Globalisierung und Globalisierungskritik
Entstehung und Auswirkung globaler Entwicklungen in Politik, Kultur und Wirtschaft und deren kritische Reflexion durch die Zivilgesellschaft
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Jörg Fuchs
- Abgabedatum: April 2003
- Umfang: 85 Seiten
- Dateigröße: 743,8 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7081-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7081-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7081-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Fuchs, Jörg April 2003: Globalisierung und Globalisierungskritik, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: ATTAC, Weltwirtschaft, Globalisierungsgegner, Kulturaustausch, Konflikte
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Magisterarbeit von Jörg Fuchs
Zusammenfassung:
Obwohl der Begriff Globalisierung noch jung ist, finden sich auf die Fragen nach seiner Herkunft, Bedeutung und Wirkung bereits zahlreiche Beantwortungsversuche. Dies wird deutlich durch die Zahl der Veröffentlichungen zu diesem Thema in allen Publikationsformen. Es gibt kaum eine Institution aus Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft, die nicht versucht, ihr Handeln oder ihr Ziel unter dem Aspekt von Globalisierung darzustellen. Etablierte Firmen und Wirtschaftsunternehmen, Parteien, Gewerkschaften, Verbände und Vereine aller Art, aber auch Bildungseinrichtungen und weniger stark organisierte Gruppen versuchen den Begriff der Globalisierung für sich zu instrumentalisieren oder mittels seiner für ihre Handlungen zu werben. Begriffe wie global Partnership und Think local, act global sind nicht nur in der Firmenwerbung gang und gäbe, sie finden sich auch im alltäglichen Jargon vieler der oben angeführten Institutionen.
Aber nicht nur für die Privatwirtschaft ist Globalisierung ein bestimmender Faktor. Auch der Einfluss, den Nationalstaaten als Akteure auf der „globalisierten“ Bühne haben, verändert sich mit dem Fortschreiten von Globalisierungsprozessen. Als ein Beispiel dient hier der Kontrollverlust von Staaten über die eigene Währung, die im schlimmsten Fall zum Spielball finanzieller Interessen einzelner Finanzakteure werden kann. Die vorliegende Arbeit will die Fragen nach Herkunft, Wirkung und Bedeutung des Globalisierungsbegriffs im Hinblick auf globalisierungskritische Ideen, Positionen und Gruppierungen erörtern.
Dazu beobachte ich im ersten Teil der Arbeit die Herkunft und Entwicklung des Begriffes „Globalisierung“ und seine Nutzung innerhalb der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion. Anschließend zeige ich auf, wie sich Globalisierung in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur darstellt und welche grundlegenden globalisierungskritischen Positionen dadurch entstehen.
Im zweiten Teil der Arbeit stelle ich dar, ab welchem Zeitpunkt globalisierungskritische Positionen und Gruppierungen beobachtet werden können, wie diese den weiteren Vorgang der Globalisierung - in welcher Form auch immer - beeinflusst haben und ob sich deren Argumente mit den tatsächlichen Gegebenheiten und Formen von Globalisierung decken. Weiterhin soll Globalisierung an Hand verschiedener Wirkungsformen näher betrachtet werden. Ich erörtere die Frage, ob und wie globalisierungskritische Positionen den Vorgang der Globalisierung sowie dessen Wirkungsformen beeinflussen. Bezugnehmend auf globalisierungskritische Phänomene stelle ich dar, wie diese entstehen und sich entwickeln, welche Einflüsse sie auf ihre Umgebung ausüben, welche Gruppierungen und Positionen sie ansprechen und nutzen, welche Argumente ihre Handlungen unterfüttern und welche Rollen sie jetzt und im weiteren Fortgang von Globalisierungsprozessen spielen.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Globalisierung | 1 |
| 1. | Warum über Globalisierung schreiben? | 2 |
| 2. | Der Begriff Globalisierung in der allgemeinen und wissenschaftlichen Diskussion | 4 |
| 3. | Darstellung und Erörterung der verwendeten Begriffe | 6 |
| 3.1 | Globalisierung | 6 |
| 3.2 | Internationalisierung | 7 |
| 3.3 | Regionalisierung | 7 |
| 3.4 | Globalismus | 8 |
| 3.5 | Globalität | 10 |
| 4. | Politische Globalisierung | 10 |
| 5. | Wirtschaftliche Globalisierung | 19 |
| 6. | Kulturelle Globalisierung | 25 |
| 7. | Voraussetzungen, Entwicklungen und Ausformungen von Globalisierungstendenzen | 33 |
| II. | Globalisierungskritik | 45 |
| 8. | Argumente der allgemeinen Globalisierungskritik | 45 |
| 9. | Ursprünge und Wandel der globalisierungskritischen Bewegung | 53 |
| 10. | Von Globalisierungsprotesten zu einer sozialen Bewegung - Das Entstehen von Attac | 57 |
| 11. | Attac als soziale Bewegung | 61 |
| 12. | Von der Tobin-Steuer zur gerechten Globalisierung - Ziele und Argumente von Attac | 63 |
| 12.1 | Die Tobin-Steuer | 63 |
| 12.2 | Globalisierung und Krieg | 67 |
| 12.3 | GATS | 68 |
| 12.4 | Entwicklung des Gesundheitswesens | 69 |
| 13. | Kritik an Attac | 69 |
| III. | Globalisierung und Globalisierungskritik - Eigene Einschätzung | 75 |
| 14. | Fortschritt und Steuerung von Globalisierung | 75 |
| 15. | Die Zukunft der globalisierungskritischen Bewegung | 77 |
| Literatur | 79 |
Die Existenz eines solchen Wirtschaftssystems widerspricht Annahmen, die von einer hierarchischen Stufenentwicklung der Weltwirtschaft ausgehen.44 Denen zu Folge entwickelten sich die Wirtschaftsordnungen schrittweise von einer "geschlossenen Hauswirtschaft" über "Stadtwirtschaft" und "Volkswirtschaft" zur "Weltwirtschaft". Die Rückbildung auf nationalstaatlich verfasste Interessen ab dem 16. Jahrhundert zeigt jedoch, dass es bereits vor den später entstehenden Volkswirtschaften eine florierende Weltwirtschaft gab. Das bedeutet, dass das Verlangen räumlich getrennte Wirtschafts- und Kulturräume zu erschließen, verbinden und nutzbar zu machen, keine ausschließliche Bestrebung der Moderne ist. Die Weltwirtschaft ist in diesem Zusammenhang abhängig vom Wissensstand und den Wahrnehmungsmöglichkeiten über Kulturen und deren Weltperspektive. Anhand des oben angeführten Beispiels lässt sich auch dokumentieren, dass die Entwicklungen globaler Wirtschaft und globalen Austausches nicht linear und ununterbrochen ablaufen: Als sich im Verlauf der Moderne, etwa ab dem 16. Jahrhundert, der territorial verfasste, innen- und außenpolitisch souveräne europäische Nationalstaat als die überlegene Organisationsform herausbildete, hatte dies weitreichende Folgen für den Entwicklungsprozess damaliger globaler Strukturen und Vorgänge: Der territoriale Nationalstaat verdrängte die etablierten Stadtstaaten, einzelne große Handelszentren - wie zum Beispiel die Hansestädte und die angeschlossenen Transportwege - und auch die bis dahin existierenden Großreiche. Die Unterwerfung wirtschaftlicher Entwicklungen unter die Interessen und Ansprüche von Territorialherrschern, sowie die fortschreitende Ausbildung von Territorialstaaten und die damit verbundenen langandauernde Kriegszeiten führten zum Niedergang der bis dahin existierenden europäischen Handelsbeziehungen. Die Wirtschaft stand nun verstärkt im Dienste des Staates und wurde von diesem zunehmend reglementiert. Dies schlug sich im Ausbau des merkantilistischen Systems nieder, das auf den französischen Finanzminister [...]
ideologisches Leitbild einer ganzen Gesellschaft ausgedient. Das Vakuum, das er hinterließ, muss nun von einer anderen Idee besetzt werden. Weiterhin gibt es einen Wandel der Güter- und Dienstleistungsproduktion. Die klassischen, auf Rohstoffen und Naturschätzen basierenden Industrien, werden in den westlichen Nationen zunehmend von Bildungs- und Dienstleistungsversorgern abgelöst. Diese lassen sich - im Gegensatz zur Rohstoffförderung - weltweit etablieren und abrufen. Auch die demographischen Gegebenheiten unterliegen einem stetigen Wandel. Die Gesellschaften der westlichen Welt werden immer älter, bei stagnierenden Geburtenzahlen. Dieses führt nicht nur zu einer Verlagerung der Kaufkraft innerhalb der westlichen Welt, sondern auch zu Migrations- und Wanderungsbewegungen von Menschen aus Drittwelt- und Schwellenländern, deren Bevölkerungszahlen weiterhin stark ansteigen. Diese Vorgänge, die die weltweite Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur prägen, sollten nicht als einmaliger Ausnahmezustand einer bestimmten und eingrenzbaren Epoche verstanden werden, denn Globalisierung und Globalität sind keine Erfindung des ausgehenden 20. Jahrhunderts - auch wenn sich diese Schlagworte erst zu jener Zeit etablierten. Jedoch sind einige Facetten, in denen sich Globalisierung heute darstellt, tatsächlich neu; so zum Beispiel die Zugangsmöglichkeiten zu weltumspannenden Daten- und Informationsnetzwerken und der weltweite Massentourismus. Andere Phänomene, zum Beispiel die Verflechtung zuvor räumlich getrennter Wirtschaftsfelder hingegen, sind längst bekannt und etabliert: Transnationale Wirtschaftsunternehmen, weltweiter Kapitalfluss sowie globale Schulden- und Währungskrisen, aber auch Kultur- und Wissensaustausch haben eine lange Tradition:43 Bereits vor und im Mittelalter existierte eine "weltweite" Wirtschaft, wobei die räumliche Ausdehnung auf die damals bekannte Welt reduziert war. So gab es zum Beispiel schon im 14. Jahrhundert einen einheitlichen Wirtschaftsraum, der sich vom östlichen Mittelmeer bis zum Atlantik und dem Nordmeer erstreckte. Bereits zu dieser Zeit wurden Güter regional arbeitsteilig produziert und mittels einer komplexen und kommerzialisierten Infrastruktur, zu der auch die Hanse zählte, über ausgedehnte Transportwege versandt. Es existierte ein einheitliches, transnationales Wirtschaftsgebiet, unterstützt von einem weitreichenden und [...]
Bereits im Jahr 1973 entwarf der "Club of Rome" ein Szenario der Strukturveränderung, in dem sich westliche Industrienationen die Frage nach dem Preis unbeschränkten materiellen Wachstums und nach den Wechselwirkungen einer globalisierten Gesellschaft, Wirtschaft und Politik stellen müssen. Nur eine "weltweite Partnerschaft" könne die weltweiten Probleme am Ende des 20. Jahrhunderts lösen helfen. Gemeint waren: Beschleunigte Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Abbau der Rohstoffreserven und Zerstörung der Lebensräume.42 Jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, befinden sich Märkte und Gesellschaften in einer Phase globaler Strukturveränderungen. Eine der größten Umwälzungen und Grundlage für den Globalisierungsschub gegen Ende des 20. Jahrhunderts war das Ende der bipolaren Welt. Der Kommunismus hatte als [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832470814
Arbeit zitieren:
Fuchs, Jörg April 2003: Globalisierung und Globalisierungskritik, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
ATTAC, Weltwirtschaft, Globalisierungsgegner, Kulturaustausch, Konflikte



