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Globales Lernen und Jugend

Chancen einer Bildung zur Weltbürgerlichkeit in der Jugendarbeit

Globales Lernen und Jugend
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Harald Petermann
  • Abgabedatum: Februar 2004
  • Umfang: 92 Seiten
  • Dateigröße: 490,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 195
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0095-8
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0095-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Petermann, Harald Februar 2004: Globales Lernen und Jugend, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Außerschulische Jugendbildung, Globales Lernen, Lernen, Bildung, Jugendarbeit

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Diplomarbeit von Harald Petermann

Einleitung:

„Eine der wichtigsten Aufgaben von Bildung ist es, eine real existierende, gegenseitige Abhängigkeit in eine freiwillige Solidarität umzuwandeln“.

„Globalisierung“ - dieser Begriff, in den 90er Jahren erst so richtig in Mode gekommen, greift um sich. Über kaum eine – ökonomische oder gesellschaftliche - Entwicklung wird berichtet, ohne diesen Terminus zu bemühen bzw. ihn zur Begründung anzuführen. Zwar ist er in den Sozialwissenschaften meist negativ konnotiert, trotzdem kommt man nicht umhin, sich mit dem, was er angeblich beschreiben soll, zu beschäftigen. Die Antwort der Pädagogik auf dieses Phänomen scheint „Globales Lernen“ zu sein. Ähnlich wie bei „Globalisierung“, meint auch bei „Globalem Lernen“ ein weiter Kreis von Menschen - von der engagierten Kindergärtnerin über Mitarbeiter des Eine-Welt-Ladens bis hin zu PolitikerInnen - genau zu wissen, was das sein soll.

Es lässt sich heute nicht mehr ernsthaft bestreiten, dass Menschen längst in globalen Zusammenhängen verstrickt sind, dass der Reichtum der Ersten Welt zu beträchtlichen Teilen durch die Armut der Dritten erkauft ist. Auf der anderen Seite haben Umweltzerstörungen in Entwicklungsländern längst globale Konsequenzen, sind also auch wir davon betroffen. Nicht zuletzt deswegen spricht Ulrich Beck mittlerweile von „Weltrisikogesellschaft“.

Die gewaltigen globalen Herausforderungen zu Beginn des dritten Jahrtausends bzw. eine nachhaltige, zukunftsfähige Entwicklung der Erde lassen sich nur noch in der Einen Welt bewältigen, also mit globaler Perspektive und in Kooperation von Menschen des Nordens und des Südens. Es ist evident, dass ein solches Umdenken einem Paradigmenwechsel gleichkommt, vom nationalen zum globalen Horizont, die Rede ist von „Weltgesellschaft“. Dieser Paradigmenwechsel ist – nicht nur, aber auch – eine pädagogische Aufgabe. Es gilt, der heranwachsenden Generation die dafür notwendigen weltbürgerlichen Kompetenzen und Einstellungen zu vermitteln.

Das oben genannte Zitat von Jacques Delors drückt kurz und knapp mein Anliegen aus: einen Beitrag zu leisten zu einer Bildung, die Menschen zu solidarischem und verantwortungsbewusstem Handeln in der Weltgesellschaft, zur Weltbürgerlichkeit, befähigen kann. Ein nicht gerade bescheidener Anspruch, aber durchaus einen Versuch wert.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in – nicht nur in Musik und Mathematik beliebte – drei aufeinander aufbauende Sätze. Das erste Kapitel ist geleitet von der Frage, inwiefern es sich bei den zur Zeitdiagnose all zu leicht gebrauchten Begriffe „Globalisierung“ und „Weltgesellschaft“ tatsächlich um reale, nachweisbare Phänomene handelt und welche Konsequenzen sie für die Ethik und auch für die Pädagogik haben. Eine solche Analyse scheint mir zu Beginn der Arbeit außerordentlich wichtig, um die Argumentation von Alltagsweisheiten abzuheben und ein wissenschaftliches Fundament für Überlegungen zu Globalem Lernen zu schaffen.

Im zweiten Kapitel soll es dann um den Umgang der Pädagogik mit diesen Entwicklungen gehen und eine „Theorie“ Globalen Lernens vorgestellt werden. Vorab möchte ich betonen – der Begriff „Globales Lernen“ mag hier Missverständnisse wecken – dass es nicht um Bildung in der ganzen Welt geht, sondern für die ganze Welt, verortet allerdings im hiesigen Kulturraum. Die Entstehung dieser Lernkonzeption wird aus den beiden Traditionslinien „weltbürgerliche Erziehung“ und entwicklungspolitische Bildung rekonstruiert. Daran schließt sich die Skizze eines Rahmens an, in dem sich eine Didaktik Globalen Lernens bewegt. Stellvertretend für eine ganze Reihe von theoretischen Ansätzen, die unter Globalem Lernen firmieren, beschreibe ich am Ende dieses Kapitels ausgewählte Positionen und beziehe dazu Stellung.

Von der abstrakten Ebene komme ich im letzten Kapitel dann zu einer konkreteren und damit auf den Titel dieser Arbeit zurück: Chancen Globalen Lernens in der Jugendarbeit. Die unter II. entwickelten Dimensionen dieser Lernkonzeption sollen für die außerschulische pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fruchtbar gemacht werden. Zunächst werden Anknüpfungspunkte in Tradition und Strukturmerkmalen der Jugendarbeit gesucht und diese mit Globalem Lernen verbunden. Jugendarbeit zeichnet sich ganz wesentlich durch das Prinzip Freiwilligkeit aus, d.h. Bildungsmaßnahmen leben in diesem Sozialisationsfeld vom freiwilligen Engagement der AdressatInnen. Unabdingbar ist bei unserer Fragestellung daher ein Blick in empirische Daten zu Globalitätswahrnehmung von Jugendlichen und ihrer Bereitschaft, sich für die Eine Welt zu engagieren.

Abschließen möchte ich diese Arbeit mit Empfehlungen zur Gestaltung Globalen Lernens in der Jugendarbeit.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
I. Globalisierung und Weltgesellschaft als Kontexterweiterung für die Pädagogik 3
1. Befunde zu „Globalisierung“ und „Weltgesellschaft“ 3
1.1 Globalisierung – ein Umriss 3
1.2 Auf dem Weg zur Weltgesellschaft? 8
2. „Weltbürgerliche Solidarität“ und Globale Ethik – eine Utopie? 11
2.1 Anthropologische Basis einer globalen Solidargemeinschaft 12
2.2 Globale Ethik und das Leitbild nachhaltiger Entwicklung 15
2.3 Individuelle Verantwortung 19
3. Herausforderungen für die Pädagogik 20
II. Globalen Lernens – zentrale Aspekte und Kontroversen einer Lernkonzeption 25
1. „Weltbürgerliche Erziehung“ als klassisches Programm Globalen Lernens 25
2. Globales Lernen als Reaktion auf Globalisierung und Weltgesellschaft 28
3. Konturen Globalen Lernens 33
3.1 Die inhaltlich-thematische Dimension 33
3.2 Die räumliche Dimension 34
3.3 Die methodische Dimension 35
3.4 Die personale Dimension 36
3.5 Verortung Globalen Lernens zwischen verwandten Lernkonzeptionen 39
4. Ausgewählte Positionen zu Globalem Lernen im Vergleich 42
4.1 Vom deterministischen zum holistisches Paradigma 42
4.2 Evolutions- und systemtheoretisch inspirierter Ansatz 44
4.3 Globale Schlüsselprobleme als Ausgangspunkt aktueller Bildung 48
4.4 Kompetenzen für ein Leben in der Weltgesellschaft 50
III. Globales Lernen im Bereich der Jugendarbeit 53
1. Anknüpfungspunkte für Globales Lernen in der Jugendarbeit 54
1.1 Tradition entwicklungspolitischer Bildung in der verbandlichen Jugendarbeit 55
1.2 Handlungsmaxime und Settings der Jugendarbeit 56
2. Jugendliche als „global players“ – Engagement für Eine Welt? 61
2.1 Jugendliche Orientierungen und die Wahrnehmung von Globalisierung und Globalität 61
2.2 Formen und Bedingungen jugendlichen Engagements 67
3. Möglichkeiten und Grenzen Globalen Lernens in der Jugendarbeit 70
Schlussbemerkungen und Ausblick 76
Literaturverzeichnis 78

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
I. Globalisierung und Weltgesellschaft als Kontexterweiterung für die Pädagogik 3
1. Befunde zu „Globalisierung“ und „Weltgesellschaft“ 3
1.1 Globalisierung – ein Umriss 3
1.2 Auf dem Weg zur Weltgesellschaft? 8
2. „Weltbürgerliche Solidarität“ und Globale Ethik – eine Utopie? 11
2.1 Anthropologische Basis einer globalen Solidargemeinschaft 12
2.2 Globale Ethik und das Leitbild nachhaltiger Entwicklung 15
2.3 Individuelle Verantwortung 19
3. Herausforderungen für die Pädagogik 20
II. Globalen Lernens – zentrale Aspekte und Kontroversen einer Lernkonzeption 25
1. „Weltbürgerliche Erziehung“ als klassisches Programm Globalen Lernens 25
2. Globales Lernen als Reaktion auf Globalisierung und Weltgesellschaft 28
3. Konturen Globalen Lernens 33
3.1 Die inhaltlich-thematische Dimension 33
3.2 Die räumliche Dimension 34
3.3 Die methodische Dimension 35
3.4 Die personale Dimension 36
3.5 Verortung Globalen Lernens zwischen verwandten Lernkonzeptionen 39
4. Ausgewählte Positionen zu Globalem Lernen im Vergleich 42
4.1 Vom deterministischen zum holistisches Paradigma 42
4.2 Evolutions- und systemtheoretisch inspirierter Ansatz 44
4.3 Globale Schlüsselprobleme als Ausgangspunkt aktueller Bildung 48
4.4 Kompetenzen für ein Leben in der Weltgesellschaft 50
III. Globales Lernen im Bereich der Jugendarbeit 53
1. Anknüpfungspunkte für Globales Lernen in der Jugendarbeit 54
1.1 Tradition entwicklungspolitischer Bildung in der verbandlichen Jugendarbeit 55
1.2 Handlungsmaxime und Settings der Jugendarbeit 56
2. Jugendliche als „global players“ – Engagement für Eine Welt? 61
2.1 Jugendliche Orientierungen und die Wahrnehmung von Globalisierung und Globalität 61
2.2 Formen und Bedingungen jugendlichen Engagements 67
3. Möglichkeiten und Grenzen Globalen Lernens in der Jugendarbeit 70
Schlussbemerkungen und Ausblick 76
Literaturverzeichnis 78

Textprobe:

Kapitel I. b., Globale Ethik und das Leitbild nachhaltiger Entwicklung: Auf mannigfache Weise sind wir alle längst zu global players geworden – sei es durch den Konsum von Südfrüchten, Sportschuhen aus Thailand und Salsa aus Kolumbien, sei es durch unsere Reisen in alle Gegenden der Erde oder durch das Fernsehen, das uns den Golfkrieg erleben lässt, als würden wir selbst im Panzer fahren. Demgegenüber steht die traditionelle Ethik, die sich weitgehend auf die je gegenwärtigen Mitmenschen des sozialen Nahraums mit dem gleichen kulturellen Hintergrund bezieht. Der ungeheuren Entgrenzung menschlicher Handlungsbedingungen und –folgen, die mit der Globalisierung einhergeht, kann diese Ethik nicht mehr genügen. Nachdem eine grundsätzliche Kompetenz moralischen Urteilens allen Menschen zugesprochen wird und mit Montada durchaus eine Bereitschaft nachgewiesen wurde, diese in einem globalen Kontext wahrzunehmen, soll es im Folgenden um die neuen Dimensionen der Ethik in einem globalen Kontext gehen.

Zukünftige Ethik kann nicht mehr nur auf die Gattung Mensch bezogen sein. Angesichts der Gefährdungslage unseres Planeten und der zunehmenden Umweltverschmutzung müssen Menschen Verantwortungsgefühl entwickeln für den Schaden, den sie der Natur – und damit letzten Endes sich selbst – zufügen. In räumlicher Hinsicht scheint ebenfalls eine Erweiterung geboten: Wenn unser Handeln, Folgen auf globaler Ebene hat, so muss diese Ebene auch in unser moralisches Urteil mit einbezogen werden. Das gilt auch auf sozialer Ebene. Mir persönlich Fremde aus einem anderen Kulturkreis, mit anderen politischen und moralischen Orientierungen, werden zu potenziellen Interaktions- und Solidarpartnern. In zeitlicher Hinsicht sind auch zukünftige Generationen zu berücksichtigen.

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Arbeit zitieren:
Petermann, Harald Februar 2004: Globales Lernen und Jugend, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Außerschulische Jugendbildung, Globales Lernen, Lernen, Bildung, Jugendarbeit

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