Herausforderung Operational Risk-Management
Umsetzung in einer genossenschaftlichen Bank am Beispiel der VR-Bank Aalen eG
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Hübner
- Abgabedatum: Mai 2002
- Umfang: 63 Seiten
- Dateigröße: 385,8 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Berufsakademie Heidenheim Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6190-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6190-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6190-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hübner, Stefan Mai 2002: Herausforderung Operational Risk-Management, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Risikomanagement, Bankcontrolling, operationelle Risiken, Basel II, Interne Revision
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Diplomarbeit von Stefan Hübner
Gang der Untersuchung:
Operationelle Risiken zählen zu den ältesten Risiken überhaupt und entstehen bereits bei der Gründung eines Unternehmens. Durch ihre zwangsläufige Verbindung zu jeder wirtschaftlichen Aktivität haften sie jedem Unternehmen an und können in sämtlichen betrieblichen Teilbereichen auftreten. Jedoch wurde dem Operational Risk in Banken erst in den letzten Jahren eine größere Bedeutung zugemessen, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist.
In der Vergangenheit sind spektakuläre Verluste von Banken aufgetreten, deren Ursachen nicht auf Kredit- oder Marktrisiken, sondern auf schlagend gewordene operationelle Risiken zurückzuführen sind. So ist die Ursache des Untergangs der Barings Bank im Februar 1995 auf operationelle Risiken zurückzuführen, die sich v.a. in Form eines inadäquaten Kontrollsystems und schwerwiegender Führungs- und Aufsichtsmängel bemerkbar machten. Nicht zuletzt aus diesem Grund beschäftigen sich auch die Aufsichtsbehörden vermehrt mit der Regulierung operationeller Risiken. So ist in den Neuen Eigenkapitalvereinbarungen des Basler Ausschusses erstmals die Eigenmittelunterlegung für operationelle Risiken geplant. Im selben Zusammenhang ist auch die Einführung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), das seit 1. Mai 1998 in Deutschland in Kraft ist, zu sehen.
Ein weiterer wesentlicher Grund für die gestiegenen operationellen Risiken ist die zunehmende Komplexität des Bankgeschäftes. Die verbesserte Technologie führt zu einer höheren Abwicklungsgeschwindigkeit, was mit einer größeren Abhängigkeit der Finanzinstitute von den eingesetzten Systemen sowie von bestimmten Schlüsselpersonen verbunden ist. Darüber hinaus führen auch die Globalisierung, Unternehmenszusammenschlüsse und verstärkter Konkurrenzdruck in der Finanzindustrie zu einer erhöhten Anfälligkeit für operationelle Risiken.
Von diesen Entwicklungen sind auch die Genossenschaftsbanken und im speziellen die VR-Bank Aalen als kleine, regionale Universalbank nicht verschont. So besteht ein gewisser Handlungsbedarf sich nicht nur mit dem Management von Markt- und Kreditrisiken zu beschäftigen, sondern auch einen Rahmen für das Management und die Messung operationeller Risiken zu schaffen. Abgesehen von den aufsichtsrechtlichen Vorschriften des Basler Ausschusses befähigt das Wissen über operationelle Risiken und deren aktive Steuerung die VR-Bank Aalen auch dazu, Prozesse und interne Kontrollen kosten- und nutzenoptimal zu gestalten, was letztlich zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil führen kann. Kreditinstitute, die sich effizient organisieren, müssen weniger Kapital für operationelle Risiken vorhalten und könnten dadurch ihr Engagement bei anderen Risikopositionen erhöhen. So liegt eine große Herausforderung auf Seiten der Banken in der Umsetzung der neuen Anforderungen – sowohl was die Bereitstellung personeller Kapazitäten als auch die notwendigen Investitionen in Strukturen, Methoden und Instrumente anbelangt. Zukünftig müssen die Banken fähig sein, operationelle Risiken ähnlich den Marktpreis- und Kreditrisiken messbar zu machen und mit modernen Instrumenten zu steuern.
Deshalb ist es Ziel dieser Diplomarbeit, eine Konzeption des Operational Risk-Managements am Beispiel der VR-Bank Aalen eG zu entwickeln und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich die VR-Bank Aalen eG vor operationellen Risiken schützen bzw. diese minimieren kann. Im Mittelpunkt steht die Erörterung der Frage, wie diese Aufgaben gelöst werden können und welche Vorteile sich daraus für die Zukunft der VR-Bank Aalen eG ergeben können. Zunächst wird das Operational Risk definiert, sowie in seinen verschiedenen Kategorien dargestellt. Im weiteren geht es darum, die bisher vorhandenen Quantifizierungsansätze des Operational Risk darzustellen und bankaufsichtrechtliche Vorgaben zu berücksichtigen. Schließlich wird eine Konzeption des Operational Risk-Managements für die VR-Bank Aalen eG erarbeitet. Den Abschluss bilden eine zusammenfassende Beurteilung und ein kritischer Ausblick des einzuführenden Konzeptes.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Anhangsverzeichnis | IV | |
| 1. | Aufbau und Zielsetzung | 1 |
| 2. | Definitionen und begriffliche Abgrenzung | 2 |
| 2.1 | Allgemeine Definition des Operational Risk | 2 |
| 2.2 | Definition des Basler Ausschusses | 5 |
| 2.3 | Kategorien des Operational Risk | 6 |
| 2.3.1 | Personelle Risiken | 7 |
| 2.3.2 | Prozess- und Organisationsrisiken | 9 |
| 2.3.3 | Systemrisiken | 9 |
| 2.3.4 | Katastrophenrisiken | 10 |
| 2.4 | Phasenmodell des Operational Risk-Management | 11 |
| 2.5 | Gründe für die Einführung eines Operational Risk-Management | 12 |
| 3. | Qualitative versus quantitative Ansätze des Operational Risk-Management | 13 |
| 4. | Quantifizierungsansätze im Bereich Operational Risk | 16 |
| 4.1 | Notwendigkeit der Quantifizierung | 16 |
| 4.2 | Top-Down-Ansatz | 19 |
| 4.3 | Bottom-Up-Ansatz | 20 |
| 4.4 | Hybridansätze | 22 |
| 4.5 | Ausgewählte Ansätze zur Quantifizierung | 23 |
| 4.5.1 | Risikofaktorenanalyse | 23 |
| 4.5.2 | Verlustverteilungsansatz | 24 |
| 5. | Konzeption einer Strategie zum Management von Operational Risk am Beispiel der VR-Bank Aalen eG | 25 |
| 5.1 | Aufsichtsrechtliche und gesetzliche Vorgaben und Anforderungen | 25 |
| 5.2 | Organisatorische Aspekte | 25 |
| 5.2.1 | Kurzporträt VR-Bank Aalen eG | 27 |
| 5.2.2 | Organisatorischer Ablauf des Operational Risk-Management | 27 |
| 5.3 | Risikoanalyse | 30 |
| 5.3.1 | Identifizierung der Risiken | 30 |
| 5.3.2 | Einführung einer Schadensdatenbank | 33 |
| 5.3.3 | Auswertung der gesammelten Daten | 34 |
| 5.4 | Steuerung des Operational Risk | 36 |
| 5.4.1 | Risikovermeidung/Risikominderung | 37 |
| 5.4.2 | Risikodiversifikation | 40 |
| 5.4.3 | Risikovorsorge/Risikotransfer | 40 |
| 5.5 | Risikokontrolle | 41 |
| 6. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 43 |
| Anhang | 23 | |
| Literaturverzeichnis | 25 | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | 30 |
4.4 Hybridansätze Da sich in der Praxis beide Ansätze bewährt haben, jedoch ihr alleiniger Einsatz nicht ausreichend ist um ein funktionierendes Operational Risk-Management einzuführen, bietet es sich an, eine Kombination der beiden Vorgehensweisen einzusetzen. Top-Down-Ansätze liefern i.d.R. erste wichtige Anhaltspunkte für die Aufdeckung operationeller Risiken. Somit kann durch einen Vergleich mit externen Schäden bereits eine grobe Schätzung der operationellen Risiken durchgeführt werden. Jedoch sind die Top-Down-Ansätze zur genaueren Risiko- und Ertragssteuerung oder Ableitung konkreter Steuerungs- und Anreizimpulse weniger geeignet. Umgekehrt ist es aus Effizienzgründen allerdings auch nicht sinnvoll die gesamte Bank anhand der Bottom-Up-Ansätze zu untersuchen. Deshalb kombinieren Hybridansätze Top-Down- und Bottom-Up-Ansätze durch eine gleichzeitige Verwendung, wodurch sich eine ideale Kombination aus dem Zusammenwirken beider Vorgehensweisen ergibt. Die genaue Verknüpfung hängt jedoch stark von der organisatorischen Ausgestaltung des Operational Risk-Managements ab. Im Sinne von „Measurement follows Management“ lässt sich das ideale Zusammenspiel von zentralen und dezentralen Aufgabenstellungen für Operational Risk-Management, aus dem die richtige Vorgehens- [...]
- 21 Zeitaufwand verbunden ist. Ebenfalls als problematisch ist der fehlende Bezug zum Gesamtrisikomanagement und die Abhängigkeit des Bewertungserfolges von der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter zu sehen.86 Durch die stark ausgeprägte Prozessorientierung kann es dazu kommen, dass Risiken wie bewusstes Fehlverhalten von Mitarbeitern oder Katastrophenrisiken nicht beachtet werden. Problematisch können u.U. auch die sehr hohen Ansprüche an die Datenbasis darstellen, da auf ihnen die gesamten Analysen aufbauen und sie zuverlässige Daten liefern müssen. Es ist anzumerken, dass eine Reihe der Bottom-Up-Verfahren als Basis für die Anwendung komplexerer Ansätze dient. So ist bspw. die Prozessrisikoanalyse als Grundlage und Datenlieferant für ausgefeiltere versicherungsmathematische Ansätze zu sehen. Bottom-UpAnsätze zeichnen sich auch im Gegensatz zu den Top-Down-Ansätzen dadurch aus, dass sie Impulse für eine weitere und detaillierte Risikosteuerung liefern. Das ermittelte Risikokapital ist als nachhaltige Steuerungsgröße im Rahmen von Performance-MeasurementSystemen einsetzbar.87 [...]
4.3 Bottom-Up-Ansatz Der Bottom-Up-Ansatz ist durch eine detaillierte Prozessrisikoanalyse sowie durch die Quantifizierung der operationellen Risiken unter Berücksichtigung bestehender Kontrollen und Vorkehrungen gekennzeichnet. Die Bottom-Up-Ansätze besitzen somit den höchsten Spezialisierungsgrad aller Quantifizierungsansätze.83 Zu Beginn können durch die Bewertung der einzelnen Prozessschritte sowie der implementierten Kontrollen Verbesserungspotenziale erkannt und aufgedeckt werden. Auf diese detaillierte Prozess- und Kausalanalyse aufgebaut, kann anschließend die Quantifizierung jeder einzelnen Risikokategorie des Operational Risk in den jeweiligen Geschäftsbereichen vorgenommen werden. Durch Aggregation der prozess- bzw. bereichsindividuellen Risiken je Risikokategorie kann das zu unterlegende Risikokapital auf dezentraler Geschäftsbereichsebene errechnet und jeweils ein detailliertes Risikoprofil erstellt werden. Zu den Bottom-Up-Ansätzen zählen bspw. kausale Netzwerke, Connectivity-Ansätze, prädiktive Modellierung und statistischversicherungsmathematische Ansätze.84 Ein wesentlicher Vorteil dieser Ansätze ergibt sich daraus, dass das aggregierte Gesamtrisiko auf transparente Art und Weise mit den Einzelrisiken verknüpft werden kann, was wiederum Akzeptanz sicherstellt und Anreize schafft, die erkannten Schwächen zu eliminieren. Weitere Vorteile des Bottom-Up-Ansatzes sind einerseits ein gesteigertes Verständnis für die Ursachen und Wirkungen operationeller Risiken, was sich bspw. durch verbesserte Qualität und Aussagekraft der Informationen für das Management bemerkbar macht. Andererseits liefern die Bottom-Up-Ansätze aufgrund ausgewählter Risikoindikatoren Früherkennungssignale für operationelle Risiken. 85 Es können komplexere Zusammenhänge berücksichtigt werden, wodurch detaillierte Steuerungsmaßnahmen ableitbar sind. Als Nachteil ist zu erwähnen, dass die Identifizierungsphase mit hohen Kosten und großem [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832461904
Arbeit zitieren:
Hübner, Stefan Mai 2002: Herausforderung Operational Risk-Management, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Risikomanagement, Bankcontrolling, operationelle Risiken, Basel II, Interne Revision



