Die Haushaltsnotlage des Landes Berlin und die Auswirkungen auf die Kulturbetriebe
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Robert Knappe
- Abgabedatum: Juli 2005
- Umfang: 126 Seiten
- Dateigröße: 2,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9337-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9337-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9337-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Knappe, Robert Juli 2005: Die Haushaltsnotlage des Landes Berlin und die Auswirkungen auf die Kulturbetriebe, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kulturmanagement, Finanzierung, Finanzen, Controlling, Kunst
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Diplomarbeit von Robert Knappe
Einleitung:
Kunst und Kultur sind noch nie ohne Subventionen ausgekommen. Schon das griechische und römische Theater wurden unterstützt, später die Kunst des Mittelalters durch die Kirche und die Kunst der Renaissance durch Fürsten oder Mäzene wie die florentinische Familie Medici – häufig verbunden mit Eigeninteressen der Geldgeber, etwa zur Repräsentation oder Ruhmerlangung.
Seit dem 19. Jahrhundert übernehmen neben dem Bürgertum vor allem staatliche Institutionen und die Kommunen die Finanzierungsaufgaben der Kultur. Heute trägt die öffentliche Hand in Deutschland mit jährlich ca. 8,2 Mrd. Euro (2003), das entspricht 1,66 % des Gesamtetats der öffentlichen Haushalte und 101,5 Euro pro Einwohner, nach wie vor den Großteil des kulturellen Lebens in Deutschland, mit fallender Tendenz seit 2001. Die Länder brachten in 2001 43 %, die Kommunen 45% und der Bund 12 % der öffentlichen Mittel für die Kultur auf. Der private Anteil der Kulturfinanzierung liegt bei ca. 5 bis 10 %.
In Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte, wachsender Verschuldung und Forderungen nach Ausgabenkonsolidierung stehen diese Subventionen zunehmend unter Rechtfertigungsnot und Kürzungsdruck. Ganz besonders gilt dies für das hochverschuldete Land Berlin, das seit 2002 vor dem Bundesverfassungsgericht um die Anerkennung der Situation der extremen Haushaltsnotlage streitet, um Unterstützungen durch den Bund und die Bundesgemeinschaft zu erhalten.
Andererseits ist Berlin nicht nur die bundesrepublikanische Hauptstadt, sondern auch die Kulturhauptstadt Deutschlands, die trotz erfolgter Kürzungen nach wie vor ein kulturelles Angebot in einer Breite, Vielfalt und Qualität bietet, das bundesweit und - pro Einwohner betrachtet - vielleicht auch international seinesgleichen sucht.
Gang der Untersuchung:
In dieser Arbeit soll analysiert werden, wie die Haushaltsnotlage entstanden ist, welche Konsequenzen von ihr auf die Kulturbetriebe ausgehen und welche Lösungsmöglichkeiten bestehen. Dazu wird der Status Quo aufgezeigt, von theoretischer und praktischer Seite kritisch beleuchtet, um zu einer vorsichtigen Gesamteinschätzung der Situation, Handlungsoptionen und einem Zukunftsausblick zu gelangen.
Zunächst wird das Phänomen der einfachen und extremen Haushaltsnotlage allgemein betrachtet. Im Folgenden wird analysiert, inwiefern in Berlin von einer Haushaltsnotlage betroffen ist, was die Ursachen dafür sind und welche Szenarien für die Zukunft bestehen. Unterschiedliche Meinungen und Perspektiven werden aufgezeigt.
Das zweite Kapitel beschäftigt zunächst mit der volkswirtschaftlichen und besonders fiskalpolitischen Bedeutung von Kulturbetrieben für eine Kommune bzw. ein Land und auch konkret für Berlin: Was legitimiert Zuwendungen für öffentliche Kulturbetriebe?
Im letzten Kapitel werden Lösungsansätze gesucht. Dazu werden alternative Kulturfinanzierungsarten vorgestellt und kritisch bewertet. Es werden theoretische Kriterien für eine Haushaltskonsolidierung behandelt.
Schließlich wird auf Ebene der Kulturbetriebe, d. h. aus betriebswirtschaftlicher Sicht gezeigt, welche Möglichkeiten der Effizienzsteigerung aus eigener Kraft bestehen, um der Haushaltsnotlage und sinkenden Zuwendungen durch die öffentliche Hand zu begegnen. Die Funktion des Controllings wird differenziert und sektorspezifisch erörtert.
Abschließend werden Handlungsdeterminanten und -barrieren analysiert und eine Gesamteinschätzung der Situation abgegeben.
Mit über 550 Fußnoten und hochrangigen Interviewpartnern aus der Praxis wurde die Arbeit für ihre äußerst gründliche Recherche und sehr differenzierte, interdisziplinäre Herangehensweise von den Gutachtern gelobt. Die meisten Teile sind von allgemeiner Anwendbarkeit und beziehen sich nicht nur auf die Berliner Situation.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Anhangsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die Haushaltsnotlage des Landes Berlin | 2 |
| 2.1 | Die Klage vor dem Bundesverfassungsgericht auf Feststellung der extremen Haushaltsnotlage | 2 |
| 2.1.1 | Zum Begriff der "extremen Haushaltsnotlage" | 2 |
| 2.1.2 | Juristische Aspekte | 3 |
| 2.1.3 | Politische Aspekte | 7 |
| 2.1.4 | Finanzwissenschaftliche Aspekte | 8 |
| 2.2 | Ursachen, Symptome und aktuelle Situation | 10 |
| 2.2.1 | Aus Sicht der Senatsverwaltung für Finanzen | 10 |
| 2.2.2 | Aus Sicht der Gutachter Färber und Wieland | 15 |
| 2.2.3 | Aus Sicht des Bundes | 16 |
| 2.2.4 | Aus Sicht externer Autoren und Wissenschaftler | 17 |
| 2.2.5 | Im Vergleich mit anderen Bundesländern | 18 |
| 2.3 | Finanzplanungen für die Zukunft | 21 |
| 2.3.1 | Senatsverwaltung für Finanzen | 21 |
| 2.3.2 | Der Berliner Kulturetat | 25 |
| 2.3.3 | Auswirkungen des Klageerfolgs bzw. -misserfolgs auf das Land Berlin | 29 |
| 3. | Die Auswirkungen auf die Kulturbetriebe | 33 |
| 3.1 | Definition | 33 |
| 3.2 | Bedeutung der Kultur in und für Berlin | 33 |
| 3.2.1 | Direkte Einkommens- und Beschäftigungseffekte | 33 |
| 3.2.2 | Umwegrentabilitäten von öffentlichen Zuwendungen und positive Externalitäten im Kultursektor | 34 |
| 3.2.3 | Kulturpolitik in Berlin | 38 |
| 3.3 | Finanzierung und Haushalte der Kulturbetriebe | 41 |
| 3.3.1 | Einnahmequellen | 41 |
| 3.3.2 | Ausgabenstrukturen | 43 |
| 3.3.2 | Entwicklungen im Zeitablauf | 43 |
| 3.4 | Auswirkung der Haushaltsnotlage auf die Planungssicherheit | 44 |
| 3.5 | Mögliche Konsequenzen für die Kulturbetriebe | 46 |
| 4. | Lösungsansätze | 48 |
| 4.1 | Auf politischer Ebene: Kriterien für eine sinnvolle und effektive Haushaltskonsolidierung | 48 |
| 4.1.1 | Ökonomische und finanzwissenschaftliche Kriterien | 48 |
| 4.1.2 | Bestimmung der Güterart von Kultur und normative Kriterien | 55 |
| 4.1.3 | Politische Kriterien | 57 |
| 4.1.4 | Berücksichtigung der Zukunftsentwicklung Berlins | 61 |
| 4.2 | Auf Ebene der Kulturbetriebe: Private Finanzierungsquellen und wirtschaftlicheres Handeln | 63 |
| 4.2.1 | Sponsoring | 64 |
| 4.2.2 | Fundraising | 69 |
| 4.2.3 | Public Private Partnership (PPP) | 72 |
| 4.2.4 | Stiftungen | 74 |
| 4.2.5 | Mögliche Einnahmesteigerungen | 78 |
| 4.2.6 | Potentielle Ausgabensenkungen | 82 |
| 4.3 | Chancen und Grenzen des Controllings | 86 |
| 4.4 | Handlungsspielräume und -rationalitäten in Kulturbetrieben | 94 |
| 5. | Fazit | 97 |
| Anhang | 100 | |
| Literaturverzeichnis | 107 | |
| Quellenverzeichnis | 116 |
Positive volkswirtschaftliche Effekte Positiver Finanzierungseffekt durch freiwerdende Ressourcen, die wiederum produktiv oder zur Schuldenreduktion eingesetzt werden können und ggf. Reduktion des Wohlfahrtsverlusts aus der Zusatzlast von Besteuerungen Negative volkswirtschaftliche Effekte Negative (kurzfristige) Effekte für öffentliche Finanzen und Gesamtwirtschaft durch: steigende Transferleistungen und sinkende Steuereinnahmen sowie Sozialversicherungsbeiträge bei Abbau von Arbeitsplätzen, fallende Kaufkraft, sinkende Umsatzsteuer und kontraktive Multiplikatorwirkungen Weniger Crowding Out durch umfangreichere private Outputreduktion der öffentlichen Güter, weniger Produktion Quantität und / oder Qualität Mehr innerbetriebliche Effizienz bei der Herstellung Weniger positive externe Effekte und der öffentlichen Güter Umwegrentabilitäten Weniger „meritorische Allokationsverzerrung“ Evtl. ungewollte Verteilungswirkungen Durch verändertes Angebot an öffentlichen Gütern: Durch verändertes Angebot an öffentlichen Gütern: Nutzenzunahme bei bestimmten Akteuren Nutzenabnahme bei bestimmten Akteuren [...]
54 Ein neuer finanzwissenschaftlicher Ansatz resultierte aus einem Forschungsauftrag des Bundesministeriums für Finanzen: das Konzept der wachstums- und nachhaltigkeitswirksamen öffentlichen Ausgaben (WNA)325. Waren bisher die staatlichen Investitionen ein Äquivalent für wachstums- und zukunftsträchtige Ausgaben, so befriedigte zunehmend an dieser undifferenzierten Sichtweise nicht, dass auch konsumtive Ausgaben durch externe Effekte und durch die Erhaltung von Infrastrukturen wachstumswirksam sind, sowie dass als „Investitionen“ deklarierte Ausgaben per se nicht zwingend zukunftsförderlich sein müssen, z. B. wegen des abnehmenden Grenzertrags oder der Substitution privater Investitionen. Auch qualitative Elemente sollten stärker in der Finanzpolitik berücksichtigt werden, wie u. a. in der „Lissabon-Strategie“ des Europäischen Rates formuliert326. Zur Messung der zukunftsorientierten Ausgaben beinhaltet ein WNA-Budget die Bereiche Infrastrukturpflege und –ausbau, Humankapitalförderung und Investitionen in das Gesundheitswesen, die sich in empirischen Studien als besonders wachstumsförderlich herauskristallisiert haben327. Grenzen des Konzepts liegen in der Inputorientierung und mangelnden Aussagekraft über die Effizienz. Ferner bedarf es weiterer Analysen und Strategien, um die Nachhaltigkeit eines öffentlichen Haushalts zu erreichen328. Für die Dosierung von Sparvorgaben ist die bereits unter Kap. 3.2.3 angesprochene Informationsasymmetrie zwischen Politik bzw. Verwaltung und den Kulturbetrieben hinsichtlich verborgener Effizienzpotentiale und tatsächlicher finanzieller Spielräume, die auch durch das Zahlenwerk nur begrenzt dokumentiert werden können, problematisch. Des weiteren wird die effiziente Allokation von differenzierten Sparvorgaben durch eine weitere Informationsasymmetrie erschwert, da die potentiellen Konsequenzen von Zuschusskürzungen bei den einzelnen Kulturbetrieben vermutlich sehr unterschiedlich in Art und Umfang ausfallen werden. Der politischen Führung fehlen Insiderinformationen und Beurteilungskompetenzen, jedoch auch Anreize zum effizienten Handeln, ebenso wie der Kulturbetrieb per se wenig Anreize hat, Effizienzpotentiale zu erschließen329. Da häufig das Defizit des Vorjahres von öffentlichen Betrieben die Orientierungsgröße für Subventionen ist, und damit durch Effizienzgewinn verringerte Defizite in Form von Subventionskürzungen zu 100 % „besteuert“ werden, liegt eine Schieflage der Anreizsituation für [...]
Im Prinzip orientieren sich alle diese Kriterien mit Ausnahme des zweiten an den Präferenzen der Bürger, so dass das Ziel einer Nutzenmaximierung eine effiziente Allokation öffentlicher Mittel gewährleisten soll. Eine Variante der Kosten-Nutzen-Analyse ist die Kosten-Wirksamkeits-Analyse, bei der vergleichend für unterschiedliche Handlungsoptionen festgestellt wird, wie hoch für ein gegebenes Ziel die Kosten pro erreichte Zieleinheit sind (differenzielle Kostenwirksamkeit), z. B. pro verlängertem Lebensjahr entstandene Kosten Xn durch gesundheitspolitische Maßnahme Yn. Dies wurde vor allem für die Gesundheitsversorgung und die Verkehrs- und Wasserwirtschaft angewandt309. Andersartige Planungstechniken, die eine systemische Umstellung erfordern, ist einerseits das Planning-Programming-Budgeting-System (PPBS), kurz Programmbudget: Der methodische Dreischritt • • • Planning: langfristige Planung, Zielbestimmung und –quantifizierung, Programming: Konkretisierung durch Analyse und Auswahl von Realisierungsmöglichkeiten und Budgeting: Transformation in kurzfristige Budgetentscheidungen [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832493370
Arbeit zitieren:
Knappe, Robert Juli 2005: Die Haushaltsnotlage des Landes Berlin und die Auswirkungen auf die Kulturbetriebe, Hamburg: Diplomica Verlag
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Kulturmanagement, Finanzierung, Finanzen, Controlling, Kunst



