Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Die Heldenreise im Hause Pixar

Eine Analyse der ausgewählten Beispiele 'Findet Nemo' und 'Ratatouille'

Die Heldenreise im Hause Pixar
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Nicole Ficociello
  • Abgabedatum: Juni 2008
  • Umfang: 81 Seiten
  • Dateigröße: 483,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule Mittweida (FH) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 68
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3124-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ficociello, Nicole Juni 2008: Die Heldenreise im Hause Pixar, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Heldenreise, Pixar, Walt Disney, Filmanalyse, Film

Bachelorarbeit von Nicole Ficociello

Einleitung:

Wird George Lucas, der Regisseur der erfolgreichen Star Wars Filme, gefragt, ob er mit Star Wars einen neuen Mythos geschaffen hat, antwortet er:

‘I'm telling an old myth in a new way. Each society takes that myth and retells it in a different way, which relates to the particular environment they live in. The motif is the same. It's just that it gets localized”.

Lucas sieht seine Filme also als moderne Mythen und glaubt an die Existenz eines einzigen Mythos, der auch als Monomythos oder Heldenreise bekannt ist.

‘Most myths center on a hero, and it's about how you conduct yourself as you go through the hero's journey, which in all classical myth takes the form of a voyage of transformation by trials and revelations. You must let go of your past and must embrace your future and figure out what path you're going to go down”.

Aber was ist die Heldenreise genau? Woher stammt das Modell und wer hat sich bisher damit beschäftigt? Sind Filme wirklich moderne Mythen und ist die Heldenreise als filmisches Modell überhaupt geeignet? Wenn ja, wie gestaltet sich der Zusammenhang zwischen Filmen und Mythen und welche Bedeutung hat das für die Filmbranche? Diesen und weiteren Fragen soll im Folgenden auf den Grund gegangen werden. Dazu stehen zunächst in chronologischer Reihenfolge drei Modelle im Vordergrund. Als erstes wird das Modell von Joseph Campbell beleuchtet, der die Existenz eines Monomythos beim Vergleich verschiedener Mythen nachwies. Im Anschluss daran wird Christopher Voglers Modell näher betrachtet, der Campbells Modell an die Erfordernisse des Kinofilms anpasste. Abschließend behandelt dieses Kapitel das aktuellste Modell von Joachim Hammann, der als erster Forscher im deutschsprachigen Raum ein Modell der Heldenreise im Film entwickelte.

George Lucas gründete 1971 die Filmproduktionsfirma Lucasfilm. Eine Abteilung der Firma widmete sich Animationsfilmen. Diese Abteilung wurde 1986 an Steve Jobs verkauft, der daraus das Pixar Animationsstudio gründete. Die beiden heutigen Geschäftsführer von Pixar, Dr. Ed Catmull und John Lasseter, waren bereits für die Animationsabteilung von Lucasfilm tätig und führen die Arbeit an Animationsfilmen heute bei Pixar weiter. Pixar steht also in der Tradition des Filmemachers George Lucas. Stellt sich die Frage, ob das Animationsstudio ebenfalls bewusst Mythen verwendet und die Heldenreise bei seinen Produktionen anwendet. Dazu wird im zweiten Kapitel des Hauptteils die praktische Anwendung der Modelle bei dem Animationsstudio Pixar überprüft. Dies geschieht exemplarisch an den Filmen ‘Findet Nemo’ und ‘Ratatouille’. Dort soll geklärt werden, ob die Heldenreise zu finden ist und wenn ja, in welcher Form. Dazu werden die beiden Beispiele chronologisch durchleuchtet, um festzustellen, welche Elemente zu finden sind und an welcher Stelle sie auftreten. Dabei wird eine Kenntnis der beiden Filme vorausgesetzt, da eine detaillierte Ausführung des Inhalts den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde und der Fokus auf der Heldenreise liegen soll. Abschließend werden beide Filmbeispiele kurz miteinander verglichen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen. Im letzten Teil dieser Arbeit soll erläutert werden, welche Folgen die Ergebnisse, sowohl für das Unternehmen Pixar, als auch für die Filmbranche im Allgemeinen haben.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Theoretische Grundlagen 3
2.1 Joseph Campbell 3
2.2 Christopher Vogler 6
2.3 Joachim Hammann 15
2.4 Zusammenfassung 28
3. Findet Nemo 35
4. Ratatouille 51
5. Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Ursachen 62
6. Schluss 73
Literaturverzeichnis 75
Internetquellen 77
Filme 79
Abbildungsverzeichnis 80

Textprobe:

Kapitel 3, Findet Nemo:

Vordergründig handelt der Film ‘Findet Nemo’ von der Suche eines Vaters nach seinem Sohn. Clownfisch Marlin muss mit ansehen, wie sein einziger Sohn Nemo am Korallenriff von einem Taucher entführt wird. Er macht sich auf den Weg, seinen Sohn zu retten. Auf seiner Reise begegnet er der vergesslichen Dory. Zusammen durchqueren sie den Ozean bis sie Nemo endlich finden und mit ihm nach Hause zurückkehren. Auf einer tieferen Ebene handelt der Film von einem Vater, der lernt, seinen Sohn erwachsen werden zu lassen. Der Film erinnert stark an die Literaturgattung der Fabel.

‘Die Handlung der Fabel findet meist in einem unrealistisch kulissenhaften Raum statt, der oft von einer angedeuteten Naturszenerie gebildet wird. Als Figuren treten vorwiegend Tiere, seltener Pflanzen und Dinge auf. Sie sind unterschiedlich stark vermenschlicht, besitzen also neben ihren natürlichen Eigenschaften auch Vernunft und Sprache […]. An ihrem Schluß wird meist eine Morallehre formuliert, die der Leser auf konkrete Fälle seines eigenen Erfahrungsbereiches anwenden kann’.

Die Naturszenerie ist in diesem Film der Ozean, in dem die Geschichte fast ausschließlich spielt. Die Figuren werden hauptsächlich von Fischen und anderen Meeresbewohnern dargestellt. Es treten zwar auch Menschen auf, allerdings nur in Nebenrollen. Die Moral zeigt den Zuschauern, stellvertretend durch Marlin, wie man es als Elternteil schafft, seinen Kindern den nötigen Freiraum auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu lassen.

Wie bereits angedeutet, soll in dieser Arbeit die Heldenreise des Vaters Marlin untersucht werden. Elena Hahn stellt richtigerweise fest, dass es sich in diesem Filmbeispiel ‘um mindestens zwei unterschiedliche Reisen mit zwei verschiedenen Helden: Marlin und Nemo’ handelt. Sie hat sich dafür entschieden, die Reise von Nemo zu analysieren, was an ihrem pädagogischen Hintergrund liegen kann. Vogler definierte den Helden als denjenigen, der ‘im Verlauf der Geschichte am meisten lernt oder sich am stärksten entwickelt’. Deshalb erscheint es logischer, dass Marlin der Held ist. Der Titel bestätigt diese Annahme. In ‘Findet Nemo’ ist Nemo das Objekt, welches von dem Subjekt Marlin gefunden werden muss.

Der Held Marlin ist ein Clownfisch der im Prolog des Films zusammen mit seiner Frau Cora im Korallenriff in einer Seeanemone lebt. Dieser Prolog zeigt das, was Hammann das Paradies des Helden nennt. Marlin ist glücklich und Cora und er erwarten Nachwuchs. Das Böse tritt in Marlins Paradies in Form eines Barrakudas, der seine Frau und alle Fischeier bis auf eines tötet. Durch dieses Ereignis wird Marlin traumatisiert. Filmisch wird dies daran deutlich, dass Marlin das Bewusstsein verliert, als er versucht, seine Frau zu retten. Als er wieder zu sich kommt, sind die Farben sehr gedeckt und leuchten nicht mehr wie zuvor. Eine Kamerafahrt, die sich langsam Marlin nähert, während er wieder zu Bewusstsein kommt, begünstigt den visuellen Effekt, der zeigt, dass Marlin nun nicht mehr derselbe ist, der er einst war. Marlin entdeckt, dass nur noch ein Ei übrig geblieben ist und formuliert seine Charakterprämisse, die ihn im Laufe des Films verfolgen wird:

‘Ohh. There, there, there. It's okay, daddy's here. Daddy's got you. I promise, I will never let anything happen to you...Nemo”.

Marlin sagt nicht, dass er nie zulassen würde, dass Nemo etwas Böses widerfährt. Er sagt, dass ihm nie etwas zustoßen wird, was impliziert, dass er verhindern wird, dass Nemo selbst Erfahrungen machen kann. Nemo stammt aus dem Latein und bedeutet ‘niemand’. In diesem Fall könnte das bedeuten, dass der Sohn Nemo ‘nie jemand’ werden kann, weil sein Vater ihn zukünftig daran hindern wird. Ebenso könnte der Name darauf hindeuten, dass von Marlins Selbst nichts übrig geblieben ist. Durch dieses Trauma wurde sein Ich geboren, eine neue Person. Nemo ist das letzte Stück vom Paradies, das dem Helden Marlin geblieben ist.

‘Es mag das letzte von über 400 Fischeiern sein […] und es ist so wenig, dass es den Namen Nemo, zu Deutsch ‘Nichts, Niemand’, trägt. Und doch bedeutet es für den Helden alles’.

Das Trauma hat sich auf alle vier Funktionen Marlins ausgewirkt. Marlin ist ein sehr ängstlicher Vater. Seine Angst wird dadurch begünstigt, dass Nemo eine zu kleine Seitenflosse hat und in Marlins Augen deshalb kein guter Schwimmer ist. Marlin hat aber nicht nur Angst um seinen Sohn. Mittlerweile ängstigt er sich auch vor dem Ozean. Im Prolog gab es darauf noch keinen Hinweis:

‘So, Coral, when you said you wanted an ocean view, you didn't think that we we're gonna get the whole ocean, did you? Huh? Oh yeah. A fish can breath out here”.

Das Böse, der Barrakuda, kam aus dem Ozean. Es verwundert deshalb nicht, dass Marlins Ich, welches mit allen Kräften versucht ein weiteres Trauma zu verhindern, diese Angst entwickelte. Laut Hammann sind Ängste der Funktion des Körpers zuzuschreiben, da sie den Heldeneigenschaften Mut und Stärke gegenüberstehen.

Marlins superiore Funktion ist der Geist. Er ist intelligent, vernünftig und denkt klar. Hammann sagt, dass auch die superiore Funktion traumatisiert ist. Man erkennt dies daran, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass Marlin sich je mit dem Trauma auseinandergesetzt hätte. Er hat es verdrängt. Ein weiteres Indiz hierfür ist, dass es im Film keine Szene gibt, in der Marlin mit Nemo über seine Mutter spricht.

In der Funktion des Herzens zeigt Marlin immer wieder, dass er ein liebevoller und fürsorglicher Vater ist. Allerdings macht er sich zu viele Sorgen und versucht mit aller Macht, sich an allem was sein Herz betrifft festzuhalten.

Laut Hammann ist es typisch für Helden, dass die inferiore Funktion die Seele ist. Dies trifft auf Marlin zu. Er zeigt keinerlei Spontaneität, Kreativität oder Intuition. Immer wieder wird er als Clownfisch dazu aufgefordert, einen Witz zu erzählen. Jedes Mal scheitert er daran. Er versucht stets die Kontrolle zu behalten. Er kann nicht loslassen und es fällt ihm schwer, anderen zu vertrauen. Die Seele ist die Funktion, die er im Laufe seiner Reise wieder zurückerobern muss.

Arbeit zitieren:
Ficociello, Nicole Juni 2008: Die Heldenreise im Hause Pixar, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Heldenreise, Pixar, Walt Disney, Filmanalyse, Film

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren