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Gesundheitsbezogene Selbsthilfe

Nutzen für die Gesundheitsentstehung

Gesundheitsbezogene Selbsthilfe
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kerstin Keup
  • Abgabedatum: Juni 2008
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 281,8 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule Neubrandenburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 38
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2062-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Keup, Kerstin Juni 2008: Gesundheitsbezogene Selbsthilfe, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Selbsthilfe, Resilienz, Salutogenese, Gesundheit, Wirtschaftlichkeit

Diplomarbeit von Kerstin Keup

Einleitung:

‘Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente’, Hippokrates.

Diese Erkenntnis aus der Antike macht deutlich, dass Krankheiten nicht nur durch Medikamente behandelt und geheilt werden können, sondern dass alternative Methoden auch damals schon bekannt waren und praktiziert wurden. Die Zahl von alternativen Methoden zum Erreichen von Gesundheit ist unüberschaubar, genauso unübersichtlich wie die gesundheitliche Versorgungsstruktur in Deutschland. Auf Grund dieser sehr differenzierten Angebote und Möglichkeiten zur Behandlung von Krankheiten finden sich immer mehr Menschen in Deutschland in sogenannten Selbsthilfegruppen zusammen, um Kompetenzen im Umgang mit einer Krankheit zu erlangen und um in Austausch mit anderen an gleicher Krankheit Erkrankter zu treten.

In dieser Arbeit werden Selbsthilfe und Selbsthilfestrukturen in Deutschland beschrieben. Danach wird explizit auf die gesundheitsbezogene Selbsthilfe eingegangen und anschließend in drei Interviews dargestellt, welche Wirkung Selbsthilfe auf die Gesundheitsentstehung tatsächlich hat. Besonderes Augenmerk wird auf die Beschreibung der Stärkung von Resilienzfaktoren gelegt. Verdeutlicht wird aber auch, welche Faktoren die Entwicklung von Resilienz hemmen. Das Konzept der Resilienz ist ein Folgekonzept des Salutogenesekonzeptes von Aaron Antonovsky und beschreibt umfassender und differenzierter Prozesse der Gesundheitsentstehung. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, durch die Erbringung des Beweises der Effekte für die Gesundheitsentstehung der Selbsthilfegruppenarbeit bei den Teilnehmern deutlich zu machen, dass ein hohes ungenutztes Potenzial in der Bevölkerung vorhanden ist, das geweckt und unterstützt werden sollte. Eine informierte Bevölkerung ist eine kompetentere und gesündere Bevölkerung und würde dem Gesundheitswesen weniger Geld kosten. Therapien können zielgenauer eingesetzt werden und haben eine größere Wirkung bei aufgeklärten Patienten.

In Deutschland existieren ca. 70.000 Selbsthilfegruppen. Sie bringen dem Staat durch ihre kostenlose Arbeit einen hohen wirtschaftlichen Nutzen. In einer Umfrage von Janßen wird festgestellt, dass sich ein Nutzen nur schwer quantifizieren lässt, weil oft subjektive Einschätzungen zugrunde liegen. Janßen bezieht sich auf das Bundesmodellprojekt ‘Informations- und Unterstützungsstellen für Selbsthilfegruppen’. Ein Zwischenbericht von Braun/Greiwe stellt fest, dass die Arbeit der Selbsthilfegruppen langfristig zu kostenreduzierenden Wirkungen in Sektoren des Sozial- und Gesundheitssystems führt.

In dieser Arbeit soll darauf eingegangen werden, dass die Arbeit von Selbsthilfegruppen positive Effekte für Gesundheitsentstehung erbringt, und daraus ein großer wirtschaftlicher Nutzen entspringt. Der Zusammenhang von Selbsthilfe, Salutogenese und Resilienz wird verdeutlicht.

Wie in der einschlägigen Literatur immer wieder beschrieben, sagt man der Selbsthilfe therapeutische und heilende Effekte nach. Der Nutzen von Selbsthilfegruppen wurde bisher hauptsächlich auf finanzielle Mittel beschränkt. Die Arbeit will explizit auf die Wirkung von gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen und auf die Entstehung von Gesundheit eingehen. Im Zentrum steht die resilienzstärkende Bedeutung der Selbsthilfe. Die Voraussetzungen, die jeder Mensch in sich trägt, und die positiven Voraussetzungen, die durch Selbsthilfearbeit gestärkt werden, sind der besondere Forschungsansatz dieser Arbeit. Aus diesem Zusammenhang ergeben sich folgende Fragen:

- Wie wird ein Mensch mehr gesund und weniger krank?

- Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

- Welchen Anteil haben Selbsthilfeaktivitäten dabei?

- Was hält Menschen gesund und was macht sie stark gegenüber den Widrigkeiten und Schicksalsschlägen des Lebens?

- Erreichen Menschen mehr Gesundheit durch Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe?

- Fördert die Unterstützung von Selbsthilfeaktivitäten so, dass mehr Gesundheit entsteht bzw. entstehen kann?

Es ist anzunehmen, dass die Mitarbeit in Selbsthilfegruppen resilienzstärkende Funktion hat, die sich positiv auf das Befinden auswirkt. Weiterhin ist anzunehmen, dass Menschen in Selbsthilfegruppen Strategien entwickeln können, um schwierige Lebenssituationen zu bewältigen. Wenn einschneidende Erlebnisse im Leben stattgefunden haben und Selbsthilfegruppenmitarbeit resilienzstärkende Funktion hat, die sich positiv auf das Befinden auswirkt, und Menschen Strategien zur Bewältigung des Lebensereignisses entwickeln können, ist anzunehmen, dass dadurch Gesundheit entsteht. Menschen werden dann eher gesund und weniger krank. Wenn Menschen durch Mitarbeit in Selbsthilfegruppen mehr gesund bleiben, ist daraus auch ein hoher wirtschaftlicher Nutzen ableitbar.

Die vorliegende Arbeit ist eine theoriegeleitete Untersuchung zur Gesundheitsentstehung und zum Gesundheitsverhalten von Menschen, die in Selbsthilfegruppen versuchen, ihre Resilienz zu stärken. Der Fokus liegt auf dem Zusammenhang von Selbsthilfe, Salutogenese und Resilienz. In drei Interviews mit Selbsthilfegruppenmitgliedern wird erfragt, wie es den Probanden möglich war, trotz widriger Lebensumstände ihre Gesundheit zu erhalten, sowie ihr Leben selbstständig und aktiv zu gestalten. Insbesondere die resilienzfördernden Faktoren sollen empirisch ermittelt und mit der Theorie vergleichend diskutiert werden. Dazu wurde das Interviewverfahren mit offener Frageform genutzt.

Nach Mayring spielt das Gespräch eine wichtige Rolle: ‘Subjektive Bedeutungen lassen sich nur schwer aus Beobachtungen ableiten. Man muss hier die Subjekte selbst zur Sprache kommen lassen. Sie selbst sind zunächst die Experten für ihre eigenen Bedeutungsgehalte’. Den entscheidenden Vorteil eines offenen Interviews gegenüber einem standardisierten Interview sieht Flick darin, dass keine festgelegten Antwortvorgaben zu den Fragen existieren und die Befragten ihre subjektiven Erfahrungen und Sichtweisen frei äußern können. Das Vorgehen eines leitfadengestützten Interviews bietet sich an, weil durch den Leitfaden eine teilweise Standardisierung erscheint, die die Vergleichbarkeit mehrerer Interviews ermöglicht. Charakteristisch dieser Interviews ist nach Flick, dass mehr oder minder offen formulierte Fragen in Form eines Leitfadens in die Interviewsituation ‘mitgebracht’ werden. Die Interviewpersonen sollen auf diese Fragen frei antworten. Im Verlauf des Interviews soll und kann der/die Forscher/in entscheiden, wann und in welcher Reihenfolge er/sie welche Fragen stellt, ob eine oder mehrere Fragen schon beantwortet wurden und weggelassen werden können. Es muss entschieden werden, ob und wann er detaillierter nachfragen und ausholende Ausführungen des Interviewten unterstützen sollte Bereits im Jahr 1982 hat Witzel die Bezeichnung ‚problemzentriertes Interview’ eingeführt. Er verweist damit auf den Umstand, dass es sich um ein offenes Interviewverfahren handelt, als der Befragte frei formulieren und seine Wirklichkeitsdeutungen darstellen kann, es jedoch zentriert ist ‘auf eine bestimmte Problemstellung, die der Interviewer einführt, auf die er immer wieder zurückkommt’. Die Offenheit dieses Verfahrens, das er als ‘dezidiert qualitatives’ bezeichnet soll gewährleisten, dass die Befragten ihre Deutungsmuster und Relevanzsetzungen zur Geltung bringen können. Bei der Problemstellung, auf die das Interview bezogen ist, soll es sich um ein gesellschaftliches Phänomen handeln, mit dem sich der Forschende bereits vor der Interviewführung theoretisch auseinander gesetzt hat. Auf der Grundlage der theoretischen Beschäftigung mit dem Problem wird ein Interviewleitfaden erarbeitet, der die einzelnen Themenschwerpunkte des Interviews enthält. Im hier vorliegenden Fall handelt es sich um die resilienzstärkende Wirkung von Selbsthilfe.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Begründung der Themenauswahl 2
1.2 Wissenschaftliche Fragestellung 2
1.3 Hypothese 3
1.4 Forschungsmethodisches Vorgehen 3
2. Die Selbsthilfebewegung in Deutschland 6
2.1 Historische Entwicklung in Ost- und Westdeutschland 6
2.2 Allgemeine Ziele der Selbsthilfe 10
2.3 Selbsthilfebereiche 11
2.3.1 Gesundheitsbezogene Selbsthilfe 12
2.3.2 Soziale Selbsthilfe 13
2.4 Handlungsformen von Selbsthilfegruppen 13
2.5 Selbsthilfeunterstützung 18
3. Gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen 21
3.1 Vermittlung in Selbsthilfegruppen und Gruppenbildung 21
3.1.1 Das Klärungsgespräch 21
3.1.2 Gruppenregeln 23
3.1.3 Arbeitsweise von Selbsthilfegruppen 25
3.2 Gesundheitserziehung und therapeutisches Verhalten in Selbsthilfegruppen 27
3.2.1 Therapeutisches Verhalten 27
3.2. Gesundheitserziehung in Selbsthilfegruppen 30
3.3 Bedeutung von Selbsthilfegruppenarbeit für Gesundheitsentstehung 31
4. Resilienz und Selbsthilfe 33
4.1 Resilienz und grundlegende Begriffe 33
4.2 Das Konzept der Resilienz 35
4.3 Resilienzentwicklung im Rahmen der Selbsthilfe 43
5. Interviews mit Selbsthilfegruppenmitgliedern 50
5.1 Methodisches Vorgehen 50
5.2 Durchführung der Interviews 51
5.3 Transkription der Interviews 52
5.4 Datenauswertung 52
5.5 Interview Constantin W. 52
5.6 Interview Angeliki O. 55
5.7 Interview Brigitte B. 60
6. Zusammenfassung 64
7. Literaturverzeichnis 70

Textprobe:

Kapitel 3.2, Gesundheitserziehung und therapeutisches Verhalten in Selbsthilfegruppen:

Moeller stellt heraus, dass Selbsthilfegruppenarbeit identisch mit der Behandlungstechnik von Therapeuten ist. In der Selbsthilfegruppe ist jeder ‚Patient’ und ‚Therapeut’ zugleich. Es hat sich in den Selbsthilfegruppen eine für die Konfliktarbeit günstige Umgangsform entwickelt. Die Art und Weise miteinander umzugehen, wird als therapeutisches Verhalten bezeichnet. ‘Das Therapieziel, die eigenen Konflikte zu bearbeiten, setzt zum Beispiel Gefühle wie Scheu, Unbehagen und Angst unbewusst viel stärker in Gang als das Alltagsleben. Konflikte sind aus Angst verdrängt’. Aktivitäten in der Selbsthilfe durch Betroffene und Interessenten erwachsen aus einem geänderten Bewusstsein in Bezug auf Zusammenhänge zwischen einer pathogenen Gesellschaft und individuellem gesundheitsschädlichen Verhalten. Es wird klar, dass die vorbeugende Gesundheitserziehung ein wichtiger Bestandteil der Selbsthilfegruppenarbeit ist. ‘Immer dort, wo die Gemeinschaft die Folgekosten für die gesundheitliche Schädigung der einzelnen trägt, (...) wird der Anspruch der Gemeinschaft an das Individuum in Richtung Verhaltensbeeinflussung ein größeres Ausmaß annehmen’. Selbsthilfegruppen tragen zu einer praktischen und theoretischen Gesundheitsbildung bei, denn es geht um die Aneignung und Entwicklung von Kompetenzen.

Therapeutisches Verhalten:

Was als therapeutisches Verhalten in Selbsthilfegruppen bezeichnet wird, stellte Michael Lukas Moeller, Psychoanalytiker, in den 1970er Jahren an den Psychosomatischen Universitätskliniken in Gießen und Heidelberg heraus. Er baut damit auf die Idee von Horst Eberhard Richter, ebenfalls Psychoanalytiker und Kollege von Moeller, auf. Bei diesem Konzept geht es um die Anwendung gruppentherapeutischer Ansätze auf unabhängige Gruppen. Diese Technik hielt in diesem Zusammenhang nicht nur Einzug in psychologisch – therapeutische Selbsthilfegruppen, sondern wurde auch auf Selbsthilfegruppen, die sich mit psychosomatischen und organischen Erkrankungen befassen, übertragen.

‘Der verbindende Leitgedanke lautete, Stigmatisierte und Benachteiligte in ihren Eigeninitiativen und ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, um trennende soziale Barrieren zu überwinden….’.

Moeller kommt in seinem Buch ‘Selbsthilfegruppen’ zu der Erkenntnis, dass die Art und Weise miteinander umzugehen, als therapeutisches Verhalten bezeichnet werden kann. So stellte er fest, dass jede therapeutische Bedingung etwas direkt oder indirekt am Verhalten verändert. Wenn sich Menschen entscheiden, den Anschluss an eine Selbsthilfegruppe zu suchen, kann man von einem mehr oder weniger großen Leidensdruck ausgehen. Der Leidensdruck setzt die Entscheidung des Betroffenen in Gang, etwas zur Minderung und Beseitigung der Situation zu unternehmen. Moeller schreibt weiter, dass der Leidensdruck auch das Maß für den Grad der Offenheit gegenüber der eigenen Störung ist. Er ist ein Zeichen der intrapsychischen Wahrnehmung und der emotionalen Durchlässigkeit. Daraus lässt sich ableiten, dass von der emotionalen Durchlässigkeit und von der intrapsychischen Wahrnehmung die Entscheidung, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, abhängt. Die Entscheidung in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, geht gleichzeitig mit einer Zielsetzung einher, sich zunächst dem Problem zu stellen und es bearbeiten zu wollen. Leidensdruck und Zielsetzung bedingen sich demnach. Wesentliches Element therapeutischen Verhaltens ist das Ziel, an sich zu arbeiten, um die eigenen Konflikte zu lösen.

Weiterhin erwähnt Moeller spontanes Verhalten während der Selbsthilfegruppensitzung als ein unausgesprochenes Leitbild. Spontaneität steht für geringe Kontrolle oder eine verminderte Abwehrbereitschaft. Verdrängungen werden teilweise aufgehoben. Moeller schreibt weiter, dass spontanes Verhalten nur möglich ist, wenn die Beziehungen authentisch und offen sind. ‘Wer spontan ist, ist echter – auch echter in seiner neurotischen Verzerrung oder in seinen Defekten’. Im spontanen Verhalten wiederholen sich konflikthafte Beziehungen. Es werden aber auch neue Beziehungen aufgenommen, die eine Gegenkraft zu den neurotischen Verzerrungen darstellen. Hinzu kommt eine beobachtende, verarbeitende, abschätzende, zuordnende und bewahrende Ich-Funktion. Die Reflexion beinhaltet die Klärung der psychischen Situation und das schrittweise neue Selbstverständnis. Moeller bemerkt, dass dieses therapeutische Verhalten für die meisten Teilnehmer von Selbsthilfegruppen sehr schwierig ist. Die Fähigkeit, sich zu öffnen und die reflektierende Betrachtung entwickeln sich erst im Verlaufe des therapeutischen Prozesses. In Selbsthilfegruppen scheint durch verstärktes Vertrauen und die Abwesenheit von Professionellen eher die Entwicklung von Spontaneität möglich zu sein, was die Möglichkeit der reflektierenden Betrachtung eher in Gang setzt.

Moeller schreibt auch, dass sich an die Entwicklung von spontanem, reflektierenden Verhalten ein Prozess der Selbstgestaltung und Selbstverwirklichung anschließt. Nicht in Ich-Einschränkung oder phobischer Vermeidung zu verharren, gehört zur Fähigkeit, sich zu aktivieren und sich zu verwirklichen. Damit kommt der Charakter der Selbsthilfe, die Selbstmobilisierung, zum Ausdruck. Im Wesentlichen geht es in Selbsthilfegruppen darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Somit ist das Sprechen, dem kathartische Wirkung zugeschrieben wird, das Hauptinstrument für den Austausch. Im Sprechen gewinnen Probleme Gestalt, sie werden sichtbar, werden in der Sprache festgemacht und können zugeordnet werden. Insofern sind kathartische Vorgänge Entlastung von Spannungen und gleichzeitig aktive Neugestaltung von seelischen Phänomenen. Derartige Abläufe führen Einsicht in bisher unverstandene und unbemerkte konflikthafte Vorgänge. Selbsthilfegruppen entwickeln, wie jede therapeutische Gruppe, Reaktionen, einen homöostatischen Charakter. Das heißt, dass das Gruppengleichgewicht und damit auch das Angstniveau bewahrt bleibt. ‘Allgemein steigert die Häufigkeit des Gesprächs seine wirklichkeitssetzende Kraft. Kontinuität und Frequenz der Gruppensitzungen haben auch in diesem Zusammenhang ihre zusätzliche Wirkung’.

Verändernde Einsicht durch teilnehmende Resonanz sind Effekte, die aus dem praktizierten Selbsthilfeprinzip und dem Gruppenprinzip resultieren. Die Autoren Liebermann und Bond heben hervor, dass Einsicht eine Veränderung der Persönlichkeit, eine Korrektur von Fehlverhalten und eine angemessenere Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen bewirkt. Teilnehmende Resonanz bzw. fachsprachlicher ausgedrückt, identifikatorische Resonanz bedeutet, die wechselseitige Identifikation in Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander. Grundvoraussetzung für diese Gruppenselbstbehandlung ist die Fähigkeit, das bisher beschriebene ‘therapeutische Verhalten’ praktizieren zu können. Moeller stellt fest, dass dazu ‘die Fähigkeit, eigene Konflikte anzuerkennen, die Fähigkeit zu leiden, die Fähigkeit, sich ein Ziel zu setzen und sich daran zu halten, die Fähigkeit, über ein Minimum an Spontaneität und Selbstbeobachtung zu verfügen; die Fähigkeit und der Wunsch, sich selbst zu entdecken und eigene Empfindungen zur Sprache zu bringen, die innere Bereitschaft, sich wirklich zu ändern’ gehört. Ausgehend von diesen Wertvorstellungen kann auf die drei therapeutischen Prinzipien abgestellt werden. Sie verdeutlichen die notwendigen Fähigkeiten zur Selbsthilfegruppenarbeit.

Arbeit zitieren:
Keup, Kerstin Juni 2008: Gesundheitsbezogene Selbsthilfe, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Selbsthilfe, Resilienz, Salutogenese, Gesundheit, Wirtschaftlichkeit

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