Globalisierung – Chance und Bedrohung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ronny Böhme
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 103 Seiten
- Dateigröße: 734,3 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9512-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9512-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9512-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Böhme, Ronny Januar 2006: Globalisierung – Chance und Bedrohung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Direktinvestitionen, Handel, Arbeitsmarkt, Humankapital, Global Governance
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Diplomarbeit von Ronny Böhme
Einleitung:
Globalisierung wird in Deutschland oft mit steigendem internationalem Konkurrenzdruck, Mehrarbeit und Arbeitsplatzverlust verbunden, also mit Negativem. In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im März 2004 sagten 52 % der Deutschen, dass die Globalisierung im Inland Arbeitsplätze kostet und 42 % sahen mehr Risiken als Chancen.
„Deutschland ist ein Gewinner der Globalisierung; wir reden viel zu viel über die negativen Folgen der Globalisierung und viel zu wenig über die positiven Seiten“, meint dagegen Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI).
Globalisierung kann mit „Weltorientierung“ übersetzt werden. Genauer wird darunter die engere Verflechtung von Ländern und Völkern der Welt verstanden, die durch die enorme Senkung der Transport- und Kommunikationskosten und die Beseitigung künstlicher Schranken herbeigeführt wurde. Der grenzüberschreitende Strom von Gütern, Dienstleistungen, Kapital, Wissen und Menschen wird jetzt in geringerem Maße behindert oder unterbunden. Die internationale Verflechtung der Volkswirtschaften nimmt zu. Globalisierung ist ein Prozess der zunehmenden Verfeinerung der Arbeitsteilung, der zunehmenden Professionalisierung. Durch die Senkung der Transport- und Kommunikationskosten ist der internationale Handel lukrativer geworden, der Vorteil der lokalen Anbieter hat abgenommen. Die Konkurrenz ist nun größer.
Aber Spezialisierung spart Kosten, und wer seine Nische gefunden hat ist jetzt weltweit gefragt. Dies gilt sowohl für die Güter- und Dienstleistungsmärkte, als auch für die Arbeits- und Kapitalmärkte. Außerdem wurden künstliche Handelsschranken beseitigt. So wurden internationale Standards eingeführt, die englische Sprache verbreitet, sowie handelspolitische Maßnahmen, wie Zölle, reduziert. Mit der wirtschaftlichen Öffnung Chinas seit Beginn der 80er Jahre und dem Ende des Kommunismus in der ehemaligen Sowjetunion und den mittel- und osteuropäischen Staaten verschwand die politische Schranke „Kommunismus“. Im Wettbewerb wird immer weniger nach Kriterien wie Freundschaft, Nationalität und politische Verbundenheit entschieden.
Die Welt wird kälter, aber effizienter. Für einige Unternehmer hat das Gewinnstreben jedoch nicht höchste Priorität. „Ein Unternehmen muss den Gewinn maximieren unter den Voraussetzungen einer menschlichen Betriebsführung“, so Wolfgang Grupp, Chef des Textilherstellers Trigema. „Es wird nicht funktionieren, dass wir woanders produzieren lassen und nur noch kassieren.“ „Am leistungsfähigsten sind Unternehmen, die von einem Unternehmer geführt werden. Gerade mittelständische Unternehmer achten genau darauf, dass nicht nur die Kasse stimmt, sondern dass es auch den Mitarbeitern gut geht“, meint auch Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. „Generell zahlt sich langfristiges Denken aus. Wir brauchen einfach wieder mehr Ethik und Verantwortung in den Konzernen“.
Der technische Fortschritt ist eine wichtige Quelle des Wohlstandes. Durch Prozessinnovationen kann bei konstantem Output die Nachfrage nach Arbeit und/oder Kapital reduziert werden. In der Praxis wird oft der Produktionsfaktor Arbeit durch Kapital substituiert. Die Produktivitätsgewinne schaffen Spielräume für Einkommenserhöhungen oder sichern die Beschäftigung.
Produktinnovationen schaffen eine erhöhte Nachfrage nach Arbeit und Kapital. Es entsteht ein neuer Bedarf an Qualifikationen und Tätigkeiten, also Nachfrage nach Personal. Neue Wirtschaftszweige, Berufe und Eliten bilden sich, andere verlieren an Bedeutung. Innovationen leben von unbehindertem Denken und offenen Märkten, sie bedürfen der kreativen Störung oder gar Zerstörung des Bestehenden. Der technische Fortschritt verlangt anpassungsfähige und mobile Persönlichkeiten, die ihr Wissen ständig auf dem neuesten Stand halten.
Das gestiegene Risiko des Arbeitsplatzverlustes und die erhöhte Konkurrenz sind auch Folgen des technischen Fortschritts. Aber kein Mensch würde die Glühbirne verbieten um die Arbeitsplätze der Kerzenproduktion zu sichern.
Der German Marshall Fund of the United States (GMF) befragte aktuell 6.000 Amerikaner und Europäer zum Thema Globalisierung. Zwei Drittel der Amerikaner und Europäer plädieren dafür bestehende Handelsschranken abzubauen. Sie sehen den zunehmenden internationalen Handel als Chance ihren Wohlstand zu mehren. Gleichermaßen befürchten sie aber, dass die weitere Liberalisierung des Welthandels eher Arbeitsplätze vernichten als neue Jobs schaffen wird. Hier wird der Konflikt zwischen Verbrauchern und Arbeitnehmern deutlich. Wenn wir den Wohlstandsgewinn des technischen Fortschritts begrüßen, sollten wir dann auf die Wohlstandsmehrung des internationalen Handels verzichten?
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| BILDER- UND TABELLENVERZEICHNIS | II | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | GLOBALISIERUNG – EIN AKTUELLES EREIGNIS? | 4 |
| 3. | HANDEL | 7 |
| 3.1 | KOMPARATIVE VORTEILE | 7 |
| 3.2 | PROTEKTIONISMUS | 11 |
| 3.3 | INTERNATIONALER HANDEL HEUTE | 15 |
| 4. | DYNAMISCHE KOMPARATIVE VORTEILE | 19 |
| 5. | HECKSCHER-OHLIN UND DIE UNTERSCHIEDSLOSIGKEIT DES PREISES | 25 |
| 6. | ARBEITSMARKT UND HUMANKAPITAL | 28 |
| 6.1 | GLOBALER ARBEITSMARKT | 28 |
| 6.2 | AUßENHANDEL UND SOZIALSTAAT | 32 |
| 6.3 | BEVÖLKERUNGSWACHSTUM | 38 |
| 6.4 | HUMANKAPITAL UND EINKOMMENSVERTEILUNG | 45 |
| 7. | STANDORTPOLITIK | 49 |
| 8. | SOZIALE STANDARDS UND GLOBAL GOVERNANCE | 51 |
| 9. | DIREKTINVESTITIONEN | 57 |
| 9.1 | DEFINITION UND STATISTISCHE ERFASSUNG | 57 |
| 9.2 | MOTIVE FÜR DIREKTINVESTITIONEN | 62 |
| 9.3 | WEITERE FORMEN DER INTERNATIONALISIERUNG | 64 |
| 9.4 | VORTEILE VON DIREKTINVESTITIONEN | 66 |
| 9.5 | AKTIVE DIREKTINVESTITIONEN UND INLÄNDISCHE BESCHÄFTIGUNGSEFFEKTE | 72 |
| 10. | KAMPF UM KNAPPE NATÜRLICHE RESSOURCEN | 76 |
| 11. | BESTEUERUNG DER GLOBALISIERUNGSGEWINNER | 79 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 83 | |
| EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG | 100 |
dem Arbeitsmarkt ein. Umgekehrt sorgt ein hohes Bevölkerungswachstum direkt für einen Anstieg des Konsums („Günther-Paradoxon“).150 Diese demographischen Einflüsse werden der strukturellen Arbeitslosigkeit zugeordnet, die dann genauer in bevölkerungsbedingte und wachstumsbedingte Ursachen zerlegt werden muss.151 Eine Bevölkerungswachstumsrate maximal in Höhe der künftigen langfristigen Zunahme des Volkseinkommens sorgt dafür, dass das Pro-Kopf-Einkommen nicht abnimmt. Das künftige Einkommen lässt sich mit Investitionen in Bildung erhöhen, demnach wird mit Investitionen in Humankapital die Grundlage für ein stabiles oder steigendes Pro-Kopf-Einkommen gelegt. Sinkt aber die Wachstumsrate des Volkseinkommens unter die der Bevölkerung, so nimmt das Pro-Kopf-Einkommen ab. Ist die Angst vor Wohlstandsverlust der Grund des Geburtenrückgangs in Deutschland? Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftswissenschaften (DIW) und des Fraunhofer-Instituts entscheiden sich die Deutschen aus Angst um die eigene Zukunft gegen Kinder.152 Allerdings ist der Geburtenrückgang in Deutschland eine langfristige Tatsache: Die größte Anzahl Lebendgeborener gab es in Deutschland bereits im Jahr 1964. Die Kinderzahl pro Frau betrug 2003 nur 1,34. Zur Erhaltung der Bevölkerungszahl sind 2,1 Kinder nötig. Seit 1972 werden in Deutschland jedes Jahr weniger Kinder geboren als Menschen sterben.153 Deutschland war das erste Land mit abnehmender Bevölkerungszahl, die Länder des ehemaligen Ostblocks folgten in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. In vielen europäischen Staaten und in Japan setzt das Schrumpfen der Bevölkerungszahl in diesen Jahren ein. Nur Frankreich und die USA sind unter den Industrieländern mit einer Geburtenrate von 1,9 bzw. 2 Kindern pro Frau eine Ausnahme.154 In Frankreich zahlt der Staat hohe finanzielle Hilfen und die Kinder können mit spätestens 3 Jahren eine kostenlose [...]
Den Punkt Bevölkerungswachstum möchte ich etwas genauer betrachten, da in der Praxis die Qualität des Produktionsfaktors Arbeit verschieden ist. Da die Nachfrage nach Arbeit eine abgeleitete Nachfrage ist, die proportional zur Nachfrage der produzierten Güter variiert,147 hängt auch das Einkommen des Faktors Arbeit von der Nachfrage der produzierten Güter ab. Ein knappes Gut wird einen höheren Preis erzielen, also muss der Arbeitnehmer dem Markt ein knappes Gut bieten oder überdurchschnittlich produktiv sein, um ein überdurchschnittliches Entgelt zu erhalten. Arbeitskräfte mit benötigten und seltenen Qualifikationen, Humankapital, produzieren knappe Güter. Das Pro-Kopf-Einkommen eines Staates kann im Vergleich mit einem anderen Staat trotz höherer Bevölkerungswachstumsrate höher sein, wenn ceteris paribus der Anstieg der Humankapitalintensität umso größer ist, da sich dies positiv auf die Produktionselastizität des Kapitals auswirkt. Bevölkerungswachstum begünstigt technischen Fortschritt und damit eine Erhöhung der Produktivität, weil in einer größeren Bevölkerung die absolute Zahl kreativer Persönlichkeiten höher ist, wachsende Bedürfnisse und größere Nachfrage zu mehr Forschung führen, bei höherer Bevölkerungsdichte die innovationsförderliche Urbanisierung und Kommunikation zunehmen und eine jüngere Gesellschaft stärker zukunftsgerichtet ist. Viele Ökonomen stuften das Bevölkerungswachstum und die geographische Bevölkerungskonzentration als Triebfedern des technischen Fortschritts ein.148 Der Wirtschaftshistoriker Harold James sagte: „Die kapitalistische Wirtschaftsordnung wird von DNA-Ketten zusammengehalten.“149 Entgegen der allgemeinen Meinung hat ein Geburtenrückgang direkt einen Anstieg der Arbeitslosenzahl zur Folge, denn die Zahl der Konsumenten und damit die Gesamtnachfrage gehen unmittelbar zurück. Erst nach etwa 20 Jahren, mit Eintritt der geburtenschwachen Jahrgänge ins Arbeitsleben, setzt die Wirkung auf [...]
technischen Fortschritt zurückzuführen, der sagt gleichzeitig, dass die Wohlfahrtsgewinne aus dem Außenhandel gering sind.143 Der erhöhte Konkurrenzdruck, die gestiegene Mobilität der Arbeitsnachfrage und des Kapitals sorgen dafür, bestehende Unwirtschaftlichkeiten, versäumte Anpassungen und die Ineffektivität staatlicher Maßnahmen aufzudecken. Für die Befürworter eines schlanken Staates ist dies frischer Wind in den Segeln. Die in ihren Augen notwendigen Strukturveränderungen, wie die Reduzierung der Sozialausgaben, verstärkte Ausgaben für Bildung, Forschung und Entwicklung und die Deregulierung des Arbeitsmarktes sind nun unter dem „Sachzwang Globalisierung“ leichter durchsetzbar. Unpopuläre politische Maßnahmen können als unausweichlich dargestellt werden. Margaret Thatcher, ehemalige britische Premierministerin, prägte das TINA-Prinzip: „There is no alternative“.144 Jedoch sorgen die Strukturreformen für ein schlechtes Image des internationalen Handels, wenn sie mit den Zwängen der Globalisierung begründet werden. Man sollte die nötigen Reformen in den Zusammenhang mit wirtschaftlichem Wachstum bringen, der nur mit dem Handel möglich ist.145 Die Beseitigung von Unwirtschaftlichkeiten, die Erhöhung der statischen Allokationseffizienz, führt zu einer Annäherung der Produktion einer Volkswirtschaft an ihre Produktionstransformationskurve, wie im Kapitel „Dynamische komparative Vorteile“ beschrieben. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832495121
Arbeit zitieren:
Böhme, Ronny Januar 2006: Globalisierung – Chance und Bedrohung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Direktinvestitionen, Handel, Arbeitsmarkt, Humankapital, Global Governance



