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Grenzen von Leistungsbeurteilungssystemen und ihre motivatorischen Möglichkeiten

Grenzen von Leistungsbeurteilungssystemen und ihre motivatorischen Möglichkeiten
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Susanne Mielchen
  • Abgabedatum: März 2004
  • Umfang: 166 Seiten
  • Dateigröße: 797,6 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Flensburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8242-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8242-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8242-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Mielchen, Susanne März 2004: Grenzen von Leistungsbeurteilungssystemen und ihre motivatorischen Möglichkeiten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Leistungsbeurteilung, Motivation, PPM, MbO, Mikropolitik

MA-Thesis / Master von Susanne Mielchen

Einleitung:

Die vordergründige Gerechtigkeit des Leistungsprinzips lässt sich auf die Leistungsbeurteilung übertragen. Im betrieblichen Umfeld ist sie ein sensibles Feld, da ihr eine bedeutsame Stellung zukommt. Sie kann für die Erfüllung der meisten personalwirtschaftlichen Aufgaben wie z.B. Personalentwicklung, -einsatz, -entlohnung oder -freisetzung herangezogen werden. Damit ist die Qualität der Leistungsbeurteilung auch eine wesentliche Determinante der Qualität vieler personalwirtschaftlicher Entscheidungen.

Dementsprechend solide müsste das System der Leistungsbeurteilung sein. Die Vorstellung aber, Beurteilungsprozesse und deren Ergebnisse seien in jedem Fall objektiv, transparent und gerecht, kann schon deshalb nicht aufrechterhalten werden, weil die individuelle Arbeitsleistung in einem (arbeitsteiligen) Betrieb nicht unbeeinflusst, zuverlässig und genau erfassbar und bewertbar ist. In Unternehmen hingegen wird oft suggeriert, dass die Methoden zur Leistungsbeurteilung eine zuverlässige Erfassung des Leistungsverhaltens erlauben.

Zu diesem Thema wird in Abschnitt 2 zunächst eine Einordnung und Definition der Leistungsbeurteilung vorgenommen. Anschließend werden vier Themenbereiche vorgestellt, die die prinzipielle Problematik von Leistungsbeurteilungssystemen weiter umreißt. Hierzu gehören Verzerrungen der Bewertung durch unbewusste Beurteilungsfehler und bewusste mikropolitische Taktiken, das Problem der individuellen Zurechenbarkeit von Leistung sowie die Definition des hypothetischen Konstrukts „Leistung“ über unzureichende Kriterien.

Weiter wird aufgezeigt, welche Funktionen die Leistungsbeurteilung einnehmen kann. Dabei werden mögliche offene und verdeckte Ziele des Unternehmens, der Beurteiler und auch der Beurteilten vorgestellt. Hierbei werden folglich personal- und führungspolitische Zwecke genauso untersucht wie mikropolitische, taktische Absichten, die mit der Leistungsbewertung einhergehen und die Beurteilungsergebnisse modifizieren können.

Darauf folgend werden kurz die methodischen Anforderungen angesprochen, die Leistungsbeurteilungssysteme idealerweise erfüllen sollten, um dem Anspruch einer haltbaren Leistungsbeurteilung annähernd gerecht zu werden.

Im Anschluss wird ein Überblick über die verschiedenen Arten der Beurteilungen gegeben. Hierbei soll eine verfahrenspezifische kritische Betrachtung geführt werden, in der die methodischen Aspekte ebenso wie die prinzipiellen Unzulänglichkeiten in den einzelnen Verfahren beleuchtet werden.

Nachdem die Grenzen und Hauptschwierigkeiten von Leistungsbeurteilungen im Allgemeinen und im Speziellen betrachtet wurden, soll mit Hilfe von Abschnitt 3 untersucht werden, inwieweit sie dennoch als motivatorisches Hilfsmittel genutzt werden können. Nach der Besprechung relevanter motivationstheoretischer Grundlagen werden als theoretische Fundierung vier ausgewählte Motivationstheorien dargelegt, die in das Rubikon-Modell von Heckhausen eingebettet werden. Es beinhaltet eine Integration verschiedener Ansätze der Prozesstheorien durch die Einteilung in eine handlungspsychologische Phasenabfolge. Gemäß der Phasenabfolge werden die theoretischen Grundlagen der VIE-Theorie von Vroom, der Zielsetzungstheorie von Locke & Latham, der Selbstregulationstheorie von Bandura und der Gerechtigkeitstheorie von Adams vorgestellt.

So sollen besonders die zuverlässige Verknüpfung der Beurteilung mit ihren Konsequenzen, die Wirkungen des Setzens von Zielen, die Möglichkeiten der Selbstregulation und der Gerechtigkeitsgedanke als Basis für akzeptierte Leistungsbeurteilungen herausgestellt und als mögliche motivatorische Chancen betrachtet werden.

Nach der Vorstellung der Theorien sollen ihre Aussagen im Abschnitt 4 auf die Leistungsbeurteilung übertragen werden. Dabei wird aufgezeigt, welche Elemente bei einer Leistungsbeurteilung hilfreich sein können.

Im Abschnitt 5 werden zum Abschluss drei konkrete Leistungsbeurteilungsverfahren vorgestellt, die verschiedene empfohlene Komponenten aus der motivatorischen Untersuchung beinhalten. Zu den Ansatzlösungen gehören aufgabenorientierte und zielorientierte Verfahren sowie das Partizipative Produktivitätsmanagement, das sich zudem für die Beurteilung von Gruppen heranziehen lässt.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS 1
1. EINLEITUNG 2
2. DIE LEISTUNGSBEURTEILUNG 5
2.1 Begriffseinordnung 6
2.2 Prinzipielle Problematik 7
2.2.1 Problem der individuellen Zurechenbarkeit 8
2.2.2 Kriterienproblem 10
2.2.3 Beurteilungsfehler 15
2.2.4 Mikropolitische Verzerrungen 19
2.3 Ziele der Leistungsbeurteilung 21
2.3.1 Ziele der Unternehmensseite 23
2.3.1.1 Manifeste Zielsetzungen 23
2.3.1.2 Latente Zielsetzungen 26
2.3.2 Ziele der Beurteiler 28
2.3.3 Ziele der Beurteilten 30
2.4 Methodische Anforderungen 33
2.5 Verfahren der Leistungsbeurteilungen 36
2.5.1 Freie Verfahren 38
2.5.2 Rangordnungsverfahren 39
2.5.3 Einstufungsverfahren 42
2.5.3.1 Merkmalsorientierte Einstufungsverfahren 43
2.5.3.2 Verhaltensorientierte Einstufungsverfahren 45
2.5.3.3 Aufgabenorientierte Verfahren 48
2.5.4 Kennzeichnungs- und Auswahlverfahren 50
2.5.5 Zielorientierte Verfahren 52
2.6 Fazit 54
3. MOTIVATIONSWISSENSCHAFTLICHE BETRACHTUNG 57
3.1 Grundlagen der Motivationsforschung 57
3.1.1 Motive, Anreize und Motivation 58
3.1.2 Extrinsische und intrinsische Motivation 60
3.1.3 Prozess- und Inhaltstheorien 63
3.2 Das Rubikon-Modell 65
3.2.1 Die VIE-Theorie 68
3.2.2 Die Zielsetzungstheorie 73
3.2.3 Die Selbstregulationstheorie 81
3.2.4 Die Gerechtigkeitstheorie 83
4. FOLGERUNGEN FÜR LEISTUNGSBEURTEILUNGEN 88
4.1 Folgerungen aus der VIE-Theorie 89
4.2 Folgerungen aus der Zielsetzungstheorie 93
4.3 Folgerungen aus der Selbstregulationstheorie 100
4.4 Folgerungen aus der Gerechtigkeitstheorie 103
4.5 Fazit 107
5. ANWENDUNGSVORSCHLÄGE 110
5.1 Aufgabenorientierte Beurteilungsverfahren 112
5.2 Zielorientierte Beurteilungsverfahren 115
5.3 Partizipatives Produktivitätsmanagement 120
6. SCHLUSSBETRACHTUNG 126
ANHANG 130
Anhang I: Aufgabenorientierte Leistungsbeurteilung 131
Anhang II: Zielorientierte Leistungsbeurteilung 136
Anhang III: Partizipatives Produktivitätsmanagement 144
Anhang IV: English Abstract 149
LITERATURVERZEICHNIS 153
Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Das Begriffssystem der Eignungsprüfung 7
Abbildung 2: Kriteriumsrelevanz, -kontamination und -defizienz 11
Abbildung 3: Ansätze der Personalbeurteilung 12
Abbildung 4: Impression-Management-Techniken 33
Abbildung 5: Beispiel für eine Quotenvorgabe 40
Abbildung 6: Beispiel für eine Grafische Einstufungsskala 43
Abbildung 7: Beispiel für Verhaltensbeobachtungsskalen 46
Abbildung 8: Beispiel für eine verhaltensverankerte Einstufungsskala 47
Abbildung 9: Beispiel für ein Checklistverfahren 51
Abbildung 10: Die vier Handlungsphasen des Rubikon-Modells 65
Abbildung 11: Verknüpfung der Variablen in Vrooms VIE-Theorie 70
Abbildung 12: Entscheidungsmodell nach Heckhausen 72
Abbildung 13: Moderatoren der Zielsetzungswirkung 75
Abbildung 14: Das Job-Characteristics-Modell von Hackman & Oldham 80
Abbildung 15: Mechanismen der Selbstregulation 81
Abbildung 16 Struktur einer zielorientierten Leistungsbeurteilung 116
Abbildung 17: Beispiel für eine Bewertungsfunktion 123

Automatisiert erstellter Textauszug:

in motiviertes Verhalten umsetzt, hängt allerdings wiederum davon ab, ob das in Frage kommende Ereignis durch das eigene Handeln herbeigeführt werden kann. Heckhausen nimmt sich dieser Überlegung an, indem er die Situation stärker berücksichtigt und die Erwartungsseite schärfer fasst.284 Es werden dabei zwei Erwartungstypen unterschieden: Zum einen hat eine Person in der Regel Annahmen darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit die eigene Handlung zum angestrebten Ergebnis führt. Diese Annahmen werden von Heckhausen als Handlungs-Ergebnis-Erwartung (H EErwartung) bezeichnet.285 Aber es gibt auch noch zumindest in bekannten Situationen Annahmen darüber, wie sich die Situation noch entwickeln würde, wenn man nicht handelnd eingreift. Diese bislang nicht beachtete Erwartung nennt Heckhausen Situations-Ergebnis-Erwartung (S EErwartung).286 Eine Person wird nicht handeln, wenn sie davon ausgeht, dass sich das Ergebnis auch ohne eigenes Zutun aus der Situation heraus ergeben wird. Sie verfolgt eine Art Prüfalgorithmus, der in vier Schritten durchlaufen wird:287 [...]

Obwohl inzwischen viele empirische Studien das Modell stützen und weiterentwickeln und es einen dominierenden Platz innerhalb der Organisationspsychologie einnimmt, stößt es doch ebenfalls an Grenzen.280 So kann das zugrunde gelegte Menschenbild des rationalen „Homo Oeconomicus“ mit seinem rein kopflastigen Entscheidungsdenken der Kritik nicht standhalten.281 Mit der Annahme, dass Individuen alle Informationen über Zielsysteme, Instrumentalitäten und subjektive Wahrscheinlichkeiten verfügen und sodann ihren Nutzen kalkulieren, wird die beschränkte Rationalität des menschlichen Entscheidungsverhaltens und somit die Fehleinschätzungen von Individuen außer acht gelassen.282 Trotz der Kritik kann die Erwartungstheorie als das vollständigste und generalisierbarste Modell in der Motivation gelten.283 Eine Weiterentwicklung des Ansatzes wurde von Heckhausen vorgenommen. Er setzt an der oben erläuterten Rechnung an, mit der der Wert eines fraglichen Ereignisses bestimmt werden kann. Ob und wie dieser Wert sich [...]

Dabei ergibt sich die Motivation aus der Multiplikation von der Valenz (V), der Instrumentalität (I) und der Erwartung (E). Je höher das Produkt ausfällt, desto stärker ist die Motivation, bzw. die Handlungstendenz.270 Mit der Valenz wird der Nutzen, Wert, bzw. die Attraktivität einer Handlungsfolge ausgedrückt. In Vrooms Modell erfolgt eine weitergehende Unterteilung in Valenzen erster und zweiter Art. Dabei gibt die Valenz 2 den Grad der Bevorzugung bestimmter Endziele einer Handlung an. Die Valenz 1 ist der Valenz 2 vorgelagert und drückt die Bevorzugung bestimmter Handlungen aus, die als geeignet angesehen werden, die hochbewerteten Endzustände der Valenzen zweiter Art herbeizuführen.271 Heckhausen führt zum besseren Verständnis die Terminologien Handlung, Handlungsergebnisse (= Valenzen erster Art) und Handlungsergebnisfolgen (= Valenzen zweiter Art) ein.272 Diese werden in der Abbildung 11 mit aufgeführt. Die Handlungsergebnisse werden lediglich als Mittel zum Zweck gesehen und enthalten nur indirektes Motivationspotenzial. Die Ergebnisfolgen hingegen sind über ihre Valenz direkt mit der Motivstruktur des Individuums verknüpft.273 Die Instrumentalität zeigt an, welche Eignung das Individuum einem Ergebnis der ersten Stufe (Handlungsergebnis) zuspricht, Ergebnisse zweiter Stufe (Handlungsergebnisfolgen) herbeizuführen.274 Sie ist über die subjektive Wahrscheinlichkeit gekoppelt, inwieweit die beiden Ergebnisstufen instrumentell miteinander verbunden sind. Der Wert kann zwischen +1 und –1 liegen, wobei eine +1 meint, dass ein Handlungsergebnis für eine Handlungsergebnisfolge förderlich sein kann. Damit garantiert der Handlungsausgang eine Zielerreichung. Eine 0 bedeutet dementsprechend, dass die Ergebnisse nicht miteinander verknüpft sind, bei einem negativen Wert konkurrieren die Ergebnisstufen miteinander. Hierbei behindert der Handlungsausgang die Zielerreichung sogar.275 [...]

Arbeit zitieren:
Mielchen, Susanne März 2004: Grenzen von Leistungsbeurteilungssystemen und ihre motivatorischen Möglichkeiten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Leistungsbeurteilung, Motivation, PPM, MbO, Mikropolitik

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