Gruppenstrukturen und Gruppenprozesse als Einflussfaktoren auf die Bereitschaftsbarrieren zur Wissensteilung
Aktivierung und Förderung der intrakollektiven Wissens(ver)teilung im Rahmen einer wissensorientierten Unternehmensführung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Mathias Jahn
- Abgabedatum: August 2003
- Umfang: 187 Seiten
- Dateigröße: 1.018,0 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7374-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7374-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7374-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jahn, Mathias August 2003: Gruppenstrukturen und Gruppenprozesse als Einflussfaktoren auf die Bereitschaftsbarrieren zur Wissensteilung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wissensmanagement, Projektgruppen / Projektteams, Wissensdiffusion, Organisationsentwicklung, Interventionsmaßnahmen
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Diplomarbeit von Mathias Jahn
Einleitung:
Im „Wissenschaftssystem“ ist seit jeher ein kumulativer Effekt und damit Erkenntnisfortschritt nur denkbar, sofern Forscher untereinander auf die Selektionsleistung ihrer Kollegen zurückgreifen können und infolgedessen nicht gezwungen sind, jede Frage selbst zu beantworten. Diese Arbeit betrachtet die Wissens(ver)teilung jedoch vorwiegend in einem ökonomischen Kontext. Ziel des einleitenden Kapitels ist die Themenwahl der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit zu begründen sowie deren konkrete Zielsetzung und methodisches Vorgehen aufzuzeigen.
In der Theorie begründen die Strukturen und Prozesse funktionsübergreifender Arbeitsgruppen ideale Voraussetzungen für Wissensgenerierung und Wissensaustausch. Anstatt individueller Einzelleistungen gewinnen hier die kollektiven Einzelbeiträge zum Gesamtprojekt in Form der Bereitstellung von Informationen und kritischen Wissensbeständen in hohem Maße an Bedeutung. Nur über ein ausgeprägtes individuelles Kooperationsverhalten und die Bereitschaft die eigenen Wissensbestände den anderen Arbeitsgruppenmitgliedern zugänglich zu machen, kann eine effiziente Zusammenarbeit und damit der Projekterfolg gewährleistet werden. Soweit zur Theorie.
Jedoch besteht in der betrieblichen Wirklichkeit eine Kluft zwischen dem wünschenswerten Verhalten und dem realen Handeln. So kommt es bspw. häufig zu Doppelarbeiten und Ineffizienzen bei der Entscheidungsfindung aufgrund des Zurückhaltens von erfolgskritischen Informationsbeständen. Häufen sich derartige Verhaltensweisen und werden sie durch die beteiligten Mitglieder als solche wahrgenommen, ist ein verstärktes Misstrauen untereinander sowie eine verminderte gegenseitige Kooperationsbereitschaft zu erwarten. Eine Abnahme des Commitments zum Projekt und der Arbeitszufriedenheit kann infolgedessen nicht mehr ausgeschlossen werden.
Vor diesem Hintergrund hat sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Studien mit den in der Praxis häufig auftretenden Barrieren der Wissensteilung beschäftigt. Die Ergebnisse verweisen dabei auf Hemmnisse wie dem fehlenden Bewusstsein der Mitarbeiter, der Einstellung „Wissen ist Macht“, dem individuell übermäßigen Zeitaufwand, dem Konkurrenzdenken zwischen Mitarbeitern und Abteilungen sowie dem Mangel an nutzerfreundlicher Informationstechnologie. Diese Vielzahl an Hindernissen lässt also nicht auf einen „automatisierten“ Wissensaustausch innerhalb der Arbeitsgruppen schließen. Vielmehr scheinen sozialpsychologische Faktoren im Hinblick auf die Wissensdiffusion unterschätzt bzw. vernachlässigt zu werden.
Damit ist der einzelne Mitarbeiter in den Mittelpunkt der Betrachtungen zu rücken. Er allein entscheidet, ob und wie viel seiner Informationen und Wissensinhalte in die kollektive Arbeitssituation einfließen. Es gilt damit die Beweggründe einer mangelnden Bereitschaft zur Wissensteilung zu untersuchen, um im Anschluss darauf basierend aktivierende und förderliche Kontexte zu schaffen, die zu einer Erhöhung der individuellen Bereitschaft zur Wissensweitergabe beitragen können. Der neue Aspekt dieser Problematik sollte diesbezüglich das systematische Management der Wissensflüsse im Rahmen einer wissensorientierten Unternehmensführung sein. Diese Aufgabe stellt sich in der Praxis im Rahmen eines viel rezipierten integrativen Wissensmanagements, wobei der Fokus konkret in den simultan zu generierenden Vorteilen für die Organisation, der Gruppe und dem Individuum liegen muss. Dabei könnte sich die Gestaltung dieser wissensteilungsförderlichen Kontexte als ein Hauptaufgabenfeld der Arbeits- und Organisationspsychologie erweisen, indem sie den Abbau von Enteignungsängsten bzw. Monopolisierungsstrategien beim Wissensträger selbst sowie die Gestaltung und Etablierung von teilungsfreundlichen Gruppenstrukturen und Gruppenprozessen unterstützt. Ferner wäre das Mitwirken bei der Konzeption einer für die Wissensteilung förderlichen Unternehmenskultur ein weiteres viel versprechendes Betätigungsfeld.
Zielsetzung und methodisches Vorgehen:
Vor diesem Hintergrund versucht die vorliegende Arbeit einen Beitrag zum Abbau des Missverhältnisses zwischen der zum einen hohen Forschungsintensität im Themenfeld Wissensmanagement und zum anderen den offensichtlichen Umsetzungsdefiziten in der Unternehmenspraxis zu leisten. Zur Aufarbeitung des Problemkomplexes wird eine umfangreiche Analyse der Literatur zum Forschungsfeld des Wissensmanagements und des arbeits- und organisationspsychologisch geprägten Erkenntnisobjekts der Kleingruppenforschung vorgenommen und miteinander verknüpft. Die Arbeit verfolgt dabei konkret das Ziel, über ein theoriegeleitetes deduktives Vorgehen Gestaltungsempfehlungen und Interventionsmaßnahmen zur Aktivierung und Förderung der individuellen Bereitschaft zur Wissensteilung innerhalb kollektiver Arbeitssituationen von Projektgruppen anzubieten. Neben den in der Literatur häufig diskutierten unternehmenskulturellen, anreiz- und führungstheoretischen Aspekten interessieren im Rahmen der Themenwahl speziell Gestaltungsempfehlungen und Interventionen, welche Führungskräfte bezüglich der Strukturen und Prozesse einer Arbeitsgruppe ergreifen können, um die individuelle Bereitschaft zur Wissensteilung zu erhöhen. Letztere sind insbesondere als Erweiterung bzw. Ergänzung derjenigen umfassenden Gestaltungsempfehlungen anzusehen, welche bereits von dem weit rezipierten „Bausteinmodell des Wissensmanagements“ nach Probst et al. (1998) erfasst werden. In Bezug auf die Ableitung des Maßnahmenbündels liegt der maßgebliche Beitrag dieser Arbeit darin, neben den Einflüssen von Verhaltensdeterminanten speziell die Einflüsse von Gruppenstrukturen und Gruppenprozessen auf motivationale Barrieren der Wissensteilung theoriegeleitet herauszuarbeiten, um anhand dieser Ergebnisse positive („Was ist zu tun?“) sowie negative („Was ist zu vermeiden?“) Implikationen für die Praxis zu entwickeln.
Im Folgenden wird die Aufbaustruktur zur Erarbeitung der Zielsetzung vorgestellt. Zunächst erfolgt im Kapitel 2 und 3 die Darstellung einiger definitorischer Grundlagen bezüglich des Wissensbegriffes sowie des Wissensmanagements. Es wird die Notwendigkeit eines systematischen Managements der Ressource Wissen herausgestellt und ferner das Bausteinmodell des Wissensmanagements nach Probst et al. (1998) als Rahmengeber für die im Abschnitt 6 zu entwickelnden Gestaltungsempfehlungen konkretisiert.
Das Kapitel 4 widmet sich ausführlich dem Baustein der „Wissens(ver)teilung“. Hier werden spezifische Fragen geklärt, die es bei der Zielbildung als Grundlage für ein systematisches Management der Wissensflüsse im Unternehmen zu beachten gilt sowie eine Sensibilisierung für die Auswirkungen einer mangelhaften bzw. übertriebenen Wissens(ver)-teilung durchgeführt. Im Anschluss daran erfolgt eine theoretische Fundierung der Wissensflüsse im Unternehmen, wobei die Wissens(ver)teilung als Leistungsverhalten identifiziert wird, welches von verschiedenen Determinanten abhängig ist („Wollen“ sowie oben angeführte Determinanten). Aus diesen Überlegungen wird die Konzentration auf die individuelle Bereitschaft zur Teilung von Wissen vorgenommen („Wollen“). Abschließend werden theoretisch differenziert Bereitschaftsbarrieren der Wissensteilung betrachtet und im Rahmen dieser Arbeit ergänzt. Ebenso werden Einflüsse der restlichen Verhaltensdeterminanten theoriegestützt skizziert. Dies erfolgt vor dem Hintergrund, dass erst die Erkenntnis darüber, warum gewisse Handlungs- bzw. Verhaltensschemata greifen, eine Erfolg versprechende Diskussion von potenziellen Interventionsmaßnahmen ermöglicht.
Im nachfolgenden Kapitel 5 wird der Fokus auf die Gruppe als kollektiven Wissensträger gelenkt. Eine einführende Darstellung der Projektgruppe und Teamarbeit sowie die Konkretisierung des Bezugsrahmens der Arbeit legen dabei die Grundlagen für die daran anschließende theoriegeleitete Analyse der Einflüsse von Strukturen und Prozessen auf die Bereitschaftsbarrieren. Auf Grundlage dieser Ergebnisse werden im Abschnitt 6 die Gestaltungsempfehlungen und Interventionsmaßnahmen entwickelt. Die Schlussbetrachtung des Kapitels 7 fasst die inhaltlichen Ergebnisse zusammen und gibt einen für die Arbeit beschließenden Ausblick auf weitere Forschungsfragen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| Anhangsverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und methodisches Vorgehen | 3 |
| 2. | Wissen | 6 |
| 2.1 | Was ist Wissen? - Abgrenzung zu Daten und Information | 6 |
| 2.2 | Perspektiven des Wissens - Wissensbasis | 9 |
| 2.2.1 | Perspektiven | 9 |
| 2.2.1.1 | Wissen als „Objekt“ | 9 |
| 2.2.1.2 | Wissen als „Prozess“ | 10 |
| 2.2.2 | Die „organisationale Wissensbasis“ | 11 |
| 2.2.2.1 | Wissensarten | 11 |
| 2.2.2.2 | Wissensträger | 13 |
| 2.3 | Die Bedeutung des Wissens als Wettbewerbsfaktor | 17 |
| 3. | Grundlagen des Wissensmanagements | 20 |
| 3.1 | Wissensmanagement - empirische Befunde | 20 |
| 3.2 | Betrachtungen zum Wissensmanagement aus theoretischer Sicht | 21 |
| 3.2.1 | Zum Begriff des Wissensmanagements | 21 |
| 3.2.2 | Überblick über die Ansätze und Konzepte des Wissensmanagements | 23 |
| 3.2.3 | Technik- versus humanorientiertes Wissensmanagement | 24 |
| 3.2.4 | Ganzheitliches Wissensmanagement | 24 |
| 3.2.5 | Bausteinmodell des Wissensmanagements nach Probst et al. | 26 |
| 3.2.5.1 | Wissensziele | 27 |
| 3.2.5.2 | Wissensidentifikation | 28 |
| 3.2.5.3 | Wissenserwerb | 29 |
| 3.2.5.4 | Wissensentwicklung | 29 |
| 3.2.5.5 | Wissens(ver)teilung | 30 |
| 3.2.5.6 | Wissensnutzung | 30 |
| 3.2.5.7 | Wissensbewahrung | 31 |
| 3.2.5.8 | Wissensbewertung | 31 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 33 |
| 4. | Baustein „Wissens(ver)teilung“ - theoretische Fundierung | 34 |
| 4.1 | Verständnis und Aufgaben nach Probst et al. | 34 |
| 4.2 | Grundsatzfragen zur Wissens(ver)teilung | 37 |
| 4.2.1 | Inhalte, Zeitpunkt, Verortung und Umfang der Wissens(ver)teilung | 37 |
| 4.2.2 | Erwünschte Formen der Wissens(ver)teilung | 40 |
| 4.2.3 | Auswirkungen mangelhafter versus übertriebener Wissens(ver)teilung | 43 |
| 4.2.3.1 | Nutzen der Wissens(ver)teilung | 43 |
| 4.2.3.2 | Gefahren und Kosten der Wissens(ver)teilung | 46 |
| 4.2.3.3 | Relativer Nutzen der Wissens(ver)teilung | 48 |
| 4.3 | Der Wissens(ver)teilungsprozess - Teilprozesse der Wissensdiffusion | 50 |
| 4.3.1 | Problematik der Teilbarkeit von Wissen | 50 |
| 4.3.2 | Modell der Wissensdiffusion nach Seidel | 52 |
| 4.3.2.1 | Die Phase der „Teilung“ | 53 |
| 4.3.2.2 | Die Phase des „Transfers“ | 54 |
| 4.3.2.3 | Die Phase der „Veränderung der Wissensbasis“ | 55 |
| 4.3.3 | Determinanten des Verhaltens - Einflussfaktoren im Diffusionsprozess | 56 |
| 4.3.3.1 | „Soziales Dürfen“ | 57 |
| 4.3.3.2 | „Situative Ermöglichung“ | 57 |
| 4.3.3.3 | „Können“ | 59 |
| 4.3.3.4 | „Wollen“ | 60 |
| 4.3.4 | Konzentration auf die Bereitschaft zur Wissensteilung - „Wollen“ | 63 |
| 4.4 | Bereitschaftsbarrieren zur Wissensteilung | 64 |
| 4.4.1 | Empirische Ergebnisse | 65 |
| 4.4.2 | Individuelle Bereitschaftsbarrieren zur Wissensteilung - die Theorie | 67 |
| 4.4.2.1 | Machttheoretische und mikropolitische Überlegungen | 67 |
| 4.4.2.2 | Wettbewerbstheoretische Überlegungen | 71 |
| 4.4.2.3 | Psychologische Überlegungen | 75 |
| 4.4.2.4 | Konflikt- und Kooperationstheoretische Überlegungen | 79 |
| 4.5 | Zusammenfassung | 84 |
| 5. | Gruppen als kollektive Wissensträger | 86 |
| 5.1 | Gruppe, Arbeitsgruppe und Team | 86 |
| 5.2 | Arten von Arbeitsgruppen - Teamarbeit | 88 |
| 5.2.1 | Informelle Arbeitsgruppen - Wissensgemeinschaften | 88 |
| 5.2.2 | Formelle Arbeitsgruppen - Projektteams | 90 |
| 5.2.3 | Teamarbeit - Chancen und Risiken | 92 |
| 5.3 | Bezugsrahmen der Analyse | 94 |
| 5.4 | Gruppenstrukturen und Gruppenprozesse als Einflussfaktoren | 95 |
| 5.4.1 | Gruppenstrukturen | 96 |
| 5.4.1.1 | Größe | 96 |
| 5.4.1.2 | Rollen | 98 |
| 5.4.1.3 | Heterogenität - Diversität | 100 |
| 5.4.1.4 | Fähigkeiten | 104 |
| 5.4.2 | Gruppenprozesse | 106 |
| 5.4.2.1 | Normen | 106 |
| 5.4.2.2 | Gruppenkohäsion | 108 |
| 5.4.3 | Wechselseitige Wirkungsmechanismen und erste Implikationen | 110 |
| 5.5 | Zusammenfassung | 112 |
| 6. | Gestaltungsempfehlungen und Interventionsmaßnahmen | 114 |
| 6.1 | Organisationskultur - Wandel zu einer „Sharing Culture“ | 115 |
| 6.2 | Wissensorientierte und gruppenbasierte Anreizsysteme | 119 |
| 6.3 | Führung und Gruppe | 122 |
| 6.3.1 | Leadership Development - Führungsstil | 123 |
| 6.3.2 | Team Member Selection | 126 |
| 6.3.3 | Team Building | 130 |
| 6.3.4 | Team Training | 132 |
| 7. | Schlussbetrachtung | 135 |
| 7.1 | Zusammenfassung und kritische Würdigung | 135 |
| 7.2 | Ausblick | 140 |
| Anhang A - Barrieren der Wissensteilung - empirische Befunde | 142 | |
| Anhang B - Linkliste zum Thema Wissensmanagement | 143 | |
| Anhang C- Basistechnologien des OMIS | 144 | |
| Literaturverzeichnis | 146 |
Die folgenden Ausführungen orientieren sich im Wesentlichen an der Argumentationsstruktur von Seidel (2002). Die Berücksichtigung wettbewerbstheoretischer Aspekte bei der Bereitschaft zur Wissensteilung lässt Einflüsse in den Blickpunkt der Betrachtungen rücken, welche die Wissens(ver)teilung auf den individuellen Marktwert und die persönlich wahrgenommenen Aufwendungen des Senders haben könnte. Im Abschnitt 2.3 wurde auf die Besonderheiten des Wissens als Produktionsfaktor verwiesen und besonders die Eigenschaft des Wertzuwachses bei der (Ver-)Teilung herausgestellt. Diese eher objektive Sichtweise orientiert sich an den Nutzenüberlegungen einer Wissens(ver)teilung des Abschnitts 4.2.3, welche für jede wissensorientierte Unternehmensführung die Rechtfertigung einer Aktivierung und Förderung von internen und externen Wissensflüssen bietet. Im Gegensatz dazu existiert jedoch auch eine subjektive Beur- [...]
logisch wie organisatorisch) sowie einer Einstellung neuer Wissensträger kommen muss. Vielmehr sind diese Voraussetzungen bei dem überwiegenden Teil der Unternehmen bereits genügend vorhanden und gelangen auch in mehr oder minderem Maße zum Einsatz. Die Einsicht über die Notwendigkeit der Förderung von Wissensflüssen dürfte dahingehend durchaus vorhanden sein. Eher geht es um die effizientere Nutzung der Infrastrukturen und die Motivation der Mitarbeiter, Wissensdiffusionsprozesse vermehrt anzustoßen. Nur so ist es möglich, die oben aufgezeigten strategisch wirkenden Nutzenpotenziale dimensionsübergreifend zu nutzen und das gegenwärtig wahrgenommene Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen in einen Nutzenüberschuss zu verwandeln. Um im weiteren Verlauf dem wissenschaftlichen Anspruch dieser Arbeit gerecht zu werden, wird nun die Wissens(ver)teilung durch den Wissensdiffusionsprozess nach Seidel (2002) theoretisch untermauert. Damit kann dem Kritikpunkt der mangelhaften theoretischen Fundierung des „Bausteinmodells“ entgegengewirkt und darüber hinaus die Basis für die Fokussierung auf die Teilungsbereitschaft gelegt werden. [...]
Mit Blick auf die Kosten bemüht sich Bendt (2000) in ihrer Arbeit um eine sehr umfassende und detaillierte Aufstellung der erwarteten Ressourcenbindung des Wissenstransfers und identifiziert dabei die Abhängigkeit zum Wissen (Abstraktionsgrad, Kontextgebundenheit, Komplexität und Vertraulichkeit), zu den Beteiligten (Anzahl der Beteiligten, Distanz, Transfer- und Absorptionspotenzial) und zu den Beziehungen (Informations-, Vertrauenssowie Machtnetzwerk). Die gebundenen Ressourcen untergliedert sie in personelle, zeitliche, finanzielle und organisatorische Ressourcen, deren Höhe nicht zuletzt von der Wirkungsdauer des Ressourceneinsatzes determiniert wird, da diese sich überwiegend über einzelne Informationstransfers hinaus erstrecken (bspw. Entwicklung einer Vertrauenskultur, Aufbau von informations- und kommunikationstechnologischer Infrastruktur etc.). Zahn et al. (2000) identifizieren nicht zuletzt Parameter wie Unternehmensgröße, Wettbewerbsumfeld oder Unternehmenskultur, die einen maßgeblichen Einfluss auf (Ver-)Teilungskosten von Wissen haben. Auf empirischer Basis lassen sich die Kosten nicht ausschließlich isoliert der Wissens(ver)teilung zurechnen. Dies wäre auch nicht zweckdienlich, wie aus der Darstellung der Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bausteinen ersichtlich ist. Laut einer Erhebung der KPMG Management Consulting Group (2003) schätzen ca. 63 Prozent der befragten Unternehmen ihre jährlichen Kosten auf zwei bis acht Prozent des Jahresumsatzes. 4.2.3.3 Relativer Nutzen der Wissens(ver)teilung [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832473747
Arbeit zitieren:
Jahn, Mathias August 2003: Gruppenstrukturen und Gruppenprozesse als Einflussfaktoren auf die Bereitschaftsbarrieren zur Wissensteilung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wissensmanagement, Projektgruppen / Projektteams, Wissensdiffusion, Organisationsentwicklung, Interventionsmaßnahmen



