Globale Informationsgesellschaft?
Zum Stellenwert der Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Danièle Böhm
- Abgabedatum: Oktober 2008
- Umfang: 120 Seiten
- Dateigröße: 505,5 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
- Bibliografie: ca. 144
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3053-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Böhm, Danièle Oktober 2008: Globale Informationsgesellschaft?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Informationsgesellschaft, Digitale Kluft, Medienentwicklungszusammenarbeit, Weltgipfel, Beeping
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Diplomarbeit von Danièle Böhm
Einleitung:
Eiferer sehen in der Etablierung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern ein Allheilmittel gegen die großen Probleme und wiederkehrenden Krisen der als unterentwickelt diagnostizierten Gesellschaften. Skeptiker sehen vorwiegend die Gefahren sowie den ethisch bedenklichen Eingriff in nichtwestliche Kulturen. Sie beziehen sich auf die negativen Resultate, die in den vergangenen Jahrzehnten von der Entwicklungspolitik zahlreich hervorgebracht wurden. Aus den Fehlern hat die Entwicklungspolitik vorgeblich gelernt. Die Industriestaaten haben eingesehen, dass der Modernisierungsansatz – der eine Nachahmung seitens der ‚unterentwickelten’ Gesellschaften mit dem Ziel der Entwicklung vom Traditionellen zum Modernen vorsieht – weder von Erfolg gekrönt ist, noch einen respektvollen Umgang mit nichtwestlichen Kulturen impliziert. Der Ansatz des Helfens ist dem der Zusammenarbeit gewichen. ‚Entwickelte’ Länder nehmen in dieser Beziehung die Geberrolle, die Entwicklungsländer die Nehmerrolle ein. Der Paradigmenwechsel lässt sich am Vokabular ablesen. Heute spricht man politisch korrekt von Entwicklungszusammenarbeit und entsprechend des Themengebietes von Medienentwicklungszusammenarbeit. Verpönt erscheint für viele Akteure der Begriff ‚Dritte Welt’. „An seine Stelle ist der Begriff ‚Eine Welt’ getreten. Im Gegensatz zu ‚Dritte Welt’ konnotiert ‚Eine Welt’ ein integratives Verständnis von Politik und drückt einen Bewusstseinswandel aus.
Die internationale Entwicklungszusammenarbeit sieht die Möglichkeit, qua Informations- und Kommunikationstechnologien die ‚Eine Welt’ zu einer Gesellschaft zu vereinen, nämlich zu der ‚globalen Informationsgesellschaft’. Auf dem UN Weltgipfel zur Informationsgesellschaft wurde in Genf (2003) und Tunis (2005) in einem politischen Rahmenwerk die Vernetzung der Welt festgelegt mit der Begründung, dass allen Menschen der Zugang zu Informationen und Wissen gewährt werden sollte (vgl. Kap. 4.1). Darüber hinaus intendiert die Entwicklungszusammenarbeit, den Kampf gegen Hunger und Armut mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zu unterstützen. Die Idee von der vereinenden Informationsgesellschaft präsentiert sich demokratisierend und ethisch korrekt. Eine kritische Betrachtung erweckt jedoch den Verdacht einer Wiederbelebung der Idee qua Leitbild eines westlichen Ethnozentrismus, die Entwicklungszusammenarbeit bei der Implementierung einer globalen Informationsgesellschaft zu dominieren.
Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, ob die individuellen Bedürfnisse der Kulturen und die Bedarfe an Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Inklusion der Weltbürger in die globale Informationsgesellschaft berücksichtigt werden. In Fortführung dieser Fragestellung wird diskutiert, ob eine rein technische Zugangsmöglichkeit zur Weltgesellschaft via Medien zur Erweiterung des Wissens in Entwicklungsländern beitragen kann und unter welchen Gesichtspunkten eine derartige Zielsetzung sinnvoll sein kann. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, eine mögliche Diskrepanz zwischen dem Stellenwert der Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern und dem ambitiösen Vorhaben der internationalen Entwicklungszusammenarbeit aufzuzeigen. Letztlich gilt es, die Frage zu beantworten, ob eine globale Informationsgesellschaft realisierbar ist. Die Relevanz dieser Fragestellung ergibt sich im Hinblick auf die Beurteilung des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft einerseits, und der Bewertung der deutschen Medienentwicklungszusammenarbeit in der Retrospektive andererseits. Die Arbeit soll einen kritischen Beitrag zur Diskussion um die globale Informationsgesellschaft leisten.
Im Speziellen wird anhand von Fallbeispielen analysiert, welche Bedarfe an Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern individuell aufgrund der signifikanten sozioökonomischen, politischen und geographischen Konstellationen entstehen (vgl. Kap. 5.3). Für die Analyse wurde Afrika als regionaler Bezugspunkt gewählt, ein Kontinent, der etliche heterogene Kulturen aufweist. Gerade weil die afrikanischen Staaten gegenwärtig häufig homogen wahrgenommen und ihre individuellen Potentiale nivelliert werden, sollen anhand der Staaten Niger, Ghana und Südafrika die spezifischen Bedarfe an Informations- und Kommunikationstechnologien aufgezeigt werden. Der Status quo der technischen Informations- und Kommunikations-Infrastrukturen dieser Länder wird dabei mit dem des hochindustrialisierten Deutschland verglichen, um die bestehende Digitale Kluft zwischen Entwicklungsländern und hochentwickelten Industrienationen zu verdeutlichen (vgl. Kap. 3).
Um den Stellenwert von Informations- und Kommunikationstechnologien in afrikanischen Entwicklungsländern bestimmen zu können, bedarf es der Berücksichtigung des Einflusses traditioneller Kommunikationsformen. Diese geben außerdem Aufschluss über den Status von Wissen in afrikanischen Kulturen sowie den Stellenwert der Schulbildung (vgl. Kap. 5.1). Anhand von unkonventionellen Nutzungsformen der Informations- und Kommunikationstechnologien lassen sich darüber hinaus Praxis und kulturspezifische Adaption der einzelnen Medien in afrikanischen Entwicklungsländern ableiten (vgl. Kap. 5.2).
In selbstverständlicher und scheinbar selbsterklärender Weise wird der Begriff ‚Informationsgesellschaft’ im Kontext des Weltgipfels verwendet. Die ‚globale Informationsgesellschaft’ wird angestrebt, jedoch geben die Dokumente zur Informationsgesellschaft keinen Aufschluss über eine Gesellschaftsform, sondern erklären vielmehr das Anliegen einer weltumspannenden Vernetzung. Die theoretische Auseinandersetzung mit der Informations- bzw. Wissensgesellschaft in Kapitel 2 hinterfragt selbige auf ihre mögliche Existenz und Praktizierbarkeit. Der entsprechende wissenschaftliche Diskurs, der bereits seit den Sechziger Jahren geführt wird, verwendet die Begriffe ‚Informations- und Wissensgesellschaft’ sowie ‚Information’ und ‚Wissen’ häufig synonym. Diese unreflektierte Handhabung der Termini wiederholt sich in der entwicklungspolitischen Debatte und im Besonderen im Kontext des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft. Daher beginnt die vorliegende Arbeit mit der kritischen Abgrenzung der Begriffe ‚Information’ und ‚Wissen’. Die ‚These zur wachsenden Wissenskluft’ sowie das ‚Konzept der Wissensumwandlung’ sollen als Grundlage für die Bewertung der Effektivität der Medienetablierung in Entwicklungsländern im Hinblick auf die Wissensvermittlung dienen (vgl. Kap. 2.2). Im Anschluss folgt der Diskurs zur Informations- bzw. Wissensgesellschaft (vgl. Kap. 2.3).
Die deutsche Medienentwicklungszusammenarbeit, die auf ein jahrzehntelanges Engagement zurückblicken kann, steht nach dem Weltgipfel der ‚Leitlinie Informationsgesellschaft’ gegenüber. In Kapitel 4.2 werden die bedeutendsten Akteure der deutschen Medienentwicklungszusammenarbeit und deren Arbeitsschwerpunkte vorgestellt. Darauffolgend wird abgewogen, inwiefern die ‚Leitlinie Informationsgesellschaft’ Einfluss auf die Medienarbeit der deutschen Akteure nimmt (vgl. Kap. 4.3).
Im letzten Teil der Arbeit werden die anvisierten Ziele, die auf dem Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Genf festgelegt wurden, unter Bezugnahme der analysierten Bedarfe der Entwicklungsländer Niger, Ghana und Südafrika kritisch hinterfragt (vgl. Kap. 5.4).
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Informations- und Wissensgesellschaft | 5 |
| 2.1 | Information | 5 |
| 2.1.1 | Informationen und Informationsübertragung | 5 |
| 2.1.2 | Sind Daten Informationen? | 7 |
| 2.2 | Wissen | 8 |
| 2.2.1 | Wissen - eine Abgrenzung zur Information | 8 |
| 2.2.2 | Wissensvermittlung | 11 |
| 2.2.3 | These zur wachsenden Wissenskluft | 13 |
| 2.3 | Informationsgesellschaft vs. Wissensgesellschaft | 15 |
| 2.3.1 | Thesen zur Informationsgesellschaft | 15 |
| 2.3.2 | Thesen zur Wissensgesellschaft | 21 |
| 2.3.3 | Informationsgesellschaft vs. Wissensgesellschaft | 23 |
| 2.3.4 | Kritik an den Thesen zur Informations- bzw. Wissensgesellschaft | 26 |
| 3. | Zum Status quo der Informations- und Kommunikationstechnologien in der Entwicklungszusammenarbeit | 30 |
| 3.1 | Digitale Kluft | 31 |
| 3.1.1 | Die Digitale Kluft zwischen eLeaders, eAdopters und eLatecomers | 31 |
| 3.1.2 | Digitale Kluft in Entwicklungsländern | 33 |
| 3.1.3 | Ursachen und Barrieren | 35 |
| 3.1.4 | Entwicklungsprognosen | 37 |
| 3.2 | Technische Informations- und Kommunikations-Infrastruktur in Entwicklungsländern am Beispiel von Niger, Ghana und Südafrika | 39 |
| 3.2.1 | Fallbeispiel Niger | 40 |
| 3.2.2 | Fallbeispiel Ghana | 42 |
| 3.2.3 | Fallbeispiel Südafrika | 44 |
| 3.3 | Technische Informations- und Kommunikations-Infrastruktur in hochindustrialisierten Ländern am Beispiel Deutschland | 45 |
| 3.3.1 | Hörfunk und Fernsehen | 46 |
| 3.3.2 | Internet und Mobilfunk | 48 |
| 4. | Medienentwicklungszusammenarbeit | 51 |
| 4.1 | Internationale Medienentwicklungszusammenarbeit | 51 |
| 4.1.1 | Millenium Development Goals | 51 |
| 4.1.2 | Weltgipfel zur Informationsgesellschaft | 52 |
| 4.2 | Deutsche Medienentwicklungszusammenarbeit | 54 |
| 4.2.1 | BMZ | 55 |
| 4.2.2 | GTZ | 56 |
| 4.2.3 | Politische Stiftungen | 57 |
| 4.2.4 | Journalistenförderung | 59 |
| 4.3 | Leitlinie Informationsgesellschaft | 61 |
| 5. | Nutzungsformen von Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern | 63 |
| 5.1 | Der Einfluss traditioneller Kommunikationsformen in afrikanischen Ländern | 64 |
| 5.1.1 | Kommunikation in ‚der' afrikanischen Kultur | 64 |
| 5.1.2 | Wissen in der afrikanischen Kultur | 67 |
| 5.1.3 | Der Stellenwert der Schulbildung | 69 |
| 5.2 | Unkonventionelle Nutzungsformen von Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern | 70 |
| 5.2.1 | Beeping | 70 |
| 5.2.2 | M-banking | 73 |
| 5.2.3 | Internetbrowsing | 75 |
| 5.3 | Bedarfe an Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungs-ländern am Beispiel von Niger, Ghana und Südafrika | 77 |
| 5.3.1 | Fallbeispiel Niger | 77 |
| 5.3.2 | Fallbeispiel Ghana | 84 |
| 5.3.3 | Fallbeispiel Südafrika | 89 |
| 5.4 | Bedarfe vs. Ziele der internationalen Entwicklungszusammenarbeit | 95 |
| 6. | Lokale Barrieren der globalen Informationsgesellschaft- eine Schlussbetrachtung | 99 |
| Abkürzungsverzeichnis | 105 | |
| Abbildungsverzeichnis | 106 | |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 107 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Deutsche Medienentwicklungszusammenarbeit:
Deutsche Medienentwicklungszusammenarbeit findet bereits seit den Sechziger Jahren statt. Sie hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte in eine unüberschaubar große Anzahl an Institutionen und Organisationen aufgespaltet. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) schätzt, dass es in Deutschland mittlerweile mehrere Tausend entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen in Form von Fördervereinen, Initiativgruppen, Stiftungen und Netzwerken mit lokaler, regionaler, bundesweiter und internationaler Aktionsbasis gibt. Die Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands teilt sich in bilaterale, europäische und multilaterale Zusammenarbeit auf. Die bilateralen Vereinbarungen zwischen Regierungen der Partnerländer und der Bundesregierung werden etwa alle zwei Jahre getroffen. Im Folgenden werden die wichtigsten Akteure der Entwicklungszusammenarbeit vorgestellt. Das Augenmerk liegt gemäß der übergeordneten Fragestellung dieser Arbeit auf den Aktivitäten der Medienentwicklungszusammenarbeit. Es werden darüber hinaus nur Projekte mit dem Regionalbezug Afrika hervorgehoben.
BMZ:
Das 1961 gegründete Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist zuständig für die Entwicklung der Leitlinien und Konzepte der deutschen Entwicklungspolitik sowie die strategische Zusammenarbeit mit den nationalen und internationalen Institutionen. Aus BMZ-Fördermitteln werden Nichtregierungsorganisationen wie Kirchen, politische Stiftungen und andere Träger mit langjährigen Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit finanziell unterstützt. Im Jahr 2005 belief sich die Summe dieser Gelder auf rund 468 Millionen Euro. Die derzeitige Förderung für Informations- und Kommunikationstechnologien seitens der Bundesregierung beläuft sich auf ca. 180 Millionen Euro. „Beispiele sind die Finanzierung von Telekommunikationsinfrastruktur in Algerien, Nigeria, Tansania und Uganda, der Aufbau IKT-gestützter Informationssysteme für kleinere und mittelständische Unternehmen in Sri Lanka oder die Unterstützung von Informationsnetzwerken in der SADC-Region (Southern African Development Community) sowie in Südostasien“. Außerdem ist das BMZ Mitglied des 1995 von der Internationalen Finanz-Cooperation gegründeten Programm Information for Development (infoDEV), das kleinere und mittlere IKT-Unternehmen in Entwicklungsländern unterstützt (vgl. ebd.). InfoDEV fungiert unter den Gebern als Koordinationsorgan und dient im Zusammenhang mit den Millenium Development Goals als ‚Think Tank’. Darüber hinaus hat das BMZ seit der Gründung der Development Gateway Foundation (GDF) als Gründungsmitglied etwa fünf Millionen Euro zur Finanzierung beigetragen. Weitere fünf Millionen Euro hat das BMZ für den Zeitraum von 2006 bis 2008 zugesagt.
GTZ:
Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) ist 1975 zur Durchführung der Aufträge der Bundesregierung im Bereich der Technischen Zusammenarbeit gegründet worden. Das bundeseigene, aber gleichzeitig privatrechtliche Durchführungsunternehmen übernimmt mit Zustimmung der Bundesregierung in zunehmendem Maße auch Aufträge Dritter entgegen, wie beispielsweise von internationalen Organisationen, der Weltbank, der EU und auch von Entwicklungsländern. Über 70 Prozent der etwa 9500 Mitarbeiter werden in den Partnerländern als nationales Personal eingestellt. Informations- und Kommunikationstechnologien werden als übergreifendes Thema eingeordnet. An erster Stelle wird auf die mögliche effektivere und effizientere Entwicklungszusammenarbeit durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien hingewiesen. Unter dem Claim ‚Wissen macht Entwicklung. Erfahrung teilen, Neues gestalten’ hat die GTZ 2006 ‚Wissen’ zum Jahresthema erklärt. Zuvor hatte sie das Projekt ‚Wissenssysteme im ländlichen Raum’ ins Leben gerufen, mit dem Ziel, Konzepte und Instrumente anzuwenden, die zu mehr technischem und organisatorischem Know-how und zur besseren Nutzung des Wissens in ländlichen Gebieten beitragen. Unter anderem soll an dem Thema ‚strategischer Einsatz von Medien in der ländlichen Entwicklung’ gearbeitet werden. Im Fokus stehen Digital- und Printmedien, das ländliche Radio sowie e-lerning-Projekte. Im Rahmen des Projektes wurde das Rahmenwerk ‚Medien und Kommunikation im ländlichen Raum’ gestaltet, das als Ergebnis aus dem GTZ und FAO Workshop 2004 in Italien hervorgegangen ist. In der Publikation zum Workshop werden die entwickelten Instrumente und Techniken vorgestellt, die als ‚Paket von 6 Erfolgsfaktoren’ bezeichnet werden und der Planung, Durchsetzung und Bewertung ländlicher Kommunikationsstrategien dienen sollen. In der Medienstrategie dieses Rahmenwerks wird die Anpassung der Kommunikationstechnologien an bestehende Infrastrukturen und die Wahrung der kulturellen Normen betont:
„ [...] that the chosen technologies are in line with the cultural norms and the environmental situation, and are designed to use the available and appropriate infrastructure. In most situations this will mean designing and incorporating an interface between modern and traditional communication methods.” (Del Castello und Braun 2006, 48).
Der strategische Einsatz des Media Mixes soll die ländliche Entwicklung fördern, indem eine effektive Kommunikation zwischen Forschern, landwirtschaftlichen Beratern und Landwirten hergestellt wird. Die Barrieren des Analphabetismus sollen mithilfe von audiovisuellen Medien überwunden werden. Bei der Beratung der Bauern sollen durch die Medien Raum und Zeit komprimiert werden, indem beispielsweise ein Erntekreislauf medial in einer Präsentation dargestellt wird, die an entfernte Orte versendet werden kann.
Die GTZ räumt ein, dass über die Wirkung des Einsatzes von Informations- und Kommunikationstechnologien in Entwicklungsländern noch keine aussagekräftigen Studien vorliegen: „Aufgrund permanenter Technologiesprünge und einem (national wie international) nicht ausreichendem Wirkungsmonitoring von IKT-Komponenten in Entwicklungsvorhaben gibt es bislang kaum empirische Aussagen über direkte entwicklungspolitische Wirkungen von Informations- und Kommunikationstechnologien“. Dennoch schließt sie sich der Meinung an, dass Informations- und Kommunikationstechnologien für den Aufbau eigener Wissenskapazitäten in Entwicklungsländern unabdingbar sind.
Politische Stiftungen:
Die großen Parteistiftungen setzen je nach politischer Ausrichtung eigene Schwerpunkte in der Entwicklungszusammenarbeit. Einige sind im Medienbereich mit vielfältigen Projekten engagiert.
Die SPD-nahe Friedrich Ebert Stiftung legt gemäß der Parteiausrichtung besonderen Wert auf die Demokratieförderung. Die Arbeitsbereiche in Afrika sind dementsprechend die Förderung politischer Parteien, die Stärkung der Gewerkschaften und zudem die Schaffung einer pluralistischen Medienlandschaft. Die regionale Medienarbeit in Südafrika bezieht sich auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Informationszugang und –verbreitung sowie die Unabhängigkeit und Vielfalt der Medien. Hier arbeitet die Friedrich Ebert Stiftung mit Partnern wie dem Media Institute for Southern Africa und der Southern African Broadcast Association (SABA) zusammen. Darüber hinaus pflegt die Stiftung eine Arbeitsbeziehung zum Bush Radio. In Ghana unterstützt sie organisatorisch und konzeptionell die Institutionen der Medienaufsicht. Weiterhin betreibt die Stiftung in Madagaskar, Uganda, Kenia, im Senegal, an der Elfenbeinküste, in Togo, Benin, Nigeria und Kamerun Medienförderung mit Schwerpunkten in der Demokratisierung und Liberalisierung der Medien. Das in den letzten Jahren eingeführte African Media Barometer – ein Instrument zur Feststellung des Standes der medienpolitischen Entwicklung in den afrikanischen Ländern – soll Reformnotwendigkeiten aufzeigen.
Die Konrad Adenauer Stiftung setzt sich neben der Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit für die Durchsetzung sozialer und marktwirtschaftlicher Strukturen ein. Durch Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften unterstützt die CDU-nahe Stiftung die Entwicklung von politischen Parteien, gesellschaftlichen Gruppen sowie freien und unabhängigen Medien. Die Stiftung begleitet von einem Büro in Johannesburg aus Medien- und Journalistenförderung in Süd- und Ostafrika. Das KAS-Medienprogramm ‚Sub-Sahara-Afrika’ unterstützt die Weiterentwicklung der Medienlandschaft und soll der Verbesserung von journalistischen Standards in der Region Südafrika dienen. Das Programm bietet Fortbildungen, Workshops, Seminare und Konferenzen zum Themenbereich Medien an, um die Professionalisierung des Journalismus voranzutreiben. Ein Beispiel ist die Vorbereitung von Radiojournalisten aus Angola in einem zweiwöchigen Workshop im Frühjahr dieses Jahres auf die Berichterstattung bezüglich der Wahlen im September 2008.
Die Hanns Seidel Stiftung, angelehnt an die CSU-Partei, sieht sich weltweit im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung. Die Demokratieförderung in Afrika hat für die Stiftung einen großen Stellenwert. Sie unterstützt afrikanische Initiativen wie z.B. die New Partnership for African Development (NEPAD). In Togo führt die Stiftung zusammen mit der Journalistenvereinigung LATCOM – einem Netzwerk privater Radiostationen – Seminare und Workshops für eine bessere Ausbildung von Radiojournalisten durch. Darüber hinaus organisiert die Stiftung keine weiteren ausschließlichen Medienprojekte.
Demokratieförderung, Marktwirtschaft und Förderung liberaler Bildungspolitik sind die Hauptziele, die von der FDP-nahen Friedrich Naumann Stiftung in der Entwicklungszusammenarbeit verfolgt werden. Es erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit African Liberal Networks (ALN) und Southern African Legal Assistance Networks (SALAN). Afrikanische Büros werden in Ghana, Tansania, Südafrika, Zimbabwe und im Senegal geleitet. 'Training for the media’, so die Auskunft der Website, wird lediglich in Tansania betrieben.
Insgesamt zeigt sich, dass für die politischen Stiftungen die Demokratieförderung in Afrika ein wichtiger Aspekt der Entwicklungszusammenarbeit darstellt. Die Medienförderung wird vorwiegend im Hinblick auf diesen Arbeitsschwerpunkt eingesetzt. Am differenziertesten ist die Medienentwicklungszusammenarbeit der Friedrich Ebert Stiftung aufgestellt. Sie erstreckt sich zudem auf eine Vielzahl afrikanischer Staaten.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836630535
Arbeit zitieren:
Böhm, Danièle Oktober 2008: Globale Informationsgesellschaft?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Informationsgesellschaft, Digitale Kluft, Medienentwicklungszusammenarbeit, Weltgipfel, Beeping



