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Grundlagen und instrumentelle Ausgestaltung des operativen Marketingcontrollings

Beispiel Automobilindustrie

Grundlagen und instrumentelle Ausgestaltung des operativen Marketingcontrollings
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tom Sieber
  • Abgabedatum: Juli 2004
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 683,3 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8663-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8663-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8663-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sieber, Tom Juli 2004: Grundlagen und instrumentelle Ausgestaltung des operativen Marketingcontrollings, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Marketing-Kennzahlensystem, Marketing-Mix, Produktmanagement, Marketing-Instrumente, Kunden-Controlling

Diplomarbeit von Tom Sieber

Gang der Untersuchung:

Über Jahrzehnte hinweg wurden Marketing und Vertrieb als das Anhängsel einer gut funktionierenden Produktionsmaschine betrachtet, denen lediglich die Aufgabe zukam, die produzierten Güter im Markt abzusetzen. Veränderungen im betrieblichen und marktlichen Umfeld haben diese Sichtweise jedoch umgekehrt: Marketing und Vertrieb gelten nun als die eigentlichen Träger der Zukunftssicherung einer Unternehmung.

Obgleich in der unternehmerischen Praxis in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Effizienzsteigerung durchgeführt wurden, konnte sich das Marketing diesem bislang mit Verweis auf seine Bedeutung und seine Besonderheiten entziehen. Zunehmende Dynamik und Komplexität der Unternehmungsumwelt erfordern aber auch vom Marketing-Management eine effizientere Koordination der Aktivitäten und auch ein Blick auf die im Marketingbereich eingesetzten Mittel weckt das Bedürfnis nach Effizienzorientierung im Marketing. Für eine derartige Steuerungsfunktion wäre das Controlling gut geeignet. Es stellt sich die Frage: Wird das Controlling seiner Aufgabe gerecht?

Controller haben in der Vergangenheit um Marketing eher einen großen Bogen gemacht, als sich in diesem Bereich sehr wohl gefühlt. Zudem liegt ihr Fokus auf internen Prozessen, dort schwerpunktmäßig auf der Produktion. Die Markt- und Kundenseite wird Marketing und Vertrieb überlassen. Parallel dazu wird dem Marketing vorgeworfen, eine erfolgsbezogene Effizienzbetrachtung rücke aufgrund der ausgeprägten Außenorientierung zu sehr in den Hintergrund. Meist auch in der Praxis organisatorisch voneinander getrennt, entsteht folglich der Eindruck, Marketing „als Führung vom Markt her“ und Controlling als „Führung vom Ergebnis her“ seien grds. miteinander unvereinbar und wiesen vollständig unterschiedliche Betrachtungsperspektiven auf.

Die Einrichtung einer spezialisierten Controllingfunktion für das Marketing könnte insofern gute Dienste leisten. Tatsächlich führten Spezialisierungen in der Wissenschaft dazu, spezifische Controllingansätze für ausgewählte Leistungsbereiche zu entwickeln und auszubauen. Das Absatz- bzw. Marketingcontrolling stellt eine solche Spezifizierung dar. Im empirischen Vergleich lässt sich zeigen, dass im Absatzbereich deutlich häufiger als in anderen Unternehmungsbereichen ein funktionsspezifisches Controlling eingerichtet wurde. Als Begründung dafür mag die besondere Bedeutung des Absatzbereiches für den Unternehmungserfolg gelten, der entsprechend des GUTENBERG’schen Ausgleichsgesetzes der Planung in der heutigen Zeit in aller Regel den Engpassfaktor der Unternehmung darstellt, von dem aus die übrigen Pläne abzuleiten sind. SCHUMPETER formuliert ähnlich: Der Charakter der Managementaufgabe richtet sich stets „nach der Natur der die größten Schwierigkeiten bereitenden Teilaufgabe“.

Folgerichtig erfreute sich Marketingcontrolling bereits zu Beginn der 80er Jahre in Wissenschaft und in Teilen der betrieblichen Praxis großer Beachtung; so beschäftigte sich bspw. die 10. Kölner BFuP-Tagung im Jahre 1981 mit dieser Thematik. Nach diesen intensiven Forschungsaktivitäten, die insb. von KÖHLER, dem maßgeblichen Marketingcontrolling-Vertreter im akademischen Bereich in Deutschland, vorangetrieben wurden, erlebt das Marketingcontrolling in Literatur und Wissenschaft in den letzten Jahren einen neuen Höhepunkt. Auch die Praxis nimmt sich des Themas gegenwärtig verstärkt an, wie zahlreiche Seminare und Studien von Unternehmensberatungen belegen.

Trotz dieser neueren Entwicklungen ist die Wichtigkeit eines umfassenden Marketingcontrolling-Konzeptes in der Praxis noch nicht vollständig erkannt worden: „Die Blüte des Marketingcontrolling steht noch aus“, stellt WEBER fest. Eine weitere, intensive wissenschaftliche Behandlung mit dem Marketingcontrolling sowie praxistaugliche Gestaltungs- und Implementierungsvorschläge werden daher dringend benötigt: „Sehr wesentlich erscheint es, dass künftig stärker nach den heterogenen Rahmenbedingungen und inhaltlichen Schwerpunkten des Marketingcontrollings in unterschiedlichen Branchen differenziert wird. Die bisherigen Ausgestaltungen des Marketingcontrollings sind vorrangig an den Absatzgegebenheiten von Standardprodukten orientiert“.

Diese Ausführungen sollen als Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit dienen, welche sich schwerpunktmäßig mit den besonderen Anforderungen des Marketingcontrollings in der Automobilindustrie auseinandersetzt. Um jedoch im zur Verfügung stehenden Rahmen eine fundierte Darstellung zu erreichen, sind zwei Einschränkungen in unterschiedlicher Hinsicht erforderlich: Zunächst erfolgt eine Konzentration auf das operative Marketing, da hier auch der Einsatzschwerpunkt des Marketingcontrollings zu sehen ist. Als Anhaltspunkt für die im operativen Marketing auftretenden Entscheidungstatbestände kann der sog. Marketing-Mix herangezogen werden. Darüber hinaus wird von Problemen der Willensdurchsetzung abstrahiert; operatives Marketingcontrolling dient insofern der Fundierung von eigenen Entscheidungen im operativen Marketing.

Zur Darstellung des operativen Marketingcontrollings in der Automobilindustrie werden zunächst im Anschluss an diese Einführung in Abschnitt 2 und 3 begriffliche und inhaltliche Grundlagen des Marketingcontrollings gelegt, um das Arbeitsgebiet vorzustellen.

Im anschließenden Abschnitt 4 ist auf die besonderen Anforderungen und zentralen Marketing-Entscheidungstatbestände der Automobilwirtschaft einzugehen, um sodann in Abschnitt 5 Möglichkeiten und Instrumente des Marketingcontrollings zur Fundierung der zentralen Entscheidungstatbestände aufzuzeigen. Eine derartige Auflistung muss aufgrund der Vielzahl der in Literatur und Praxis dem Marketingcontrolling zugeordneten Instrumente zwangsläufig unvollständig bleiben - insofern besteht die Herausforderung darin, eine geschickte Auswahl an Instrumenten vorzunehmen, welche im praktischen Einsatz in der Automobilindustrie wertvolle Dienste leisten können.

Inhaltsverzeichnis:

Eidesstattliche Erklärung II
Inhaltsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis VII
1. Problemstellung und Gang der Arbeit 1
2. Begriffsgrundlagen des Marketingcontrollings 4
2.1 Begriffsverständnis von Marketing und Controlling 4
2.1.1 Marketing als Ausdruck marktorientierter Führung 4
2.1.2 Controlling zur Fundierung betrieblicher Entscheidungen 6
2.2 Synthese zum Marketingcontrolling 8
2.2.1 Verwendetes Verständnis des Marketingcontrolling 8
2.2.2 Abgrenzung zu anderen Begriffen 9
3. Inhaltliche und organisatorische Grundlagen des Marketingcontrollings 10
3.1 Inhaltliche Ausgestaltung des Marketingcontrollings 10
3.1.1 Aufgabeninhalte des Marketingcontrolling 10
3.1.2 Abgrenzung von strategischen und operativen Aufgaben 12
3.2 Organisatorische Aspekte des Marketingcontrollings 15
3.2.1 Implementierung eines Marketingcontrollings 15
3.2.2 Möglichkeiten der organisatorischen Verankerung eines institutionalisierten Marketingcontrolling 18
4. Der Markt für Privat-Pkw in Deutschland und Konsequenzen für das Marketing 22
4.1 Der Markt für Privat-Pkw in Deutschland 22
4.1.1 Überblick über den Markt für Privat-Pkws in Deutschland 22
4.1.2 Aktuelle Herausforderungen in diesem Marktsegment 23
4.2 Die automobile Wertkette unter Marketing-Aspekten 27
4.2.1 Überblick über die Wertkette eines Automobilherstellers 27
4.2.2 Veränderungen in der Wertkette unter Marketing-Aspekten 27
4.3 Konsequenzen für das operative Marketing 31
5. Ausgewählte Instrumente des operativen Automobil-Marketingcontrollings 33
5.1 Informationsgrundlagen des Marketingcontrollings 33
5.1.1 Verwendung der Kosten- und Erlösrechnung 33
5.1.1.1 Zum Begriff des Marketing-Accountings 33
5.1.1.2 Planung und Kontrolle der Profitabilität von Bezugsobjekten 36
5.1.2 Weitere Informationsgrundlagen 38
5.2 Ausgewählte Instrumente zur Fundierung von Entscheidungen des traditionellen Marketing-Mix 40
5.2.1 Fundierung produktpolitischer Entscheidungen 40
5.2.1.1 Grundlegende Analyse der Produktstruktur 40
5.2.1.2 Produkterfolgsrechnungen 40
5.2.1.3 Break-Even-Analysen für operative Produktentscheidungen 42
5.2.2 Fundierung preispolitischer Entscheidungen 44
5.2.2.1 Unterstützung kurzfristiger Preisentscheidungen 44
5.2.2.2 Preisband und Preistreppe 47
5.2.3 Fundierung kommunikationspolitischer Entscheidungen 48
5.2.3.1 Budgetierung kommunikationspolitischer Maßnahmen 48
5.2.3.2 Wirkungskontrolle kommunikationspolitischer Maßnahmen 50
5.2.4 Fundierung distributionspolitischer Entscheidungen 51
5.2.4.1 Ein- und mehrdimensionale Vertriebserfolgsrechnungen 51
5.2.4.2 Vertriebs-Kennzahlensystem 53
5.3 Erweiterung um eine kundenorientierte Perspektive 54
5.3.1 Notwendigkeit eines Kundencontrollings 54
5.3.2 Analyse der Kundenstruktur 56
5.3.3 Kundenprofitabilitätsrechnung 58
5.3.4 Messung der Kundenzufriedenheit 60
5.4 Einsatz von Kennzahlensystemen im Marketing 62
5.4.1 Informationsbereitstellung durch Marketing-Kennzahlen 62
5.4.2 Aufbau eines Marketingcontrolling-Kennzahlensystems 63
5.4.3 Würdigung des Einsatzes von Kennzahlensystemen 65
6. Schlussbetrachtung 67
Verzeichnis der verwendeten Literatur 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

vanz: in ein Entscheidungskalkül dürfen demnach nur solche Größen einbezogen werden, die durch die Wahl einer Handlungsalternative beeinflusst werden.198 Folglich entspricht eine Veränderungsrechnung einer Differenz- oder ggf. einer Marginalbetrachtung. Die beiden vorgestellten Dimensionen determinieren auch die weiteren Ausführungen in dieser Arbeit: in 5.1.1.2 wird das Prinzip der Absatzsegmentrechnung dargestellt, ehe in 5.2 spezielle Instrumente zur Fundierung absatzpolitischer Entscheidungen vorgestellt werden, die z.T. auch auf Rechnungsweseninformationen zurückgreifen. 5.1.1.2 Planung und Kontrolle der Profitabilität von Bezugsobjekten Die Planung und Kontrolle der Profitabilität von Bezugsobjekten bezieht sich im Marketing grds. auf sog. Produkt-Markt-Beziehungen und dient insofern der Analyse „gedanklich unterscheidbare(r) Teilbereiche der … Absatztätigkeit …, denen sich Kosten und Erlöse gesondert zurechnen lassen“199. Mit Hilfe dieser sog. Absatzsegmentrechnungen erfolgt auf Grundlage mehrstufigerer Deckungsbeitragsrechnungen der entscheidungsorientierte Ausweis des Periodenerfolgs einzelner Bezugsobjekte, insb. Produkte, Kunden oder Absatzgebiete.200 Dabei ist jedoch stets zu beachten, dass zusätzliche Auswertungen stets Kosten verursachen; eine Beschränkung auf zentrale Absatzsegmente erscheint geboten.201 Derartige Absatzsegmentrechnungen können als vergangenheitsbezogene Erfolgsrechnung zur Analyse der Ist-Situation, als Planungsrechnung zur Analyse der Auswirkungen ggf. durchzuführender Maßnahmen oder als Kontrollrechnung zur Analyse von Abweichungen durchgeführt werden.202 Die Anwendung der Absatzsegmentrechnung ist dabei stets vor dem Hintergrund einer selektiven Absatzpolitik zu sehen: angestrebt ist die Ermittlung erfolgversprechender Absatzsegmente.203 Zur Durchführung der Absatzsegmentrechnung sind entsprechend auswertungsgerecht aufbereitete Informationen aus dem betrieblichen Rechnungswesen erforderlich. 204 Das Marketing-Accounting übernimmt daher die Aufgabe, die Schwächen des Rechnungswesens bei der Beurteilung der Marketing-Entscheidungsobjekte zu überwinden, indem [...]

bloßen Vorhandensein von Informationen und ihrer tatsächlichen Nutzung zu differenzieren: „Hence, sustainable competitive advantage will depend less in who has information and increasingly on who is able to make the best use of that information.“194. Die Analyse- und Entscheidungsobjekte im Marketing, zu deren Bewältigung Kostenrechnungsinformationen verwendet werden könnten, sind vielfältig. Ein „selbständiges, geschlossenes System der Marketingkostenrechnung existiert zwar … nicht“195, für die Abgrenzung der möglichen Anwendungsgebiete kann jedoch einem Strukturierungsansatz von KÖHLER gefolgt werden, den Abb. 17 aufzeigt. Die erste dieser Analyse- und Entscheidungsdimensionen bezieht sich auf sog. Produkt-Markt-Beziehungen. Die Kostenrechnung übernimmt die Aufgabe, Informationen über den Erfolg der jeweiligen Bezugsobjekte zur Verfügung zu stellen. In der zweiten Dimension werden Entscheidungen über absatzpolitische Maßnahmen entsprechend des Marketing-Mix auf Basis von Kostenrechnungsinformationen fundiert. Informationen des Rechnungswesens sind [...]

Accounting stellt folglich die wesentliche Informationsquelle für das Marketingcontrolling dar.187 Für das operative Marketingcontrolling gilt insb. die Kostenrechnung als wichtigste Informationsgrundlage innerhalb der Teilsysteme des betrieblichen Rechnungswesens, obgleich aufgaben- und zielabhängig auch Finanzrechnungen, aufwandsbasierte Erfolgs- sowie Investitionsrechnungen bedeutsam sein können. 188 Die Bereitstellung von Informationen der Kostenrechnung für das Marketing ist indes nicht unproblematisch: so gilt das Rechnungswesen im Gegensatz zum Marketingbereich als nur wenig außen- bzw. marktorientiert.189 Eine historisch zu begründende Konzentration auf betriebsinterne Prozesse muss nahezu zwangsläufig zu einem Defizit an marktorientierten Kostenrechnungsinformationen und somit einer unzureichenden Unterstützung der Entscheidungsträger im Marketing führen.190 Da der traditionelle Aufbau der Kostenrechnung heutigen Erfolgsrechnungsaufgaben nicht gerecht wird, ist die Kostenanalyse und -zuordnung absatzmarktbezogen vorzunehmen - der Informationssaufbereitung durch das Marketingcontrolling kommt insofern eine herausragende Bedeutung zu. Allerdings zeigen sich gewisse Schnittstellenprobleme zwischen Rechnungswesen und Marketing. 191 Es mag daher nicht überraschen, dass Kostenrechnungsinformationen in der Marketingpraxis nur in geringem Maße genutzt werden.192 Obwohl weitgehend Einigkeit herrscht, dass diese einen wertvollen Beitrag leisten könnten: „There is no shortage of literature spelling out of the benefits that would follow from closer cooperation between accounting … and marketing.“193. Dabei ist jedoch grds. zwischen dem [...]

Arbeit zitieren:
Sieber, Tom Juli 2004: Grundlagen und instrumentelle Ausgestaltung des operativen Marketingcontrollings, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Marketing-Kennzahlensystem, Marketing-Mix, Produktmanagement, Marketing-Instrumente, Kunden-Controlling

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