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Heimerziehung und Persönlichkeitsentwicklung - dargestellt am Beispiel eines Jungen aus einem Kinderheim

Heimerziehung und Persönlichkeitsentwicklung - dargestellt am Beispiel eines Jungen aus einem Kinderheim
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Steffen Hinz
  • Abgabedatum: Juli 1999
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 4,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Breitenbrunn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5412-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5412-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5412-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hinz, Steffen Juli 1999: Heimerziehung und Persönlichkeitsentwicklung - dargestellt am Beispiel eines Jungen aus einem Kinderheim, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Heimerziehung, Sozialisationsfaktoren, Persönlichkeitsentwicklung

Diplomarbeit von Steffen Hinz

Einleitung:

„Man sagt, Heime sind wichtig, um Kriminalität zu vermeiden, während dort in Wirklichkeit Kriminalität gezüchtet wird, sie sind bekanntlich Brutstätten der Kriminalität.“ Dieser veröffentlichte Standpunkt ist oft zu hören. In weiten Kreisen gilt, daß Heimerziehung kaum in der Lage ist, auf die Problemlagen der Kinder und Jugendlichen einzugehen, geschweige denn, ihnen bei der Bewältigung ihrer aktuellen Lebenskrise hilft. Angesichts dieser Urteile gilt es zu hinterfragen, wie die Auswirkungen der Heimerziehung auf das Erleben und Verhalten ihrer Bewohner sind.

Innerhalb meiner Arbeit möchte ich mich mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

Welche Auswirkungen hat eine Heimsozialisation für die Persönlichkeitsentwicklung der Bewohner?

Wie muß Heimerziehung gestaltet sein, um negative Sozialisationsfaktoren zu minimieren?

Als Grundlage meiner Arbeit habe ich mir das Modell der ökologischen Sozialsationsforschung gewählt. Dieses erläutere ich in den folgenden Abschnitten genauer. Anschließend untersuche ich einzelne Systemmerkmale von Heimen in Bezug auf ihre Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung .

Im praktischen Teil meiner Arbeit stelle ich exemplarisch einen Jungen aus einem Kinderheim vor. Dabei gehe ich auf dominierende Verhaltensweisen, mit verursacht oder verstärkt durch neunjährige Heimerziehung, ein. In seiner Heimbiographie möchte ich Kritikpunkte aufzeigen und Alternativen darstellen.

In großen Teilen der Öffentlichkeit besitzt Heimerziehung ein negatives Image. Weitverbreitete Meinungen sind:

- Heimerziehung ist das letzte Mittel und die Vorstufe zum Gefängnis.

- In Heimen werden kriminelle Jugendliche untergebracht, die selbst daran schuld sind.

Zugleich wird den Heimen abgesprochen, effektive Hilfe zu leisten, da sie Anonymität ausstrahlen, die Kinder ohne feste Bezugspersonen aufwachsen und keinen Raum zur Individualität lassen.

Dass verschiedenartige Angebot von stationären Jugendhilfeeinrichtungen macht es schwer, von der Heimerziehung im allgemeinen zu sprechen. Innerhalb meiner Arbeit werde ich dennoch versuchen, übergreifende Systemmerkmale herauszuarbeiten. Um der Mannigfaltigkeit gerecht zu werden, gehe ich auf Binneneigenschaften von Heimen gesondert ein.

Inhaltsverzeichnis:

Theoretischer Teil
1. Fragestellung 4
2. Einleitung, theoretischer Teil 5
3. Das Sozialisationsmodell 6
3.1 Sozialisation aus der Sicht der ökologischen Sozialisationsforschung 6
3.2 Zur ökologisch - systemischen Sicht des Heimes 6
3.3 Systemspezifische Eigenschaften von Sozialisationsprozessen in Heimen 9
3.4 Die ökologische Entwicklungstheorie von Urie Bronfenbrenner 11
3.5 Zusammenfassende Gedanken zum ökologischen Sozialisationsbegriff 12
4. Grundlagen für eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung 13
4.1 Übersicht wesentlicher Erziehungsfaktoren 13
4.2 Kontinuität, Zugehörigkeit, Verantwortlichkeit 13
4.3 Vertrauen, Selbständigkeit, Initiative 14
4.4 Die Gruppe - Anerkennung, Teilen, Solidarität, Auseinandersetzung 15
4.5 Erziehung und Lernen 16
4.6 Materielle Bedingungen 17
5. Systemeigenschaften von Heimen und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Heimkindern 18
5.1 Sozialisationsbedingte Probleme in Heimen 18
5.1.1 Ausgangssituation 18
5.1.2 ”Totale Institution” 18
5.1.3 Überversorgung 21
5.1.4 Häufiger Wechsel von Bezugspersonen 22
5.1.5 Professionalisierung des pädagogischen Bezugs 23
5.1.6 Stigmatisierung 24
5.2 Chancen der Heimerziehung 27
6. Binneneigenschaften von Heimen und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung von Heimkindern 30
6.1 Größe der Einrichtung 30
6.2 Strukturierung der Freizeit 31
6.3 Handlungsfreiräume innerhalb des Binnensystems Heim 31
6.4 Erzieherschlüssel 34
6.5 Erziehungsstil 34
7. Sozialisationsrelevante Merkmale des Heimkindes und deren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung 36
7.1 Häufigkeit der Kontakte zwischen dem Kind und den Eltern/Bezugspersonen 36
7.2 Anwesenheit von Geschwistern 37
7.3 Alter zum Zeitpunkt der Heimeinweisung und Aufenthaltsdauer 38
7.4 Weitere sozialisationrelevante Merkmale 40
8. Verhaltensstile in Heimen 42
8.1 Verhaltensauffälligkeiten in Heimen 42
8.2 Dominierende Verhaltensstile in Heimen 42
9. Schlußfolgerungen auf die Entwicklung der Heimerziehung 44
Praktischer Teil
10. Einleitung, praktischer Teil 48
11. Vorstellung der Einrichtung 49
12. Anamnese 50
12.1 Familiengenogramm 50
12.2 Zeit von der Geburt bis zur Heimeinweisung 50
12.3 Zeit von der Heimeinweisung bis zum Schulanfang 51
12.4 Zeit vom Schulanfang bis zur vierten Klasse 52
12.5 Zeit ab vierter Klasse bis jetzt 53
13. Auswertung der Tests 54
13.1 Auswertung HAWIK-R 54
13.2 Auswertung VFHK 56
13.2.1 Methodik 56
13.2.2 Interpretation der einzelnen Skalen 58
13.2.3 Interpretation der Abweichungen des Fragebogens Nummer vier 59
14. Dominierende Verhaltensstile von H. vor dem Hintergrund einer langen Heimsozialisation 60
14.1 Dominierende Verhaltensstile bei H. 60
14.2 Vergleich der Verhaltensstile von H. mit dominierenden Verhaltensstilen hervorgerufen durch die Heimsozialisation 61
15. Exemplarisch dargestellte Kritikpunkte in der Heimbiographie von H. und daraus resultierende Handlungsalternativen 64
15.1 Allgemeine Vorbemerkungen 64
15.2 Strukturierung des Heimes 64
15.3 Enge Bezugspersonen innerhalb des Heimes 65
15.4 Lernfelder außerhalb der Einrichtung 66
15.5 Elternarbeit - stetige Bezugspersonen außerhalb des Heimes 66
15.6 Der Heimwechsel 67
16. Chancen der Heimerziehung für H. 69
17. Schlußwort 70
Literaturverzeichnis 71
Anhang

Automatisiert erstellter Textauszug:

13.2.2. Interpretation der einzelnen Skalen Faktor 1: ”Der Faktor ”Selbständigkeit und Ausdauer” kennzeichnet ein überwiegend schulisches Leistungsverhalten, das in einer konzentrierten, zielstrebigen und ausdauernden Arbeitshaltung besteht. ... Am besten beschreibbar sind mit den Variablen all jene Kinder, die in der Lage sind, eine von anderen oder sich selbst gestellte Aufgabe bzw. Ziele ausdauernd und selbständig zu bearbeiten” (Stahl, 1985, S.19). Die Auswertung des Fragebogens ergibt (bis auf Erzieher Nummer vier) überdurchschnittliche Werte bei diesem Faktor. Dieses läßt auf einen hohen schulischen Ehrgeiz sowie eine ausdauernde Arbeitshaltung schließen. Faktor 2: Der Faktor zwei beschreibt den Grad der Durchsetzungsfähigkeit. Dieser zeigt zum einen die positive Fähigkeit auf eigene Bedürfnisse und Wünsche aufmerksam zu machen. Ist der Faktor übersteigert, ist der Proband bereit, auch mit negativen Verhaltensweisen seine Wünsche und Ziele durchzusetzen. Die Auswertung der Daten ergeben bei allen befragten Personen (außer Nummer vier) einen durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Wert dieses Faktors. Somit ist zu vermuten, daß es H. nicht immer gelingt, seine eigenen Interessen und Bedürfnisse durchzusetzen. [...]

13.1. Auswertung HAWIK-R Als eine Methode zum Erfassen der Persönlichkeit von H. verwendete ich den HAWIK-R (Hamburg - Wechsler Intelligenztest für Kinder) sowie den Verhaltensfragebogen für geistig- und lernbehinderte Heimkinder (VFHK). Ich habe mich für diese Methode entschieden, um den Stand seiner Intelligenz, welche für die Persönlichkeitsentwicklung eine große Rolle spielt, zu ermitteln. Der HAWIK-R wurde von mir selbständig durchgeführt und gemeinsam mit unserer Psychologin Frau Gries ausgewertet. Dieser Test gliedert sich in mehrere Skalen. Somit kann ein individuelles Leistungsprofil des Probanden erstellt werden. Dies ist insbesondere im Rahmen dieser Arbeit für mich von größtem Interesse, da ich im Theorieteil eine Einschränkung von Lernfeldern im Rahmen der Heimerziehung beschrieben habe. Eine Einschätzung des persönlichen Leistungsprofils soll diese Grafik ermöglichen: [...]

Das Kinderheim ist das letzte Haus einer Kleinstadt, ruhig und direkt am Waldrand gelegen. Auf dem 6200 Quadratmeter großem Grundstück befindet sich das Hauptgebäude, das Waschhaus und die Fahrradschuppen. Außerdem gibt es einen Spielplatz, einen Fußballplatz sowie die Gehege der Kleintiere und Ziegen. Das Hauptgebäude hat drei Etagen. In jeder Etage war genau eine Gruppe mit elf Kindern untergebracht. Im Moment sind nur zwei Gruppen mit sieben sowie sechs Kindern und Jugendlichen vorhanden. Diese werden von vier bzw. drei Erziehern im Schichtdienst betreut. Innerhalb des Hauses erfolgt eine Binnendifferenzierung. So befinden sich in jeder Etage ein Eßzimmer, eine Küche, ein Gruppenraum, mehrere Schlafzimmer mit einem oder zwei Betten, eine Jungen- und eine Mädchentoilette, sowie die Waschräume. Eine Gliederung im pädagogischen Sinn ist im Rahmen einer heilpädagogisch – therapeutischen Gruppe sowie einer Verselbständigungsgruppe gegeben. Dem Heim ist eine Außenwohngruppe angeschlossen, die sich in einer angemieteten Wohnung in der Stadt befindet. Seit 1992 nimmt das Kinderheim Kinder und Jugendliche jeden Alters nach § 34 KJHG auf. Bis 1992 diente es als Vorschulheim. Die Kinder mußten mit Eintritt ins Schulalter in ein anderes Heim der Stadt wechseln. Mit diesem wurde es 1992 zusammengelegt. Aufgrund der zurückgehenden Kinderzahl wird das Kinderheim im September 1999 vollständig geschlossen. Die verbleibenden Kinder ziehen in eine etwa 20 Kilometer entfernt liegende Einrichtung des Heimverbundes um. Dies bringt für sie einen nahezu vollständigen Wechsel des sozialen Umfeldes. [...]

Arbeit zitieren:
Hinz, Steffen Juli 1999: Heimerziehung und Persönlichkeitsentwicklung - dargestellt am Beispiel eines Jungen aus einem Kinderheim, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Heimerziehung, Sozialisationsfaktoren, Persönlichkeitsentwicklung

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