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Die Grundlegung des modernen japanischen Bildungssystems: Joseph C. Trainor und die amerikanischen Bildungsreformen in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Grundlegung des modernen japanischen Bildungssystems: Joseph C. Trainor und die amerikanischen Bildungsreformen in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Steve R. Entrich
  • Abgabedatum: März 2010
  • Umfang: 102 Seiten
  • Dateigröße: 758,6 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • Bibliografie: ca. 93
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1413-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Entrich, Steve R. März 2010: Die Grundlegung des modernen japanischen Bildungssystems: Joseph C. Trainor und die amerikanischen Bildungsreformen in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: US-Occupation, Nachkriegsreform, Bildungsreform, Japan, amerikanische Besatzung

Magisterarbeit von Steve R. Entrich

Die vorliegende Arbeit untersucht die Reformierung des japanischen Bildungssystems durch die amerikanische Besatzungsmacht vom Zeitpunkt der Kapitulation Japans 1945 bis zum Abbruch des Gros der Reformbestrebungen im Jahre 1949. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den initiierten Bildungsreformen und deren Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund des Zieles, Japan zu "demokratisieren". Vor allem die Beteiligung Joseph C. Trainors an den Reformen und dessen Dokumentensammlung zum Thema waren bei der Anfertigung dieses Schriftstücks von größter Wichtigkeit.

Besondere Bedeutung bei der Erstellung der Untersuchung wurde folgenden Fragen zugemessen: Wie stark war der amerikanische Einfluss im besetzten Japan? Können die Beziehungen zwischen Vertretern der Besatzungsmacht und den Verantwortlichen vor Ort auf das einfache Verhältnis eines uneingeschränkt diktierenden Siegers und einem sich zwangsläufig fügenden Unterlegenen beschränkt werden? Gab es Widerstand gegen die Reformen der Besatzer von japanischer Seite und als wie erfolgreich kann dieser eingestuft werden? Kann folglich überhaupt von einer amerikanischen Demokratisierung Japans insbesondere im Bildungsbereich gesprochen werden? Konnten alle geplanten Reformen durchgeführt werden und waren diese Änderungen auch nachhaltig, d. h. auch nach Beendigung der Besatzung ab dem Jahre 1952 weiterhin in Kraft, um den Erhalt der mit der neuen Verfassung festgeschriebenen Demokratisierung des Landes langfristig zu sichern?

Zur Klärung des vorangegangenen Fragenkataloges wurde das Werk wie folgt strukturiert: Leben und Werk des für diese Untersuchung wichtigsten Akteurs Joseph C. Trainor werden beleuchtet, bevor auf die Entwicklung der amerikanischen Nachkriegsplanungen unter besonderer Berücksichtigung der Nachkriegsgestaltungspläne der Japanexperten des U.S. State Departments eingegangen wird. Im Anschluss wird das erste Jahr der Besatzung in den Blick genommen. Hier werden erste Maßnahmen des japanischen Bildungsministeriums unmittelbar nach Beendigung des Krieges und deren Fortsetzung durch die U.S.-Besatzungskräfte, erste amerikanische Direktiven im Bildungssektor und schließlich die Empfehlungen der United States Education Mission to Japan untersucht. Daran anknüpfend befasst sich der Autor mit den langfristig angelegten Reformen im Bildungssektor, ersten Gesetzen zur Festschreibung der neuen Bildungspolitik und der praktischen Umsetzung der initiierten Reformmaßnahmen. Insbesondere die Art und Weise der Zusammenarbeit amerikanischer Reformpädagogen mit den japanischen Stellen wird dabei große Bedeutung zugemessen. In einem abschließenden Ausblick skizziert der Verfasser die weitere Entwicklung des japanischen Bildungssystems, bevor eine fundierte Einschätzung der tatsächlichen Reformtragweite erfolgt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
I. Inhaltliche und methodische Überlegungen
A) Fragestellung 6
B) Forschungsstand 7
C) Quellen und Literatur 8
D) Methodischer Aufbau 9
II. Joseph C. Trainor
A) Leben und Werk 11
B) J. C. Trainors Bildungskonzeption 15
III. Die amerikanischen Vorbereitungen für die Besetzung Japans (1941-1945)
A) Grundvoraussetzungen für eine Besatzung Japans 18
B) Phase I (1942-43): ‘Know your enemy’ - Die Entfremdung des Feindes 20
C) Phase II (1943-45): Planung im großen Stil 27
D) Phase III (1945): Offizielle Festschreibung der Nachkriegspolitik 31
IV. Das erste Jahr der Besatzung (1945/46)
A) ‘The Punitive Phase’ - Das erste ED/CI&E-Team (Dyke/Henderson/Hall)
1) ‘Mac’s Occupation’- Ankunft und Empfang der Besatzungsmacht 37
2) Personelle Entmilitarisierung des Bildungswesens 43
3) Maßnahmen gegen Shintô, militaristische Lehrinhalte und Lehrmittel 46
B) Die Empfehlungen der United States Education Mission to Japan (USEMJ) und deren Einfluss auf die weitere Reformpolitik
1) Initiierung und Ziele der Bildungskommission 50
2) Reform von Schule, Lehrer-, Erwachsenen- und höherer Bildung 54
3) Der Sprachreformvorschlag 58
V. Langfristig angelegte Bildungsreformen der CI&E (Nugent/Orr/Trainor) (1946-1949)
A) Voraussetzungen für weitere Bildungsreformen
1) Die neue Japanische Verfassung 60
2) Kooperation im ‘Joint Steering Committee’ 62
3) Die zweite Entmilitarisierungswelle im Bildungswesen 63
B) Die strukturelle Demokratisierung des Bildungssystems
1) Die gesetzliche Verankerung der Bildung: Das Erziehungsgrundgesetz (‘Kyôiku-Kihon-Hô’) 65
2) Die Dezentralisierung des Bildungswesens 68
C) Umsetzung der Reformen
1) Einrichtung der ‘Boards of Education’ 72
2) Einführung des 6-3-3-4-System 74
3) Einführung neuer Lehrinhalte und -mittel 76
4) Reform der Lehrerbildung 79
5) Hochschulreform: Die ‘New Daigaku’ 82
VI. Ausblick 86
Fazit 89
Glossar japanischer Termini 93
Verzeichnis verwendeter Abkürzungen 95
Literatur- und Quellenverzeichnis 96

Textprobe:

Kapitel IV, Das erste Jahr der Besatzung (1945/46):

A, ‘The Punitive Phase’ - Das erste ED/CI&E-Team (Dyke/Henderson/Hall):

1, ‘Mac’s Occupation’ – Ankunft und Empfang der Besatzungsmacht:

Die unerwartet rasche Kapitulation Japans, insbesondere hervorgerufen durch den Abwurf der Atombomben und den Kriegseintritt der Sowjetunion, gefolgt von einer schnellen und friedvollen Niederlegung der Waffen, konnte vor allem durch das beherzte Eingreifen von Tennô Hirohito auf einer Konferenz am 14. August 1945 mit der am kommenden Tage folgenden berühmten Radioansprache erfolgen. Durch das abrupte Ende des Krieges war die geplante Militärregierung, welche während der Invasion Japans etabliert werden sollte, obsolet geworden, denn ‘from the moment of the Occupation’s start there was no combat.’ Nach Trainors Ansicht ‘there was not even any Military Government in the technical sense, since the Government of Japan was retained and specifically charged with the responsibility for governing its people.’ Die in Monterey, Kalifornien, stationierten Military Government Officers, welche speziellen combat groups für die verschiedenen Präfekturen zugeordnet worden waren, konnten nun direkt für eine Besatzung des Landes eingesetzt werden. Der durchgesetzte alleinige Führungsanspruch der USA mit General Douglas MacArthur als Surpreme Commander machte die Okkupation Japans einfacher, aber auch ein Stück weit persönlicher, denn ‘General MacArthur was perhaps unique in being one of the few westeners whom large numbers of oriental peoples felt they could trust implicitly. Before the Occupation had gone far the Japanese were to be added to this group.’ Die Japaner sahen in der Person MacArthurs all die Tugenden einer starken Führungskraft vereint. Er war für sie ein ‘symbol of perfection, the inspired leader, the knight in shining armor, and they repaid him, foreign conqueror though he was, with unlimited respect and often enough with adulation.’ Mit der Landung der Bataan am 30. August um zwei Uhr nachts in der Atsugi Naval Air Base nahe Yokohamas sollte die Regentschaft des ‘American Shogun’ ihren Anfang nehmen. Eine Epoche die bald als ‘Mac’s Occupation’ in die japanische Geschichte eingehen würde. Versuche der stärkeren Einflussnahme durch die übrigen Mächte wurde durch das Zugeständnis der Schaffung von interalliierten Gremien, so durch die Gründung der Far Eastern Commission (FEC) und des Allied Council for Japan (ACJ) auf Vorschlag der USA auf der Moskauer Außenministerkonferenz vom 27. Dezember 1945, entsprochen, jedoch gleichzeitig von amerikanischer Seite dafür gesorgt, dass diesen Gremien kaum mehr als eine beratende Funktion zukam. Mit MacArthur betraten auch Trainor und die übrigen eigens für die Bildungsreformpolitik ausgebildeten Offiziere die politische Bühne und nahmen ihren Sitz in Tôkyô ein.

Während die ‘greater men of history’ nun am 2. September auf dem Kriegsschiff ‘Missouri’ die formelle Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Japans in der Tôkyô Bay vornahmen, waren die ‘lesser men of Japanese education […] busily active initiating the early moves toward redirecting their programs.’ Die japanische Seite hatte bereits vor dem Eintreffen und der Etablierung der General Headquarters (GHQ) innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes von etwa 25 Tagen und völlig unabhängig von den amerikanischen Verantwortlichen alle ministeriellen Erlässe und Direktiven, die Militarismus und Ultranationalismus im Schulsystem fördern sollten, aufgehoben und eine allgemeingültige Direktive erstellt, welche die Natur der Bildung ‘under the changing circumstances’ skizzierte. Außerdem führte die Direktive ‘a rough survey of the physical plant to obtain a first measure of the problem of war damage, it began to reassemble and reorganize its records and personnel and it initiated a form of textbook censorship designed to eliminate militaristic and ultra-nationalistic materials from the classroom.’ Hinzuweisen ist hierbei auf den Umstand, dass zu jener Zeit das einzige den Japanern bekannte, die kommende Besatzung betreffende Dokument die ‘Potsdamer Erklärung’ war, welche nur allgemeine Aussagen beinhaltete und keine speziellen Anweisungen für das Ergreifen von Maßnahmen im Bildungssektor vorsah. Am 25. August folgte dann der Erlass Nummer 20, der alle im Kriege erlassenen Bildungsgesetze und Bestimmungen bezüglich militärischer Ausbildung jeglicher Art in den Schulen abschaffte, bevor am 28. August ein Erlass des Vize-Bildungsministers mit dem Titel ‘School Education under the New Situation’ (Teil I) durchgesetzt wurde. Darin hieß es, dass ‘even those schools which have no prospect of beginning teaching because of war damage are requested to do their best to begin ordinary teaching as soon as possible.’ In Teil II dieses Erlasses wurde die Lehrerschaft noch einmal dazu angehalten, ihr Möglichstes zu tun, um die Bildung der Schüler bestmöglich zu gewährleisten, wobei ‘it (was) desired that the education be carried on more intensively than ever’, um die ‘peacetime school education’ so schnell wie möglich wiederherzustellen. Da ein funktionierendes Bildungssystem so gut wie nicht existent war, musste das Mögliche getan werden, um zu einem Normalzustand zurückzufinden. Der Arbeitsdienst der Schüler sollte trotz der Aufhebung des ‘Bildungserlasses für Kriegszeiten’ wegen der Nahrungsmittelknappheit zunächst beibehalten und die zuvor für militärisches Training verwandte Zeit dafür gebraucht werden. Die Grund- und Mittelschulen in den verwüsteten Gebieten des Landes, also in den größeren und schwer durch Bombenangriffe in Mitleidenschaft gezogenen Städten, wurden dazu angehalten, soweit wie möglich ihrem Lehrauftrag nachzukommen. Und ‘amazingly, despite the unbelievable handicaps, teachers taught and children learned’.

Arbeit zitieren:
Entrich, Steve R. März 2010: Die Grundlegung des modernen japanischen Bildungssystems: Joseph C. Trainor und die amerikanischen Bildungsreformen in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
US-Occupation, Nachkriegsreform, Bildungsreform, Japan, amerikanische Besatzung

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