Die Handelsverträge zwischen der EU und den CAN-Staaten und ihre Auswirkungen auf die kolumbianische Volkswirtschaft
Eine kritische Analyse für den Zeitraum 1990-2002
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Roland Braza
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 75 Seiten
- Dateigröße: 827,8 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7326-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7326-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7326-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Braza, Roland Juli 2003: Die Handelsverträge zwischen der EU und den CAN-Staaten und ihre Auswirkungen auf die kolumbianische Volkswirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Andengemeinschaft, Außenhandlesabkommen, Präferenzabkommen, Entwicklungspolitik
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MA-Thesis / Master von Roland Braza
Einleitung:
Ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum gilt als eines der Hauptziele der Entwicklungspolitik. Politisch umstritten ist jedoch, wie der Außenhandel zur Erreichung dieses Ziels beitragen kann.
Gerade auch in der jüngeren Vergangenheit erhalten Gruppen Zulauf, die in der Globalisierung eher Übel als Nutzen für die ärmeren Länder sehen. Nach Ansicht dieser Gruppen ist die Weltwirtschaft „[…] ein hierarchisches System, in dem die Industrieländer bestimmen was wo produziert wird, wer in welchem Umfang Zugang zu den internationalen Güter- und Faktormärkten hat und wie technisches Wissen verbreitet wird.“ In den Augen dieser politischen Gruppierungen missbrauchen Industriestaaten Handelsabkommen um Entwicklungsländer in ein Abhängigkeitsverhältnis zu drängen. Als Ausweg sehen sie eine Abkopplung von den globalen Märkten und empfehlen eine vorwiegend durch die Binnennachfrage gestützte Wachstumspolitik. Hierdurch könne nachhaltiges Wachstum erreicht werden, ohne Bodenschätze auszubeuten und ohne in eine Abhängigkeitssituation von den Industrieländern zu geraten.
Demgegenüber sind sich Ökonomen weitgehend einig, dass zumindest ein gewisses Maß an Handel positiv zu bewerten ist. Der neoklassischen Theorie zufolge profitieren am internationalen Güterverkehr teilnehmende Länder von Spezialisierungs- und Handelsgewinnen. Die internationale Arbeitsteilung führt hiernach die Produktionsfaktoren ihrer effizientesten Verwendung zu und maximiert hiermit die weltweiten Konsummöglichkeiten. Auch die Entwicklungsländer können hiervon profitieren, indem sie sich auf ihre komparativen Vorteile besinnen. Zusätzlich bietet die Integration in den Weltmarkt den Produzenten der Entwicklungsländer große Absatzmärkte. Auch die Weltbank sieht den positiven Einfluss einer Integration in den Welthandel auf eine effizientere Ausschöpfung des Produktionspotentials empirisch als bestätigt an.
Seit Ende der 70er-Jahre gewähren vor diesem Hintergrund Industrieländer den Entwicklungsländern Handelspräferenzen, um ihnen den Zugang zum Weltmarkt zu erleichtern. Seit 1990 besteht im Rahmen des ‚General System of Preferences’ (GSP) der Europäischen Union auch ein solches Handelspräferenzabkommen mit den Staaten der Andengemeinschaft (CAN).
Die Exporte der CAN repräsentieren heute nur noch knapp 0,8 v.H. der kumulierten Einfuhren der EU-Staaten und sind darüber hinaus sehr stark auf Primärgüter und Energieträger konzentriert. Im Vergleich zu anderen Regionen hat sich der Außenhandel der EU mit den CAN-Staaten in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre sehr schwach entwickelt und auch im Hinblick auf eine angestrebte Produktdiversifikation bei den Exporten der CAN-Staaten scheint das Anden-GSP nur sehr limitiert Wirkung entfaltet zu haben.
Dies sind einige Gründe, die es sinnvoll erscheinen lassen, die Handelsverträge zwischen EU und CAN einer kritischen Analyse zu unterziehen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die Auswirkungen dieser Abkommen auf die kolumbianische Volkswirtschaft im Vordergrund stehen, wenngleich auch generelle Erkenntnisse über die Wirkung von Handelspräferenzabkommen vermittelt werden.
Da die Andengemeinschaft einen weitgehend unbekannten Integrationsraum darstellt, soll diese zunächst im zweiten Kapitel kurz beschrieben und ihre wirtschaftliche Entwicklung skizziert werden. Der dritte Abschnitt stellt sowohl die Evolution als auch den heutigen Stand der politischen und ökonomischen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und den CAN-Staaten dar. Um die Funktionsweise des Anden-GSP besser verstehen zu können, befasst sich Kapitel vier mit den Instrumenten der EU Handelspolitik und beschreibt im Anschluss sowohl das generelle GSP der EU als auch die darüber hinausgehenden Regelungen, die speziell für die Andengemeinschaft gelten. Desweiteren wird auch ein genereller Ansatz zur wohlfahrtstheoretischen Analyse von Präferenzabkommen erarbeitet. Kapitel fünf analysiert die Entwicklung der Exporte der CAN-Mitgliedstaaten und zieht hieraus Rückschlüsse auf die Effektivität des Anden-GSP. Mit einer breiten Betrachtung der Effekte des Abkommens auf die Volkswirtschaft Kolumbiens beschäftigt sich Abschnitt sechs. Neben dem sozioökonomischen Einfluss des Anden-GSP auf die kolumbianische Ökonomie wird auch die zukünftige kolumbianische Strategie für den Exportsektor diskutiert und aus wirtschaftstheoretischer Sicht beurteilt. Der Schlussteil liefert dann abschließend eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die Andengemeinschaft - Regionaler Integrationsraum der Andenstaaten | 3 |
| 2.1 | Die Entstehung der Andengemeinschaft | 3 |
| 2.2 | Die Wirtschaftliche Entwicklung der letzten 30 Jahre | 5 |
| 3. | CAN - EU Beziehungen | 5 |
| 3.1 | Politische Beziehungen | 6 |
| 3.1.1 | Entwicklung der politischen Beziehungen | 6 |
| 3.1.2 | Aktueller politischer Dialog | 7 |
| 3.1.3 | Institutionalisierung der Beziehungen | 10 |
| 3.2 | Ökonomische Beziehungen | 10 |
| 3.2.1 | Außenhandelsbeziehungen zwischen EU und CAN | 10 |
| 3.2.2 | Direktinvestitionen | 13 |
| 4. | Instrumente der EU Handelspolitik - Präferenzabkommen | 14 |
| 4.1 | Der gemeinsame Außenzoll der EU | 14 |
| 4.1.1 | Zoll-Eskalationsstufen | 16 |
| 4.2 | Präferenzabkommen der EU | 17 |
| 4.2.1 | Das generelle GSP der Europäischen Union | 19 |
| 4.2.2 | Das Anden-GSP | 21 |
| 4.3 | Wohlfahrtstheoretische Analyse des GSP (einer Zollsenkung) | 22 |
| 4.3.1 | Theoretische Rechtfertigung von Handelserleichterungen im Hinblick auf eine mögliche Steigerung der Weltwohlfahrt | 23 |
| 4.3.2 | Analyse von Handelserleichterungen (z.B. des GSP) aus Sicht der begünstigten Länder | 24 |
| 5. | Analyse der Exporte der CAN in die EU | 26 |
| 5.1 | Exporte der einzelnen CAN-Mitglieder in die EU | 26 |
| 5.2 | Charakteristika der CAN-Exporte (der Spezialisierungsindex) | 27 |
| 5.2.1 | Spezialisierungsindex und Marktanteile der Andenexporte auf dem EU-Markt | 30 |
| 5.3 | Effektivität des Anden-GSP | 32 |
| 6. | Auswirkungen auf die kolumbianische Wirtschaft | 33 |
| 6.1 | Die Entwicklung der kolumbianischen Exporte in die Europäische Union zwischen 1990 und 2000 | 33 |
| 6.1.1 | Neuere Entwicklungen der Exporte in die EU | 36 |
| 6.2 | Die kolumbianische Strategie für den Exportsektor | 40 |
| 6.2.1 | Theoretische Grundlagen zur Beurteilung der angestrebten Exportdiversifikation Kolumbiens | 42 |
| 6.2.2 | Beurteilung der kolumbianischen Strategie nach handelstheoretischen Gesichtspunkten | 45 |
| 6.3 | Sozio-ökonomischer Einfluss des Anden GSP auf die kolumbianische Volkswirtschaft | 50 |
| 6.3.1 | Einfluss der Entwicklungen im verarbeitenden Gewerbe auf die kolumbianische Volkswirtschaft | 51 |
| 6.3.2 | Einfluss der Entwicklungen im Agrarsektor auf die kolumbianische Volkswirtschaft | 54 |
| 6.3.3 | Multiplier Effects | 55 |
| 6.3.4 | Arbeitsplatzsicherung durch das Anden-GSP | 57 |
| 7. | Schlussbetrachtung | 63 |
| Literaturverzeichnis | 65 |
Bezugnehmend auf die im vorigen Abschnitt erläuterte Verschlechterung der Spezialisierung im Bereich des verarbeitenden Gewerbes, lässt sich eine Erklärung hierfür evtl. auch bei der Entwicklung der Exportwirtschaft anderer Entwicklungsländer finden. Diese profitieren ebenfalls vom GSP oder sogar von weitergehenden Präferenzabkommen und könnten aus vielerlei Gründen schneller im Stande gewesen sein ihre Wettbewerbsfähigkeit in diesen Bereichen zu steigern. Es ist aber auch, gerade in den letzten Jahren, ein Rückgang des Anteils der unter dem AndenGSP exportierten Handelswaren an den Gesamtexporten der CAN in die EU festzustellen. Legt man die Regelungen des Anden-GSP von 2001 zu Grunde und berechnet die hypothetischen Exportanteile der vom Abkommen profitierenden Güter, ergibt sich für den Zeitraum 1998 - 2000 folgendes Bild: Knapp 29 v.H. im Jahr 1998, ca. 27 v.H. im Jahr 1999 und gut 25 v.H. im Jahr 2000 der Gesamtexporte der CAN in die EU fielen unter das Anden-GSP Programm.76 Insgesamt sind die Exporte der CAN-Staaten unter dem Anden-GSP sogar schwächer gewachsen als die kumulierten EU Importe aus den übrigen Entwicklungsländern. Dies zeigt die Limitation des Anden-GSP und ist ein weiteres Indiz für das weitgehende Versagen dieses Präferenzabkommens, was die Dynamisierung der Exporte der CAN-Staaten in die Europäische Union anbelangt. Auch wenn sich bislang die Qualität des Handels nicht geändert hat, so sind dennoch auch positive Effekte auszumachen. Vega (1999) berechnete in einer Studie, dass ein Wegfall des Anden-GSP, also eine Anwendung des CET der EU, einer Zollerhöhung von ca. 43 v.H. gleichkäme. Durch diese Zollvergünstigung ‚sparten’ die Andenstaaten allein im Jahr 1999 ungefähr 243 Millionen US$ an Zöllen, was sich positiv in der Handelsbilanz niederschlug.77 Darüber hinaus hätte eine quasi Zurückstufung der CAN-Staaten auf die Präferenzen des generellen GSP auch die üblichen, negativen Effekte einer Zollerhöhung in den betroffenen Bereichen wie weniger Exporte, weniger Produktion und folglich eine Freisetzung von Arbeitsplätzen. Hinzu kämen noch negative Auswirkungen auf Deviseneinnahmen und ein Anstieg des Handelsbilanzdefizits. [...]
Betrachtet man diese Entwicklung über die Zeit, so lässt sich feststellen, dass die Abhängigkeit der EU bei diesen Produkten zugenommen hat. Abhängigkeit bedeutet hierbei, dass die EU ein Großteil ihrer Nachfrage nach einem bestimmten Produkt aus einer bestimmten Region, hier den CAN-Staaten, deckt. Im Jahr 1995 lag der mittlere Anteil der 234 Produkte der CAN-Staaten an den EU Gesamtimporten noch bei nur 8,68 v.H., gegenüber den oben erwähnten 14,35 v.H. für das Jahr 2000.74 Seit 1991 hat sich der Spezialisierungsindex nur bei 30 dieser Produktgruppen verschlechtert und auch das Exportwachstum in diesen Bereichen lag unter dem der Gesamtimporte dieser Artikel durch die EU. Bemerkenswert ist, dass es sich bei der Mehrzahl dieser 30 Produkte um verarbeitete Güter handelt, und dass gerade bei diesen zumeist eine progressive Nachfrage vorlag. Bei diesen Produkten liegt also, im Gegensatz zu den übrigen Exporten, der Schluss nahe, dass die Andenstaaten im Bereich des verarbeitenden Gewerbes an Konkurrenzfähigkeit gegenüber ihren Konkurrenten auf dem Weltmarkt eingebüßt haben.75 [...]
16041931: Fischkonserven (96,35 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 51021030: Haar (93,37 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 27149000: Beton (91,18 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 20098073: Tropische Fruchtsäfte (86,62 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 28274100: Oxi-Chloride (83,32 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 08030011: Kochbananen (81,70 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 11022010: Maismehl (79,18 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 06031020: Nelken (75,11 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 16041416: Tunfisch (74,74 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) 08012200: Haselnüsse (73,70 v.H. der weltweiten Importe der EU stammen aus den CAN-Staaten) [...]
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