Globalisierung der Finanzmärkte
Folgen und Maßnahmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Wolfgang Kornprobst
- Abgabedatum: November 2001
- Umfang: 94 Seiten
- Dateigröße: 841,1 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Regensburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4889-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4889-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4889-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kornprobst, Wolfgang November 2001: Globalisierung der Finanzmärkte, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Asienkrise, Argentinienkrise, Schuldenkrisen, Finanzmarktarchitektur, Bank Runs
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Diplomarbeit von Wolfgang Kornprobst
Einleitung:
Seit einigen Jahren gerät der Begriff der Globalisierung – darunter wird die Entstehung weltweiter Märkte, also die zunehmende Internationalisierung der Finanz-, Waren- und Dienstleistungsmärkte – immer mehr ins öffentliche Interesse. Politiker und Unternehmenslenker begründen beinahe täglich unpopuläre Entscheidungen mit „Zwängen der globalisierten Wirtschaft“. Der Deutsche Bundestag setzt sich mit dem Thema in der Enquetekommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ auseinander. Private Organisationen und Vereine, die diesem Prozeß entgegentreten wollen, haben enormen Zulauf.
Dabei richtet sich die Hauptkritik auf die globalisierten Finanzmärkte, in denen viele Menschen eine Bedrohung sehen. Vor allem die zahlreichen und heftigen Finanzkrisen der neunziger Jahre werden mit der zunehmenden Internationalisierung begründet. Aber auch spektakuläre Zusammenbrüche von Finanzinstituten, welche die Stabilität ganzer Länder bedrohten, lassen den Finanzsektor erscheinen, als sei er außer Kontrolle geraten.
Zu fragen ist deshalb: Wie kam es zu dieser Entwicklung, und was hat sie begünstigt? Welche Nachteile können resultieren? Warum entstehen Krisen, und wie verlaufen diese? Was kann dagegen getan werden?
Gang der Untersuchung:
Kapitel 2 zeigt die Entstehung der Euromärkte, die als die ersten internationalen Finanzmärkte betrachtet werden, und erläutert die Umstände, die zu ihrer Entwicklung beigetragen haben.
Kapitel 3 beschreibt die Vorteile, die aus offenen Finanzmärkten resultieren können, und die auch die grundsätzlichen Motive für die Öffnung darstellen.
Kapitel 4 und 5 erläutern die potentiellen Nachteile. In Kapitel 4 werden grundsätzliche Probleme für die Marktteilnehmer und die Politik betrachtet. Kapitel 5 befaßt sich mit einem spezielle Problem, den Finanzkrisen, in modelltheoretischer Sichtweise, und anhand von Beispielen, der Asienkrise und der aktuellen Krise in Südamerika.
Kapital 6 führt kurz die aktuellen Vorschläge zur Verhinderung solcher Krisen an.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Die Entwicklung der Finanzmärkte nach dem Zweiten Weltkrieg | 2 |
| 2.1 | Der Euromarkt als neuer Finanzmarkt | 3 |
| 2.2 | Liberalisierung und Deregulierung | 5 |
| 2.3 | Finanzinnovationen und technischer Fortschritt | 7 |
| 2.3.1 | Der technische Fortschritt in der Kommunikation | 7 |
| 2.3.2 | Instrumente zur Risikoabsicherung | 8 |
| 2.3.3 | Innovative Finanzinstrumente | 9 |
| 2.4 | Volumen und Struktur internationaler Finanzströme | 10 |
| 2.4.1 | Induzierte Finanztransaktionen | 11 |
| 2.4.2 | Autonome Finanztransaktionen | 12 |
| kurzfristige Finanztransaktionen | 12 | |
| langfristige Finanztransaktionen | 12 | |
| 2.4.3 | Kapitalströme in Entwicklungs- und Schwellenländer | 14 |
| 3. | Vorteile und Gewinne aus offenen Kapitalmärkten | 16 |
| Allokation | 16 | |
| Diversifikation | 16 | |
| Risikoabsicherung und Spezialisierung | 17 | |
| Disziplinierung | 17 | |
| Verschuldung und Wachstum | 17 | |
| 4. | Marktversagen und Probleme durch integrierte Finanzmärkte | 19 |
| 4.1 | Kapitalverkehr, Wechselkurs und Geldpolitik - das „Open Economy Trilemma“ | 19 |
| 4.2 | Asymmetrische Information | 21 |
| 5. | Finanzkrisen und ihre Ursachen | 23 |
| 5.1 | Krisen im theoretischen Modell | 23 |
| 5.1.1 | Das Diamond-Dybvig Modell: Bank Runs und Sunspots | 23 |
| Modellannahmen | 24 | |
| Autarkie | 25 | |
| Finanzmarkt | 25 | |
| Optimale Allokation | 27 | |
| Banken | 27 | |
| Gleichgewichte | 28 | |
| Gegenmaßnahmen | 29 | |
| 5.1.2 | Allen und Gale: Optimale Bank Runs | 30 |
| 5.2 | Die Asienkrise | 33 |
| 5.2.1 | „Wegbereiter“ der Krise | 33 |
| Wirtschaftswachstum, Inflation und Staatshaushalt | 33 | |
| Leistungsbilanz | 34 | |
| Außenverschuldung | 38 | |
| Rentabilität | 41 | |
| Finanzielle Fragilität und „Crony Capitalism“ | 42 | |
| Vermögensmärkte | 44 | |
| 5.2.2 | Die Krise | 46 |
| Kapitalströme | 47 | |
| Vermögensmärkte | 49 | |
| Devisenmärkte | 50 | |
| Inflation | 52 | |
| Wirtschaftswachstum | 53 | |
| Arbeitslosigkeit | 55 | |
| 5.2.3 | Die Rolle des Internationalen Währungsfonds | 56 |
| 5.2.4 | Erklärungsansätze | 60 |
| 5.3 | Südamerika 2000/2001 | 62 |
| 6. | Gegenmaßnahmen | 72 |
| 6.1 | Stärkung der inländischen Finanzsektoren | 72 |
| 6.2 | Kapitalverkehrskontrollen | 73 |
| 6.3 | Die Tobin-Steuer | 75 |
| 6.4 | Reform internationaler Institutionen | 77 |
| 7. | Zusammenfassung und Schlußbemerkung | 79 |
Investitionen wurden zum größten Teil über Kredite finanziert, wodurch der Verschuldungsgrad (Verhältnis Fremd- zu Eigenkapital) bei Sammi Steel 3245,0% und bei Kia Motors 523,6% in 1996 betrug, im Schnitt der 30 größten chaebols 333%76. Die vergleichbare Zahl für die USA betrug 100%77. Finanzielle Fragilität und „Crony Capitalism“ Eine besondere Rolle im fulminanten Wirtschaftswachstum und der schweren Krise spielten Banken und andere Finanzintermediäre. Sie schürten das Wachstum durch eine reichliche und lockere Vergabe von Krediten an den privaten Sektor. Das Kreditwachstum war größer als das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, was eine steigende Kreditfinanzierung der Volkswirtschaften bedeutet. In Thailand betrug das Kreditwachstum von 1990 bis 1996 im Schnitt das 9,6-fache, in Indonesien das 8,9-fache, in Malaysia das 5,6-fache, in Hongkong das 6,6-fache und in den Philippinen das 16,1-fache des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts, wobei dort das Verhältnis in den Jahren 1995 und 1996 sogar rund 30 erreichte78. Südkorea und Singapur hatten mit 2,5 und 2,1 niedrigere Werte, wobei auch in Singapur das Verhältnis 1995 und 1996 mit 7,8 und 5,7 stark anstieg79. Die laxe Kreditvergabe hatte aber auch zur Folge, daß ein großer Teil nicht zurückgezahlt wurde. Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzte den Anteil der notleidenden Kredite an der gesamten Kreditvergabe für 1996 in Südkorea auf 8%, Indonesien auf 13%, Malaysia auf 10%, Philippinen auf 14%, Singapur auf 4%, Thailand auf 13%, Hongkong auf 26% und Taiwan auf 4%80. In den USA beträgt die vergleichbare Zahl 1%81 Die Ursachen waren zum einen eine mangelhafte Bankenaufsicht und zum anderen die häufig fehlende Kompetenz der Banken, Kreditrisiken abzuschätzen und Unternehmen bei der Verwendung zu überwachen. [...]
40%-55%, in Singapur, Thailand und Malaysia auf 30%-40%, Indonesien 25%-30%, Südkorea 15%-25% und Philippinen 15%-20% geschätzt72. Es wurden Bürogebäude ohne entsprechende Notwendigkeit erbaut, so daß 1997 in Städten wie Shanghai 30%, Bangkok 15% und Jakarta 10% der Büroflächen frei standen73. Rentabilität Ein weiteres Problem stellt die sinkende Rentabilität der Investments dar. Ein Maß stellt der marginale Kapitalkoeffizient (ICOR, Incremental Capital Output Ratio) dar. Er gibt den benötigten Kapitaleinsatz an, der die Produktionsmenge um eine zusätzliche Einheit erhöht. Bei den meisten Ländern hat sich dieses Verhältnis vom Zeitraum 1987-1992 auf 1993-1996 verschlechtert: Hongkong von 3,7 auf 6,1; Malaysia von 3,7 auf 4,8; Singapur von 3,6 auf 4,0; Südkorea von 3,8 auf 4,9; Thailand von 3,4 auf 5,1; Taiwan von 2,4 auf 3,9. In Indonesien hat es sich leicht von 4,0 auf 3,8 verbessert, in den Philippinen von 6,0 auf 5,574. Die Rendite, welche Unternehmen auf das investierte Kapital erzielen (ROIC, Return On Invested Capital) ist ein weiterer Maßstab. Im Falle Südkoreas lag diese bei 20 der 30 größten chaebols (Industriekonglomerate) unter den Kapitalkosten. Bei den ersten drei kollabierten Firmen, Hanbo Steel, Sammi Steel, und Kia Motors, betrug der ROIC in 1996 jeweils 1,7%, 3,2% und 8,7%, wobei die Kreditzinsen ungefähr 12% betrugen75. Ein ähnliches Bild liefert auch die Zinsdeckungsrate (ICR, Interest Coverage Rate). Diese vergleicht den eingenommenen Cash Flow mit den zu leistenden Zinszahlungen. Ist sie kleiner als eins, wird weniger eingenommen als Zinsen zu zahlen sind. Dies traf bei elf der 30 chaebols zu. [...]
umgehen. Daß dies ein Trugschluß ist, weil bei einer Abwertung mehr Kredite ausfallen und auf sie zurückfallen, wurde meistens übersehen70. So waren 1996 in Indonesien 63,6%, Malaysia 84,5%, Philippinen 70,7% und Thailand 79,6% der langfristigen Außenschulden in US-Dollar, Japanische Yen oder D-Mark denominiert. Bei einer Abwertung von in der Spitze über 80% in Indonesien und knapp 40% in Malaysia, Philippinen, Südkorea und Thailand wird klar, welche Solvenzprobleme für die jeweiligen Schuldner resultierten. Auch Goldstein verweist darauf, daß in den Krisenländern weniger die Höhe der Außenverschuldung das Problem war, sondern vielmehr deren Zusammensetzung, in Form von Fristigkeit und Denominierung71. Wollte beispielsweise ein indonesischer Unternehmer eine neue Maschine anschaffen und dafür einen Kredit bei einer Bank aufnehmen, so wurde seitens der Bank häufig geraten, dies im Ausland – z.B. in Japan – bei viel niedrigeren Zinsen zu tun. Für 100.000 US-Dollar von einer japanischen Eurobank bekam er bei einem Umrechnungskurs von 2500 Rupiah pro Dollar 250 Millionen Rupiah zur Anschaffung der Maschine. Falls er den Kredit nicht abgesichert hatte, mußte er nach Abwertung für den 100.000 US-Dollar Kredit 1.400 Millionen Rupiah allein zur Tilgung aufwenden, also über das fünffache von dem, was er bekommen hat! Auch die Verwendung des ausländischen Kapitals änderte sich. Während Anfang der neunziger Jahre hauptsächlich das Exportpotential und damit die Fähigkeit zur Rückzahlung der Kredite verbessert wurde, floß ab Mitte der neunziger Jahre ein immer größerer Anteil in spekulative Investments in den Immobilienmarkt, und füllte die entstehende Blase. Zahlen über die Verwendung der ausländischen Kredite sind nicht verfügbar, aber es existieren Schätzungen über den Anteil der Kredite für den Immobiliensektor an den gesamten Bankdarlehen. In Hongkong wurde dieser auf [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832448899
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Kornprobst, Wolfgang November 2001: Globalisierung der Finanzmärkte, Hamburg: Diplomica Verlag
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Asienkrise, Argentinienkrise, Schuldenkrisen, Finanzmarktarchitektur, Bank Runs



