicherungsderivate 61
4.3.6 Katastrophenanleihen 64
4.3.7 Contingent Capital 67
4.4 Beitrag der Versicherungswirtschaft zur Klimadebatte 68
4.5 Zusammenfassung 69
5. Zwangsversicherung von Elementarrisiken 71
5.1 Vorbemerkungen 71
5.2 Elementarschadenversicherung im Ausland 73
5.3 Gründe für die Einführung einer Zwangsversicherung in Deutschland 76
5.4 Durchführungswege einer Zwangsversicherung 79
5.4.1 Monopollösung 79
5.4.2 Wettbewerbslösung 80
5.5 Zusammenfassung 82
6. Fazit 83
Literaturverzeichnis VII
Anhang XVII

Automatisiert erstellter Textauszug:

In der Folge eines aufgezeigten Klimawandels werden sich die Schadeneintrittswahrscheinlichkeiten von Elementarereignissen ändern, und die Schadensummen werden ansteigen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit von Großschadeneintritten in den letzten Jahren beträchtlich zugenommen hat, werden Versicherungsverträge gegen Naturgefahren in Deutschland und in anderen europäischen Ländern von den VN noch immer als ein Schutz vor Klein- oder Bagatellschäden angesehen. Aufgrund der fehlenden Wahrnehmung einer Existenzbedrohung rückt so das Interesse an Risikovorsorge und -minderung in den Hintergrund, und die VU müssen mit steigenden Leistungen an die Geschädigten rechnen.209 In Kapitel 2.2.2 wurde festgestellt, dass aufgrund der Antiselektion nur solche Haushalte Versicherungsschutz nachfragen, die von einer bestimmten Elementargefahr, z.B. Überschwemmung, akut gefährdet sind. Die übrigen wähnen sich dem Risiko nicht ausgesetzt und fragen deshalb auch keinen Versicherungsschutz nach. Unter der Voraussetzung, dass nur Nachfrage von besonders gefährdeten VN besteht, müsste ein VU die Prämien für den Versicherungsschutz stark erhöhen oder sein Angebot ganz einstellen, falls das versicherungstechnische Risiko daraufhin immer noch zu groß sein sollte. Für die Versicherungswirtschaft stellt sich die Herausforderung, wie das Angebot an Versicherungsschutz für die besonders gefährdeten Risiken mit Instrumenten des Risikomanagements erhöht werden kann bzw. wie die weniger gefährdeten Risikosubjekte dazu gebracht werden können, ebenfalls Versicherungsschutz nachzufragen. Zudem müssen die VN, die sich bereits im Bestand eines VU befinden, davon überzeugt werden, eigene Schadenminderungsmaßnahmen zu ergreifen. Für die Branche wäre es grundfalsch, sich in der Rolle des Anpassers zu sehen und die weitere Entwicklung tatenlos abzuwarten. Sie besitzt die Mittel, um aktiv auf die Gestaltung des Risikos einzuwirken.210 Als mögliche Alternativen stehen die klassischen Maßnahmen der VU, z.B. Produktgestaltung und Prämienpolitik, sowie innovative Maßnahmen des Alternativen Risikotransfers zur Verfügung, z.B. die Emission von Katastrophenanleihen. Die einzelnen Punkte werden in den folgenden Kapiteln auf ihre Eignung hin genauer untersucht. [...]

Ökologische Systeme verharren nur selten in einem Gleichgewichtszustand, da die Dynamik ein kennzeichnendes Merkmal der Natur ist. Somit stellen Veränderungen im Naturhaushalt, zu welchem auch das Klima gehört, nicht die Ausnahme, sondern die Regel dar.203 Der natürliche Wandel vollzieht sich dabei parallel zu den anthropogenen Veränderungen, wodurch sich die Folgen einer Klimaveränderung verstärken können.204 Ob und wann ein anthropogener Klimawandel nachweisbar sein wird, ist nicht die entscheidende Frage. Bedeutend wichtiger ist, ob die vorhandenen Klimamodellrechnungen die zukünftigen Entwicklungen in ausreichender Genauigkeit abschätzen können, um rechtzeitig Maßnahmen zur Schadenminimierung treffen zu können. Um es mit den Worten POHLHAUSENS auszudrücken: „Die Zukunft aus der Vergangenheit ableiten zu wollen, ist ein keineswegs unproblematisches Unterfangen. Dennoch ist es eine sinnvolle Tätigkeit. Eine andere Möglichkeit, sich der Ungewißheit der Zukunft zu nähern, gibt es nicht.“205 Katastrophenmodelle sollen den VU helfen, sich besser am Markt zu positionieren, Gewinne zu erzielen und das Insolvenzrisiko zu minimieren.206 Dabei wird das Irrtumsrisiko auf absehbare Zeit groß bleiben. Wichtig ist es deshalb, flexible Strategien zu entwickeln, mit denen eventuelle Schäden fallweise minimiert werden können. Geeignet sind so genannte „No Regret“-Strategien, z.B. die Reduzierung von Kraftstoff- bzw. Energieverbrauch. Auch wenn ein Zusammenhang mit der Klimaänderung schlussendlich geringer sein sollte als vermutet, führt eine solche Maßnahme zu vernünftigen Einspareffekten.207 Da sich die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Elementarereignissen nicht beeinflussen lassen, und sie außerdem aufgrund des Klimawandels einem hohen Änderungsrisiko unterliegen, muss die Höhe der Schäden im tatsächlichen Eintrittsfall durch präventive Maßnahmen verringert werden.208 Durch eine Steigerung des prozentualen Anteils der versicherten Schäden an den volkswirtschaftlichen Schäden kann zudem dafür gesorgt werden, dass die Betroffenen im Katastrophenfall nicht plötzlich mittellos dastehen und somit eine Unterbrechung des Wirtschaftskreislaufs erfolgt. Welchen Beitrag die Versicherungswirtschaft leisten kann, wird im folgenden Kapitel dargestellt. [...]

Bislang wurden nur eindimensionale Ansätze zur Modellierung von Schadenhöhen betrachtet. Zukünftig wird es jedoch immer wichtiger werden, auch multivariate Analysen durchzuführen, um die Abhängigkeiten zwischen Einzelschäden unterschiedlichen Typs, z.B. Gebäude-, Inventar- und Folgeschäden, stärker zu berücksichtigen. Geeignet sind dafür so genannte stochastische Kopula-Modelle, mit denen Abhängigkeiten von Daten vollständig beschrieben werden können.201 Abschließend bleibt festzuhalten, dass sich die Hauptaufgabe eines Katastrophenmodells darauf beschränkt, den Rahmen für die finanziellen Auswirkungen eines Katastrophenereignisses auf ein Versicherungsportfolio abzustecken. Aufgrund unzähliger Einflussfaktoren bleibt eine exakte Schadenprognose Wunschdenken. Aus dem Instrumentarium eines VU bzw. eines RVU sind Modelle heute jedoch nicht mehr wegzudenken, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung des Risikomanagements im Unternehmen.202 [...]

Arbeit zitieren:
Landmann, Peter Dezember 2003: Herausforderung eines drohenden Klimawandels an die Versicherungswirtschaft vor dem Hintergrund einer möglichen Elementarschaden-Zwangsversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rückversicherung, Naturkatastrophe, Risikotransfer, Captives, Versicherungsderivate

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