Graffiti in der gesellschaftlichen Kontroverse
Unter Berücksichtigung der 'Demokratie von unten'
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Katrin Kaiser
- Abgabedatum: Juni 2006
- Umfang: 103 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 67
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0114-6
- ISBN (CD) :978-3-8366-0114-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kaiser, Katrin Juni 2006: Graffiti in der gesellschaftlichen Kontroverse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Berlin, Graffito, Jugendkultur, Motivation, Graffiti
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Diplomarbeit von Katrin Kaiser
Einleitung:
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht Graffiti aus gesellschaftspolitischer Sicht. Insbesondere illegale Graffiti sind ein gesellschaftlich umstrittenes Thema und gehören dennoch zu jedem internationalen Stadtbild. Trotzdem ist Graffiti ein Phänomen, das sich allein mit der Gegebenheit Sachbeschädigung oder Nicht-Sachbeschädigung bzw. Kunst oder Nicht-Kunst nicht ausreichend erklären lässt.
Nahezu täglich wird in der Tageszeitung in einem Artikel über das Phänomen berichtet und indiziert auf diese Weise die Brisanz des Themas. Dabei wird durch einzelne Berichterstattungen der Eindruck vermittelt, dass es sich nur um reinen Zerstörungswillen von Vandalen handelt. Doch was verbirgt sich hinter diesen wirren Zeichen, Sprüchen und scheinbaren Kritzeleien? Was bewegt die Verursacher dazu, diese zu setzten?
Graffiti ist für viele Jugendliche Ausdruck einer Jugendkultur. Sie identifizieren sich mit dem mit Graffiti verbundenen Lebensgefühl. Ungeachtet vieler Hindernisse und wissentlich drohender Konsequenzen sowie die geflissentliche Schädigung der eigenen Gesundheit, verfolgen die illegal agierenden Sprüher unbeirrt ihre Aktivitäten. Doch welche Motivation verbirgt sich hinter dem Fortfahren der Ausübungen? Dazu werden in dieser Arbeit u.a. die gesellschaftlichen, psychologischen und soziologischen Hintergründe für die Entstehung von Graffiti betrachtet.
Im Berliner Stadtbild existiert diese Erscheinung nicht erst seit kurzem, sondern entwickelt sich seit längerem. Daher kann hinsichtlich des Phänomens Graffiti auf eine Vielzahl von Reaktionen des Landes Berlin bzw. des Bundes Bezug genommen werden. Dazu bedarf es der Erklärung des Phänomens Graffiti, hinsichtlich der Betrachtung des historischen Hintergrunds und der Differenzierung der unterschiedlichen Graffitiausprägungen, um die verschiedenen Lösungsansätze zu verstehen. Es sind deshalb einige Erläuterungen zu spezifischen Begrifflichkeiten hilfreich.
Die Hauptproblematik von Street-Art, dem Oberbegriff für jegliche Kunst im öffentlichen Raum, besteht in der fehlenden Zustimmung des Berechtigten, dessen Eigentum eigenmächtig verändert wird sowie der akzeptierten Schädigung und die bewusste Ingefahrbegebung seitens der Verursacher. Prekär erscheint allerdings, dass die Illegalität einen integralen Bestandteil der Graffitikultur darstellt und sich daher der öffentlichen Sicherheit und Ordnung widersetzen muss.
Angesicht der Massen-Erscheinung von Graffitizeichen in der Stadt und der sich jährlich wiederholenden Schadenssumme von mehreren Millionen Euro, könnte gemeint werden, es würde seitens der Bevölkerung nichts getan. Doch dem Phänomen stellen sich einige engagierte Bürger zusammen mit der Politik und der Marktwirtschaft aktiv entgegen, die sich die ungenehmigten und ordnungsuntergrabenen Zeichensetzungen als Eingriffe in das Stadtbild nicht bieten lassen wollen.
Im Rahmen des Hintergrundgedankens des aktivierenden Staates, hat sich das Verständnis der Staatsaufgaben zugunsten der vorrangigen Selbstregulierung gesellschaftlicher Kräfte (Einzelner, Gruppen, Verbände) als auch des Marktes vor staatlicher Steuerung oder Aufgabenübernahme gewandelt. Durch das Leitbild des aktivierenden Staates erfolgt ent-sprechend den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen eine gewollte Verantwortungsteilung zwischen den Sektoren Staat, Marktwirtschaft und Zivilgesellschaft.
Das bedeutet, in Form direkter Partizipation bzw. Selbsthilfe gibt es eine aufsteigende Bereitschaft von Bürgern, die die Durchsetzung ihrer Interessen eigenverantwortlich übernehmen. Durch den kontrollierten Rückzug des Staates zu einer neuen Verantwortungsverlagerung, wird Raum für Eigeninitiativen, Selbstorganisationen und Selbstbestimmung engagierter Bürger gewährleistet, die sowohl gegen als auch zu den Graffitiaktivitäten stehen.
Die gegensätzlichen Ansichten bezüglich illegaler Zeichensetzung reichen von Schmiererei bis Kunstwerk. Einerseits existieren Befürworter, die Graffiti als urbane Kunstrichtung verstehen und es insbesondere als Ausdrucksform einer Jugendkultur hervorheben. Es gilt als jugendkulturelle Strömung, die Bestandteil einer gegenwärtigen Jugendbewegung ist. Daher ist die Einbeziehung jugendsoziologischer Aspekte zur Untersuchung des Konflikts angebracht.
Die Gegner argumentieren andererseits, Graffiti sind Schmierereien und Sachbeschädigungen, durch die das Stadtbild verwahrlost. Sie sind ein Zeichen mangelnder Akzeptanz von Rechtsnormen und Wertevermittlung. Diese konträren Meinungen rufen unterschiedliche Reaktionen gesellschaftlicher Kräfte hervor.
Je nach Standpunkt werden verschiedene Präventionsstrategien zur Zielerreichung favorisiert. Wie sich diese ungleichen gesellschaftlichen Gegenreaktionen der engagierten Zivilgesellschaft äußern, soll in Rahmen dieser Arbeit dargestellt werden.
Der Staat übernimmt in der neuen Verantwortungsteilung die Rolle des Aktivierenden, der gesellschaftliche Eigenkraft erweckt, unterstützt und den Rahmen vorgibt. Die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Aufgaben besteht aus Kooperation und Koproduktion. So soll das Engagement des aktivierenden Staates mit dem des Bürgerlichen verbunden werden. Staatliche Maßnahmen sollen bezugnehmend auf dieses Massenphänomen und unter Berücksichtigung der Jugendkultur sowie das Zusammenwirken mit der Zivilgesellschaft und Wirtschaft aufgezeigt werden. Um die wirtschaftliche Verantwortungsübernahme im Zuge der Verantwortungsverschiebung zu untersuchen, ist die ökonomische Infrastruktur zu betrachten, um zu belegen, inwieweit marktwirtschaftliche Kräfte ihre Verantwortung im Rahmen der Teilung wahrnehmen.
Abschließend werden aufgrund der Änderungen der strafrechtlich relevanten Paragrafen die Standpunkte der Fraktionen des Bundestags hinsichtlich der Strafrechtsänderung dargestellt. Es wird gezeigt, inwieweit die Tatsache, dass es sich um eine Ausformung einer Jugendkultur handelt, Rücksicht findet.
Gang der Untersuchung:
Begonnen wird mit der Beschreibung der Graffiti-Szene. Dem schließt sich eine sozial-psychologisch orientierte Darstellung der Gründe für die Graffiti-Aktivität an.
Im Kapitel Nr. 4 wird die gesellschaftliche Kontroverse dargestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem bürgerlichen Engagement. Die staatlichen und wirtschaftlichen Anstrengungen werden in dem Kapitel Nr. 6 und Nr. 7 untersucht. Kapitel Nr. 5 führt die Besonderheit der Aspekte der sich im Hintergrund von Graffiti verbergenden Jugendkultur aus. In dem Kapitel Nr. 7 werden die unterschiedlichen Stellungnahmen und Positionen der Bundestagsfraktionen behandelt.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | GRAFFITI | 11 |
| 2.1 | BEGRIFFSDEFINITION UND ETYMOLOGIE VON GRAFFITI | 11 |
| 2.2 | KOMMUNIKATIONSFORM GRAFFITI | 12 |
| 2.3 | GRAFFITI UND AMERICAN GRAFFITI | 13 |
| 2.3.1 | Entstehungsgeschichte des american Graffitis | 14 |
| 2.3.2 | Graffiti-Entwicklung in Deutschland | 15 |
| 2.3.3 | Graffiti-Entwicklung in Berlin | 16 |
| 2.4 | STRUKTUR DER SPRÜHERSZENE | 17 |
| 2.4.1 | Sprüherstruktur | 17 |
| 2.4.2 | Differenzierung von Sprühertypen | 18 |
| 2.4.2.1 | Typ 1, der „harte Kern“ | 19 |
| 2.4.2.2 | Typ 2, der Gelegenheitssprüher | 19 |
| 2.4.2.3 | Typ 3, die Sympathisanten | 19 |
| 2.4.3 | Sprühergruppen/ Crews | 20 |
| 2.5 | DIFFERENZIERUNG VON LEGALEN UND ILLEGALEN GRAFFITI | 21 |
| 2.5.1 | Legale Graffiti | 21 |
| 2.5.2 | Illegale Graffiti | 21 |
| 2.5.3 | Kontroverse legale Flächen | 24 |
| 2.6 | SUBFORMEN DES AMERICAN GRAFFITIS | 25 |
| 2.6.1 | Sticker- und Plakat-Graffiti | 26 |
| 2.6.2 | Fensterscheiben-Graffiti | 27 |
| 2.6.3 | Säure-Graffiti | 28 |
| 2.6.4 | Schablonen-Graffiti | 29 |
| 2.7 | ZIEL DER GRAFFITI-SPRÜHER | 29 |
| 2.7.1 | Fame durch Quantität | 30 |
| 2.7.2 | Fame durch Qualität | 31 |
| 3. | SOZIALPSYCHOLOGISCHE MOTIVATIONSGRÜNDE FÜR DIE GRAFFITIAKTIVITÄT | 32 |
| 3.1 | EXPERTISE/ KOMPETENZORIENTIERUNG | 33 |
| 3.2 | POSTIVE EMOTIONEN/ FLOW | 33 |
| 3.3 | KREATIVITÄT | 33 |
| 3.4 | GRUPPENGEFÜHL | 35 |
| 3.5 | RUHM/ PERFORMANCEORIENTIERT | 36 |
| 3.6 | LEBENSSINN | 36 |
| 3.7 | ERREGUNGSSUCHE/ GRENZERFAHRUNG | 37 |
| 3.8 | PROTEST | 37 |
| 4. | BÜRGERLICHES ENGAGEMENT | 38 |
| 4.1 | ÖFFENTLICHE POSITION | 38 |
| 4.1.1 | Broken-Windows-Theorie | 39 |
| 4.1.2 | Graffiti-Akzeptanz | 39 |
| 4.2 | BÜRGERINITIATIVEN | 41 |
| 4.2.2 | Das 7-Stufenmodell zur Entstehung einer Bürgerinitiative | 43 |
| 4.2.3 | Aktionsformen der Bürgerinitiativen | 44 |
| 4.3 | NOFITTI E. V., BÜRGERINITIATIVE ZUR RETTUNG DES BERLINER STADTBILDES | 45 |
| 4.3.1 | Erster und zweiter Internationaler Anti-Graffiti-Kongress | 46 |
| 4.3.2 | Null-Toleranz-Strategie | 47 |
| 4.3.3 | Härtere Bestrafung | 47 |
| 4.4 | INITIATIVE GRAFFITI IST KEIN VERBRECHEN | 48 |
| 5. | JUGENDKULTUR | 49 |
| 5.1 | WERTE UND NORMEN | 50 |
| 5.2 | JUGENDSOZIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER SZENE | 50 |
| 5.2.1 | Identitätsphase | 51 |
| 5.2.2 | Aneignungsgeste | 52 |
| 6. | STAATLICHE MAßNAHMEN | 52 |
| 6.1 | REPRESSIVE MAßNAHMEN | 53 |
| 6.1.1 | Gemeinsame Ermittlungsgruppe Graffiti in Berlin | 53 |
| 6.1.2 | Staatsanwaltschaft | 54 |
| 6.1.3 | Das 39. Strafrechtsänderungsgesetz | 55 |
| 6.2 | HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN DER PRÄVENTION | 56 |
| 6.2.1 | Die 3-stufige Präventionstheorie | 56 |
| 6.2.2 | Diversionsverfahren | 57 |
| 6.3 | BERLINER „AKTIONSPLAN GRAFFITI“ | 60 |
| 6.3.1 | Schadenswiedergutmachung | 62 |
| 6.3.2 | Der Opferfonds-Graffiti | 63 |
| 6.4 | BESEITIGUNGSPFLICHT DER EIGENTÜMER | 64 |
| 7. | MARKTWIRTSCHAFTLICHE VERANTWORTUNGSWAHRNEHMUNG | 66 |
| 7.1 | IMMOBILIENBRANCHE | 66 |
| 7.2 | ÖFFENTLICHER PERSONENNAHVERKEHR | 66 |
| 7.2.1 | Deutsche Bahn AG | 68 |
| 7.2.2 | S-Bahn GmbH | 69 |
| 7.3 | PRÄVENTIVES PROJEKT „JUGEND UND GRAFFITI“ | 69 |
| 7.3.1 | Projektbeschreibung | 70 |
| 7.3.2 | Projektergebnisse | 71 |
| 7.3.2.1 | Wissensebene | 71 |
| 7.3.2.2 | Einstellungsebene | 72 |
| 7.3.2.3 | Verhaltensebene | 73 |
| 7.4 | ÖKONOMIE IM HINTERGRUND | 74 |
| 7.4.1 | Farbsprühdosen- Industrie | 75 |
| 7.4.2 | Szeneläden und Internethandel | 76 |
| 7.4.3 | Chemische Reinigungsindustrie | 76 |
| 7.4.4 | Vermarktung | 76 |
| 7.4.5 | Auftragsarbeit/ Agenturen | 77 |
| 8. | STELLUNGNAHME/ POSITIONEN DER BUNDESTAGSFRAKTIONEN | 77 |
| 8.1 | STELLUNGNAHME DER FDP-BUNDESTAGSFRAKTION | 77 |
| 8.2 | POSITION DER CDU/ CSU- BUNDESTAGSFRAKTION | 78 |
| 8.3 | POSITION DER SPD- BUNDESTAGSFRAKTION | 78 |
| 8.4 | POSITION DER BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN- BUNDESTAGSFRAKTION | 79 |
| 8.5 | POSITION DER NEUEN LINKEN- BUNDESTAGSFRAKTION | 80 |
| 9. | FAZIT | 81 |
| 10. | ANHANG | 87 |
| 11. | LITERATURVERZEICHNIS | 91 |
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | GRAFFITI | 11 |
| 2.1 | BEGRIFFSDEFINITION UND ETYMOLOGIE VON GRAFFITI | 11 |
| 2.2 | KOMMUNIKATIONSFORM GRAFFITI | 12 |
| 2.3 | GRAFFITI UND AMERICAN GRAFFITI | 13 |
| 2.3.1 | Entstehungsgeschichte des american Graffitis | 14 |
| 2.3.2 | Graffiti-Entwicklung in Deutschland | 15 |
| 2.3.3 | Graffiti-Entwicklung in Berlin | 16 |
| 2.4 | STRUKTUR DER SPRÜHERSZENE | 17 |
| 2.4.1 | Sprüherstruktur | 17 |
| 2.4.2 | Differenzierung von Sprühertypen | 18 |
| 2.4.2.1 | Typ 1, der „harte Kern“ | 19 |
| 2.4.2.2 | Typ 2, der Gelegenheitssprüher | 19 |
| 2.4.2.3 | Typ 3, die Sympathisanten | 19 |
| 2.4.3 | Sprühergruppen/ Crews | 20 |
| 2.5 | DIFFERENZIERUNG VON LEGALEN UND ILLEGALEN GRAFFITI | 21 |
| 2.5.1 | Legale Graffiti | 21 |
| 2.5.2 | Illegale Graffiti | 21 |
| 2.5.3 | Kontroverse legale Flächen | 24 |
| 2.6 | SUBFORMEN DES AMERICAN GRAFFITIS | 25 |
| 2.6.1 | Sticker- und Plakat-Graffiti | 26 |
| 2.6.2 | Fensterscheiben-Graffiti | 27 |
| 2.6.3 | Säure-Graffiti | 28 |
| 2.6.4 | Schablonen-Graffiti | 29 |
| 2.7 | ZIEL DER GRAFFITI-SPRÜHER | 29 |
| 2.7.1 | Fame durch Quantität | 30 |
| 2.7.2 | Fame durch Qualität | 31 |
| 3. | SOZIALPSYCHOLOGISCHE MOTIVATIONSGRÜNDE FÜR DIE GRAFFITIAKTIVITÄT | 32 |
| 3.1 | EXPERTISE/ KOMPETENZORIENTIERUNG | 33 |
| 3.2 | POSTIVE EMOTIONEN/ FLOW | 33 |
| 3.3 | KREATIVITÄT | 33 |
| 3.4 | GRUPPENGEFÜHL | 35 |
| 3.5 | RUHM/ PERFORMANCEORIENTIERT | 36 |
| 3.6 | LEBENSSINN | 36 |
| 3.7 | ERREGUNGSSUCHE/ GRENZERFAHRUNG | 37 |
| 3.8 | PROTEST | 37 |
| 4. | BÜRGERLICHES ENGAGEMENT | 38 |
| 4.1 | ÖFFENTLICHE POSITION | 38 |
| 4.1.1 | Broken-Windows-Theorie | 39 |
| 4.1.2 | Graffiti-Akzeptanz | 39 |
| 4.2 | BÜRGERINITIATIVEN | 41 |
| 4.2.2 | Das 7-Stufenmodell zur Entstehung einer Bürgerinitiative | 43 |
| 4.2.3 | Aktionsformen der Bürgerinitiativen | 44 |
| 4.3 | NOFITTI E. V., BÜRGERINITIATIVE ZUR RETTUNG DES BERLINER STADTBILDES | 45 |
| 4.3.1 | Erster und zweiter Internationaler Anti-Graffiti-Kongress | 46 |
| 4.3.2 | Null-Toleranz-Strategie | 47 |
| 4.3.3 | Härtere Bestrafung | 47 |
| 4.4 | INITIATIVE GRAFFITI IST KEIN VERBRECHEN | 48 |
| 5. | JUGENDKULTUR | 49 |
| 5.1 | WERTE UND NORMEN | 50 |
| 5.2 | JUGENDSOZIOLOGISCHE BEDEUTUNG DER SZENE | 50 |
| 5.2.1 | Identitätsphase | 51 |
| 5.2.2 | Aneignungsgeste | 52 |
| 6. | STAATLICHE MAßNAHMEN | 52 |
| 6.1 | REPRESSIVE MAßNAHMEN | 53 |
| 6.1.1 | Gemeinsame Ermittlungsgruppe Graffiti in Berlin | 53 |
| 6.1.2 | Staatsanwaltschaft | 54 |
| 6.1.3 | Das 39. Strafrechtsänderungsgesetz | 55 |
| 6.2 | HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN DER PRÄVENTION | 56 |
| 6.2.1 | Die 3-stufige Präventionstheorie | 56 |
| 6.2.2 | Diversionsverfahren | 57 |
| 6.3 | BERLINER „AKTIONSPLAN GRAFFITI“ | 60 |
| 6.3.1 | Schadenswiedergutmachung | 62 |
| 6.3.2 | Der Opferfonds-Graffiti | 63 |
| 6.4 | BESEITIGUNGSPFLICHT DER EIGENTÜMER | 64 |
| 7. | MARKTWIRTSCHAFTLICHE VERANTWORTUNGSWAHRNEHMUNG | 66 |
| 7.1 | IMMOBILIENBRANCHE | 66 |
| 7.2 | ÖFFENTLICHER PERSONENNAHVERKEHR | 66 |
| 7.2.1 | Deutsche Bahn AG | 68 |
| 7.2.2 | S-Bahn GmbH | 69 |
| 7.3 | PRÄVENTIVES PROJEKT „JUGEND UND GRAFFITI“ | 69 |
| 7.3.1 | Projektbeschreibung | 70 |
| 7.3.2 | Projektergebnisse | 71 |
| 7.3.2.1 | Wissensebene | 71 |
| 7.3.2.2 | Einstellungsebene | 72 |
| 7.3.2.3 | Verhaltensebene | 73 |
| 7.4 | ÖKONOMIE IM HINTERGRUND | 74 |
| 7.4.1 | Farbsprühdosen- Industrie | 75 |
| 7.4.2 | Szeneläden und Internethandel | 76 |
| 7.4.3 | Chemische Reinigungsindustrie | 76 |
| 7.4.4 | Vermarktung | 76 |
| 7.4.5 | Auftragsarbeit/ Agenturen | 77 |
| 8. | STELLUNGNAHME/ POSITIONEN DER BUNDESTAGSFRAKTIONEN | 77 |
| 8.1 | STELLUNGNAHME DER FDP-BUNDESTAGSFRAKTION | 77 |
| 8.2 | POSITION DER CDU/ CSU- BUNDESTAGSFRAKTION | 78 |
| 8.3 | POSITION DER SPD- BUNDESTAGSFRAKTION | 78 |
| 8.4 | POSITION DER BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN- BUNDESTAGSFRAKTION | 79 |
| 8.5 | POSITION DER NEUEN LINKEN- BUNDESTAGSFRAKTION | 80 |
| 9. | FAZIT | 81 |
| 10. | ANHANG | 87 |
| 11. | LITERATURVERZEICHNIS | 91 |
Textprobe:
Kapitel 4., Bürgerliches Engagement: Für die lokale Demokratie ist bürgerschaftliches Engagement eine elementare Grundlage. Sie kann nur durch Interesse und Mitverantwortung von Bürgern lebendig werden, das sich z.B. in der Stellung von Strafanzeigen für Sachbeschädigungen durch Farbschmierereien und der konsequenten Verfolgung von zivilrechtlichen Ansprüchen zeigt. Der persönliche Einsatz hat sich entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklung gewandelt. Es hat sich tendenziell von den traditionsreichen Organisationen wie Parteien u.a zu neuen Formen der Selbstorganisation in Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen usw. orientiert. Bürgerliches Engagement wird im Zuge der gewünschten Verantwortungsteilung mitunter durch Bürgerinitiativen realisiert.
Die Meinungen gehen in Bezug auf Graffiti weit auseinander. Einerseits werden Strafverschärfungen im Sinne der Null-Toleranz gefordert und Graffiti als mangelnde Akzeptanz gegenüber der Rechtsnorm verstanden, andererseits wird nur die künstlerische Ausdrucksform der Jugendbewegung hervorgehoben, ohne zwischen jugendkulturellem Bedürfnis und der straf- sowie zivilrechtlichen Beschädigung fremden Eigentums zu differenzieren. Daher besteht die Gefahr der Polarisierung und Verhärtung. Die zivilgesellschaftlichen Reaktionen in Form von Bürgerinitiativen spiegeln sich in dem Verein Nofitti, aber auch in dem Pro-Graffiti- Bündnis Initiative Graffiti ist kein Verbrechen wieder.
Angesichts der enormen Schadenssummen und dem nonkonformistischen Verhalten sind 90 % der Berliner Bevölkerung der Graffiti-Bewegung nicht zugetan und beurteilt Graffiti als provozierende Schmiererei. Nach Schätzungen beträgt der materielle Schaden durch Graffiti in Berlin ca. 50 Mio. Euro und in Deutschland ca. 500 Mio. Euro; Mittel, die für andere Aufgabenerfüllungen benötigt werden. Den Hauptanteil haben die Verkehrsbetriebe und Hauseigentümer zu tragen.
Grundsätzlich ist Graffiti eine Sachbeschädigung und wird strafrechtlich als Eigentumsdelikt verfolgt. Dabei fühlen sich viele Menschen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, wenn Häuser oder der öffentliche Raum verunstaltet und somit offensichtlich Normen übertreten worden sind. Daneben nimmt das Image der Stadt schaden und kann auf potentielle Investoren abschreckend wirken. Schließlich werden die Kosten zur Wiederherstellung durch die Steuerzahler, der Nutzer oder der Eigentümer getragen.
Durch Graffiti-Zeichen wird das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinträchtigt, weil sie als Form der Verwahrlosung aufgefasst werden. Dazu wird von einigen Verfechtern das Erklärungsmodell Broken-Windows herangezogen, das als Metapher zerbrochene Fensterscheiben nutzt. Das Theorem besagt, dass Graffiti als sichtbare Zeichen begangener Verstöße, als Indiz des Verfalls öffentlicher Räume gelten. Diese Angsträume werden von der Gesellschaft als unbeaufsichtigt bzw. unkontrolliert wahrgenommen.
Das Sicherheitsgefühl und damit das Lebensgefühl sinken. Gebiete, die eine generelle „Destabilisierung“ vorzeigen, durch z.B. baufällige Gebäude in Verbindung mit Graffiti, fördern die Angst vor Kriminalität und die Verslummung mit Graffiti beginnt.
Die Akzeptanz von Graffiti ist vom Alter und dem sozialem Status abhängig. Je älter die Menschen, desto eher wird Graffiti abgelehnt. Infolgedessen nennt van Treeck das Zeichen-Setzen als „Volkssport der unter 30-jährigen“. Gemäß der Theorie des amerikanischen Politikwissenschaftlers Ronald F. Inglehart beeinflussen Bedingungen der Jugendzeit die Wertevorstellungen des Menschen. So ist beispielsweise ein Werteunterschied zwischen Generationen, die in einer Mangelwirtschaft aufwuchsen oder der, die in der heutigen übersättigten Konsumgesellschaft keine Entbehrung dieser Art kennen.
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Arbeit zitieren:
Kaiser, Katrin Juni 2006: Graffiti in der gesellschaftlichen Kontroverse, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Berlin, Graffito, Jugendkultur, Motivation, Graffiti



