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Die Gewerkschaft in der Postmoderne - nur eine Geschichte vergangener Zeiten?

Die Gewerkschaft in der Postmoderne - nur eine Geschichte vergangener Zeiten?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Döring
  • Abgabedatum: Dezember 2001
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 734,2 KB
  • Note: 1,4
  • Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6163-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6163-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6163-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Döring, Stefan Dezember 2001: Die Gewerkschaft in der Postmoderne - nur eine Geschichte vergangener Zeiten?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Lernen, Individualisierung, soft skills, Flexibilität, Werte

Diplomarbeit von Stefan Döring

Einleitung:

Wie bereits im Titel genannt, behandelt diese Arbeit zum einen die Postmoderne als die Epoche, in der wir uns derzeit befinden. Es wird auf einer analytischen Ebene der Frage nachgegangen, was sich wie und wo verändert hat. So bietet diese Arbeit eine - sicherlich nicht vollständige - aber weit reichende Beschreibung von dem, was heute oft und gern Postmoderne genant wird.

Um solche Veränderungen greifbar zu machen, ist es zweckmäßig, dass die Postmoderne mit „ihrem Vorgänger“ – der Moderne - verglichen wird und so Unterschiede aufgezeigt werden. Diese Gegenüberstellung geschieht dabei auf mehreren Ebenen:

Wie hat sich die Arbeit seit der Moderne verändert? Hier werden heute überall wieder zu findende Phänomene wie Globalisierung, Flexibilität und entgrenzte Arbeitszeit sowie die neue Anforderungen an heutige Arbeitnehmer wie z.B. sofft skills behandelt. Es werden dabei nicht nur die Chancen solcher Arbeitsbedingungen erörtert, sondern auch die Risiken und Gefahren. So wird geklärt, ob die Arbeit heute noch „entfremdet“ (im Sinne Marx’) sein kann.

Ein zweiter Ansatzpunkt ist der Beruf. Es stellt sich heute angesichts von Zeitarbeit, so genannten „Jobs“ und flexibler Arbeitszeit die Frage, was vom Beruf noch bleibt. Wozu ist der Beruf gut? Brauchen wir ihn noch?

Weiter beschäftigt sich diese Diplomarbeit mit der Problematik, wie sich die sozialen Bedingungen heute gewandelt haben. Geht es uns im Wohlfahrtsstaat wirklich allen besser? Wenn ja, gibt es andere Probleme? Welche Rolle spielt dabei die heute überall zu findende Individualisierung?

Nicht für Gewerkschaftler - die diese Phänomene heute vor allem bekämpfen oder von einem Bedeutungsverlust des Berufs oft nichts hören wollen - lässt sich hier eine Relevanz dieser Diplomarbeit erkennen, sonder für alle, die mit Arbeit und Beruf zu tun haben. Also auch für Manager und Personaler, die allzu gerne gerade mit solchen Begrifflichkeiten arbeiten bzw. in immer kürzeren Abständen entsprechende Projekte initiieren. Vielleicht hilft ein Blick hinter diese Phänomene um die Tragweite besser abschätzen zu können.

Letztlich wird die Betrachtung der Postmoderne in Abgrenzung zur Moderne am Beispiel der Gewerkschaften nachvollzogen. Es wird angesichts eines nicht mehr von der Hand zu weisenden Bedeutungsverlustes der Gewerkschaften der Frage nachgegangen, welches die Grundlagen der Gewerkschaften in der Zeit ihrer Entstehung in der Moderne waren und wie sich diese sich in der Postmoderne verändert haben. Dabei wird auf kollektive und rationale Aspekte, die einen gewerkschaftlichen Zusammenschluss bewirken, Bezug genommen. Vor allem Werte werden hier zum Thema gemacht. Was ist aus den Werten unserer Eltern oder Großeltern geworden?

Auf Grund eines bei der heutigen Jugend festzustellenden Wertewandels gewinnt dieser Aspekt immer stärker an Bedeutung. Aber nicht nur für Gewerkschaftler oder Soziologen, sondern auch für Ökonomen. Denn gerade diese fordern vermehrt Werte von den Arbeitnehmern ein. Eine Verzweckung von Werten zugunsten des ökonomischen Erfolgs? Auch zu diesem Paradox nimmt diese Diplomarbeit Stellung.

Letztlich beschäftigt sich diese Diplomarbeit mit den Gewerkschaften in der Postmoderne. Was sind die Grundlagen dieser Arbeitnehmerorganisation und was ist aus ihnen geworden? Vor welchen Problemen steht die Gewerkschaft und welche Richtung muss in Zukunft eingeschlagen werden? Diese Aspekte sind sicherlich auch für jeden Arbeitgeber interessant.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitende Gedanken 3
Aufbau der Arbeit 6
1. Gewerkschaften als kollektive Vereinigungen der modernen Industriegesellschaft 8
1.1 Arbeit - Arbeitsbedingungen zur Zeit der großen Industrie 9
1.2 Unsoziale Bedingungen in der Moderne 17
1.3 Die Entstehung von Klassen – die Arbeiterklasse als Gegengewicht 21
1.4 Der Beruf und seine neue Bedeutung in der Moderne 26
1.5 Gewerkschaften vor dem Hintergrund von Werten 31
1.6 Gewerkschaften vor dem Hintergrund von Rationalität 37
2. Gewerkschaften in der individualisierten Gesellschaft der Postmoderne 44
2.1 Als die Arbeit nicht mehr entfremdet war 45
2.2 Sozialere Bedingungen? 56
2.3 Individualisierungsgesellschaft – klassenlose Postmoderne 67
2.4 Das Ende des Berufs – hin zum Lernen 72
2.5 Gewerkschaften ohne Hintergrund von Werten 79
2.6 Gewerkschaften vor dem Hintergrund von Rationalität? 83
3. Gewerkschaften heute – Probleme und Lösungsansätze 86
3.1 Gewerkschaft – ein Auslaufmodell? 86
Gewandelte Probleme 91
Postmoderne Organisation 95
4. Schlussbetrachtung 100
5. Literaturverzeichnis 107
6. Ehrenwörtliche Erklärung 114

Automatisiert erstellter Textauszug:

diesbezüglich fest, dass der Wandel von betrieblicher Fremdherrschaft zur flexiblen Selbstbestimmung der Arbeitenden letztendlich impliziert, dass sich der Arbeitnehmer selbst ausbeutet.49 In diesem Sinne stellt sich die Frage nach entfremdeter Arbeit plötzlich in einem neuen, gewandelten Kontext dar: nicht mehr im Sinne der Moderne, sondern eine neue „Selbstentfremdung“ aufgrund der Überforderung der Arbeitnehmer und einer selbst zu bestimmenden und damit viel subtileren Art der Ausbeutung. Dabei ist zu erwähnen, dass diese „Selbstentfremdung“ nur selten von den Arbeitern erkannt wird: Waren in der Moderne die Arbeitsbedingungen noch monoton, körperlich anstrengend, zeitlich ausgedehnt und ausbeuterisch, so waren diese Kriterien deutlich identifizierbar. Aber die subtile Art der Selbstentfremdung wird oft nicht bewusst erkannt. Man merkt es nicht und deshalb definiert wohl niemand mehr seine Arbeitsbedingungen als entfremdet. Aber ob nun entfremdete Arbeit oder nicht, festzuhalten bleibt, dass der Arbeiter heute erheblich mehr Möglichkeiten hat und nicht zuletzt aus diesem Grund auch die eventuell „selbstentfremdete“ Arbeit nicht mehr für alle im gleichen Maße gilt. Jeder hat andere Bedingungen, unter denen er arbeitet. Bevor ich mich mit den Auswirkungen dieser veränderten, nicht mehr für alle gleichen Arbeitsbedingungen in der Postmoderne auf die Kollektiventstehung beschäftige, müssen zunächst noch andere Bedingungen betrachtet werden, in denen wir heute leben. Besonders die sozialen Bedingungen und den Beruf greife ich erneut auf, da diese Punkte eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Gewerkschaften in der Moderne spielten. [...]

54 Arbeit gegenüber der Moderne erheblich gewandelt hat. Man kann in der postmodernen Arbeitswelt nicht mehr von entfremdeter Arbeit im Sinne der Moderne (im besonderen im Sinne Marx) sprechen. Freiräume in der Ausführung, Selbstverwirklichung, höherwertige und komplexe Aufgaben, Mitspracherechte oder rechtliche Gleichwertigkeit der Arbeitsvertragsparteien sind nur einige Beispiele für Veränderungen, die eine moderne Gesellschaftskritik hinsichtlich entfremdeter Arbeit nicht mehr tragfähig erscheinen lässt. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass diese neuen Arbeitsbedingungen nicht für alle Arbeiter im gleichen Maße gelten. Da jeder Arbeitnehmer in anderen Verhältnissen arbeitet, ist die Arbeit quasi individualisiert. Wenn in der Moderne gerade gleiche Lebensbedingungen zur Kollektivierung geführt haben, so ist hier kollektiverzeugendes Element verloren gegangen. Allerdings weise ich auf neue Gefahren und Probleme, die mit den neuen Arbeitsbedingungen einhergehen hin. Diese einige Beispiele: Selbstorganisierte Arbeit beihaltet die Anforderung, die eigene Arbeit zeitlich zu strukturieren (Pausenlänge – und Häufigkeit, Arbeitszeitdauer, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit). Beschleunigung und Ausdehnung der Arbeitszeit sind hier feststellbare Effekte; [...]

Zweitens räumt der Unternehmer den Arbeitskräften Freiräume in der Arbeitsausführung ein, die einen Autonomiegewinn bedeuten. So wird beispielsweise in einer Zielvereinbarung ein Auftrag formuliert, dessen Ausführung dem Arbeiter weitgehend freigestellt wird. Hier ist dann zum zweiten auch die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, verknüpft. Die Arbeitsansprüche der Arbeitnehmer haben sich in Richtung Selbstbestimmung und Sinnbezug entwickelt.44 (Marx hat diese Arbeit selbst als nichtentfremdet definiert.) Diese neuen Arbeitsansprüche konvergieren durchaus mit den neuen Betriebskonzepten. Ein weiterer Aspekt ist der Rückgang der produktionsorientierten Tätigkeiten mit der gleichzeitigen Zunahme des qualifizierten Dienstleistungsbereiches (Forschen, Entwickeln, Organisieren, Betreuen, Beraten, Lehren...). Somit verschiebt sich das Qualifikationsprofil zugunsten höherwertiger und komplexer Aufgaben.45 Viertens ist die Arbeit - entsprechend der Kategorien von Marx - durch Mitspracherechte nicht mehr entfremdet zu nennen. Beispielsweise beinhalten die angesprochenen Zielvereinbarungen, Gruppenarbeit, Möglichkeiten für Verbesserungsvorschläge usw. und vor allem die entstandenen Betriebsräte die Möglichkeit, dass der Arbeitnehmer (zumindest bedingt) mitbestimmen kann. Letztendlich erlaubt auch das gestiegene Maß an Bildung „ein Minimum an Selbstfindungs- und Reflexionsprozessen.“46 [...]

Arbeit zitieren:
Döring, Stefan Dezember 2001: Die Gewerkschaft in der Postmoderne - nur eine Geschichte vergangener Zeiten?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Lernen, Individualisierung, soft skills, Flexibilität, Werte

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