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Das Grundrentenmodell aus sozialpolitischer und ökonomischer Sicht

Das Grundrentenmodell aus sozialpolitischer und ökonomischer Sicht
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Westermann
  • Abgabedatum: März 1998
  • Umfang: 108 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1041-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1041-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1041-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Westermann, Thomas März 1998: Das Grundrentenmodell aus sozialpolitischer und ökonomischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kritik und Bewertung, Grundrentenmodell nach Biedenkopf / Miegel /JWG

Diplomarbeit von Thomas Westermann

Zusammenfassung:

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung konstatiert in seinem Jahresgutachten 1996/1997, daß sich die sozialen Sicherungssysteme in ihrer ursprünglich historisch gewachsenen Form nicht weiter fortführen lassen. "Bei der Gesetzlichen Rentenversicherung gibt es begründete Zweifel, daß die heutigen Beitragszahler nach Eintritt in den Ruhestand - das kann noch vierzig oder mehr Jahre in der Zukunft liegen - Leistungen erhalten werden, die denen entsprechen, die sich heute mit ihren Beiträgen finanzieren." Um einen Anstieg des Rentenbeitragssatzes auf 21 % zu verhindern, beschloß der deutsche Bundestag am 11. Dezember 1997 in Bonn, den allgemeinen Umsatzsteuersatz von 15 % auf 16 % zu erhöhen. Eine Erhöhung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) auf 21 % ab 1998 wäre nötig gewesen, um den Fehlbetrag zur Schwankungsreserve der GRV zu decken. Diese Schwankungsreserve dient als Liquiditätsreserve und muß stets eine gesetzlich vorgeschriebene Monatsausgabe der GRV betragen. Im Oktober 1997 wurde ein Defizit bei der Schwankungsreserve von rund DM 12 Mrd. errechnet.

Obwohl durch die Umfinanzierung eine Stabilisierung des Beitragssatzes von 1997 in Höhe von 20,3 % erreicht wurde, ist die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland weiterhin ein aktuelles Thema in der sozialpolitischen und öffentlichen Diskussion. Dabei geht es vor allem darum, ob das gegenwärtige System der GRV grundsätzlich beibehalten werden soll, oder ob ein völlig neu gestaltetes System den Problemen der Alterssicherung besser begegnet. Bereits seit Mitte der 80 er Jahre gibt es wegen des prognostizierten Anstiegs der Rentenbeiträge eine heftige Diskussion über die Reform der GRV. Dabei haben sich drei grundsätzlich unterschiedliche Meinungsgruppierungen hervorgetan, die Breyer als "Negierer", "Systemveränderer" und "Reformer" beschreibt.

In der aktuellen rentenpolitischen Diskussion hätten sich Breyer zufolge die sogenannten "Reformer" gegenüber den anderen Gruppierungen durchgesetzt, da mit der Umsetzung der von der Bundesregierung im Oktober 1997 beschlossenen Rentenreform für 1999, das System der GRV in seiner derzeitigen Ausgestaltung erhalten bleiben soll. Den systemverändernden Maßnahmen, wie z. B. die Einführung einer steuerfinanzierten Grundrente, wurde von den Entscheidungsträgern eine klare Absage erteilt.

Ungeachtet dieser Entscheidung nimmt die Anzahl der Befürworter von weitergehenden Maßnahmen zur Reform der GRV zu. In dieser Arbeit soll daher der Vorschlag einer steuerfinanzierten Grundrente in Form des sogenannten "Bürgerrentenmodells" von Biedenkopf als "systemverändernde" Maßnahme zur Reform der staatlichen Alterssicherung in Deutschland im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Mit der Wahl dieses Modells als Grundlage der vorliegenden Arbeit, werden Absage und Kritik an dieser Form der Alterssicherung aufgenommen und unter sozialpolitischen und ökonomischen Gesichtspunkten analysiert.

In Kapitel 2 werden die Probleme erläutert, die in der Diskussion über eine Reform der gesetzlichen Alterssicherung im Vordergrund stehen. Das sind vor allem die demographische Entwicklung der Bevölkerung und die anhaltende Beschäftigungskrise mit gegenwärtig ca. 4,8 Mio. Erwerbslosen. Dabei wird auch auf das Problem der versicherungsfremden Leistungen kurz eingegangen. Nachdem ebenfalls in kürzerer Form auf die Schwierigkeiten bei der betrieblichen Altersversorgung hingewiesen wird, werden anschließend verschiedene, grundlegende Ansätze zur Überwindung der gegenwärtigen Krise der Alterssicherung veranschaulicht.

Im dritten Kapitel wird das Grundrentenmodell eingehend dargestellt, wobei zunächst eine Einordnung des gewählten Modellansatzes in den Gesamtzusammenhang der Grundrentendiskussion erfolgt. Abgeschlossen wird Kapitel 3 mit einem Blick auf praktizierte Grundrentensysteme im Ausland.

Das vierte Kapitel soll auf der Grundlage des Modells von Biedenkopf sozialpolitische und ökonomische Stärken und Schwächen dieses Grundrentenmodells visualisieren und damit eine Bewertung des Modells erleichtern. Einen kritische Würdigung der Vor- und Nachteile des Modellvorschlags und eine Schlußbetrachtung schließen diese Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis V
1. Einführung 1
2. Systemkrise der Alterssicherung in Deutschland 3
2.1 Situation der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) 3
2.1.1 Demographische Entwicklung und Generationenvertrag 3
2.1.2 Beschäftigungskrise und versicherungsfremde Leistungen 7
2.2 Probleme der betrieblichen Altersversorgung 12
2.3 Ansätze zur Überwindung der Krise 14
2.3.1 Reformen im System der gesetzlichen Rentenversicherung 14
2.3.2 Systemverändernde Vorschläge 18
2.4 Fragestellung der Arbeit 20
3. Das Modell einer Staatsbürgergrundrente 23
3.1 Theoretische und historische Einordnung 23
3.1.1 Formen der Mindestsicherung 23
3.1.2 Grundsicherung und Grundrente in der sozialpolitischen Diskussion 25
3.1.3 Begründung der Modellauswahl 28
3.2 Darstellung des Bürgerrentenmodells von Biedenkopf und Miegel 29
3.2.1 Ansatzpunkte und Grundlagen des Modells 29
3.2.2 Ausgestaltung der Bürgerrente 34
3.2.2.1 Voraussetzungen 34
3.2.2.2 Höhe und Finanzierung der Bürgerrente 36
3.2.2.3 Beispielrechnungen 37
3.2.2.4 Regelung des Übergangs 38
3.2.3 Das Modell im Überblick 40
3.3 Grundrentensysteme im Ausland 42
3.3.1 Allgemeiner Überblick 42
3.3.2 Dänemark 43
3.3.3 Schweden 44
3.3.4 Niederlande 45
3.3.5 Großbritannien 45
3.3.6 Schlußfolgerungen 46
4. Bewertung des Grundrentenmodells 48
4.1 Werturteilsproblematik im Bereich der Alterssicherung 48
4.2 Aktuelle Reaktionen auf das Bürgerrentenmodell 49
4.3 Sozialpolitische Argumentation 51
4.3.1 Vorteile 51
4.3.2 Nachteile 55
4.4 Ökonomische Argumentation 64
4.4.1 Vorteile 64
4.4.2 Nachteile 65
4.5 Kritische Würdigung 68
5. Schlußbetrachtung 72
Anhang 75
Anhang I: Ausgewählte Beispiele des IWG zur Rentenproblematik 75
Anhang II: Beispielrechnungen zum Konzept der Grundsicherung 77
Literaturverzeichnis 78
Ehrenwörtliche Erklärung 93

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ansprüche, welche die Grundsicherung übersteigen, erhalten bleiben und sich mit der Steigerungrate des Volkseinkommens pro Kopf der Bevölkerung weiterentwickeln. Ansprüche unterhalb des Grundsicherungsbetrages sollen dagegen jährlich um 4 % des Grundbetrages steigen, bis dieser erreicht ist. Danach ist die Steigerungsrate des Volkseinkommens pro Kopf der Bevölkerung anzuwenden. In der Gruppe der über 40jährigen gilt ebenfalls eine 4 %ige Steigerung der Ansprüche unterhalb des Grundfreibetrages. Nichtfällige Ansprüche oberhalb des Betrages steigen bis zur Fälligkeit jährlich mit 2 % des Grundsicherungsbetrages weiter.152 Die Belastung der Bevölkerung im Zuge des Übergangs zum Grundrentensystem beziffert das IWG mit etwa DM 8 Mrd. im Jahr, die Aufwendungen liegen damit in den ersten Jahren des Übergangs ca. 2 % höher als bei Fortführung der bestehenden Systeme der Alterssicherung. Nach 10 Jahren prognostiziert das IWG dann einen geringeren Aufwand als in den jetzigen Systemen mit anschließend weiter sinkendem Aufwand. So liegen die Ausgaben der Grundsicherung im Jahr 2040 geschätzte DM 360 Mrd. unterhalb der Ausgaben der jetzigen gesetzlichen Systeme zu diesem Zeitpunkt. „Auf diese Weise können vor allem die heute unter 40jährigen vermehrt eigenes Vermögen für Zwecke der Altersvorsorge bilden.“153 Zu Beginn des Übergangs entspricht die steuerliche Belastung der des Jahres 2035. Die direkten Steuern müßten um ca. 30 %, die indirekten um ca. 45 %154 erhöht werden. Die Arbeitnehmer werden zugleich von der Beitragspflicht zur GRV befreit, alle „übrigen Bürger würden von diesem Zeitpunkt an einen eigenständigen Anspruch auf Grundsicherung aufbauen.“155 [...]

3.2.2.4 Regelung des Übergangs Die Umstellung der gesetzlichen Alterssicherungssysteme auf die Bürgerrente soll zu einem „bestimmten Zeitpunkt“150 erfolgen. Biedenkopf und das IWG schlagen den 01. Januar 2000 vor, geben als Alternative aber auch einen gestreckten Übergang über 10 Jahre an.151 Am 01. Januar 2000 wird der Grundrentenbetrag festgestellt und mit den zusammengefaßten fälligen und nichtfälligen Ansprüchen einer Person gegen gesetzliche Alterssicherungssysteme verglichen. Diese Ansprüche werden dann laut IWG mit dem festgestellten Grundrentenbetrag in ein Verhältnis gesetzt. Das folgende Beispiel soll diesen Zusammenhang verdeutlichen. Festgestellter Grundsicherungsbetrag am 01.01. 2000: DM 1.600 Rentenansprüche einer Person: DM 1.200 = 75 % der Grundsicherung Pensionsansprüche einer Person: DM 2.400 = 150 % der Grundsicherung [...]

volumen auch künftig deutlich geringer als das Gesamtvolumen der bestehenden gesetzlichen Alterssicherungssysteme.“148 Die Sparfähigkeit eines ledigen Einkommensbeziehers mit Durchschnittsverdienst wäre 1995 unter Berücksichtigung der höheren Steuern im Grundrentensystem und gleichzeitig wegfallender Beiträge zur GRV ca. DM 4.000 im Jahr höher gewesen als im bestehenden System. Ein verheirateter Einkommensbezieher könnte laut IWG-Angaben DM 5.000 pro Jahr mehr sparen. Bei einer angenommenen Verzinsung von 3 % entspräche das im Jahr 2035 einem kumulierten Vermögen von ca. DM 400.000 bzw. DM 500.000 (verheiratet) im Geldwert von 1995. Daraus würde sich eine monatliche Zusatzrente von etwa DM 2.000 für einen Ledigen und DM 2.500 für den Verheirateten ergeben.149 [...]

Arbeit zitieren:
Westermann, Thomas März 1998: Das Grundrentenmodell aus sozialpolitischer und ökonomischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kritik und Bewertung, Grundrentenmodell nach Biedenkopf / Miegel /JWG

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