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Heimwerker und ihre Strategien

Kulturwissenschaftliche Analyse des Phänomens der Bricolage

Heimwerker und ihre Strategien
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Daniel Scheible
  • Abgabedatum: Februar 2003
  • Umfang: 79 Seiten
  • Dateigröße: 5,1 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Witten/Herdecke GmbH Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9714-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9714-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9714-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Scheible, Daniel Februar 2003: Heimwerker und ihre Strategien, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Marketing, Marktforschung, Do it yourself, Lebenswelt, Typisierung

Diplomarbeit von Daniel Scheible

Problemstellung:

Bricolage ist eine Kulturtätigkeit, der die Menschen schon seit Urzeiten nachgehen. Gebastelt wird auf vielfältige Weise und in vielfältigen Kontexten. Wenn in den Kulturwissenschaften dem Phänomen der Bricolage nachgegangen wird, so wird also von einem sehr weit reichenden Begriff der Bastelei ausgegangen. Bricolage bedeutet aber nicht nur ‚Bastelei’ sondern auch ‚Heimwerkerarbeit’.

Stellt sich die Frage, welche Gemeinsamkeiten das Heimwerken und das Basteln haben und was sie unterscheidet. Um diese Frage zu beantworten, betrachte ich zum einen, was Kulturwissenschaftler zum Phänomen der Bricolage sagen, und untersuche zum anderen, was Heimwerker über ihre Tätigkeit denken und wie sie agieren, wenn sie heimwerken.

Dazu bediene ich mich der Methodik der lebensweltlichen Ethnographie. „Das methodische Ideal der ethnographischen Datenerhebung ist dabei die Kombination möglichst vielfältiger Verfahren. Die grundlegenden Techniken bestehen darin, das Geschehen zu beobachten, Dokumente zu beschaffen und zur Kenntnis zu nehmen, sowie mit den Leuten zu reden“. Und genau das habe ich getan – ich war bei den Heimwerkern in ihren Werkstätten, habe die einschlägigen Magazine gelesen und habe mit den Heimwerkern Gespräche geführt.

Mit dieser Arbeit verfolge ich das Ziel, Heimwerker und ihre Gedanken zu verstehen, um sie dem Marketing auf eine neuartige Weise zugänglich zu machen. So beschreiben Marketingfachleute die Zielgruppe der Heimwerker in der Regel mittels quantitativer Methoden. Fraglich ist aber, ob das Durchschnittsalter oder das Durchschnittseinkommen relevante Größen sind, um Produkte anbieten zu können, die der Kunde wirklich braucht.

Stattdessen soll den befragten Heimwerkern die Möglichkeit gegeben werden, sich selber darzustellen und die eigenen Relevanzsysteme offen zu legen. Die dabei zutage tretenden Muster in Denk- und Handlungsweisen gilt es zu Strategien zu verdichten, um dann Typen von Heimwerkern zu identifizieren. Diese Typisierung kann dazu dienen, den Markt für Heimwerkerbedarf neu zu segmentieren.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in vier Teile. Im ersten Teil betrachte ich, wie Kulturwissenschaftler das Phänomen der Bricolage beschreiben. Leitfragen sind hierbei: „Was macht einen Bricoleur aus?“ und „In welchen Lebensbereichen wird gebastelt?“.

Der zweite Teil meiner Arbeit verengt den Fokus auf den Heimwerker. Zunächst definiere ich, was einen Heimwerker ausmacht, und beschreibe damit, wer als Interviewpartner für den empirischen Teil dieser Arbeit in Frage kam. Des Weiteren erläutere ich die Methodik, mit der ich in der Studie arbeitete, und berichte über den Verlauf der Befragung.

Der dritte Teil befasst sich mit den Themen, die für die Interviewpartner relevant sind. Ich beschreibe die Vorstellungen der Befragten zu den einzelnen Themen und den Umgang mit ihnen. Das besondere Augenmerk gilt dabei häufig wiederkehrenden Handlungsmustern. Diese Muster habe ich im vierten Teil meiner Arbeit zu Strategien zusammengefasst, anhand derer ich in einem letzten Schritt verschiedene Typen von Heimwerkern identifiziere.

Zusammenfassung:

Obwohl es in einer Dienstleistungsgesellschaft effizienter sein sollte, einen Fachmann zu holen, hält sich das Verlangen, vieles selber machen zu wollen. Kulturwissenschaftler liefern hierfür verschiedene Erklärungen. So soll für den Bricoleur der Reiz am Basteln darin liegen, mit dem auszukommen, was er gerade zur Hand hat. Außerdem soll es viele Menschen geben, die sich eigentlich keine Hobbys leisten können, im Basteln aber eine kostengünstige und trotzdem gesellschaftlich anerkannte Freizeitbeschäftigung gefunden haben. Andere können sich zwar anderweitige Vergnügungen leisten, basteln aber, weil dabei – anders als bei ihrer beruflichen Arbeit – etwas herauskommt, was sie für sich selber geschaffen haben. Darüber hinaus soll es diejenigen Bastler geben, die Dinge selber bauen, weil es sie am Markt nicht in der gewünschten Ausführung gibt, und diejenigen, die Produkte modifizieren, um sie zu individualisieren. Was die Zukunft der Bastelei anbelangt, so lässt sich ein Trend erkennen: Die Bricolage wird zum Event.

Aber nicht jeder Bastler ist auch ein Heimwerker. Heimwerker sind nur diejenigen, die nicht-beruflich Bau-, Renovierungs-, Reparatur- und Dekorationsarbeiten in Haus und Garten verrichten. Jeder Heimwerker geht mit einer gewissen Regelmäßigkeit ausgewählten Tätigkeiten nach und verfügt über dafür geeignetes Werkzeug. Die dieser Arbeit zu Grunde liegende explorativ-interpretative Studie deckt auf, was für die achtundzwanzig zu diesen Tätigkeiten befragten Heimwerker relevant ist. Die angewandte Methodik des offenen Interviews in Kombination mit teilnehmender Beobachtung ermöglicht Einblicke, womit sich Heimwerker beschäftigen und nach welchen Mustern sie handeln.

Ein wichtiges Thema für die befragten Heimwerker ist die Motivation. So wird häufig gewerkelt, um Kosten zu sparen. Vielen ist aber der Spaß an handwerklicher Betätigung oder der Wunsch nach individuellen Werken wichtiger. Am häufigsten sind Heimwerker damit beschäftigt, zu renovieren oder ihre Wohnung einzurichten. Oft werden auch Reparaturen durchgeführt oder es wird im Garten gearbeitet. Aus den Beschreibungen, wie bei diesen Arbeiten vorgegangen wird, lassen sich klare Muster erkennen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Werkzeugausstattung und die Frage, welche Materialien bevorratet werden sollen. Was das Werkzeug betrifft, so wird dieses von Heimwerkern häufig zweckentfremdet, auf gute Qualität wird aber Wert gelegt. Auch Materialien werden zweckentfremdet; wichtiger jedoch ist die Frage, was noch einmal verwendet werden kann und was nicht. Bemerkenswert ist, dass die meisten der befragten Heimwerker thematisieren, wie wichtig ihnen Beratung beim Einkauf und Geselligkeit beim Werkeln sind.

Anhand häufig wiederkehrender Handlungsmuster lassen sich vier Strategien identifizieren. Diese liegen der vorgenommenen Typisierung zu Grunde. Eine erste Strategie besteht darin, durch Heimwerken mit geringem Kostenaufwand ein möglichst repräsentatives Heim zu schaffen. Diese Strategie verfolgt der Typus des Statusbewussten, der über ein geringes Einkommen verfügt, aber gerne einen hohen Status hätte. Heimzuwerken, weil es weniger aufwändig ist, als den Handwerker zu holen, ist eine zweite Strategie. Nach ihr verfährt der Pragmatiker, der ohnehin über etwas Werkzeug und manuelles Geschick verfügt, weil er ein Hobby hat, für das er beides benötigt. Die dritte und vierte Strategie sind Rechtfertigungsstrategien. In dem einen Fall wird der Selbstbau als billigere Alternative zum Kauf fertiger Produkte genannt, wobei einige Kostenfaktoren ignoriert werden. Diese Strategie verfolgt der Tüftler, dem es um das Erfolgserlebnis und die Anerkennung durch Gleichgesinnte geht. Im anderen Fall wird behauptet, man habe sehr genaue Vorstellungen von Form und Material, entsprechende Produkte seien aber nicht käuflich zu erwerben und müssten deshalb selber gebaut werden. So argumentiert der Ausgleichsuchende, der über ein hohes Einkommen verfügt und sich über greifbare Ergebnisse freut.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
Problemstellung 3
Zielsetzung 3
Aufbau 4
Teil 1 Das Phänomen der Bricolage: Kulturwissenschaftliche Betrachtung 5
Der Bastler und der Fachmann 5
Basteln als Freizeitbeschäftigung 7
Konsum und Bricolage 9
Kreativität beim Basteln 10
Teil 2 Der Bricoleur im engeren Sinne: Der Heimwerker 12
Aspekte des Bastelns – Was ist ‚Heimwerken’? 12
Die Lebenswelt des Heimwerkers 15
Das offene Interview 17
Die teilnehmende Beobachtung 18
Die Interview-Phase 19
Teil 3 Vorstellungswelten: Themen, die Heimwerker beschäftigen 22
Motivation 22
Tätigkeiten 25
Vorgehen 26
Werkzeug 28
Materialien 30
Zweckentfremdung 31
Wiederverwendung 33
Einkauf und Qualität 34
Austausch und Wissen 36
Teil 4 Strategien: Typen von Heimwerkern 39
Der Statusbewusste 39
Der Pragmatiker 41
Der Tüftler 42
Der Ausgleichsuchende 43
Schluss 44
Zusammenfassung 44
Bewertung 46
Ausblick 48
Literatur 50
Anhang 53
Mind Maps 64
Interview-Checkliste 79

Automatisiert erstellter Textauszug:

aus seinem Bekanntenkreis hinzuzieht, der über bessere Kenntnisse der betreffenden Arbeit verfügt. Ein ebenfalls häufig berichtetes Phänomen ist, dass während der Umsetzung des geplanten Werkes auffällt, dass doch noch Teile fehlen oder die Umsetzung auf die geplante Weise sogar ganz unmöglich ist. Die Betroffenen überarbeiten dann ihre Planung meist noch einmal und gehen erneut einkaufen. Acht der Interviewpartner geben aber an, in einer solchen Situation auch einfach schon den Handwerker angerufen zu haben. Ist das Werk dann erfolgreich verwirklicht, haben einige Heimwerker schon wieder viele Ideen, welche Folgearbeiten sich daran anschließen könnten – eine neue Aufgabe ist identifiziert, der Kreis schließt sich. [...]

Ist die Planung abgeschlossen und geklärt, was fehlt, wird eine Einkaufsliste erstellt. Mit dieser mehr oder weniger detaillierten Liste begeben sich die Heimwerker zu ihren Einkaufstätten. Während einige gleich kaufen, vergleichen dreizehn der Befragten zunächst die Preise mit denen anderer Läden. Auch thematisierten fünf Interviewte, dass sie ihre Planung im Laden öfter noch einmal umwerfen, wenn sie bestimmte Teile gar nicht oder nur in einer anderen Version bekommen können. „Dann liegt das Material da“ (ein kaufmännischer Angestellter aus Westfalen), und während sich die einen freudig an die Arbeit machen, brauchen andere eine Weile, bis sie sich aufraffen können. Für bestimmte Arbeiten müssen aber auch erst Helfer geholt werden, weil zum Beispiel große Balken getragen werden müssen oder der Heimwerker lieber jemanden [...]

Heimwerker, Ideen zu sammeln bzw. Ratschläge einzuholen. Hierfür sehen sie sich Lösungsmöglichkeiten in Geschäften und bei Freunden an, lesen in Büchern, Zeitschriften oder im Internet nach und besprechen sich mit Familienangehörigen und Bekannten. Die eigentliche Planung des Werkes erfolgt bei einigen ausschließlich im Kopf, viele erstellen jedoch Zeichnungen – oft „auf den Millimeter genau“ (so eine Arbeitsuchende). Wenn fest steht, welche Materialien und Werkzeuge benötigt werden, gehen die Befragten zunächst ihr Lager durch. Bei sehr kleinen Beständen erfolgt dieser Schritt im Kopf, weil die Ausführenden genau wissen, was da ist; bei größeren Beständen gehen sie tatsächlich in den Keller und schauen, was vorrätig ist. Stellen sie fest, dass ein bestimmtes Teil oder Werkzeug nicht vorhanden ist, aber vielleicht ein anderes, vorrätiges verwendet werden könnte, wird die Planung auch noch einmal überarbeitet. [...]

Arbeit zitieren:
Scheible, Daniel Februar 2003: Heimwerker und ihre Strategien, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Marketing, Marktforschung, Do it yourself, Lebenswelt, Typisierung

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