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Global Compact - Kritische Bestandsaufnahme der Initiative aus netzwerktheoretischer sowie wirtschafts- und unternehmensethischer Perspektive

Global Compact - Kritische Bestandsaufnahme der Initiative aus netzwerktheoretischer sowie wirtschafts- und unternehmensethischer Perspektive
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Katja Urhahne, geb. Brinkmöller
  • Abgabedatum: Juli 2004
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 672,0 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8402-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8402-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8402-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Urhahne, geb. Brinkmöller, Katja Juli 2004: Global Compact - Kritische Bestandsaufnahme der Initiative aus netzwerktheoretischer sowie wirtschafts- und unternehmensethischer Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Corporate Social Responsibility, Global Governance, Politiknetzwerk, Stakeholder, Globalisierung

MA-Thesis / Master von Katja Urhahne, geb. Brinkmöller

Problemstellung:

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellt die fortgeschrittene Globalisierung große Herausforderungen an die zunehmend vernetzte Weltgesellschaft. Grenzüberschreitende Transfers von Gütern, Geld, Menschen und Informationen haben ein komplexes, globales Interdependenzgefüge geschaffen. Dabei bergen transnationale Interaktionsprozesse neue Chancen aber auch neue Risiken. Probleme wie Hunger, Krieg, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzungen sind in diesem Zusammenhang nicht neu – neu dagegen und charakteristisch für die globalisierte Welt ist, dass Probleme nicht mehr nur lokale oder regionale Ursachen und Auswirkungen haben, sondern global auftreten und auch globale Folgen haben. Die Probleme zu bewältigen und Wohlfahrtsgewinne zu ermöglichen, ist dabei die größte Herausforderung. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die den veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen gerecht werden. Gleichzeitig muss die Rolle der in diesen Prozess involvierten Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft neu definiert werden. Dabei kommt vor allem den Unternehmen als zentralem Akteur der Globalisierung eine entscheidende Rolle zu. Unternehmen werden heute stärker als bisher in die ökologische und gesellschaftliche Verantwortung genommen. „Ethisches Handeln der Privatwirtschaft als eine Rahmenbedingung für die wirtschaftliche Globalisierung“ ist zu einem aktuellen Thema in Wissenschaft und Praxis geworden. Stellvertretend dafür ist der die unternehmerische Verantwortung umfassende Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) zu einem Schlagwort in Theorie und Praxis geworden. Unternehmen müssen sich im stetigen Dialog mit Akteuren aus Politik und Gesellschaft auseinandersetzen. Dialog und Vernetzung sind in der globalisierten Welt zu unerlässlichen Instrumenten geworden. Die Auseinandersetzung zwischen den Akteuren auf kooperative Weise zu gestalten, stellt vor allem das traditionell antagonistische Verhältnis zwischen Gesellschaft und Unternehmen vor eine neue und schwierige Herausforderung.

Als UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahr 1999 die führenden Wirtschaftsvertreter der Welt zu einem Global Compact mit der UNO aufrief, stellte dies und stellt noch heute einen Wendepunkt in der Geschichte der Vereinten Nationen dar. Stärker als bisher arbeiten UNO und Privatwirtschaft seitdem Hand in Hand zusammen mit dem Ziel, die globalen Probleme gemeinsam zu bewältigen. Der Global Compact stellt damit eine der wichtigsten und bekanntesten Initiativen zur Förderung verantwortungsbewussten Handelns der Privatwirtschaft auf globaler Ebene dar.

Aufgrund ihres völlig neuen Ansatzes ist die Initiative von Kofi Annan Gegenstand eines weltweit geführten kritischen Diskurses. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und der Privatwirtschaft stellt ein Novum dar, das Befürworter wie Kritiker auf den Plan ruft. Als ein innovatives Experiment zur Lösung globaler Probleme und zur Schaffung von notwendigen Global-Governance-Strukturen (globalen Ordnungsstrukturen) sieht es die eine Seite, als eine Privatisierung und Legitimitätsverlust der UN die andere.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den kritischen Diskurs um den Global Compact nachzuzeichnen, um ihn anschließend selbst kritisch zu hinterfragen. Dabei geht es konkret um die Beantwortung der zwei Fragen, inwieweit der Global Compact erstens in seiner Konzeption als Netzwerk ein effektives Policy-Instrument für bzw. von Global Governance sein kann, und zweitens wie und unter welchen Bedingungen unternehmerisches Handeln zu gegenseitigen Vorteilen für alle Beteiligten führen kann. Von der Beantwortung der zweiten Frage erhofft sich die Verfasserin einen Weg aufzuzeigen, der den Konflikt zwischen den Akteuren zu lösen vermag. Es geht darum, das Prinzip von Corporate Social Responsibility – also des freiwilligen unternehmerischen Engagements zur Lösung gesellschaftlicher Probleme - theoretisch zu erklären und dessen Potential für den Aufbau einer Global Governance-Struktur aufzuzeigen.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit nähert sich der Frage nach dem Beitrag des Global Compact zum Aufbau einer Global Governance-Architektur auf unterschiedliche Weise. Um dem interdisziplinären Anspruch an die Arbeit gerecht zu werden, wird dieselbe aus der Perspektive zweier wissenschaftlicher Disziplinen untersucht: der Politikwissenschaft und der Ökonomik.

Im Rahmen der politikwissenschaftlichen Untersuchung werden Grundlagen der Netzwerktheorie herangezogen, um den Global Compact, der als ein Netzwerk konzipiert wurde, auf seinen Beitrag zu Global Governance überprüfen zu können. Die ökonomische Analyse stützt sich auf die Erkenntnisse der Wirtschafts- und Unternehmensethik im Allgemeinen und das interaktionsökonomische Theoriemodell von Karl Homann im Speziellen. Im Ergebnis soll mit Hilfe der Interaktionsökonomik gezeigt werden, auf welche Weise unternehmerisches Handeln zu Vorteilen für alle Beteiligten und somit auch für die Gesellschaft führt, um damit die Frage beantworten zu können, ob der mit dem Global Compact gewählte Ansatz der freiwilligen Zusammenarbeit der Privatwirtschaft mit der UNO als Erfolg versprechend einzustufen ist. Grundsätzlich zeichnet sich die Arbeit durch einen Schwerpunkt im politikwissenschaftlichen Bereich aus.

In ihrem Aufbau folgt die Arbeit dem Weg von der Praxis in die Theorie. Dieser Weg wurde gewählt, weil das dem Global Compact zugrunde liegende Konzept von Corporate Social Responsibility aus der Unternehmenspraxis kommt und erst anschließend von der Wirtschaftswissenschaft theoretisch fundiert wurde. Nach der Klärung von für die Arbeit zentralen Begriffen, wird der Global Compact einschließlich der beteiligten Akteure und entwickelten Instrumentarien vorgestellt. Anschließend wird der kritische Diskurs, den die Initiative auslöste, in Kapitel drei nachgezeichnet. Daraufhin folgen die zwei theoretischen Teile der Arbeit, die die politikwissenschaftliche Analyse von der ökonomischen trennt. In ihnen werden die Leitfragen der Arbeit theoretisch bearbeitet. Im abschließenden Teil sollen die Ergebnisse zusammengefasst und bewertet werden.

Inhaltsverzeichnis:

Eidesstattliche Erklärung 1
Abkürzungsverzeichnis 4
Anhangsverzeichnis 5
1. Einleitung 6
1.1 Problemstellung und Ziele 6
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit 8
2. Der Global Compact - ein Beitrag zu Global Governance und CorporateSocial Responsibility 9
2.1 Begriffsklärung 9
2.1.1 Global Governance - Strukturen einer Weltordnungspolitik 9
2.1.2 Corporate Social Responsibility - Die Übernahme von Ordnungsverantwortung in der globalisierten Welt 13
2.2 Der Global Compact - Hintergrund und Entstehung 16
2.3 Ziele und Aufgaben 18
2.4 Konzeption 19
2.5 Akteure 20
2.5.1 Vereinte Nationen 21
2.5.2 Regierungen 21
2.5.3 Unternehmen 22
2.5.4 Gewerkschaften 23
2.5.5 Organisationen der Zivilgesellschaft 24
2.5.6 Sonstige Akteure 24
2.6 Instrumente zur Durchführung 24
2.6.1 Dialog 24
2.6.2 Lernforum 25
2.6.3 Partnerschaftsprojekte 25
2.6.4 Lokale Netzwerke 26
3. Kritische Bestandsaufnahme und Legitimationszusammenhang 26
3.1 Der Diskurs um den Global Compact 26
3.1.1 Die Vereinten Nationen und die Privatwirtschaft - Ausverkauf der UN? 26
3.1.2 Der Global Compact und die Forderung nach Regulierung und Sanktionierung 32
3.1.3 Die Problematik der praktischen Umsetzung des Paktes - Von der Theorie zur Praxis 36
3.2 Global Compact - die Quadratur des Kreises? 39
4. Vernetzung der Akteure - Der Global Compact unter netzwerktheoretischen Gesichtspunkten 40
4.1 Globale Politiknetzwerke - Eigenschaften und Funktionen 40
4.1.1 Charakteristika globaler Politiknetzwerke 40
4.1.2 Funktionen und Funktionsbedingungen globaler Politiknetzwerke 43
4.2 Die Notwendigkeit globaler Politiknetzwerke in einer Welt offener Systeme 45
4.3 Die Bedeutung globaler Politiknetzwerke für den Aufbau einer Global Governance-Architekur 46
4.4 Untersuchung des Global Compact auf Effektivität unter Berücksichtigung netzwerktheoretischer Ansätze und ausgewählter Kriterien 48
4.4.1 Wissensaustausch 49
4.4.2 Implementation der Prinzipien 54
4.4.3 Partizipation 60
4.4.4 Vertrauen 64
4.5 Fazit: Der Beitrag des Global Compact als globales Netzwerk zur Schaffung von Global Governance 67
5. Ordnungspolitische Mitverantwortung im internationalen Kontext: Der Global Compact unter wirtschafts- und unternehmensethischen Gesichtspunkten 69
5.1 Ökonomische Struktur und ethische Konsequenz der Globalisierung 70
5.2 Lösung des Dualismus zwischen Profit und Moral: Wirtschafts- und unternehmensethische Ansätze 71
5.3 Interaktionsökonomik als Theoriegerüst für mehrseitig gewinnbringende Kooperation 75
5.4 Dilemmastrukturen als Schema der Interaktionsökonomik 78
5.5 Voraussetzungen für die Überwindung von Interaktionsproblemen 82
5.5.1 Institutionelle Regelsysteme und die Bedeutung von Handlungen und Handlungsbedingungen 83
5.5.2 Veränderte Spielregeln als Voraussetzung für Kooperationsgewinne 84
5.7 Fazit: Das Potential von Corporate Social Responsibility zum Aufbau von Global Governance-Strukturen 87
6. Abschließende Bewertung und Schlussbetrachtung: Der Global Compact ein innovatives Experiment 89
Anhang 92
Literaturverzeichnis 99

Automatisiert erstellter Textauszug:

Diese Diskussion über ein elementares Instrument des Global Compact zeigt, wie schwierig sich die Umsetzung des Paktzieles ‚Wissensaustausch’ derzeit noch gestaltet. Zieht man die globale Reichweite und die Anwendungsbereiche des Global Compact in Betracht, so wird angesichts der kulturellen und sozialen Unterschiede, die sich hieraus ergeben, eine Dimension deutlich, die diese Frage in einen weitaus komplexeren Zusammenhang stellt und weitere Verständnisprobleme dieser Art erahnen lässt.195 Darüber hinaus beklagen Teilnehmer der Lernforen, dass die Informationen und das Wissen, welche auf den Foren ausgetauscht und geteilt werden, oftmals entweder zu allgemein oder aber zu firm- und kontextspezifisch seien, was die Anwendbarkeit und Übertragung der Beispiele auf andere Firmen erschwere.196 [...]

Da die Effektivität des Lernforums von der Anzahl und der Qualität der Beiträge seiner Teilnehmer abhängig ist, ist dem Lernforum auf dem Internetportal wie oben gesehen bisher nur ein sehr geringes Maß an Effektivität zuzuordnen, welches darin besteht, dass zumindest einige der Akteure sich aktiv am Lernprozess und dem Wissensaustausch beteiligen. Dagegen verspricht der Wissensaustausch auf den jährlich abgehaltenen Veranstaltungen zum Lernforum insofern effektiver zu sein, als dass die Beteiligten in direktem Dialog miteinander stehen und sich auf diese Weise leichter über praktische Erfahrungen austauschen können. Die internationalen Lernforen wurden bisher dreimal in unterschiedlichen Ländern abgehalten. Bei diesen Lernforen versammeln sich Vertreter von Firmen, Gewerkschaften, NGOs, der jeweiligen Regierung und der Wissenschaft.193 Trotz oder gerade wegen des direkten Dialoges ergeben sich aber auch hier Probleme, die die Effektivität einschränken. So wurde beim zweiten Annual Learning Forum 2002 in Berlin deutlich, dass es durchaus Verständigungsprobleme über die Ziele der Veranstaltung und des Global Compact insgesamt gab. Allein der Begriff des „Lernens“ warf bei den Teilnehmern bereits Probleme und Fragen nach dessen genauer Bedeutung auf. Demnach musste zunächst geklärt werden, was unter ‚Lernen’ und ‚Lernzielen’ zu verstehen ist, um anschließend den Wissensaustausch effektiv im Sinne von ständigem Lernen zu gestalten. ‚Lernziele’ können von der reinen Wissensaneignung, über die Anwendung von erlerntem Wissen, bis zur Analyse und Bewertung desselben reichen. 194 [...]

Trotz dieser zum Teil positiven Aspekte ist aus den aufgeführten Zahlen abzuleiten, dass beim Lernforum auf dem Internetportal bisher das Dialogische, d. h. der stetige und effektive Wissensaustausch fehlt. Die Kritik, dass Unternehmen das Learning Forum wegen fehlender Überprüfung ihrer Berichte als ein „kostenfreies Forum zur Selbstdarstellung“192 nutzen können, kann somit zum Teil nachvollzogen werden. Dieser bemängelte Zustand ist jedoch vor allem auch darauf zurückzuführen, dass sich Gewerkschaften, NGOs und Vertreter der Wissenschaft bisher noch viel zu wenig am Austausch, z. B. durch Stellungnahmen zu Firmenbeiträgen, beteiligen. Aus diesem Grund muss die Kritik an den Unternehmen den Kritikern teilweise selbst vorgeworfen werden, da diese durch eine aktivere Teilnahme am interaktiven Lernforum die einseitige Darstellung der Firmenaktivitäten durchaus relativieren könnten. [...]

Arbeit zitieren:
Urhahne, geb. Brinkmöller, Katja Juli 2004: Global Compact - Kritische Bestandsaufnahme der Initiative aus netzwerktheoretischer sowie wirtschafts- und unternehmensethischer Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Corporate Social Responsibility, Global Governance, Politiknetzwerk, Stakeholder, Globalisierung

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