Görlitz - Kulturhauptstadt Europas 2010
Beobachtungen einer Kandidatur oder Akzeptanz und Unterstützung in der Görlitzer Bevölkerung als Voraussetzung für eine überzeugende Bewerbung
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Anne Gottschalk
- Abgabedatum: Dezember 2003
- Umfang: 80 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Hochschule Zittau/Görlitz (FH), Standort Görlitz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7795-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7795-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7795-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gottschalk, Anne Dezember 2003: Görlitz - Kulturhauptstadt Europas 2010, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kultur, Europäische Union, EU-Osterweiterung
In den Warenkorb
74,00 €
Bachelorarbeit von Anne Gottschalk
Zusammenfassung:
Die Idee, das Thema „Kulturhauptstadt“ in meiner Bachelorarbeit zu bearbeiten, traf ich während meines Praktikums im Sommersemester 2003 in der Geschäftsstelle „Kulturhauptstadt 2010“ des Europa-Haus Görlitz e.V.. Diese Aufgabe sollte meinem Wunsch nach einem aktuellen, sowie zukunftsorientierten Blick auf die Stadt Görlitz und meinem Interesse an ihrer stadt- und kulturpolitischen Entwicklung entgegenkommen.
Das Thema, die Bewerbung als „Kulturhauptstadt Europas 2010“, sorgt im Moment nicht nur in Görlitz, sondern in der gesamten Bundesrepublik Deutschland für Diskussionen und Konfliktstoff. Die Frage nach dem Nutzen des Titels und Zweifel am nachhaltigen Erfolg des Vorhabens werden von der Bevölkerung ebenso häufig geäußert wie aus den Kreisen der Politik. Daher empfinde ich eine Betrachtung der „Kulturhauptstadt“ aus wirtschaftlicher, politischer und soziologischer Sicht für sinnvoll, um ein umfassendes Bild zu konstruieren. Einen Anstoß dazu soll die vorliegende Bachelorarbeit jedem Interessierten bieten.
Die noch junge Geschichte der „Institution Kulturhauptstadt“ erschwert die Arbeit mit Primärquellen, da bislang keine Form von Sachbüchern zu diesem Thema auf dem deutschen Buchmarkt zur Verfügung steht. Daher war ich gezwungen hauptsächlich mit Sekundärquellen zu arbeiten, die in Form von Zeitungsartikeln, Radio- oder TV Beiträgen, öffentlichen Schreiben und als Informationsseiten im Internet vorliegen. Eine zweite Basis dieser Arbeit sind persönliche Gespräche, Interviews per Email und Telefoninterviews. Diese Aussagen sind autorisiert.
Die Befragung der Görlitzer Bürger „Standpunkte Görlitz“, die während meines Praktikums stattfand, bildet den empirischen - wissenschaftlichen Teil meiner Arbeit, der die Titelthese untermauern soll.
Die vorliegende Bachelorarbeit ist eine Momentaufnahme aus einem aufsteigenden Prozess und versteht sich als eine „informative Begleitung“ zu der Bewerbung der Stadt Görlitz um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2010“.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Die Idee zur „Kulturhauptstadt Europas“ | 10 |
| 1.1 | Ihre Bedeutung und Entwicklung von 1985 bis in die Gegenwart | 10 |
| 1.1.1 | Der Anspruch an eine Kulturhauptstadt | 10 |
| 1.1.2 | Die Entwicklung einer Vision | 10 |
| 1.1.3 | Die Entstehung der heutigen „Kulturhauptstadt Europas“ | 11 |
| 1.1.4 | Der Weg zum Titel | 12 |
| 1.1.5 | Die Vision von Görlitz | 13 |
| 1.1.6 | Die finanziellen Mittel auf dem Weg zur Kulturhauptstadt | 14 |
| 2. | Nachhaltigkeit als langfristiges Ziel | 17 |
| 2.1 | Was hat sich für die ehemaligen Kulturhauptstädten verändert? | 17 |
| 2.1.1 | Der „Glasgow-Effekt“ | 19 |
| 2.1.2 | „Graz- Wer hätte das gedacht!“ | 21 |
| 3. | Die Stadt Görlitz als Bewerber um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2010“ | 23 |
| 3.1 | Was erhebt eine Stadt zu einer potentiellen Kulturhauptstadt? | 23 |
| 3.1.1 | Die Suche nach der Einzigartigkeit des Bewerbers Görlitz | 23 |
| 3.1.2 | Welchen Trumpf kann Görlitz in seinem Bewerbungskonzept ausspielen? | 24 |
| 3.2 | Das Bewerbungskonzept der Stadt Görlitz | 25 |
| 3.2.1 | Der Zeitplan | 25 |
| 3.2.2 | Die Auflagen der Europäischen Union | 27 |
| 3.2.3 | Welche konkreten Ziele verfolgt die Stadt Görlitz mit ihrer Bewerbung? | 28 |
| 3.3 | Akzeptanz und Unterstützung in der Görlitzer Bevölkerung als Voraussetzung für eine überzeugende Bewerbung | 32 |
| 3.4 | Ein Stimmungsbild der Stadt: die Befragung „Standpunkte Görlitz“ | 35 |
| 3.4.1 | Versuchsmaterial und Durchführung | 35 |
| 3.4.2 | Struktur der Stichprobe | 37 |
| 3.4.3 | Die Ergebnisse | 39 |
| 3.4.4 | Eine Zusammenfassung | 42 |
| 3.5 | „Lokale Identität“ - Anmerkungen zu einem strapazierten Begriff | 43 |
| 4. | Ein Vergleich der Bewerbungssituation in den Städten Görlitz, Kassel und Graz | 45 |
| 4.1 | Vergleich des Ist-Zustandes der deutschen Bewerber Görlitz und Kassel und der österreichischen Stadt Graz als diesjährige Kulturhauptstadt im Rückblick | 46 |
| 4.1.1 | Initiative und Koordination der Bewerbung | 46 |
| 4.1.2 | Der einzigartige Bewerber | 48 |
| 4.1.3 | Schwerpunkte in den einzelnen Bewerbungskonzepten | 49 |
| 4.1.4 | Reaktionen in der Bevölkerung hinsichtlich der Bewerbung | 49 |
| 4.1.5 | Die folgenden öffentlichen Veranstaltungen und ihre Wirkungen | 51 |
| 4.1.6 | Die finanziellen Mittel auf dem Weg zur Kulturhauptstadt | 52 |
| 4.1.7 | Die Medien zur aktiven Unterstützung und Verbreitung der Bewerbungsabsichten | 53 |
| 4.1.8 | Die Ziele der Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2010“ | 53 |
| 5. | Mögliche Handlungsorientierungen für die Görlitzer Bewerbung | 54 |
| 5.1 | Lösungsansätze für eine Belebung der Innenstadt | 54 |
| 5.2 | Ideen für Görlitz als eine „Stadt der Zukunft“ | 56 |
| 5.3 | Marktlücken in der Region für potentielle Investoren | 57 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 61 |
| 7. | Verzeichnis der gedruckten Quellen: | 63 |
| 8. | Anhänge | 70 |
| 9. | Eidesstattliche Erklärung | 75 |
Athen, Florenz, Amsterdam, Berlin, Paris etc. (Kulturhauptstadt Europas zu werden)“64. Lediglich der damalige Bürgermeister Alfred Stingl unterstützte Helmut Strobl während der 10jährigen Bewerbungsphase fortwährend. Eine Reaktion aus der städtischen Bevölkerung war praktisch nicht zu verzeichnen; gleichzeitig seien aber keinerlei negative Stimmen erhoben worden. „Wirklich überzeugt von der Sinnhaltigkeit (des Vorhabens) war Mann/Frau aber erst, als es losging!“65 Dieses Phänomen bestätigt die Bilanz der Stadt Weimar als „Kulturstadt Europas 1999“ ebenfalls. Im Rahmen des damaligen Forschungsprojektes „Arena in der Arena“ der Bauhaus-Universität Weimar wurde die Akzeptanz in der Weimarer Bevölkerung bezüglich des Vorhabens Kulturhauptstadt und des eigentlichen Programms untersucht. „Dabei hat sich gezeigt, dass die Skepsis gegenüber dem Programm und die Sorge vor einer Überforderung der Stadt in den Jahren 1996 bis 1998 einer zunehmend positiven Einstellung gewichen sind.“66 • Im Jahr 1998 erwarteten nur 78% der Weimarer Bevölkerung, dass „Weimar 1999“ Vorteile für die Stadt bringt; jedoch glaubten schon 92% der Befragten in der Region daran; • • • Im Kulturhauptstadt-Jahr 1999 waren letztlich 94% der Befragten von dem Erfolg von „Weimar 1999“ überzeugt; Der Anteil derjenigen, die der Meinung waren, die Bewohner Weimars hätten wenig von dem Vorhaben, sank in den Jahren 1998 und 1999 von 51% auf 26%; ebenso waren im Jahr 1998 noch 53% der Befragten der Meinung, die finanziellen Mittel wären an anderen Stellen sinnvoller einzusetzen, während im Jahr 1999 nur noch 33% der Befragten diesen Standpunkt vertraten.67 Die Entwicklung der Bevölkerung der Stadt Weimar zeigt damit deutliche Parallelen zu ehemaligen Kulturhauptstädten und zur diesjährigen, Graz, die alle mit dem Problem der mangelnden Akzeptanz und damit Unterstützung zu kämpfen hatten. Zudem hat die Stadt Görlitz ähnliche Voraussetzungen in der Bevölkerungs- und Arbeitsmarktstruktur. Weimar blickte im Jahr 1999 auf eine Einwohnerzahl von 60.982 und einer Arbeitslosenquote von [...]
Akzeptanz und Unterstützung der Bewerbung innerhalb der Bevölkerung sind also wesentliche Grundlagen, um die Vision „Görlitz Kulturhauptstadt 2010“ bereits vor ihrer Ernennung zu realisieren. Doch was bedeutet Akzeptanz in diesem Zusammenhang und woran lassen sich die Akzeptanz der Bevölkerung und ihre Unterstützung des Vorhabens Kulturhauptstadt demnach messen? Grundsätzlich lässt sich davon ausgehen, dass bereits engagierte Görlitzer sich zunehmend aus persönlichem oder wirtschaftlichem Interesse mit dem Projekt Kulturhauptstadt auseinandersetzen. Fördervereine, wie der „Görlitzer Theater- und Musikverein“ und ehrenamtlichen Tätigkeiten von Görlitzer Bürgern zeugen von dem Bemühen und dem Interesse sich für diese Stadt einzusetzen und sie in ihrer weiteren Entwicklung zu unterstützen. Im Jahr 2003 sind offiziell 77 Vereine, mit eindeutig kulturellen oder künstlerischen Bezug in der Stadt Görlitz verzeichnet59. Als positive versteckte Indikatoren für ein Interesse an der städtischen Entwicklung, können eine ehrenamtliche Tätigkeit und ebenso die Teilnahme und große Ansprache auf die Umfrage60 der Geschäftsstelle „Kulturhauptstadt 2010“ gewertet werden. Als ein negativer versteckter Indikator kann beispielsweise der Wegzug von 1100 Menschen aus Görlitz in dem Zeitraum vom 1. Januar 2003 bis 31. Juli 2003 bewertet werden. Wobei hier die Gründe für ein Verlassen der Stadt meist im Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit und Mangel an Ausbildungsplätzen einhergehen61. Auch in der hessischen Stadt Kassel, die sich ebenfalls um den Titel bewirbt, hadern die Organisatoren mit negativen Stimmen62. Reinhardt Richter, Geschäftsführer der Agentur Richter Beratung, die mit der Gesamtkonzeption der Bewerbung von Kassel betraut wurde: „Es gibt bei vielen Menschen in Kassel ein gebrochenes Selbstverständnis zu ihrer Stadt.“ Der Prozess der Bewerbung soll das Selbstbewusstsein stärken und vor allem in Zeiten negativer Nachrichten als „stadtgesellschaftlicher Aufbruch“ dienen63. Helmut Strobl, Mitglied des Stadtrates von Graz in den Jahren 1985 bis 2001, stellte 1988 den ersten Antrag an die österreichische Bundesregierung, sie solle die Stadt Graz bereits im Hinblick auf Österreichs EU-Beitritt als Kulturhauptstadt Europas vorschlagen. Nachdem die Grazer Stadtregierung den Antrag einstimmig angenommen hatte, wurde die Nachricht an die Presse weitergegeben. Von den Journalisten wurde die Idee „(...) durchaus freundlich - als nette Illusion des Helmut Strobl belächelt: Graz habe doch keine Chance nach [...]
Unter Berücksichtigung der speziellen Probleme und auch Potentiale der kulturellen Identität der Görlitzer Bevölkerung ist es die Aufgabe der Geschäftsstelle „Kulturhauptstadt 2010“ mit Hilfe von marketingtechnischen Maßnahmen eine optimale mentale Bereitschaft als Voraussetzung zu erreichen, damit sich der Görlitzer Bürger mit der Bewerbung Görlitz als Kulturhauptstadt zuerst einmal identifizieren kann und diese im Folgenden durch seine aktive oder passive Beteiligung unterstützt. Ziel ist die Görlitzer Bürger mit dem übergreifenden langfristigen Projekt „GörlitzKulturhauptstadt Europas 2010“ vertraut zu machen, ihnen eine in der Stadt und über die Stadt hinaus wirkende Öffentlichkeit zu geben und so einen Identifikationseffekt zu erzeugen. Die Bevölkerung der Stadt Görlitz muss realisieren, dass es bei dem Bewerbungsprozess nicht im Besonderen um das Endziel, den Titel Europas Kulturhauptstadt geht. Den Weg dorthin soll die breite Öffentlichkeit der Görlitzer als eine Chance zur Veränderung und Entwicklung begreifen, in den inneren und äußeren Strukturen der Stadt und in jedem Einzelnen. Die lokale Bevölkerung muss hundertprozentig hinter dieser Entscheidung stehen, ohne diesen wichtigen Aspekt kann die Bewerbung nicht überzeugen. Ein weiteres Ziel ist es daher nicht die bereits Engagierten von Görlitz voranzutreiben, die im Vergleich immer noch eine Minderheit bilden, sondern die breite Masse von Görlitz, die Durchschnittsbevölkerung zu mobilisieren. [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832477950
Arbeit zitieren:
Gottschalk, Anne Dezember 2003: Görlitz - Kulturhauptstadt Europas 2010, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kultur, Europäische Union, EU-Osterweiterung



