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Das Hamburger Kolonialhandelshaus Wm. O'Swald & Co. und die Einführung von "Techniken" in die Kolonien 1890 - 1914

Das Hamburger Kolonialhandelshaus Wm. O'Swald & Co. und die Einführung von "Techniken" in die Kolonien 1890 - 1914
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Lutz J. Schwidder
  • Abgabedatum: Juli 2004
  • Umfang: 838 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9193-2
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9193-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schwidder, Lutz J. Juli 2004: Das Hamburger Kolonialhandelshaus Wm. O'Swald & Co. und die Einführung von "Techniken" in die Kolonien 1890 - 1914, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kolonialgeschichte, Firmengeschichte, industrielle Revolution, Welthandel, Imperialismus

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Dissertation / Doktorarbeit von Lutz J. Schwidder

Einleitung:

Der Bereich der deutschen Kolonialgeschichte allgemein kann wohl als gut erforscht gelten, und die Einführung technischer Neuerungen wie Dampfschiffe, Eisenbahn und Telegraph wurde zumindest ansatzweise beschrieben, doch fehlt insbesondere eine Beschreibung der Anwendungen und Auswirkungen, die die neue Technik auf das Leben in der Kolonie hatte. Ohne die Kenntnis solcher Folgewirkungen bleiben jedoch Rückschlüsse auf die Effektivität der Technik und damit auch ihr Einfluss auf die Kolonialpolitik reine Mutmaßung es ist unmöglich, solche Auswirkungen von reinem Wunschdenken bzw. Kolonialpropaganda und –apologetik zu trennen (z.B. die Kolonie als Absatzmarkt der Industrie des „Mutterlandes“).

Die Gruppe der Kolonialisten, die die meisten Kontakte mit neuer Technik hatten bzw. diese im großen Maßstab erst einführten, waren die Kaufleute. Diese Gruppe auf die Folgen der Techniken zu untersuchen, bietet darüber hinaus den Vorteil, gleichzeitig die Reaktionen auf dem afrikanischen Kontinent, z.B. auf den Bahnbau und auch in Europa, hier etwa auf neue Stoffdruckverfahren oder auf die Expansion der Nahrungsmittelindustrie, zu erfahren, also alle für die koloniale Wirtschaft relevanten Verfahren untersuchen zu können.

Obwohl es einige Untersuchungen zu Kolonialkaufleuten gibt, so beschränken sich diese doch auf mehr oder minder kurzgefasste Firmengeschichten oder sie werden in Zusammenhang mit bestimmten Handelsgütern erwähnt, dagegen wird eine Verbindung von Handelsfirmen und Technik selten untersucht. Einer der Gründe dafür ist sicherlich auch die schmale Informationsbasis. Da Handelsfirmen in der Regel nichtstaatlich organisiert waren, entfiel der Zwang zum Archivieren über die Fristen hinaus, die eventuell gesetzlich vorgesehen waren. Die Firmen, die bis heute weiterbestehen, gehen mit Genehmigungen zur Einsicht ihrer Firmenarchive zu Forschungszwecken sehr sparsam um.

Unter diesen Aspekten betrachtet, ist die Firma O`Swald ein echter Glücksfall für die Forschung; obwohl bis heute zumindest als Firmenname präsent, wurden ihre Geschäftsakten von der Firmengründung bis weit nach dem Ersten Weltkrieg dem Hamburger Staatsarchiv übergeben, wo sie der Forschung zur Verfügung stehen. Der Grund dafür ist wohl in der engen Verbindung zu suchen, die die Firmengründer mit dem Stadtstaat hatten, so stellten sie unter anderem einen Bürgermeister und die Stadt ihrerseits ehrte die Familie durch die Benennung eines Kais im Hafen (O`Swaldkai).

Der Zeitraum dieser Arbeit, 1890–1914, ist nicht willkürlich gewählt, sondern baut auf Vorgängerarbeiten auf und führt diese weiter bis zu der für den deutschen kolonialen Handel einschneidenden Zäsur des Ausbruchs des ersten Weltkrieges. Damit soll auch erreicht werden, zumindest an einer deutschen Handelsfirma, quasi exemplarisch, die Entwicklung kolonialer Handelsfirmen von Beginn des Handels mit Ostafrika in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg aufzuzeigen und so eine Vergleichsmöglichkeit zu schaffen, die eine Überprüfung beispielsweise von Firmenjubiläumsschriften erlaubt, einer Hauptquelle für unser Wissen um solche Handelsfirmen.

Die Zeit vor 1890 kann als vergleichsweise gut dokumentiert gelten; neben den Veröffentlichungen zu Jubiläen beschäftigte sich der Wirtschaftshistoriker Ernst Hieke ausführlich mit den Anfängen der Firma Wm. O`Swald & Co. Hieke, wie auch Kremling und die Jubiläumsschrift, pflegten einen eher narrativen Stil, der allerdings die Organisation des Geschäftes der Firma O`Swald sowohl in Zanzibar wie auch in Hamburg recht klar beschrieb und durch die neuere Arbeit, eine Dissertation von Karl Evers, im großen und ganzen bestätigt wurde.

Da diese Arbeit einen anderen Aspekt des kolonialen Handels untersucht als bei Hieke und Evers, die sich mehr auf den Anfang und die erste Ausbreitung der Firma O`Swald konzentrierten, hilft die von Evers benutzte und kommentierte Literatur nur bedingt weiter. Nötig sind darüber hinaus Informationen über die Einführung von Technik in Ostafrika und hierfür ist man zum Teil wieder auf ältere Literatur angewiesen, die erstens eher national ausgerichtet und zweitens schlecht überprüfbar ist, da viele Archive oder zumindest Teile davon dem zweiten Weltkrieg zum Opfer fielen.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Bereich Schifffahrt, in dem es Arbeiten zur Errichtung deutscher Schiffslinien nach Ostafrika gibt, welche jedoch aus den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts stammen und mehr oder minder unter dem Eindruck des Verlustes der Kolonien gemäss den Versailler Verträgen standen. Trotzdem erwiesen sich diese Literaturquellen noch immer informativer als die neuere Arbeit über die sogenannten „Reichs-Post-Dampfer“ möglicherweise, weil hierbei ein zu großes Spektrum an Schiffsverbindungen behandelt wurde. Somit blieb für einzelne Schiffswege ein zu kleiner Raum, um ihre Entstehung und eventuelle Kartelle genauer zu erforschen. Hilfreicher sind da schon kleinere Artikel in speziellen Periodika, die sich mit der Geschichte einzelner Schiffstypen beschäftigen und so zumindest Eckdaten liefern bzw. bestätigen können und damit die Archivquellen überprüfen. Bei einer Einordnung der Schifffahrtsorganisation in die Geschichte Ostafrikas zeigt sich erneut, wie dünn das vorhandene Material wirklich ist, immerhin reicht es aber aus, sie ansatzweise zu erfassen.

Besser, wenngleich auch hier narrativ und populärwissenschaftlich, ist es um die Literatur im Bereich der Eisenbahnen Ostafrikas bestellt. Hier gibt es immerhin Beschreibungen der Entstehung beider Bahnsysteme, des deutschen und des englischen und somit Möglichkeiten, die Aktionen der Kaufleute in Bezug auf Transporte, Faktoreigründungen und ähnlichem zu erklären bzw. nachzuvollziehen. Ob dieser Effekt allerdings beabsichtigt oder auch nur angestrebt wurde, bleibt zu bezweifeln, die Literatur scheint eher als Denkmal britischen und deutschen Pioniergeistes gedacht zu sein, oder als Information für bahngeschichtlich interessierte Kreise.

Über den Handel selbst gibt es vergleichsweise viele Äußerungen, allerdings mit zahlreichen Einschränkungen. Mehrere Autoren beschränken sich auf einzelnes Handelsgut, wie z.B. Feuerwaffen, Elfenbein oder Kaurimuscheln, für Zanzibar ist auch der Nelkenhandel interessant, doch so wichtig diese Arbeiten sind, was hier keinesfalls bestritten werden soll, so geben sie nur beschränkt Auskunft über den kolonialen Handel insgesamt, ganz zu schweigen von Einflüssen moderner Technik. Auch zeitlich scheinen viele Autoren sich nicht weiter als bis zum Jahre 1890 zu „trauen“.

Ob das an den auch von Karl Evers für seine Arbeit angegebenen Gründen liegt, ob man kein Material für diese Zeit finden kann oder ob gar zu große Aktenberge abschrecken, ist nicht leicht zu bestimmen. Die Arbeiten, die über diese „Grenze“ hinaus führen, sind mehrheitlich auf einzelne Teile Ostafrikas bezogen (deutsch oder britisch Ostafrika, Zanzibar) und können demzufolge nur Teilaspekte erhellen bzw. bestätigen. Eine Bestätigung durch eine zweite Veröffentlichung ist überwiegend nicht zu erhalten, manche Überraschung auf diesem Gebiet stellt sich bei näherer Betrachtung als neues Zitat einer älteren Publikation heraus.

Da diese Arbeit sich mit Technik im weitesten Sinne, eingesetzt im Handel mit Ostafrika, befasst, muss auch nach den Folgen gefragt werden, die technische Neuerungen auf die Importe hatten, also auf diejenigen Güter, die in Europa oder in den USA für den Export, unter anderem nach Ostafrika hergestellt wurden. Da das Archivwesen in Europa besser ausgestattet ist als in Ostafrika, sollten derartige Untersuchungen eigentlich kein Problem sein.

Eines der ersten und zugleich überraschendsten Ergebnisse der Vorarbeiten zu dieser Dissertation war aber, dass die Erforschung der Technik- und Unternehmensgeschichte der letzten 100 Jahre in Europa und USA sehr zu wünschen übrig lässt, das Material über solche Themen eher noch dürftiger ist als das über Afrika- bzw. Kolonialgeschichte. Ein möglicher Grund dafür liegt wohl in der Größe der Lieferfirmen. Sie schienen eine mittlere Größe, gemessen an den nationalen, europäischen Industrien, nicht zu überschreiten, beziehungsweise wenn sie der Großindustrie angehörten (z.B. Metallgießereien), so war das Afrikageschäft für sie kein Hauptgeschäft und so verschwand der Handel dorthin in Nebensätzen oder Fußnoten und in dem Rohmaterial in den Firmenarchiven und ist deshalb nur ansatzweise „greifbar“.

Da die Geschäftsbeziehungen der Firma O`Swald (und erst recht die ihrer Kunden) sich nicht auf das Gebiet Deutsch-Ostafrikas beschränken, ist es nötig, auch auf Veränderungen außerhalb des deutschen Kolonialgebietes einzugehen.

Der Helgoland–Zanzibar–Vertrag brachte auch dem britischen Kolonialgebiet Sicherheit bezüglich ihrer Grenzen und man konnte nun an den Ausbau der Länder (Z, BEA, Uganda) gehen. Eines der wichtigsten Projekte war die Ugandabahn. Sie ging, grob gesagt, von Mombasa zu den ostafrikanischen Seen (Kisumu, am Victoria–See) und brachte sowohl strategische (schnelle Truppenverlegungen ins unruhige Uganda), als auch handelspolitische Vorteile (Erschließung des Landes). Obwohl schon 1890 beschlossen, dauerte es mit den Vorarbeiten und der Bereitstellung finanzieller Mittel allerdings bis 1895, bevor die eigentlichen Arbeiten anfingen. Kisumu, der vorläufige Endpunkt am Victoria–See, wurde 1901 erreicht, aber schon die Fertigstellung von Teilstrecken und das dadurch bedingte Wandern der Baustellencamps, die vorwiegend von indischen Arbeitern bewohnt waren, zeigte eine entsprechende Ausbreitung indischer Händler und mit diesen auch indischer Großhändler, der Käuferschicht der Firma O`Swald. „The trade followed the Railway“ wie man in Abänderung eines bekannten Kolonialslogans sagen könnte. (The trade follows the flag“).

Dieses Abwandern indischer Großhändler nach BEA und die Boomphase Mombasas zeigten sehr genau, was in Ostafrika allgemein bald geschah. Die Verlagerung des Handelsgeschehens an die Küste und dann ins Landesinnere und die dadurch bedingte Konkurrenz der Küstenstädte, denen Filialgründungen der europäischen Unternehmungen folgen mussten, wollten diese den Anschluss an den Handel nicht verlieren. Endgültig besiegelt wurde dies durch die Aufnahme Mombasas in den Linienplan der DOAL 1899, die vom Suez Kanal kommend, Mombasa vor Zanzibar anlief und dadurch die Warensendungen Zanzibar–Mombasa, die bisherige Regel in der Warenversorgung (was Firma O`Swald betraf), unrentabel und entbehrlich machte.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Der alte Handel und sein relatives Ende 11
Ende des Waffenhandels 11
Elfenbeinhandel 13
Ende des Kauri-Muschel-Geschäfts 17
Das Ende des Orseille-Handels 19
3. Familiengeschichte O`Swald 20
4. Schiffsverkehr Firma O`Swald eigene Reederei 24
Die Entwicklung der Schiffslinien 29
Firma O`Swald und die DOAL - Das tägliche Geschäft 41
5. Die Eisenbahnen in Ostafrika 45
6. Die O`Swald´sche Faktoreien in Ostafrika 52
Mombasa 52
Bagamoyo 63
Daressalam 72
Muanza 78
Tanga 85
7. Die Inder und ihre Stellung zu Firma O`Swald 95
8. Die europäische Konkurrenz 120
Firma Hansing 122
DOAG 134
Firma W. Hintzmann & Co 143
Firma Smith Mackenzie 152
Firma Leon Besson 160
10. Produktenhandel 176
Nelken 177
Coprah 197
Kautschuk 223
Häute/Felle 236
Chillies 264
Sesam 265
Wachs 266
Muscheln 268
Reis 270
Kaffee 273
Baumwolle 276
Bodenschätze 282
Mangroven 282
11. Importenhandel 291
Manufakturen 295
Wellblech 299
Zement 302
Bauholz 306
Streichhölzer 309
Seife 313
Steinzeug 320
Emaille 326
Feze 328
Farben 334
Maschinen 336
Lebensmittel 361
Bier 368
Tabak 375
Petroleumhandel 392
12. Stoffe, Tuche und Fertigwaren 402
Grey Goods 404
Whites 413
Unterhemden 422
Handkerchiefs 428
Kitambi (Witambi) 433
Malabars 441
Cangas 446
Kanikys 450
Kikoys 466
Shawls 478
Decken 535
13. Schlußbemerkungen 402
Firma O`Swald in Ostafrika 545
Welthandel 549
Zusammenfassung 555
Anmerkungen 557
Literaturverzeichnis 828

Automatisiert erstellter Textauszug:

Rechnung anderer. Erst mit der beginnenden Ausbreitung auf das ostafrikanische Festland wurde das Interesse der Firma ernsthafter, da dabei anscheinend größere Bargeldbestände angehäuft wurden, für die man Anlage- und Rückführungsmöglichkeiten nach Europa suchte. Die bisherige Methode, Aufkauf von Ia Wechseln, möglichst von regierungseigenen Institutionen (Armee, Marine, Gouvernement) war weitgehend beendet, die Anzahl der Wechsel zu gering bei mittlerweile zu großer Konkurrenz, die ebenfalls diese Wechsel kaufen wollte. Auch beim Kautschukankauf gab es Konkurrenz, doch war man, mit Ausnahme der DOAG im Falle Kilwa (Monopolbehauptung), wohl allgemein der Meinung, Kautschuk als Produkt sei zu geringwertig, um einen ernsthaften Konkurrenzkampf wert zu sein. Jedenfalls waren sich die größten Handelsfirmen zu damaligen Zeit in diesem Gebiet, Hansing und O´Swald, vergleichsweise schnell und einfach einig. Später um 1903 schien es ebenfalls wenig Probleme zu bereiten, die DOAG in das Abkommen einzubeziehen. Das eigentliche Problem lag im Absatz der angekauften Ware und die zunehmende Verfälschung der Kautschuk Sorten bis hin zu einem Punkt, an dem die Kunden wegen mangelnder Qualitätssicherheit nicht mehr bereit waren, noch zu kaufen, machte das Geschäft nicht leichter. Die Gründe für die Verfälschungen lagen sicher in der Profitgier aber auch die Erschöpfung der Wildbestände dürfte eine Rolle gespielt haben. Ein besonderes Problem stellte der Manyema-Kautschuk dar: Hier kam anscheinend nur ein kleiner Teil aus den Gebieten Deutsch- und Britisch- Ostafrikas/Ugandas, der Rest wurde über den Tanganjikasee geschmuggelt. Das bis dahin gute Geschäft mit dieser Sorte erledigte sich in dem Masse, wie das Gouvernement von Belgisch Kongo dagegen vorging und das ging hin bis zur Stationierung von Kanonenbooten auf dem See, eine Haltung, die die Kaufleute zwar bedauern, gegen die sie aber nichts unternehmen konnten, da die Bekämpfung illegalen Schmuggels auch nach den internationalen Verträgen zur Aufteilung Afrikas rechtens war. Gegen 1908/09 wurden die ersten Lieferungen von Plantagenkautschuk aus Ostafrika gemeldet. Theoretisch gab es also eine Möglichkeit, den Wildkautschuk aufzugeben und sich der Vermarktung des gezüchteten Kautschuks zu widmen, doch [...]

und die entsprechende Entwicklung der Weltmarktpreise, war O´Swald gezwungen, nur noch Sorten zu kaufen, die sofort „auf Lieferung“ zu verkaufen waren. Die ostafrikanischen Kautschukplantagen selber waren allerdings keine Alternative für O´Swald, da ihre Preise und Sorten nicht gegen die asiatische Konkurrenz bestehen konnten. Sie verloren gegen Mitte 1913 Geld und damit Kredit, die Firma musste Muanza Order erteilen sich von den Plantagen fernzuhalten. Allgemein erging Weisung: „Die Verluste, welche alle Kunden auf Kautschuk erleiden, z.B. auf Dossa Tower, werden sehr gross werden, und Sie müssen sehr ernstlich prüfen, wo die Kredite zu reduzieren sind.“ (163) Als das Stammhaus dann einen Bericht bekam über die Preise und Produktivität der asiatischen Gummiplantagen und als somit klar war, dass diese den Weltmarkt auch allein versorgen könnten, ließ es den Kautschukankauf stoppen und wies die Filialen an, sich aus diesem Handel zurückzuziehen. (164) Das Geschäft mit Kautschuk war bedingt durch eine mehr oder minder künstliche Verknappung dieses Produktes durch das brasilianische Monopol. Zu Anfang bestand nur die Möglichkeit wilden Kautschuk, hauptsächlich Lianenkautschuk zu sammeln, erst ab 1908 begannen neu angelegte Plantagen Kautschuk zu liefern. Zum Anzapfen der Lianen und Sammeln des Kautschuks war nicht allzu viel Ausbildung und/oder Kapital nötig. Jeder der Zeit und Lust dazu hatte konnte dies tun. Da allerdings die Qualität des so gewonnenen Kautschuks nicht besonders gut war, konnte das Produkt nur bei angespannter Weltmarktlage verkauft werden, d.h. die Lagerbestände des Plantagenkautschuks, erst die Brasiliens und der Straits, dann zunehmend auch asiatisch-ceylonesische, mussten erst erschöpft sein, bevor der ostafrikanische Kautschuk eine begehrte, damit gängige Ware wurde. Somit kann man ostafrikanischen Sammelkautschuk wohl als „Nischenprodukt“ bezeichnen, dessen vorteilhafter Weiterverkauf für die Kolonialhändler keinesfalls von vornherein feststand. Firma O´Swald betrieb den Kautschukhandel bis etwa 1900 eher nebenbei, ohne selber Geld einzusetzen und vornehmlich als Kohnsiegnationsgeschäft, also für [...]

was gegen ihr Informationsdefizit, indem sie direktere Kommunikationswege zuließ, anstatt alles über die Zanzibar-Hauptfaktorei laufen zu lassen. Es stellte sich allerdings die Frage, ob diese Verbesserungen nicht zu spät kamen: „London schreibt gerade wieder dieser Tage, dass sich immer mehr Fabrikanten von Mittelsorten ganz abwenden und nur noch Plantagen Gummi verarbeiten wollen, weil diese so viel zuverlässiger sind.“ (159) Aus London kam wohl auch die Nachricht, dass viele Inder offenbar ohne feste Angebote Kautschuk nach dort gesandt hatten, ihn nicht verkaufen konnten und nun schwere Verluste tragen mussten. Das reduzierte sicher die Konkurrenz der Firma, doch geholfen hat es ihr nicht. (160) Auch der Vorschlag von Zanzibar/O´Swald, sich wie Firma Hansing nur mit 2% Nutzen zu begnügen, weil „...das man immer mehr aus dem Geschäft herausgedrängt wird, ist doch ein Beweis dafuer, dass wir zuviel verdienen wollen,“ (161) half nicht viel weiter, denn die beste Sorte, trotz Verfälschungen, Manyema, wurde mittlerweile schon in Tabora von den Firmen Hansing oder DOAG aufgekauft. Damit blieb wenig Ware für Firma O´Swald übrig, die dort nicht stationiert waren und man ja geringe und mittlere Sorten (Qualität) nicht kaufen sollte. Zu den Verkaufsproblemen mit ostafrikanischem Wildkautschuk kam 1912 auch noch ein Verdrängungswettbewerb durch die ostafrikanischen Kautschukplantagen, die allmählich auch preislich eine Alternative boten. Dagegen bot Daressalam/O´Swald an, einen Versuch zu wagen, bei Kohnsiegnationsgeschäften für größere Firmen Sonderkonditionen zu gewähren, wie geringere Kommissionen, günstigere Umrechnungskurse und Weitergabe von Frachtrabatten. Das Stammhaus stimmte dem Versuch zu, musste allerdings ebenso wie offenbar auch Firma Hansing etwa drei Monate später den Versuch als gescheitert ansehen, da zuviel Arbeit für die 1% Kommission aufgewendet werden musste und man anscheinend auch vom Gebaren der indischen Firmen „die Nase voll“ hatte. (162) 1913 brach Firma O´Swald den Handel mit Kautschuk ab. Durch die Produktion der Kautschukplantagen, welche die in sie gesetzten Erwartungen bei weitem übertrafen [...]

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Arbeit zitieren:
Schwidder, Lutz J. Juli 2004: Das Hamburger Kolonialhandelshaus Wm. O'Swald & Co. und die Einführung von "Techniken" in die Kolonien 1890 - 1914, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kolonialgeschichte, Firmengeschichte, industrielle Revolution, Welthandel, Imperialismus

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