Gewalt an Grundschulen
Grundlagen, Ursachen, Erklärungsansätze, Maßnahmen und empirische Erhebung zu Erscheinungsformen
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Astrid Wittmann, Melanie Ruppert
- Abgabedatum: Februar 2008
- Umfang: 335 Seiten
- Dateigröße: 15,9 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 82
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1880-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Astrid Wittmann, Melanie Ruppert Februar 2008: Gewalt an Grundschulen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Phänomentologie, Ätiologie, Intervention, Aggressionstheorien, Prävention
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Staatsexamensarbeit von Astrid Wittmann, Melanie Ruppert
Einleitung:
‚Gewalt an Schulen’ – oft ist dieses Thema Gegenstand langwieriger Diskussionen in den Medien und nicht zuletzt in der Politik. Allzu häufig wurden wir in den letzten Monaten und Jahren Zeugen von gewalttätigen Übergriffen an Schulen. Der Amoklauf in Erfurt, die Geschehnisse an der Berliner Rütli-Schule, oder auch die Vorkommnisse an der Nürnberger Herschel-Schule gelten mittlerweile als Synonym für ein Phänomen: Gewalt scheint nicht nur innerhalb der Gesellschaft, sondern auch in Schulen ein schwerwiegendes Problem zu sein, das wie ein Lauffeuer um sich greift.
Bereits vor unserem Entschluss, diesem Thema im Rahmen einer Zulassungsarbeit auf den Grund zu gehen, erstellten wir eine Arbeit zu dem Thema ‘Häusliche Gewalt’. Dabei gewannen wir bei Gesprächen mit zuständigen Behörden einen ersten Einblick in die ‘wahre’ Welt. Wir wurden hierdurch sensibilisiert, beim Thema Gewalt, sei es im häuslichen oder öffentlichen Bereich, genauer hinzusehen und unseren Blick auf die Geschehnisse und Umstände unserer Zeit zu richten.
Dabei fiel uns auf, dass die Protagonisten in den Zeitungsartikeln über gewalttätige Auseinandersetzungen immer jünger werden. Höhepunkt aus unserer Sicht war ein Vorfall an der Nürnberger Herschel-Schule (Februar 2007), an welcher ein Schulkontaktbeamter der Polizei von teilweise unter 13-Jährigen geschlagen wurde (siehe Anhang 1).
Weiterhin konnten wir feststellen, dass seit den 90er Jahren das Thema ‘Gewalt an Schulen’ zu einem ‘Modethema’ heranwächst und in den letzten Jahren vermehrt für Berichte in den Medien sowie in Zeitschriften und Zeitungen sorgt. Nicht zuletzt die Geschehnisse in Münchner U-Bahnen zeigen, dass sich das Thema ‘Gewalt’, egal ob im schulischen oder außerschulischen Bereich, auch für die Landes- und Bundespolitik als Wahlkampfthema zu eignen scheint.
Exemplarisch kann man den Medien deshalb immer häufiger folgende Meldungen entnehmen:
‘Der Schüler Philip C. wurde durch Gewalt auf dem Pausenhof in den Tod getrieben. Er erhängte sich, nachdem er von drei Klassenkameraden ständig bedroht, umhergestoßen und gedemütigt worden war. Schließlich, als dem scheuen 16Jährigen die Unterlagen zur Vorbereitung einer Prüfung, einige Tage bevor er diese wichtige Prüfung ablegen musste, gestohlen wurden, konnte er das nicht mehr ertragen. Philip hatte Angst, seinen Eltern davon zu erzählen und wählte den Tod. Als er von der Schule nach Hause kam, hängte er sich mit dem Strick an seiner Schlafzimmertür auf’.
‘Zwei Jahre lang war Jonny, ein stiller 13Jähriger, für einige seiner Klassenkameraden ein menschliches Spielzeug. Die Teenager setzten Jonny zu, um an sein Geld zu kommen, sie zwangen ihn, Unkraut zu schlucken und Milch, die mit Waschmittel vermengt war, zu trinken. Sie verprügelten ihn in den Toiletten und legten ihm einen Strick um den Hals, mit dem sie ihn wie ein ‘Tier an der Leine’ herumführten’.
Artikel wie diese heizen intensive und kontroverse Diskussionen über das aggressive und gewalttätige Verhalten von Kindern und Jugendlichen an. Mehrfach werden dabei ungeprüfte Behauptungen von einem Zuwachs der Gewalt mit den Fragen nach den Risikofaktoren und den Hintergründen aggressiven und gewalttätigen Verhaltens verknüpft. Noch (vor-)schneller werden Vermutungen über die richtigen Präventions- und Interventionsmaßnahmen geäußert.
Doch die Thematik erfordert auf Grund ihrer Komplexität vor allem eine intensivere Beschäftigung und Betrachtung der Ätiologie, die auf fundierten empirischen Untersuchungen basieren sollte.
Das Gewaltpotential, das in den oben stehenden Beispielen vorhanden war, entsteht nicht über Nacht bei den Heranwachsenden, weshalb wir schlussfolgerten, dass die Gründe und Ursachen hierfür in frühester Jugend bzw. der Kindheit liegen müssen. Deshalb sahen wir es für notwendig an, bereits in der Grundschule nach Kriminalphänomenen und ihren Entstehungsursachen zu forschen, da schon hier die ersten Anzeichen später straffälliger Kinder zu finden sind.
Es stellen sich die Fragen, wie und warum Kinder Aggressionen und Gewalt ausüben und vor allem, in welchen Situationen dies der Fall ist. Die obigen Zeitungsausschnitte legen den Schluss nahe, dass auch von einem Schlüsselproblem in Schulen gesprochen werden muss. Im Zusammenhang dieser Arbeit wurde dazu eine Umfrage an zwei Nürnberger Schulen durchgeführt. Es soll geklärt werden, inwiefern Aggressionen und Gewalt den Alltag der Schüler bestimmen und beeinflussen. Noch viel wichtiger ist allerdings die Frage, mit welchen Präventions- und Interventionsmaßnahmen dieser Entwicklung entgegengesteuert werden kann. Die dafür zuständigen und in der Arbeit beschriebenen Personengruppen sind zunächst Schüler an sich, die Institution Schule als solche mitsamt des Lehrkörpers, sowie Eltern und Polizei. Die Arbeit und Möglichkeiten der einzelnen Gruppen sollen erfragt und beschrieben werden.
Leider gibt es in Deutschland zu dem Thema Gewalt und Aggression an Schulen wenige empirische Untersuchungen. Es fehlt vor allem an vergleichbaren Studien und Längsschnittstudien, auf deren Basis Aussagen über die Veränderung der Problematik und deren Aussagekraft bezüglich kausaler Faktoren möglich wären.
Bisherige Erhebungen in Deutschland beruhen zumeist auf Selbstauskünften der Schulen, die entgegen der Meinungen in der Öffentlichkeit und in der Presse ein anderes Bild über Gewalt an Schulen zeigen. Allgemein wird hier nicht von einer Zunahme von Gewalt gesprochen, sondern es wird lediglich beobachtet, dass sich bei einer Minderheit von Kindern und Jugendlichen die Intensität und die Qualität der gewalttätigen Handlungen verstärkt haben. Trotz allem erwiesen sich die Selbstauskünfte von Schulen als keine geeignete Grundlage, da viele Schulen versuchen, durch ein entsprechend manipuliertes gutes Erscheinungsbild in der öffentlichen Wahrnehmung und Gunst positiv dazustehen. Eine eigene, und damit unabhängige Befragung von Schulen, war und ist daher unumgänglich, weswegen wir die o.g. Schulen befragten.
Die wenigen vorhandenen deutschen Querschnittsstudien sind vom Aufbau her, sowie inhaltlich so unterschiedlich, dass sie nur schwer zu vergleichen sind. Dennoch lassen sich aus den Untersuchungen gewisse Entwicklungstrends erkennen, welche im Laufe dieser Arbeit aufgezeigt werden (u.a. unter ‘3 Entwicklung der Gewalt an Schulen’).
International wurden bereits Längsschnittstudien veröffentlicht, deren Ergebnisse Analysen hinsichtlich der Gründe für Gewalt zulassen. Eine der umfangreichsten Studien stammt von Olweus (1991), der in Skandinavien in den 80er Jahren ein landesweites Interventionsprogramm durchführte und die darin festgelegten Untersuchungsschwerpunkte einer Evaluation unterzog. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl außerschulische als auch schulische Faktoren für Aggressionen und Gewalt verantwortlich sein können.
An Grundschulen scheint physische Gewalt keine entscheidende Rolle zu spielen, da in dieser Schulart eher selten wahrnehmbare Gewalthandlungen vorkommen. Allerdings wird hierbei der Bereich der psychischen Gewalt unterschätzt, der sich häufig dem Blickwinkel von Beobachtern entzieht. Nicht selten mahnen Lehrer und Lehrerinnen eine ‘Verrohung’ der sozialen Umgangsformen an.
Erklärungsmodelle für Gewalt und Aggressionen machen jedoch deutlich, dass die Ursprünge für deviantes Verhalten fast immer einige Jahre vor dem gezeigten Verhalten liegen. Auch wenn Grundschüler noch nicht genügend Kraft und Einfluss haben, um ähnlich gewalttätige Handlungen wie Jugendliche oder Erwachsene zu begehen, so verstehen sie dennoch das Prinzip der Gewaltanwendung und wenden es ‘im Kleinen’ (zum Beispiel in Form von Rang- und Revierkämpfe) an.
Da sich die meisten Statistiken und die gängige Literatur zumeist auf den Altersbereich ab 14 Jahren beschränken, weil die Strafmündigkeit in Deutschland erst ab diesem Lebensalter greift, mussten und durften wir das Gespräch mit verschiedensten Institutionen suchen.
Hierbei erwies sich unser bereits geknüpfter Kontakt zur Polizei als äußerst hilfreich. Im Rahmen unserer Ausarbeitung und Materialsammlung durften wir auf Arbeitsmittel und Studienunterlagen zurückgreifen, die an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege – Fachbereich Polizei (FHVR) in Sulzbach-Rosenberg Verwendung finden.
Höhepunkt unserer Erarbeitung war das Symposion ‘Fit gegen Gewalt’ in der VII. Bereitschaftspolizeiabteilung Sulzbach-Rosenberg, zu welchem unter dem Thema ‘Jugendkriminalität’ sowohl die bayerische Polizei, als auch die oberpfälzische Schulberatung eingeladen hatten. Hierbei wurde das Phänomen ‘Jugendkriminalität’ ausführlich beleuchtet, und in den anschließenden Workshops Lösungsmöglichkeiten für den schulischen Alltag geliefert.
Im theoretischen Teil unserer Arbeit behandeln wir die theoretischen Grundlagen der Gewalt an Schulen. Dafür war es zunächst wichtig die Begriffe Aggression und Gewalt voneinander abzugrenzen und zu definieren. Daraufhin folgt die Phänomenologie der Gewalt, wobei wir hier den Schwerpunkt auf in der Schule vorkommende Gewaltarten legen. Im dritten und vierten Punkt befassen wir uns mit der Entwicklung der Gewalt an Schulen in den letzten Jahrzehnten und mit der aktuellen Situation hinsichtlich dieser Problematik. In diesem Abschnitt wird anhand von Beispielen gezeigt, wie vielschichtig und komplex deviantes Verhalten zu Tage treten kann und welche Veränderungen sich hinsichtlich der Quantität wie auch der Qualität der Gewalt in den letzten Jahren ergeben haben. Dabei wird deutlich, wie aktuell die Thematik ‘Gewalt an Schulen’ ist, und wie notwendig sich die Suche nach den Ursachen gestaltet, um darauf aufbauend Gegenmaßnahmen zu starten. Möglichen Gründen für etwaiges Verhalten, wird dann im nächsten Gliederungspunkt (Ätiologie der Gewalt) auf den Grund gegangen. Es werden verschiedene Risikofaktoren, die zur Entwicklung von aggressivem und gewalttätigem Verhalten beitragen, beschrieben und erläutert. Im darauf folgenden Kapitel wird die Ätiologie der Gewalt eher theoretisch behandelt, indem verschiedene Erklärungsansätze aus der Aggressionsforschung vorgestellt und mit Beispielen verdeutlicht werden. Darauf folgend wird eine ‘typische Karriere’ eines Gewalttäters nachgezeichnet, um aufzuzeigen, wie ein Kind in die Spirale der Gewalt gerät, und wie schwer es mit zunehmender Zeit wird, aus dieser zu entrinnen. Unter Punkt 8 wird versucht die Frage zu klären, woran Gewalttäter und -opfer zu erkennen sind und welche Möglichkeiten der Charakterisierung es gibt. Anhand einer Liste bestimmter Merkmale soll es Pädagogen und Erziehungsberechtigten erleichtert werden, Risikofaktoren zu erkennen, welche Kinder und Jugendliche in die Rolle des Täters, bzw. Opfers passen.
Anschließend wird speziell die Gewalt an Grundschulen betrachtet, wobei hier nochmals explizit auf Formen der Gewalt, Geschlechterunterschiede hinsichtlich der ausgeübten Gewalt, sowie auf den Vergleich von Ausländerkindern und einheimischen Kindern hinsichtlich Gewaltbereitschaft und Gewaltanwendung eingegangen wird. Die nächsten beiden Kapitel befassen sich mit einem sehr wichtigen Themenkomplex: den Präventions- und Interventionsmaßnahmen. Es werden für Lehrer und Eltern verschiedene Handlungsmöglichkeiten und Projekte im Rahmen der Intervention vorgestellt, aber auch gezeigt, wie auf der Schul-, der Klassen- und der persönlichen Ebene Intervention betrieben werden kann. Im Bereich der Prävention gibt es vielerlei Programme, wobei wir uns exemplarisch für die Projekte ‘PIT’ (Prävention im Team) und ‘Faustlos’ entschieden haben. Des Weiteren wird erklärt, wie Sport Aggressionen abbauen kann und was durch die Zusammenarbeit von Polizei und Lehrern bzw. Polizei und Eltern erreicht werden kann.
Nach dieser theoretischen Betrachtung der Gewalt an Schulen erfolgt anschließend die Auswertung unserer empirischen Untersuchung zu diesem Thema. Im Rahmen der Erhebung wurden sechs vierte Klassen aus zwei Nürnberger Schulen anhand eines eigens dafür erstellten Fragebogens befragt. Unter anderem hatte dieser folgende Themen zum Inhalt: die soziale Situation der Schüler, die Klassenstruktur, die Einstufung und die Empfindungen zum Schul- und Klassenklima, sowie zu unterschiedlichen Gewaltformen, die Angst vor bestimmten Personen und der Umgang mit Gewalt.
Wir hoffen, dass diese Arbeit interessierten Lesern die Möglichkeit gibt, sich mit dem Phänomen und den Ursachen der Gewalt im jungen Alter auseinander zu setzen. Vielmehr möchten wir neben einzelnen Lösungsstrategien jedoch den Blick der Leser auf die Probleme unserer Zeit lenken und sie wachrütteln, die Realität zu erkennen und zu erfassen. Erst das Bewusstsein für die Problematik eröffnet die Chance, mit gezielten Aktionen und Modellen eine Besserung der Situation herbeizuführen. Dieses Anliegen verfolgen nicht nur wir, sondern insbesondere all jene, mit denen wir im Entstehungsprozess dieser Arbeit zu tun hatten. Möge diese Arbeit ein Anreiz sein, sich der Thematik auch in Zukunft näher zuzuwenden und mit Offenheit, sowie dem damit notwendigen Erfahrungsaustausch beteiligter Pädagogen und Institutionen, nach Lösungen für den schulischen Alltag zu suchen, um somit Probleme unserer Zukunft schon heute zu beseitigen.
Besonders die Gespräche mit zahlreichen Personen lieferten uns den Stoff, uns dem Thema zu nähern. Ihnen allen persönlich zu danken und sie namentlich zu nennen, würde gewiss den Rahmen sprengen. Insofern bedanken wir uns an dieser Stelle stellvertretend bei den Lehrkräften der befragten Schulen für die Bereitstellung von Unterrichtsstunden zur Durchführung der Schülerbefragung, der VII. Bereitschaftspolizeiabteilung Sulzbach-Rosenberg mit der angeschlossenen FHVR – Fachbereich Polizei, für die Möglichkeit der Teilnahme am Symposion, dem Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz mit seinen Delegierten, sowie der Schulberatung Oberpfalz in gleicher Sache, den am Symposion beteiligten Lehrkräften für die zahlreichen Gespräche und Hilfestellungen, dem Polizeipräsidium Mittelfranken für die fachliche Unterstützung und Betreuung, dem Polizeipräsidium München mit dem Landeskriminalamt LKA für die Ideen und Vorlagen präventiver Gestaltungsmöglichkeiten, sowie den Nürnberger Zeitungen für die Genehmigung der Verwendung von Artikeln. Die Arbeit stellt den Abschluss eines Erarbeitungszeitraums dar in welchem Informationen und Ideen gesammelt und verarbeitet wurden, doch sind es jene Stellen und Behörden, die auch in Zukunft mit der Thematik umzugehen und zu arbeiten haben und somit auch künftig an einer besseren Zukunft arbeiten.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 11 | |
| A | Theoriegeleitete Betrachtung der Gewalt an Schulen | 17 |
| 1. | Die Begriffe ‚Aggression’ und ‚Gewalt’ | 17 |
| 1.1 | Definitionen von „Aggression“ | 18 |
| 1.2 | Definitionen von ‚Gewalt’ | 19 |
| 1.3 | Gewalt in der Schule | 21 |
| 2. | Phänomenologie der Gewalt | 23 |
| 2.1 | Personale Gewalt | 25 |
| 2.1.1 | Physische Gewalt | 25 |
| 2.1.1.1 | Physische Gewalt gegen Personen. | 26 |
| 2.1.1.2 | Physische Gewalt gegen Sachen (Vandalismus) | 27 |
| 2.1.1.3 | Mittel und Folgen der physischen Gewalt | 28 |
| 2.1.2 | Psychische Gewalt | 28 |
| 2.2 | Strukturelle Gewalt. | 30 |
| 2.3 | Direkte und indirekte Gewalt nach Galtung. | 32 |
| 2.4 | Analyse der Gewaltarten nach Petermann & Petermann und Hans Hielscher | 33 |
| 2.5 | Formen von Gewalt im Bereich der Schule. | 36 |
| 2.6 | Zusammenfassung: Was versteht man unter ‚Gewalt’?. | 38 |
| 3. | Entwicklung der Gewalt an Schulen | 38 |
| 4. | Die heutige Gewaltsituation an Schulen. | 41 |
| 5. | Ätiologie der Gewalt | 46 |
| 5.1 | Persönlichkeit | 49 |
| 5.2 | Familie | 50 |
| 5.3 | Freizeit | 59 |
| 5.4 | Schule | 62 |
| 5.5 | Gesellschaft | 65 |
| 5.6 | Zusammenfassung: Ursachen von gewalttätigem Verhalten. | 68 |
| 6. | Aggressionstheorien. | 70 |
| 6.1 | Psychologische Modelle. | 71 |
| 6.1.1 | Trieb- und Instinkttheorie (Psychoanalytischer Ansatz). | 71 |
| 6.1.2 | Ethologische Erkenntnisse (Instinkttheorie). | 72 |
| 6.1.3 | Physiologische Erkenntnisse (Verhaltensbiologischer Ansatz) | 74 |
| 6.1.4 | Frustrations-Aggressions-Hypothese. | 75 |
| 6.1.5 | Lerntheoretische Ansätze. | 76 |
| 6.1.5.1 | Klassisches Konditionieren | 76 |
| 6.1.5.2 | Operantes Konditionieren. | 79 |
| 6.1.5.3 | Modellernen. | 80 |
| 6.1.6 | Sündenbockhypothese. | 82 |
| 6.1.7 | Psychoanalytischer Ansatz. | 84 |
| 6.1.8 | Zusammenfassung: psychologische Modelle | 85 |
| 6.2 | Soziologische Modelle. | 86 |
| 6.2.1 | Anomietheorie | 86 |
| 6.2.2 | Subkulturtheorie. | 88 |
| 6.2.3 | Theorie des differentiellen Lernens. | 91 |
| 6.2.4 | Etikettierungstheorie (Labeling approach) | 92 |
| 6.2.5 | Kulturkonflikttheorie. | 94 |
| 6.2.6 | Zusammenfassung: soziologische Modelle. | 96 |
| 6.3 | Zusammenfassung: Aggressionstheorien | 97 |
| 7. | Entwicklung eines Gewalttäters. | 98 |
| 8. | Charakterisierung von typischen Gewalttätern und -opfern (übernommen von Melanie Pickel) | 99 |
| 8.1 | Charakterisierung eines typischen Gewalttäters. | 100 |
| 8.2 | Charakterisierung eines typischen Gewaltopfers | 102 |
| 8.3 | Wer wird Täter/Opfer? | 105 |
| 8.4 | Zusammenfassung: Charakterisierung von typischen Gewalttätern und -opfern. | 107 |
| 9. | Gewalt in der Grundschule (übernommen von Melanie Pickel). | 108 |
| 9.1 | Gewaltformen | 108 |
| 9.2 | Geschlechtsunterschiede. | 112 |
| 9.3 | Vergleich der Gewalttaten von Deutschen und Ausländern. | 115 |
| 9.4 | Schäden von Gewalt | 118 |
| 9.5 | Pädagogische Konsequenzen | 119 |
| 10. | Intervention (übernommen von Melanie Pickel) | 121 |
| 10.1 | Gesetzeslage. | 121 |
| 10.2 | Handlungsmöglichkeiten der Eltern und Lehrer | 124 |
| 10.3 | Disziplinkonflikte und der Umgang mit ihnen | 128 |
| 10.4 | Maßnahmen zur Intervention an Schulen | 134 |
| 10.4.1 | Schulebene | 136 |
| 10.4.1.1 | Schülerbefragung zum Thema Gewalt.136 | |
| 10.4.1.2 | Aufsicht auf dem Schulhof und in der Schule | 137 |
| 10.4.1.3 | Betreute Nachmittagsgestaltung | 138 |
| 10.4.1.4 | Kontakttelefon | 138 |
| 10.4.1.5 | Kooperation von Lehrkräften und Eltern und ihre Förderung | 139 |
| 10.4.2 | Klassenebene | 140 |
| 10.4.2.1 | Klassenregeln gegen Gewalt. | 141 |
| 10.4.2.2 | Lob und Strafe | 142 |
| 10.4.2.3 | Außerschulische gemeinsame positive Aktivitäten | 143 |
| 10.4.3 | Persönliche Ebene | 143 |
| 10.4.3.1 | Lehrer - Schüler - Gespräche. | 144 |
| 10.4.3.2 | Gespräche mit den Eltern | 145 |
| 10.4.3.3 | Individuelle Förderung und Ermutigung | 145 |
| 10.4.3.4 | Wechsel der Klasse oder Schule | 146 |
| 10.4.4 | Evaluation. | 146 |
| 10.4.5 | Zusammenfassung: Maßnahmen zur Intervention an Schulen | 147 |
| 11. | Gewaltprävention an der Schule (übernommen von Melanie Pickel). | 148 |
| 11.1 | Definition Prävention und Gewaltprävention. | 150 |
| 11.2 | Programme gegen Gewalt an Schulen | 153 |
| 11.2.1 | PIT (Prävention im Team) | 156 |
| 11.2.1.1 | Entstehung | 156 |
| 11.2.1.2 | Konzeption und Zielsetzungen | 156 |
| 11.2.1.4 | Durchführung | 158 |
| 11.2.1.5 | Evaluation | 159 |
| 11.2.1.6 | Beispiel für eine Unterrichtseinheit | 159 |
| 11.2.2 | Faustlos | 163 |
| 11.2.2.1 | Entstehung.163 | |
| 11.2.2.2 | Zielsetzungen | 164 |
| 11.2.2.3 | Durchführung und Begründung der Bereiche | 164 |
| 11.2.2.4 | Charakteristika | 165 |
| 11.2.2.5 | Evaluation | 166 |
| 11.2.2.6 | Beispiel für eine Unterrichtsstunde. | 167 |
| 11.3 | Sport | 170 |
| 11.4 | Unterrichtsbeispiel für eine 4. Klasse | 173 |
| 11.5 | Zusammenfassung. | 180 |
| 12. | Außerschulische Zusammenarbeit (übernommen von Melanie Pickel). | 182 |
| 11.2 | Polizei und Lehrer. | 182 |
| 11.3 | Polizei und Eltern | 185 |
| B | Empirische Untersuchungen zum Thema ‚Gewalt an Grundschulen’ | 187 |
| 1. | Auswertung der Schülerbefragung an der Friedrich-Hegel-Schule in Nürnberg | 187 |
| 1.1 | Soziale Situation der befragten Schüler | 188 |
| 1.1.1 | Eltern. | 188 |
| 1.1.1 | Geschwister | 190 |
| 1.1.2 | Wohnraum. | 192 |
| 1.1.3 | Weitere Fragen des Fragebogens | 193 |
| 1.2 | Klassenstruktur | 194 |
| 1.3 | Häufigkeit von Streit in der Klasse. | 194 |
| 1.4 | Einstufung und Empfindungen zum Schul- und Klassenklimas sowie zu Gewaltformen | 195 |
| 1.4.1 | Einstufung und Empfindungen zum Schul- und Klassenklima. | 196 |
| 1.4.1.1 | Offene Atmosphäre | 196 |
| 1.4.1.2 | Freundschaftliches Zusammenarbeiten | 196 |
| 1.4.1.3 | Fairer Umgang miteinander | 197 |
| 1.4.1.4 | Respektvolles Verhalten der Lehrer gegenüber Schülern | 199 |
| 1.4.1.5 | Respektvolles Verhalten der Schüler gegenüber Lehrern | 200 |
| 1.4.1.6 | Rücksichtvolles Verhalten gegenüber Mitschülern und Streithäufigkeit | 201 |
| 1.4.2 | Häufigkeit von verschiedenen Gewaltformen und Einstufung der Schwere | 203 |
| 1.4.2.1 | Schlagen und Treten bzw. geschlagen und getreten werden | 203 |
| 1.4.2.2 | Kratzen bzw. gekratzt werden. | 206 |
| 1.4.2.3 | Anspucken bzw. angespuckt werden. | 207 |
| 1.4.2.4 | Erpressen bzw. erpresst werden. | 208 |
| 1.4.2.5 | Stehlen bzw. bestohlen werden210 | |
| 1.4.2.6 | Hänseln bzw. gehänselt werden. | 211 |
| 1.4.2.7 | Lästern | 214 |
| 1.4.2.8 | Drohen bzw. bedroht werden | 215 |
| 1.4.2.9 | Beschimpfen und beschimpft werden. | 218 |
| 1.4.2.10 | ‚Waffen’ zeigen und drohen | 221 |
| 1.4.2.11 | ‚Waffen’ gebrauchen | 224 |
| 1.4.2.12 | Sachbeschädigung | 225 |
| 1.4.3 | Ausschluss von bestimmten Schülern und der Umgang mit diesen. | 228 |
| 1.4.4 | Angst vor bestimmten Personen | 228 |
| 1.4.5 | Umgang mit Gewalt | 230 |
| 1.4.5.1 | Eine Lehrkraft um Hilfe bitten | 231 |
| 1.4.5.2 | Gewaltbereitschaft | 233 |
| 1.4.5.3 | Normalität der Verwicklung in Schlägereien | 234 |
| 1.5 | Angaben der Kinder zur Verbesserung verschiedener Bedingungen auf der Klassen- und Schulebene. | 235 |
| 1.5.1 | Modifikationsvorschläge auf der Klassenebene | 236 |
| 1.5.2 | Modifikationsvorschläge auf der Schulebene | 237 |
| 1.6 | Fazit zu den Umfrageergebnissen. | 238 |
| 2. | Auswertung der Schülerbefragung an der Wiesenschule in Nürnberg (übernommen von Melanie Pickel) | 239 |
| 2.1 | Familiärer Hintergrund der befragten Schüler | 239 |
| 2.1.1 | Abstammung und familiäre Verhältnisse | 239 |
| 2.1.2 | Geschwisteranzahl. | 242 |
| 2.1.3 | Wohnverhältnisse | 243 |
| 2.1.4 | Weitere Antworten. | 245 |
| 2.2 | Verschiedene Gruppierungen | 247 |
| 2.3 | Dispute in den 4. Klassen | 248 |
| 2.4 | Häufigkeitsangaben zum Schul- und Klassenklima | 249 |
| 2.4.1 | Offene Atmosphäre | 250 |
| 2.4.2 | Teamwork. | 250 |
| 2.4.3 | Umgangsformen | 251 |
| 2.4.3.1 | Verhalten untereinander | 251 |
| 2.4.3.2 | Verhalten der Lehrer gegenüber Schülern. | 252 |
| 2.4.3.3 | Verhalten der Schüler gegenüber Lehrern. | 253 |
| 2.4.3.4 | Verhalten gegenüber Mitschülern und Streithäufigkeit | 254 |
| 2.4.4 | Häufigkeit und Bewertung von verschiedenen Gewaltformen. | 256 |
| 2.4.4.1 | Schwere körperliche Gewalt | 256 |
| 2.4.4.2 | Leichte körperliche Gewalt | 258 |
| 2.4.4.3 | Psychische Gewalt | 260 |
| 2.4.4.4 | Diebstahl. | 268 |
| 2.4.4.5 | Umgang mit ‚Waffen’. | 270 |
| 2.4.4.6 | Vandalismus. | 273 |
| 2.4.5 | Zurückweisung bestimmter Klassenkameraden und Verhalten ihnen gegenüber. | 274 |
| 2.4.6 | Furchtempfinden der Schüler. | 275 |
| 2.5 | Verhaltensweisen bei Gewalt | 277 |
| 2.5.1 | Lehrkraft über Gewalt informieren | 278 |
| 2.5.2 | Verhalten bei Provokation. | 279 |
| 2.5.3 | Häufigkeit von Schlägereien. | 280 |
| 2.6 | Verbesserungsvorschläge der Schüler. | 281 |
| 2.6.1 | Änderungen in der Klasse. | 281 |
| 2.6.2 | Änderungen in der Schule. | 283 |
| 2.7 | Zusammenfassung | 285 |
| C | Resümee und Zusammenfassung | 287 |
| D | Anhang | 298 |
| E | Literaturangaben | 332 |
Textprobe:
Kapitel 1.3, Gewalt in der Schule:
Wenn in der Schule von Gewalt gesprochen wird, dann geht es hier meist um Aggressionen, welche häufig aus dem Erleben von Machtlosigkeit entstehen. Die Gefahr, dass es zur Gewalt kommt, entsteht erst, wenn Aggression und Macht aufeinander treffen.
Hurrelmann beschreibt die Gewalt in Schulen folgendermaßen:
‘Gewalt in der Schule umfasst das gesamte Spektrum von Tätigkeiten und Handlungen, die physische und psychische Schmerzen oder Verletzungen bei den im Bereich der Schule handelnden Personen zur Folge haben oder die auf die Beschädigungen von Gegenständen im schulischen Raum gerichtet sind’.
Olweus (schwed. Psychologe) führt den aus der Arbeitswelt bekannten Begriff ‘Mobbing’ (unten näher erläutert), für die verstärkt zum Vorschein getretene Gewalt an Schulen, ein. Synonym für diese Form von Gewalt wird häufig ‘Bullying’ oder ‘Bossing’ verwendet. ‘Bullying’ stammt aus dem englischen Sprachgebrauch und bedeutet ‘brutaler Kerl’. Für Bullying gibt es in vielen Sprachen kein Wort mit entsprechender Bedeutung. Deshalb gibt es weltweit sehr unterschiedliche Bezeichnungen dieses Phänomens. In Amerika zum Beispielträgt das Phänomen den Namen ‘Viktimisierung’. Es gab zahlreiche Versuche das Wort ‘Bullying’ ins Deutsche zu übersetzen. Vorgeschlagen wurden dabei unter anderem: Schikanieren, Stänkern, Hänseln, Drangsalieren, Tyrannisieren, Necken. Für Bullying wird im Deutschen oft Mobbing als Synonym benutzt. Jedoch können diese beiden Begriffe differenzierter betrachtet und unterschieden werden. Beim Bullying steht ein Täter (der Bully – also der brutale Kerl) und beim Mobbing eine ganze Gruppe (mob-Pöbel) dem Opfer als Täter gegenüber.
In Abgrenzung zu ‘einfacher’ Aggression ist beim Bullying die Systematik mit der Opfer schikaniert werden. Es werden gezielt Attacken gegen jemanden gerichtet mit der Intention demjenigen zu schaden. Das Ziel ist meist die Erniedrigung des Opfers. Vorwiegend erfolgt Bullying in Situationen, denen nicht entflohen werden kann. Diesen Rahmen bietet die Schule. Kinder haben nicht die Möglichkeit der Schule fern zu bleiben und sind den Tücken Anderer immer wieder schutzlos ausgesetzt. Verschlimmert wird diese Situation dadurch, dass die Opfer oft sozial isoliert sind und nur sehr wenige bis keine Freundschaften haben.
‘Mobbing’ wird dagegen wie folgt definiert: ‘wenn mehrere Schüler(innen) von anderen, meist körperlich Überlegenen, regelmäßig und über längere Zeit angegriffen werden.’ Dies kann auf körperlicher oder verbaler Ebene oder durch bestimmte Verhaltensweisen stattfinden, zum Beispiel in Form von Hänseleien, Drohungen, Beschimpfungen, Rangeleien oder durch den Ausschluss aus der Gruppe. Mobbing gibt es aber nicht nur zwischen Schülern(innen), sondern auch zwischen Schüler(n) und Lehrer(n) sowie unter Lehrerkollegen.
Es ist bekannt, wie leicht sich solche Vorkommnisse bis hin zu körperlichen Gewalttätigkeiten speziell gegen schwächere Schüler, die sich nicht wehren können, aufschaukeln. Ursachen hierfür sind meist Gefühle wie Wut oder Frust, die an einem unschuldigen Schüler ausgelassen werden. Aber auch die Langeweile kann zur treibenden Kraft werden. Meistens erfolgt das Mobbing von älteren Schülern, die sich an Jüngeren auslassen oder von Jungen gegenüber Mädchen. Im schlimmsten Fall stellt sich eine größere Gruppe oder Klasse gegen eine Person und macht diese zum Außenseiter.
Olweus weist jedoch darauf hin, dass ein Kampf bzw. Streit zwischen körperlich oder seelisch Gleichstarken nicht sofort als Gewalt bezeichnet werden muss und darf. Mit seiner Definition (siehe oben) meint er nicht (ernsthafte) Handlungen, die das eine oder andere Mal gegen ein Kind gerichtet sind, sondern das Vorliegen asymmetrischer Kräfteverhältnisse, das heißt ein Ungleichgewicht der Kräfte.
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Astrid Wittmann, Melanie Ruppert Februar 2008: Gewalt an Grundschulen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Phänomentologie, Ätiologie, Intervention, Aggressionstheorien, Prävention



