Giordano Bruno
An der Schwelle der Moderne
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Andrea Koenig
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 106 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Regensburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5336-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5336-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5336-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Koenig, Andrea August 2001: Giordano Bruno, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Monadologie, Unendelichkeitslehre, Neuzeit, Häresie, Katholische Kirche
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Magisterarbeit von Andrea Koenig
Einleitung:
Am 17. Februar 1600 wurde auf Befehl der päpstlichen Inquisition auf dem Campo di Fiore in Rom einer der bedeutensten Denker der italienischen Renaissance auf dem Scheiterhaufen verbrannt – Giordano Bruno. In ihm begegnet uns einer der merkwürdigsten und umstrittensten Männer des 16. Jahrhunderts. Obwohl sicherlich nicht ganz ohne Vorläufer, war er doch der erste bedeutende Vertreter einer neuen Form von Inquisitionsopfern. Er gehörte keiner Reformrichtung der damaligen Zeit an, sondern ging seinen eigenen Weg als Philosoph und Freidenker. Lange Zeit wurde Giordano Bruno neben seinem berühmten Zeitgenossen Galileo Galilei (1564-1642) eine eher geringe Bedeutung beigemessen, was den wissenschaftlich-philosophischen Rang und den Inhalt seines umfangreichen Werkes angeht. Neben den großen Denkergestalten der italienischen Renaissance fand Bruno keineswegs allgemein solche Anerkennung, sondern galt vielmehr von seinen Lebzeiten (1548–1600) bis weit in die Moderne als umstritten. Dennoch gab es nur wenige Denker, die ihren Stimmungsgehalt mit solcher Originalität und Geisteskraft Ausdruck zu verleihen vermochten wie Giordano Bruno. Obwohl sein Name nach seinem Tod zunächst geächtet blieb, ging von Bruno ein Einfluss aus, der in der Nachfolgezeit auf viele Menschen Faszination ausübte und wichtige Denkanstöße bot. Bruno versuchte sich von aller Autorität loszureißen und durch Selbstdenken das Unendliche zu erfassen. Mit seiner impulsiven und lebensbejahenden Einstellung sprengte Bruno die Vorstellungswelt des Mittelalters und sprach mit seiner Philosophie das an, wonach die Zeit drängte. Mag er auch für das moderne Denken eine zu wenig repräsentative Gestalt gewesen sein, so leistete Giordano Bruno doch einen entscheidenden Beitrag dazu, das Tor zur Neuzeit zu öffnen.
So bewunderungswürdig und faszinierend dieser Mann wegen seines tiefeindringenden Geistes und wegen seines Schicksals in der Geschichte auch erscheint, so wenig kennt man ihn jedoch ganz. Vieles in seiner Lebensgeschichte ist noch unbekannt, dunkel und rätselhaft. Da die römischen Prozessakten bislang ebenso wenig veröffentlicht worden sind, wie die zu den Akten überreichten Schriften, zu denen auch eine in der Schlussverhandlung eröffnete Verteidigungsschrift kam, so liegt ein undurchdringlicher Schleier über dem tragischen Schicksal Brunos. Eine nicht unentscheidende Rolle spielte hierbei auch die Einflussnahme der katholischen Kirche, die Brunos Schriften von 1603 bis in das Jahr 1965 auf den Index librorum prohibitorum, die Liste kirchlicherseits verbotener Bücher, setzte. Während Galileo Galilei 1992 „rehabilitiert“ wurde, ist die Feindschaft der katholischen Kirche Giordano Bruno gegenüber nie aufgehoben worden. Dafür gibt es Gründe, die, rätselhaft genug, kaum bekannt sind, aber aus denen ersichtlich wird, dass Bruno auch heute noch ein Ketzer wäre, der der katholischen Kirche gegenüber stünde. Die bis zum heutigen Tage anhaltende Diskrepanz bewies auch der Besuch des gegenwärtigen Papstes Johannes Paul II. in Nola, dem Geburtsort des Philosophen, im Mai 1992, als man ein Denkmal Giordano Brunos mit einer Plane verhüllte.
Giordano Bruno starb nicht als Zweifler oder als Ketzer, dessen dogmatische Abweichungen nur innerchristliche Vorgänge betrafen, sondern für einen Widerspruch, der sich gegen das Zentrum und die Substanz des christlichen Systems richtete. Er führte eine neue Gottheit herauf, die Unendlichkeit. Aus der Kopernikanischen Wende, nach der die Erde nicht länger als Mittelpunkt des Universums gelten konnte, zog Bruno die Schlussfolgerung, dass das Dasein des Menschen von Grund auf revidiert werden müsse. Die Kirche hatte schon die wissenschaftliche Auffassung von Nikolaus Kopernikus (1473-1543) abgelehnt, weil diese die Zerstörung ihres weltanschaulichen Gebäudes darstellte. Noch viel mehr bedroht sah sich die Kirche jedoch von Brunos philosophischer Unendlichkeitslehre, welche die Anhaltspunkte des Christentums in Nichts aufzulösen drohte. Mit denkerischer Schärfe und Intuition nahm Giordano Bruno vieles vorweg, was Naturwissenschaftler erst später entdeckten. Als Denker der Zeitwende, der ein neues Weltbild und die moderne Naturwissenschaft initiierte, wird er heute von vielen Interpreten allgemein charakterisiert. Über die Auswirkungen und Folgen der Werke Giordano Brunos im Zeitraum vom 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lassen sich keine zuverlässigen Aussagen machen. Es gibt kaum explizite Bezugnahmen auf seine Schriften oder gar namentliche Nennungen. Dies liegt höchstwahrscheinlich daran, dass aufgrund seiner Verurteilung durch die Inquisition und der Indizierung seiner Schriften eine Auseinandersetzung mit seiner Lehre als Risiko gegolten haben mag und die Berufung auf Bruno die Gefahr bedeutete, als Sympathisant eines Irrlehrers in Verruf zu geraten.
Ziel dieser Arbeit ist es, nicht nur einen Einblick in das Leben und die umfangreiche Lehre des italienischen Renaissancephilosophen, der an der Schwelle der Moderne stand, zu gewähren, sondern auch einen Erklärungsansatz für die unerschöpfliche Erbitterung der Kirche gegen den Mitbruder Giordano Bruno und seine Auswirkungen auf die Neuzeit darzustellen.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 6 | |
| 0. | Einleitung: Giordano Bruno - Denker der Zeitwende | 7 |
| 1. | GIORDANO BRUNO - SEIN LEBEN | 9 |
| 1.1 | Geburt und Kindheit | 9 |
| 1.1.1 | Geburtsort und Geburtsdatum | 9 |
| 1.1.2 | Juan Bruno und Fraulissa Savolina | 9 |
| 1.2 | Die schulische Ausbildung | 10 |
| 1.2.1 | Die Lateinschule in Nola | 10 |
| 1.2.2 | Das Studium der freien Künste in Neapel | 10 |
| 1.3 | Der Eintritt in den Dominikanerorden | 13 |
| 1.3.1 | Der Orden der Dominikaner | 13 |
| 1.3.2 | Der Name „Giordano“ | 14 |
| 1.3.3 | Geschichtliches Umfeld | 15 |
| 1.3.4 | Die Zeit als Mönch | 16 |
| 1.3.5 | Der erste Prozess 1566 | 16 |
| 1.3.6 | Theologische Karriere | 17 |
| 1.3.7 | Der zweite Prozess 1576 | 18 |
| 1.4 | Die Jahre auf der Flucht | 19 |
| 1.5 | Der dritte Prozess vor der venezianischen Inquisition | 26 |
| 1.6 | Der vierte Prozess vor der römischen Inquisition | 27 |
| 1.7 | Verurteilung und Hinrichtung | 27 |
| 1.8 | Giordano Bruno und die Inquisition | 29 |
| 2. | GIORDANO BRUNO - SEINE LEHRE | 32 |
| 2.1 | Kosmologie | 32 |
| 2.2 | Metaphysik | 39 |
| 2.2.1 | Unendlichkeit | 40 |
| 2.2.2 | Weltseele | 40 |
| 2.2.3 | Materie und Substanz | 41 |
| 2.2.4 | Monade | 42 |
| 2.2.5 | Atome | 43 |
| 2.2.6 | Seele | 44 |
| 2.2.7 | Das Prinzip der Einheit | 46 |
| 2.2.8 | Zusammenfassung | 49 |
| 2.3 | Anthropologie | 49 |
| 2.4 | Brunos Tugendlehre | 51 |
| 2.5 | Die magischen Schriften | 52 |
| 2.6 | Zusammenfassung: Das philosophische System Giordano Brunos | 55 |
| 3. | GIORDANO BRUNO UND DIE KIRCHE | 57 |
| 3.1 | Brunos frühe Zweifel | 57 |
| 3.1.1 | Der Inhalt der Zweifel | 58 |
| 3.1.1.1 | Trinität | 58 |
| 3.1.1.2 | Die Zahlenidee des Einen und der Drei | 60 |
| 3.2 | Die Abkehr vom Christentum | 61 |
| 3.3 | Brunos Religionsphilosophie | 63 |
| 3.4 | Die Suche nach der wahren Naturphilosophie der Antike | 69 |
| 4. | GIORDANO BRUNO - AN DER SCHWELLE DER MODERNE | 72 |
| 4.1 | Die religiösen Umwälzungen am Ende des Mittelalters | 73 |
| 4.2 | Voraussetzungen und Einflüsse Giordano Brunos | 74 |
| 4.2.1 | Die Abwendung vom Aristotelismus | 74 |
| 4.2.2 | Nikolaus von Kues: Die metaphysische Voraussetzung | 76 |
| 4.2.2.1 | Die belehrte Unwissenheit | 76 |
| 4.2.2.2 | An der Schwelle einer Epoche | 79 |
| 4.2.3 | Nikolaus Kopernikus: Die kosmologische Voraussetzung | 79 |
| 4.2.3.1 | Kopernikus` Kosmologie | 80 |
| 4.2.3.2 | Giordano Brunos kopernikanische Konsequenz | 81 |
| 4.3 | „Il pensiero Bruniano“ - Brunos Nachwirkungen und Einflüsse auf die Folgezeit | 82 |
| 4.3.1 | Giordano Bruno und Baruch de Spinoza | 83 |
| 4.3.2 | Giordano Bruno und Gottfried Wilhelm Leibniz | 84 |
| 4.3.3 | Giordano Bruno und René Descartes | 85 |
| 4.3.4 | Giordano Bruno und Johann Wolfgang von Goethe | 87 |
| 4.3.4.1 | Goethes entelechische Monade | 87 |
| 4.3.4.2 | Goethes Faust | 89 |
| 4.3.4.3 | Goethes Naturphilosophie | 90 |
| 4.3.5 | Giordano Bruno und der deutsche Idealismus | 91 |
| 4.3.6 | Giordano Bruno und die italienische Renaissanceforschung | 92 |
| 4.3.7 | Giordano Bruno und das 20 Jahrhundert | 93 |
| 4.3.8 | Zusammenfassung | 94 |
| 5. | Schluss: Moderne Häresie | 95 |
| Giordano Bruno - Zeittafel | ||
| Literaturverzeichnis | 100 | |
| Schriftliche Erklärung | 105 |
52 diesem Dialog lässt Bruno das Götterparlament auf dem Olymp zusammentreffen und beschließen, den Himmel der mythologischen Sternbilder zu reformieren. Die Vertreibung der alten Sternbilder ist hier gleichzusetzen mit der Reinigung der menschlichen Seele von ihren Irrtümern, während die beteiligten Götter die einzelnen Vermögen der Seele darstellen. Die Reform des Himmels, bzw. die Vertreibung der triumphierenden Bestie, lässt Bruno so aussehen, dass nach einer umfassenden Kritik des menschlichen Charakters und einer Aufzählung zahlreicher Gründe, Zeus die Sternbilder mit Tugenden neu besetzt.111 Jedes Sternbild, das eine Untugend mitsamt ihren verschiedenen Verzweigungen menschlicher Lebensbetätigung repräsentiert, wird durch die entgegengesetzte Tugend und „ihre Begleiterinnen“ ersetzt. Der Wahrheit als dem höchsten und ersten Prinzip wird das Sternbild des Kleinen Bären zugewiesen, um welchen als einzig unbeweglicher Pol das ganze Sternenfirmament seine tägliche Drehung vollendet. Bruno zeichnet in diesem Werk eine umfassende Charakteristik des Menschentums mit all seinen Schwächen nach und strebt damit eine sittliche Reform an. Hier geht er, wie Aristoteles, von dem Grundsatz aus, dass jede wahre Tugend stets die Mitte zwischen Übertreibungen ist.112 So werden auch Glückseligkeit und Weisheit bestimmt durch ein ewig strebendes Bewegen im Sinne eines harmonisierenden Ausgleichs nach der tugendhaften Mitte zwischen den Extremen. 2.5. Die magischen Schriften. [...]
Weicht Giordano Bruno als Anhänger der platonischen Richtung auch in zahlreichen Punkten von der aristotelischen Lehre ab, so gibt es jedoch, wie bereits der vorherige Abschnitt deutlich werden ließ, Gedankengänge, die beide gemeinsam vertreten. Wie Aristoteles geht auch Bruno von dem Grundsatz aus, dass jede wahre Tugend stets die Mitte zwischen Übertreibungen ist. Das neue Weltbild, das Bruno kreirte, löste zwar den Menschen aus seiner bisherigen starren Grundstellung ab, gab ihm jedoch gleichzeitig eine Handlungsfreiheit, die ihn verpflichtete, selbst den Mittelpunkt zu wählen, zu bestimmen und in tätigem Mitschaffen in dem Werdeprozess des Weltalls seinen eigenen Standort zu manifestieren. Durch seine Lehre eines unendlichen Universums mit unendlich vielen Welten, in dem der traditionelle Anthropozentrismus nicht mehr gilt, und durch seine Idee eines universellen Naturgesetzes, das im Universum und der Natur existiert, stellt sich für Giordano Bruno notwendigerweise auch die Frage nach neuen adäquaten Lebensformen der menschlichen Gesellschaft. In dem Werk „Die Vertreibung der triumphierenden Bestie“ stellt Bruno sein ethisches und religionsphilosophisches Grundkonzept in Form einer satirischen Allegorie dar. In [...]
51 ewige Wechselwirkung der Gegensätze, wie z.B. Wille und Vernunft, deren Versuch sie in eine Harmonie zu bringen, ein Ziel darstellt, das der Mensch nie erreichen wird. „(...) denn das letzte Ende darf kein Ende nehmen, da es dann das letzte sein würde. Es ist also unendlich in der Absicht, in der Vollkommenheit, in der Wesenheit und in jeder anderen Beziehung.“109 Die Harmonie und die persönliche Glückseligkeit sind nur in der um Ausgleich bemühten Bewegung durch die Gegensätze zu finden und nicht durch das Erreichen eines vollendeten Zustandes. Diese ständige Bewegung stellt bei Bruno den Spielraum des Menschen dar, der nicht determiniert ist. Der Mensch an sich aber, steht bei Bruno, als Glied des Universums unter der göttlichen Vorsehung und damit unter dem Gesetz der Notwendigkeit. Ernst Bruno Hartung beschreibt Bruno in dieser Hinsicht als Philosophen, der der Überzeugung ist, „Notwendigkeit und Unveränderlichkeit in Gott und sittliche Freiheit und Wahlvermögen im Menschen mit einander vereinigen zu können“110. 2.4. Brunos Tugendlehre. [...]
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Koenig, Andrea August 2001: Giordano Bruno, Hamburg: Diplomica Verlag
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Monadologie, Unendelichkeitslehre, Neuzeit, Häresie, Katholische Kirche



