Goodwill-Bilanzierung und wertorientiertes Controlling
Steuerungskonsequenzen aus IFRS 3 Business Combinations
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Kim Yanik Schmauder
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 99 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9523-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9523-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9523-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schmauder, Kim Yanik Januar 2006: Goodwill-Bilanzierung und wertorientiertes Controlling, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unternehmenskauf, Firmenwert, Konvergenz, Wertorientierte Unternehmensführung, Beteiligungscontrolling
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Diplomarbeit von Kim Yanik Schmauder
Problemstellung:
Die Goodwill-Bilanzierung befindet sich in einem grundlegenden Wandel, der innerhalb der Rechnungslegung seines Gleichen sucht. Inzwischen sind dank der Konvergenzbestrebungen des Financial Accounting Standards Board (FASB) und des International Accounting Standards Board (IASB) die Regelungen der Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen, somit auch die des Goodwill, in den maßgeblichen internationalen Standards größtenteils vereinheitlicht. Wesentlich ist hier die Abschaffung der planmäßigen Abschreibung des Goodwill durch den sog. Impairment Only Approach (IOA), welcher eine fallweise Abschreibung bei Vorliegen einer Wertminderung (sog. Impairment) vorsieht.
Die neuen Regeln sind nicht gleichermaßen positiv aufgenommen worden. So werden insbesondere der zusätzliche Mehraufwand beim Werthaltigkeitstest und die u.U. aus einer außerplanmäßigen Abschreibung resultierenden, erheblichen Ergebnisbelastungen kritisiert. Führt man sich die Bedeutung des Goodwill in den Konzernabschlüssen vor Augen, ist die Sorge um das Ergebnis berechtigt.
Unter den immateriellen Vermögenswerten stellt der Goodwill der Höhe nach sicherlich den Bedeutendsten dar. Im Deutschen Aktienindex (DAX) notierte Unternehmen haben insgesamt einen Goodwill von 123 Milliarden Euro in den Abschlüssen stehen, was 33% des gesamten Eigenkapitals bzw. immerhin 21% ihrer gesamten Marktkapitalisierung (Stand: 07.01.2006) ausmacht. Die mit einer außerplanmäßigen Abschreibung verbundene Gefahr kommt in der Relation zwischen Goodwill und Eigenkapital zum Ausdruck. Beispielsweise ist der Goodwill bei Fresenius Medical Care fast so hoch wie das Eigenkapital (94%), beim Softwareunternehmen Teleplan beträgt er sogar 178% des Eigenkapitals. Konsequenz eines möglichen Impairment würde eine erhebliche Abschmelzung der Eigenkapitalbasis sein.
Ebenso negativ wie die Ergebnisauswirkungen wird seitens der Unternehmen der Zusatznutzen der neuen Regeln beurteilt. Dieser wird als relativ gering angesehen. Auf diese Weise werden aber die Potenziale, die aus den regelmäßig durchzuführenden Werthaltigkeitstests (sog. Impairment Test) erwachsen können, verkannt. Empirische Untersuchungen belegen, dass der Goodwill hohe Relevanz für die Erklärung vom Marktwerten eines Unternehmens besitzt und ein signifikanter Faktor für dessen Erfolg ist. Demnach ist dem Werthaltigkeitstest auch eine Wertorientierung inhärent. Schließlich ist hier nach den Standards des IASB und des FASB ein Rückgriff auf Unternehmensbewertungsverfahren vorgesehen. Eine Integration des Impairment Tests in die wertorientierte Unternehmenssteuerung scheint also geboten. Diese Idee hat bislang nicht nur die Unternehmenspraxis unzureichend durchdrungen. In der Literatur finden sich schwerpunktmäßig Arbeiten, die sich mit dem Bereich der Rechnungslegung und dessen Detailfragen auseinandersetzen. Die Diskussion um einen Nutzen, der vor dem Hintergrund einer Konvergenz zwischen internem und externem Rechnungswesen aus dem IOA resultieren kann, ist noch nicht weit fortgeschritten.
Beruhend auf den Überlegungen von Schultze und Richter/Honold soll aufgezeigt werden, inwiefern die Integration des Impairment Tests nach IFRS 3 in das Steuerungssystem des Unternehmens, den Anforderungen, die an wertorientierte Steuerungskonzepte (Wertmanagementkonzepte) gestellt werden, zuträglich ist.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Teil dieser Arbeit steht die bilanzielle Vorgehensweise im Erwerbszeitpunkt und in den Folgeperioden im Mittelpunkt, wobei die Problematik der latenten Steuerabgrenzung vernachlässigt wird. Ebenso werden die neuesten Entwürfe des IASB (ED-IFRS 3) hinsichtlich der sog. Full Goodwill Method vorgestellt.
Anhand eines Anwendungsbeispiels werden die Details der geänderten Konzernbilanzierung und der damit verbundenen Konsequenzen für die Unternehmenssteuerung erläutert. Obwohl hier vereinfachend eine komplette Übernahme der Anteile des Tochterunternehmens unterstellt ist, wird in den einzelnen Abschnitten auch auf die Behandlung von Minderheitsanteilen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Symbolverzeichnis | VII | |
| Abbildungsverzeichnis | IX | |
| Tabellenverzeichnis | X | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Goodwill-Bilanzierung nach IFRS 3 | 4 |
| 2.1 | Konzeption des IFRS 3 „Business Combinations“ | 4 |
| 2.1.1 | Hintergrund | 4 |
| 2.1.2 | Anwendungsbereich | 5 |
| 2.2 | Bilanzierung und Bewertung im Erwerbszeitpunkt | 6 |
| 2.2.1 | Erwerbsmethode | 6 |
| 2.2.1.1 | Grundlagen | 6 |
| 2.2.1.2 | Identifikation des Erwerbers und Erwerbszeitpunkt | 7 |
| 2.2.1.3 | Bestimmung der Anschaffungskosten | 8 |
| 2.2.1.4 | Allokation der Anschaffungskosten auf die erworbenen Vermögenswerte, Schulden und Eventualschulden | 9 |
| 2.2.2 | Erworbene Vermögensgegenstände, Schulden und Eventualschul- den | 10 |
| 2.2.2.1 | Ansatz und Identifikation der erworbenen Vermögensgegenstände, Schulden und Eventualschulden | 10 |
| 2.2.2.2 | Bewertung der erworbenen Vermögensgegenstände, Schulden und Eventualschulden | 13 |
| 2.2.3 | Goodwill | 15 |
| 2.2.3.1 | Grundlagen | 15 |
| 2.2.3.2 | Goodwill nach IFRS 3 | 16 |
| 2.3 | Bilanzierung und Bewertung in Folgeperioden | 18 |
| 2.3.1 | Grundlagen des Impairment Only Approach | 18 |
| 2.3.2 | Allokation erworbener Vermögenswerte und Schulden sowie des Goodwill auf Cash Generating Units | 19 |
| 2.3.2.1 | Identifikation von Cash Generating Units | 19 |
| 2.3.2.2 | Allokation von erworbenen Vermögenswerten, Schulden und Eventualschulden auf Cash Generating Units | 21 |
| 2.3.2.3 | Allokation des Goodwill auf Cash Generating Units | 22 |
| 2.3.3 | Werthaltigkeitstest auf Ebene von Cash Generating Units mitGood-will | 25 |
| 2.3.3.1 | Ermittlung eines etwaigen Wertminderungsaufwandes | 25 |
| 2.3.3.2 | Zuordnung eines Wertminderungsaufwandes auf Goodwill und Vermögenswerte | 28 |
| 2.3.3.3 | Wertaufholung | 29 |
| 2.4 | Neufassung des IFRS 3 „Business Combinations“ | 30 |
| 2.4.1 | Einführung der Full Goodwill Method durch ED-IFRS 3 | 30 |
| 2.4.2 | Beizulegender Fair Value des erworbenen Unternehmens | 31 |
| 2.4.3 | Zuteilung des Goodwill auf Mehr- und Minderheitsgesellschafter | 32 |
| 2.5 | Zwischenergebnis | 33 |
| 3. | Goodwill-Controlling | 36 |
| 3.1 | Begriffsbestimmung | 36 |
| 3.1.1 | Wertorientierte Unternehmensführung | 36 |
| 3.1.2 | Controlling | 38 |
| 3.2 | Wertmanagementkonzepte | 39 |
| 3.2.1 | Ziel von Wertmanagementkonzepten | 39 |
| 3.2.2 | Anforderungen an Wertmanagementkonzepte | 41 |
| 3.2.2.1 | Anreizkompatibilität | 41 |
| 3.2.2.2 | Entscheidungsverbundenheit | 43 |
| 3.2.2.3 | Kommunikationsfähigkeit | 44 |
| 3.2.2.4 | Wirtschaftlichkeit | 45 |
| 3.2.3 | Ausgewählte Kennzahlen von Wertmanagementkonzepten | 45 |
| 3.2.3.1 | Discounted Cashflows als Maß des Unternehmenswertes | 45 |
| 3.2.3.2 | Gewinnbasierte Konzepte: Economic Value Added™ und Return on Capital Employed | 48 |
| 3.2.3.3 | Cashflow-basierte Konzepte: Cash Value Added und Cashflow Return on Investment | 51 |
| 3.2.3.4 | Bewertung der vorgestellten Konzepte | 54 |
| 3.3 | Implikationen aus IFRS 3 für ein wertorientiertes Controlling | 56 |
| 3.3.1 | Vorbemerkungen | 56 |
| 3.3.2 | Förderung der Zielkongruenz wertorientierter Kennzahlen | 58 |
| 3.3.2.1 | Mangelnde Leistungsfähigkeit von Residualgewinnen i.S.d. wert-orientierten Steuerung | 58 |
| 3.3.2.2 | Ökonomischer Residualgewinn als Maßstab der Wertsteigerung | 61 |
| 3.3.2.3 | Beitrag des Impairment Tests zur Wertbeitragsbemessung | 63 |
| 3.3.3 | Förderung der Entscheidungsverbundenheit wertorientierter Kennzahlen | 67 |
| 3.3.3.1 | Interpretation des Impairment | 67 |
| 3.3.3.2 | Kausal unterschiedliche Komponenten des Impairment | 68 |
| 3.3.3.3 | Verantwortlichkeit für unterschiedliche Komponenten des Impair-ment | 71 |
| 4. | Zusammenfassung und Ergebnis | 74 |
| Literaturverzeichnis | 79 |
über hinaus finden unternehmensindividuelle Risiken in den Größen des externen Rechnungswesens keine Berücksichtigung.203 Eigen- und Fremdkapitalgeber werden bei unterstellter Rationalität eine Verzinsung ihres hingegebenen Kapitals gemäß des eingegangenen Risikos verlangen: Gläubiger bestimmen den Darlehenszins entsprechend dem individuellen Ausfallrisikos und Eigner verlangen eine Mindestrendite, die sich aus einem risikolosen Zinnsatz zzgl. einer Risikoprämie zusammensetzt. Gerade die Renditeforderung der Eigenkapitalgeber vermag das externe Rechnungswesen nicht zu integrieren. So bedeutet ein bilanzieller Gewinn nicht notwendigerweise auch einen Gewinn für die Eigenkapitalgeber, wenn deren Alternativrendite weitaus höher ist. Insbesondere durch die Beratungspraxis entwickelte Wertmanagementkonzepte dienen dazu, die tatsächliche Wertschaffung abzubilden, indem sie die Mängel traditioneller Kennzahlen auf unterschiedliche Weise korrigieren. Dadurch soll die Unternehmensführung am SHV ausgerichtet werden. Als wertorientierte Planungskennzahl ist die DCF-Methode anzusehen.204 Sie wird für Unternehmensbewertungen herangezogen und basiert auf einem finanzmathematischen Barwertkalkül. Die o.g. Mängel sollen hiernach durch Rückgriff auf zahlungsorientierte Größen (FCFs) vermieden werden, da diese als weniger anfällig für Bilanzpolitik und Ermessensspielräume gelten. Durch Diskontierung dieser Größen mit einem risikoadäquaten Zins werden die unternehmensindividuellen Risiken berücksichtigt. Residualgewinne oder wertorientierte Rentabilitäten hingegen dienen als Kontrollinstrumente der ex post Messung einer eventuellen Wertschaffung vergangener Perioden.205 Residualgewinne drücken diese Wertschaffung in absoluten Größen und Rentabilitäten relativ zum investierten Kapital aus. Solche Konzepte können auf modifizierten Kapital- und Ergebnisgrößen des externen Rechnungswesens oder auf Cashflows basieren. Indem eine Ergebnisgröße den Fremd- und Eigenkapitalkosten auf das investierte Kapital gegenübergestellt wird, soll ermittelt werden, ob in der Vorperiode zusätzlicher Wert für die Eigner geschaffen oder [...]
Die Bedeutung des Unternehmenswertes in der Unternehmensführung ist im obigen Abschnitt zum Ausdruck gekommen. Dessen Steigerung bzw. Erhaltung kann neben dem Ziel der nachhaltigen Existenzsicherung innerhalb der unternehmerischen Oberziele eingeordnet werden.183 Zur Erreichung dieser Ziele sind Maßnahmen zu planen, die es in den Organisationseinheiten umzusetzen gilt und die letztlich hinsichtlich ihrer Zielerreichung zu kontrollieren sind.184 Das Controlling ist integrativer Bestandteil dieses Prozesses.185 Zwar sind die Auffassungen vom Controlling in Wissenschaft und Praxis unterschiedlichster Natur,186 doch lässt sich dieses als Servicefunktion gegenüber dem Management beschreiben.187 Beim Führungsprozess der Planung, Realisation und Kontrolle wird das Management durch das Controlling unterstützt.188 Um Strategien zur Erreichung der Unternehmensziele zu formulieren (strategische Planung), werden dem Management die entscheidungsrelevanten Informationen hinsichtlich möglicher Handlungsalternativen, voraussichtlicher Auswirkungen und bestehender Annahmen durch das Controlling zur Verfügung gestellt.189 Mittels der operativen Planung werden diese Strategien auf weitere Hierarchiestufen herunter gebrochen.190 Das Controlling unterstützt hier bei der Festlegung von Zielvorgaben, der Abstimmung von Teilplänen u.ä.191 Kontrollen dienen letztlich dazu, festzustellen, ob sich durch Änderungen im Unternehmensumfeld die Datenkonstellation der ursprünglichen Planung verschoben hat, und ob die Verantwortlichen entsprechend ihrer Vorgaben gehandelt haben.192 Auch hier liefert das Controlling dem Management entsprechende Informationen für Abweichungsanalysen und Gegensteuerungsmaßnahmen.193 Zusammenfassend lässt sich dem Controlling eine Planungs- und Kontrollfunktion sowie eine Informationsversorgungsfunktion zuschreiben.194 [...]
ten.177 Das bedeutet, dass Kapital nur investiert werden soll, solange SHV zumindest erhalten bleibt, ansonsten aber an die Eigenkapitalgeber ausgeschüttet werden soll, da diese dann über bessere Alternativinvestments verfügen. Hierzu ist ein entsprechendes Steuerungskonzept auf allen Ebenen der Unternehmenssteuerung zu implementieren.178 Bestandteil eines solchen Konzeptes sind wertorientierte Kennzahlen (Wertmanagementkonzepte). Nachdem bereits der SHV als oberste Zielsetzung erkannt worden ist, sind zunächst Planungsrechnungen zu entwickeln, die eine ex ante Beurteilung von Investitionen hinsichtlich ihres Beitrags zum SHV erlauben. Gemäß der Forderung nach Wertorientierung sollte hier die DCFMethode Anwendung finden. Unternehmen agieren bekanntlich innerhalb eines komplexen und unsicheren Umfelds, in dem es zu Abweichungen von geplanten Entwicklungen kommen kann. Gleichermaßen kann ein Unternehmen als ein System unterschiedlicher Vertragsbeziehungen angesehen werden.179 Solche Beziehungen bestehen u.a. zwischen den Eignern des Unternehmens und dem Management sowie zwischen der Zentrale und den Geschäftsbereichen, und werden in der Neuen Institutionenökonomie als Prinzipal-Agenten-Theorie diskutiert.180 Kennzeichnend für diese Beziehung ist eine Informationsasymmetrie und u.U. eine divergierende Interessenlage unter den Vertragspartnern: Insbesondere besteht die Gefahr, dass die (Bereichs-)Manager als Beauftragte (Agent) entgegen den Interessen der Eigner bzw. der Zentrale (Prinzipal) handeln und eigene Ziele verfolgen (Moral Hazard).181 Kontrollinstrumente dienen daher ex post dazu, Planabweichungen bspw. bei Geschäftsbereichen oder Investitionen festzustellen sowie das Verhalten der dezentralen Entscheidungsträger hinsichtlich der Wertschaffung zu beurteilen. Wertmanagementkonzepte wie Economic Value Added (EVA™), Cash Value Added (CVA) oder Cashflow Return on Investment (CFRoI) seien hier vorab genannt. Um tatsächlich wertorientiertes Handeln des Managements zu erreichen, sind diesem Leistungsanreize zu bieten,182 indem z.B. die Entlohnung mit den o.g. Kontrollgrößen verknüpft wird. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832495237
Arbeit zitieren:
Schmauder, Kim Yanik Januar 2006: Goodwill-Bilanzierung und wertorientiertes Controlling, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Unternehmenskauf, Firmenwert, Konvergenz, Wertorientierte Unternehmensführung, Beteiligungscontrolling



