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Gründungsverhalten von Best Agern

Eine explorative Studie zu Unternehmensgründungen ab 45

Gründungsverhalten von Best Agern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Matthias Puls
  • Abgabedatum: September 2008
  • Umfang: 109 Seiten
  • Dateigröße: 4,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Johannes Kepler Universität Linz Österreich
  • Bibliografie: ca. 112
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2566-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Puls, Matthias September 2008: Gründungsverhalten von Best Agern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Best Ager, Generation 45+, Unternehmensgründung, Kompetenzentwicklung, Entrepreneurship

Diplomarbeit von Matthias Puls

Einleitung:

In Zeiten des demographischen Wandels rückt die Personengruppe der Generation 45+ / 50+ mehr und mehr in den Fokus von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Wegen ihrer überdurchschnittlichen Finanz- und Vermögenssituation haben Best Ager bereits heute eine zunehmend starke Bedeutung für die Konsum- und Marktforschung. Auch genießt die Generation 45+ 50+ zunehmende Aufmerksamkeit, weil sie als Wählerpotenzial in den nächsten Jahren und Jahrzehnten allein schon rein quantitativ zunimmt und die entscheidende Wählergruppe überhaupt darstellt. Auch vor dem Hintergrund des aktuellen Facharbeitermangels in der Wirtschaft, setzt diese gemeinsam mit der Politik verstärkt auf diese Zielgruppe: Gezielte Qualifizierungen sollen auf zunehmende, vor allem technologische Herausforderungen im Beruf vorbereiten, um somit die negativen Auswirkungen des Facharbeitermangels abzumildern. Im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel rückt die Best Ager Thematik und damit die Frage nach den besonderen Motiven und Umständen von Best Ager Gründungen in den Mittelpunkt der Entrepreneurship-Forschung.

Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit soziologischen und betriebswirtschaftlichen Aspekten, die im Zusammenhang mit Existenzgründungen – speziell Best Ager Gründungen – stehen. Hierbei wird insbesondere auf den demographische Wandel und Lebensphasenmodelle und deren Auswirkungen auf Best Ager Gründungen eingegangen. Darüber hinaus werden Verhaltensmuster von (potentiellen) Unternehmensgründern und Ansätze der Motivforschung zur Unternehmerpersönlichkeit dargestellt. Auch werden Grundlagen der Finanzierung allgemein und Förderungshilfen für Existenzgründer untersucht – es existieren keine speziellen Förderprogramme für Best Ager Gründer.

Darüber hinaus wurden in einer eigenen wissenschaftlichen Erhebung speziell Best Ager, die ihr Angestelltenverhältnis aufkündigten, um sich selbständig zu machen, auf ihre Gründungsmotive und -absichten untersucht. Ein Schwerpunkt lag hierbei auf der Vorgründungsphase. Das Motiv, bei der Gründung eine Idee umzusetzen, unterscheidet sich bei Best Agern nicht von einem Unternehmensgründer aus einer anderen Altersklasse, jedoch zeigen sich große Unterschiede bei den Umständen im Sinne spezifischer Rahmenbedingungen bei der Gründung: Hochqualifizierte Best Ager gründen vorrangig, weil sie mit der beruflichen Situation unzufrieden sind. Diese Entscheidung wächst und reift über einen längeren Zeitraum – oftmals direkt am eigenen Arbeitsplatz. Auch konnte die wissensintensive Branche Unternehmensberatung als ein Schwerpunkt ausgemacht werden, in welchem Best Ager Gründungen stattfinden. Die Bedeutung und der Einfluss von Investitions- und Betriebsmittelförderprogrammen sowie die vielfach zitierte Hürde Basel II sind vielfach geringer, als beispielsweise von gründenden Universitätsabgängern – die Eigenmittel der Gründer reichen vielfach aus. Hochqualifizierte Best Ager Gründungen basieren auf jahrelang erworbener Wissens- und Fachkompetenz sowie physischer und psychischer Fitness der Gründer.

Aus Sicht der Wissenschaft ist die Thematik Best Ager Gründungen noch in der Anfangsphase und bereits erstellte Dokumentationen oder Arbeiten rar bzw. nicht existent. Diese Forschungsthematik wird jedoch zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Wissenschaft ist aufgerufen, sich verstärkt um die Entwicklung von Lebensmodellen der Best Ager Generation zu kümmern – hierzu gehört insbesondere der Aspekt Best Ager Gründungen. Diese Diplomarbeit stellt schließlich vorstellbare Modelllösungen dar und zeigt Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik.

Inhaltsverzeichnis:

Kurzdarstellung V
1 Einleitung 1
1.1 Ausgangslage 1
1.2 Problemstellung 3
1.3 Zielsetzung 4
1.4 Methodischer Aufbau 6
2 Definitionen 7
2.1 Untersuchungsobjekt 7
2.2 Untersuchungssubjekt 9
2.2.1 Intrapreneure 9
2.2.2 Best Ager 11
2.3 Untersuchungsphase 17
3 Identifikation relevanter wissenschaftlicher Beiträge zum Gründungsverhalten von Best Agern 20
3.1 Der demographische Wandel 20
3.2 Auswirkungen des demographischen Wandels 25
3.2.1 Ressource Arbeitskraft 25
3.2.2 Veränderte Gründungsaktivitäten 29
3.2.3 Lebenszyklusphasen 35
3.2.4 Gesundheit 41
3.3 Kompetenzentwicklung 41
3.3.1 Kompetenz vs. Qualifikation 41
3.3.2 Kompetenz zur Handlung 43
3.3.3 Handlungsfähigkeit von potenziellen Unternehmensgründern 48
3.3.4 Kompetenzentwicklung durch Erfahrungsräume 48
3.4 Betriebswirtschaftliche Einflussfaktoren auf die Gründungsentscheidung 49
3.4.1 Gründerpersönlichkeit 49
3.4.2 Finanzierung der Selbständigkeit 51
3.4.2.1 Finanzplanung 51
3.4.2.2 Basel II 53
3.4.3 Förderprogramme 57
3.4.3.1 Überblick Förderlandschaft 57
3.4.3.2 Beratungsförderung 58
3.4.3.3 Investitions- und Betriebsmittelförderung 60
3.4.4 Netzwerke 65
3.5 Ansätze einer quantitativen Erfassung von Best Ager Gründungen 66
3.5.1 Gesamtentwicklung Deutschland 66
3.5.2 Eigene Erhebung: Fallbeispiel Stadt Oberhausen 68
3.5.3 Gründungsvorteile und –potenziale 69
3.5.4 Gründungsnachteile und –probleme 72
3.5.5 Mögliche Problemlösungen 74
4 Empirischer Teil 75
4.1 Aufbau und Durchführung 75
4.2 Fragebogen 76
4.3 Auswertung 82
5 Beitrag für die Entrepreneurship-Forschung und zukünftiger Forschungsbedarf 94
Abbildungsverzeichnis 97
Tabellenverzeichnis 98
Literaturverzeichnis 99

Textprobe:

Kapitel 3.2.4, Gesundheit:

Die Thematik Gesundheit in Verbindung mit dem in Kapitel 2.2.2 beschriebenen Lebensgefühl der Generation 45+ ist ein Kernaspekt des Best Ager Phänomens. In einer dazugehörigen Marktstudie bewerteten die 40-54-Jährigen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut – bei der Gruppe der 55-69-Jährigen immerhin noch 49 Prozent. Diese Umfrage bestätigt den bereits analysierten Trend, dass sich Menschen auch im fortgeschrittenen Alter durchaus gesünder und agil fühlen – sich damit nicht als alt sehen und von der Gruppe 70+ abgrenzen. Bedingt durch verbesserte Lebensbedingungen und den medizinischen sowie technischen Fortschritt kommt es zu einer Hinauszögerung oder sogar zum Ausbleiben schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Verantwortlich hierfür ist nicht zuletzt eine gesteigerte gesundheitsbewusste Lebensweise, insbesondere im Bereich Ernährung und körperlicher Betätigung. Der Förderung körperlicher Aktivität kommt im Rahmen von Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung besondere Bedeutung zu, da von ihr selbst gesundheitlich stark beeinträchtigte ältere Menschen profitieren. Ein angemessenes Ernährungsverhalten rundet neben lebenslangem Lernen den Aspekt der gesteigerten Gesundheit im Alter ab.

Andere Nationen, wie etwa Finnland, sind auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung in Betrieben schon einen Schritt weiter als Deutschland oder Österreich. So werden bereits für eine große Anzahl von Arbeitnehmern Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung angeboten und durchgeführt. Diese Maßnahmen gelten als Mittel zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit der Best Ager, sogar Steigerungen sind zu beobachten.

Kapitel 3.3, Kompetenzentwicklung:

Kapitel 3.3.1, Kompetenz vs. Qualifikation:

Der hohe Anspruch an Innovationen sowie gesellschaftliche Veränderungen und das Bewältigen von Strukturbrüchen stellen das Bildungsverhalten der Menschen vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Mehr denn je geht es um die Innovationsfähigkeit bzw. um die Fähigkeit zur aktiven Gestaltung von Entwicklungsprozessen und damit um die Ausprägung von Handlungskompetenz in all ihren Aspekten. In diesem Kontext wird oft von Qualifikation und Kompetenz gesprochen, die in der Folge voneinander abgegrenzt werden. Grundsätzlich ist zu sagen, dass von Kompetenzentwicklung gesprochen wird, wenn über die vorrangige wissensvermittelnde Qualifikation hinaus eine Ausprägung komplexer Handlungskompetenz angestrebt wird. Dieses Handeln verläuft selbständig, reflexiv und evaluiert. Die Kompetenzentwicklung stellt somit eine permanente Selbstevaluation des jeweiligen Handelns dar – fast wie ein Spiegel um die eigene Person, welche ununterbrochen neue Lernprozesse in Gang setzt, steuert oder reflektiert. Qualifikation auf der anderen Seite wird beispielsweise gesteuert durch betriebsinterne Seminarveranstaltungen. Hingegen findet die Kompetenzaneignung größtenteils informal außerhalb von organisierten Aus- und Weiterbildungsprozessen statt. Auch die Kompetenzbiographie von Unternehmern zeigt, dass Erfolgsfaktoren für den beruflichen Alltag nicht im Beruf selbst, sondern oftmals außerhalb angeeignet wurden – sie finden im sozialen Umfeld statt. Diese Erfolgsfaktoren basieren auf früheren Kindheitserfahrungen, Selbstvertrauen, Risikobereitschaft, Bewältigung von kritischen Lebensphasen (auch von Verlustsituationen) etc. und sind durch Schulungsangebote nicht entwickelbar, höchstens stimulierbar. Abb. 18 zeigt in diesem Zusammenhang die spezifischen Wesensmerkmale Kompetenz und Qualifikation.

Bedingt durch den demographischen Wandel wird es zukünftig eine große Herausforderung sein, Kompetenzen zu erhalten bzw. diese zu transferieren. Darüber hinaus werden sich Personen durch ein hohes Potenzial an Lernfähigkeit auszeichnen müssen, welche wiederum neues Wissen produzieren. Es wird somit zukünftig nicht nur darum gehen, vorhandenes Wissen weiterzugeben, sondern neues Wissen zu generieren, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können – dies gilt für Erwerbspersonen und Unternehmen gleichermaßen.

Arbeit zitieren:
Puls, Matthias September 2008: Gründungsverhalten von Best Agern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Best Ager, Generation 45+, Unternehmensgründung, Kompetenzentwicklung, Entrepreneurship

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