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Gewaltkriminalität Jugendlicher

Umfang, Erscheinungsformen, Erklärungsansätze

Gewaltkriminalität Jugendlicher
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Sandra Göke
  • Abgabedatum: Mai 2008
  • Umfang: 74 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 55
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4101-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Göke, Sandra Mai 2008: Gewaltkriminalität Jugendlicher, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kriminologie, Jugendkriminalität, Gewaltkriminalität, Jugendgewalt, Straftat

Studienarbeit von Sandra Göke

Einleitung:

‘Jugendlicher vergewaltigt 66 Jährige’, ‘14 Jähriger sticht Mitschüler nieder’, ‘16 Jähriger soll kleinen Bruder ermordet haben’ ‘Drei minderjährige Serieneinbrecher gefasst’, ‘Schüler soll Nachbarin ermordet haben’: beinahe täglich kann man in deutschen Tageszeitungen von Gewaltdelikten Jugendlicher lesen. Einen traurigen Höhepunkt stellt dabei der Amoklauf von Winnenden am 11.03.2009 dar, bei dem der 17 jährige Täter in seiner ehemaligen Realschule und auf der anschließenden Flucht 15 Menschen und schließlich sich selbst erschoss. Gewaltkriminalität Jugendlicher ist ein sehr aktuelles Thema. Ein Thema, das interessiert, reizt und diskutiert wird, wie nicht zuletzt in der ARD Sendung ‘Anne Will’, welche anschließend im Internet mehrere hundert Mal kommentiert wurde. Die mediale Vermittlung, illustriert anhand spektakulärer Einzelfälle, scheint klar: Jugendliche sind brutaler und gewalttätiger denn je. Und die Bevölkerung scheint dem, wie eine Umfrage bestätigt, zuzustimmen: 91% der Befragten finden, dass die Jugendlichen von heute gewalttätiger sind als früher.

Doch ist die Gewaltkriminalität Jugendlicher heute tatsächlich so massiv und umfangreich wie von den Medien aufgezeigt? Sind die Jugendlichen besonders brutal? In welchem Umfang findet die Gewalttätigkeit tatsächlich statt? In welchen Erscheinungsformen tritt sie auf und was für Erklärungsansätze gibt es? Genau diese Punkte sollen, unter Berücksichtigung verschiedener Datenquellen, in dieser Arbeit betrachtet werden.

Zentrales Thema dieser Arbeit wird das quantitative Ausmaß der Gewaltkriminalität Jugendlicher sein. Der Betrachtungszeitraum beschränkt sich, unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Datenquellen, auf die Jahre 2007/2008. Da es sich bei der Betrachtung nur um einen zeitlich begrenzten Ausschnitt handelt, besteht natürlich die Gefahr, eine nur temporäre Ab- oder Zunahme zu beobachten. Allerdings soll in dieser Arbeit keine Entwicklung, sondern primär der momentane ‘Ist-Stand’ aufgezeigt werden. Des Weiteren beschränkt sich die Analyse auf den Raum der Bundesrepublik Deutschland.

Um die Fragen weitergehend behandeln zu können, muss vorab definiert werden, was ‘Gewaltkriminalität Jugendlicher’ grundsätzlich meint bzw. umfasst. Da der umgangssprachliche, aber auch mediale Begriff des ‘Jugendlichen’ oftmals weitgreifender ist als der rechtliche, ist hier vorab eine Begriffsbestimmung notwendig. Ebenso muss der Begriff der ‘Gewaltkriminalität’ eingegrenzt werden, damit unmissverständlich klar ist, welche Handlungen darunter zu fassen sind und welche nicht.

Nach diesen inhaltlichen Definitionen muss betrachtet werden, welche Möglichkeiten zur Messbarkeit der Gewaltkriminalität Jugendlicher vorhanden sind bzw. nach welcher Methodik vorgegangen werden kann. Anschließend stellt sich die Frage, welche Datenquellen zur Verfügung stehen und wie diese inhaltlich zu werten sind. Besonders problematisch ist an dieser Stelle die ‘Hellfeld/Dunkelfeld’ Thematik. Im Anschluss werden konkrete Befunde aus verschieden Datenquellen dargestellt, um die Fragen nach dem Umfang und den Erscheinungsformen der Gewaltkriminalität Jugendlicher beantworten zu können. Die verschiedenen Daten werden alsdann gedeutet, ihr Aussagewert analysiert und nach Ursachen gesucht. Letztlich werden mögliche Erklärungsansätze für die Gewaltkriminalität Jugendlicher erarbeitet.

Inhaltsverzeichnis:

Literaturverzeichnis I
I. Einleitung 1
II. Definitionen 2
1. ‘Jugendliche’ 2
2. ‘Gewaltkriminalität’ 3
III. Umfang und Erscheinungsformen der Gewaltkriminalität Jugendlicher 7
1. Vorbemerkungen zur Erfassungsmöglichkeit von Gewaltkriminalität 7
2. Betrachtung des Hellfeldes 9
a) Anmerkungen zur PKS 9
b) Erkenntnisse aus der PKS und Exkurs ‘Raufunfälle’ 11
3. Betrachtung des Dunkelfeldes 21
a) Anmerkungen zur Dunkelfeldforschung 21
b) Anmerkungen zum Forschungsprojekt Nr. 107 des KFN 22
c) Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt Nr. 107 des KFN 23
4. Weitere Erkenntnisse zur Erscheinungsform der Gewaltkriminalität Jugendlicher 25
5. Exkurs: Gewaltszenen 27
a) Die Hooligan Szene 27
b) Die Rechte Szene 27
c) Die Linke Szene 28
d) Die interethische Szene 29
e) Die islamistische Szene 29
6. Aussagekraft und Deutung 29
IV. Erklärungsansätze zur Gewaltkriminalität Jugendlicher 32
1. Kriminalitätstheorien 33
a) Biologische Erklärungsansätze 34
b) Die Persönlichkeit 35
c) Die Kontrolltheorien 37
d) Entwicklungskriminologische Erklärungen 37
2. Soziale Lebensumstände 38
a) Familiäre Ursachen 38
b) Schulische Ursachen 40
d) Freizeitverhalten bzw. ‘peer-groups’ 41
e) Wohnverhältnisse 41
f) Medieneinflüsse 42
5. Schlussfolgerung 42
V. Zusammenfassung 43

Textprobe:

Kapitel III. 3, Betrachtung des Dunkelfeldes:

a), Anmerkungen zur Dunkelfeldforschung:

Ob die statistischen Zahlen der PKS den Umfang und die Erscheinungsform der Gewaltkriminalität Jugendlicher tatsächlich widerspiegeln können, kann nur durch die ergänzende Betrachtung einer Dunkelfeldstudie beantwortet werden.

Aber auch die Dunkelfeldforschung ist, wie die Hellfeldforschung bzw. deren Statistiken, kritisch zu betrachten. Selbst repräsentative Dunkelfeldbefragungen können nur selektive Erkenntnisse vermitteln, da die Täter erfahrungsgemäß nur bei leichten und einem Teil der mittelschweren Delikte gewillt sind, ‘halbwegs wahrheitsgemäße Angaben’ zu machen. Stimmen der Literatur behaupten sogar, die Dunkelfeldforschung ‘tappe regelrecht selber im Dunkeln’ und eine systematische Erforschung von Fehlerquellen und Verzerrungseffekten steht ebenso noch aus.

Das gebräuchlichste Verfahren in der empirischen Dunkelfeldforschung ist die Befragung. Bei der Befragung muss zwischen Täter- und Operbefragung unterschieden werden. Die bevorzugte Täterbefragung (‘Self reported deliquency’) birgt allerdings viele, bei der Auswertung zu berücksichtigende, Probleme. Methodisch spielen die Objektivität der Befragung, die Reliabilität, die Validität, die Verständlichkeit der Straftatbestände und das Frageverständnis eine Rolle. Auch problematisch ist die grundsätzliche Erfragbarkeit von Straftaten (Wie ehrlich sind die Antworten der Versuchspersonen?) die Erreichbarkeit sowie die Erinnerungsleistungen der Probanden sowie der Effekt der sozialen Erwünschtheit der Antworten.

Nachdem es bislang zwar einige multizentrische Dunkelfeldstudien gab, die allerdings nicht als repräsentativ für die gesamte BRD galten wurden am 17.03.2009 von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble und dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen e.V. (KFN) Prof. Dr. Christian Pfeiffer erste Ergebnisse des Forschungsprojekts ‘Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt’ vorgestellt. Dieser Forschungsbericht Nr. 107 des KFN in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern (BMI) wird in dieser Arbeit zur ‘Beleuchtung’ des Dunkelfeldes genutzt.

b), Anmerkungen zum Forschungsprojekt Nr. 107 des KFN:

In diesem Forschungsprojekt sind in zufällig ausgewählten Landkreisen und kreisfreien Städten rund 50.000 Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufen mittels eines Fragebogens befragt worden. Zunächst wurden zur Durchführung der Studie 61 repräsentative, per Zufall bestimmte Erhebungsgebiete in Deutschland ausgewählt, um anschließend eine nach Schulformen geschichtete Zufallsauswahl von neunten Jahrgangsstufen zu treffen, in welchen die Befragung stattfinden sollte. Insgesamt betrug der Umfang, der für die Befragung bestimmten, 3.052 Schulklassen mit 71.891 Schülern. Von diesen bestimmten Klassen fielen jedoch 921 (21.183 Schüler) total aus, sodass noch 50.708 im Durchschnitt 15 Jahre alte Schüler der 9. Klasse potentiell zur Befragung zur Verfügung standen. Gleichwohl sind, wie man bei der Bewertung dieser Studie kritisch berücksichtigen muss, 7.483 der 50.708 (14,8%) zu befragenden Schüler ausgefallen, da sie am Tag der Befragung nicht in der Schule waren, die Teilnahme verweigerten bzw. durch die Eltern untersagt bekamen oder den Fragebogen in nicht verwertbarer Weise ausfüllten. Dies bedeutet für die Studie eine Gesamtausfallquote von 37,9%, sodass lediglich 44.610 Fragebögen für Auswertungen zur Verfügung standen. Insbesondere bei den 14,8% potentiell zur Verfügung stehenden, jedoch ausgefallenen Schülern, könnte es sich aber gerade um delinquente Schüler handeln. Immerhin können sozial abweichende Verhaltensweisen wie Schulschwänzen und Arbeitsverweigerung Indikatoren für delinquentes Verhalten sein. Problematisch zu sehen ist außerdem die Erhebungsmethode eines Fragebogens, bei dem die Fragen bewusst im Kontext zu anderen Fragen stehen, sodass bei den Schülern ein sogenannter ‘Fragebogeneffekt’ entstehen kann. Eine weitere Einschränkung der Validität kann in der Vorgehensweise gesehen werden, die Schüler in Anwesenheit ihrer Mitschüler zu befragen. Dieser Umstand könnte das Antwortverhalten der Befragten Schüler beeinflusst haben. Auch muss kritisch gefragt werden, ob und inwieweit die Befunde auf Jugendliche die noch nicht die 9. oder schon die 10. Jahrgangsstufe besuchen bzw. die Schulzeit beendet haben, sprich jüngere oder ältere Jugendliche, übertragbar sind. All diese Faktoren müssen bei der Betrachtung der Ergebnisse berücksichtigt werden.

Arbeit zitieren:
Göke, Sandra Mai 2008: Gewaltkriminalität Jugendlicher, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kriminologie, Jugendkriminalität, Gewaltkriminalität, Jugendgewalt, Straftat

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