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Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Migranten in der BRD

Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Migranten in der BRD
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Wilfried Brosch
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 138 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7557-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7557-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7557-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brosch, Wilfried Dezember 2003: Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Migranten in der BRD, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Migrationsforschung, Integration, Empowerment, Gesundheitsstatus, Ethnizität

Diplomarbeit von Wilfried Brosch

Einleitung:

Untersuchungen besagen, dass viele Migranten höheren Gesundheitsrisiken, Krankheitshäufigkeiten, einer überdurchschnittlichen Sterblichkeit und früher im Leben auftretenden chronischen Erkrankungen ausgesetzt sind.

Ursachen für gesundheitliche Probleme von Migranten sind sowohl in ihrem intraindividuellen Gesundheitsverhalten, als auch in mangelnden Voraussetzungen des bundesdeutschen Gesundheitssystems zu finden, welches in vielen Bereichen erst gar nicht in der Lage erscheint, adäquat zu versorgen. Dabei stellen sprachliche Barrieren eines der Hauptprobleme dar (siehe Kap. 6.1).

Den Fragen, ob dies verifizierbar ist, von welchen Faktoren dies im Falle der Zutrefflichkeit abhängig ist und welche Möglichkeiten bestehen – oder implementiert werden können – das bundesdeutsche Gesundheitssystem auf die Risikogruppe „Migranten“ zu fokussieren gehen bisher nur wenige wissenschaftliche Arbeiten ein. Ein Großteil der umfangreichen Literatur zu Migration und Gesundheit basiert auf nicht repräsentativen Studien oder Befragungen bis hin zu persönlichen Erlebnisberichten.

Eine weitere Problematik liegt in der Tatsache, dass die BRD sich historisch gesehen nie als Einwanderungsland verstanden hat. Heute muß sich die Bundesrepublik Deutschland allerdings de facto als Immigrationsland begreifen. Aus dieser Diskrepanz ergeben sich letztendlich für Migranten gerade im Hinblick auf gesundheitliche Versorgung gewisse – und hier noch ausführlich zu beschreibende - Schwierigkeiten. Sicherlich hat sich in der politischen – und gesellschaftlichen Diskussion bezüglich Integration und Assimilation von Migranten in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen, es gibt derzeit viele – auch politisch iniziierte Foren, Interessenvertretungen und Programme, doch ist die Integrationspraxis der BRD bislang nicht systematisch entwickelt. Gelungene – oder nicht erreichte Integration – hat für Migranten auch immer etwas mit Gesundheit und Wohlbefinden zu tun.

Gerade in einer pluralistischen Gesellschaft mit differierenden Interessenlagen werden wissenschaftliche Erkenntnisse über die Bedeutung, über das Ausmaß und die Gründe von gesundheitlichen Störungen in der Bevölkerung benötigt. Es ist erforderlich, in Bezug auf Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Migranten, eine öffentliche gesundheitspolitische Diskussion anzuregen oder zu unterhalten um politische Entscheidungsprozesse zu unterstützen.

Die Bereitstellung der notwendigen Voraussetzungen für eine gelungene Migration sowie für eine positive Bewältigung der Folgen der Migrationsbewegung machen auch in der BRD mit seinen unterschiedlichsten Regionen zum Teil weitreichende Entscheidungen erforderlich. Letztendlich muss die gesundheitliche Versorgung von Migranten unter einer „ganzheitlichen Migrations-, Integrations- und Minderheitenpolitik“ verstanden werden. Dieser Ansatz sollte auf kulturelle , juristische, wirtschaftliche, bildungs- und arbeitsmarktpolitische Aspekte gerichtet sein.

Politisch besteht die Herausforderung darin, sämtliche Einrichtungen für die Problematik der gesundheitlichen Versorgung von Migranten zu sensibilisieren.

Mit der Feststellung der gesellschaftlichen Relevanz und Dringlichkeit für die Problematik der gesundheitlichen Versorgung von Migranten müssen auch wissenschaftlich fundierte Lösungsmöglichkeiten bereitgestellt werden.

Gang der Untersuchung:

Diese Arbeit ermittelt im Rahmen einer Literaturanalyse sowie der Analyse politischer Programme und Entwicklungen den derzeitigen gesundheitlichen Versorgungsstatus und Versorgungsbedarf von Migranten in der BRD. Die Versorgungsbedürfnisse von Zuwanderern sollen anhand von Migrationsschicksalen, Lebenssituationen (wohnen, arbeiten, Familie, Gesellschaft, Gesetzgebung) sowie körperlichen und psychischen Erkrankungen diskutiert werden.

Die Literaturrecherche erfolgte selbstverständlich auch unter Zuhilfenahme des Internets. Die von mir verarbeiteten Seiten sind zum wiederaufrufen im Literaturverzeichnis entweder unter dem jeweiligen Autor oder unter Internet Online verzeichnet.

Die Bezeichnung von Kindern und Jugendlichen als Migranten bereitet besondere Schwierigkeiten, da diese nicht immer selbst über Migrationserfahrungen verfügen, sondern oftmals in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Für sie wurden daher Bezeichnungen wie Jugendliche mit Migrationshintergrund, mit ausländischem Pass oder Kinder von Migranten gewählt.

In einzelnen Fällen wird für diese Arbeit auch Literatur aus schwerpunktmäßig anderen Bereichen bearbeitet. Spezifische Fachrichtungen – häufig an Fachhochschulen etabliert – befassen sich zumeist sehr intensiv mit einzelnen Faktoren der Integration von Migranten. Beispielsweise ist hier der Blickwinkel „Migration und Urbanität“ zu nennen, der auf den ersten Anschein hin nur sekundär etwas mit Gesundheit von Migranten zu tun hat. Die Gesundheitswissenschaften, welche sich als interdisziplinäre Wissenschaft versteht, die wirtschaftliche, religiöse, politische und soziale menschliche Ausdrucksformen in ihren Interaktionen untersucht, muss auch Konzepte und Ergebnisse von Nachbarwissenschaften in ihre Forschungen miteinbeziehen. Auf diese Arbeit bezogen heißt dies: Um forschungsleitend interdisziplinär Wirklichkeitszusammenhänge der gesundheitlichen Versorgung von Migranten aufzeigen zu können, werden (auch) Anleihen aus der allgemeinen Migrationsforschung, den Pflegewissenschaften, der Gerontologie, der Medizin, der Psychologie und Soziologie vorgenommen.

Die in der Literatur häufig beklagte Unter- und Fehlversorgung soll in dieser Arbeit hinterfragt werden. Es wird der Versuch unternommen, bisherige Annahmen auf ihre Validität zu prüfen. Bezüglich Migration und Gesundheit kann oftmals davon ausgegangen werden, dass nicht fehlende Informationen an sich das Problem für den heute bestehenden Status darstellen, sondern vielmehr mangelnde Zugänglichkeit und Überschaubarkeit bereits vorhandener Daten. Aufgabe und Ziel meiner Diplomarbeit ist (im Public Health Sinne) die Einflussnahme in den Prozess der planerischen Entwicklung und Steuerung des Gesundheitssystems, um dessen Strukturen für die Bevölkerungsgruppe der Migranten zu optimieren.

Diese Arbeit soll dazu beitragen, wissenschaftlich belegte Erkenntnisse der gesundheitsrelevanten Migrationsforschung für politische Entscheidungen plausibel darzustellen.

Durch die in der Einleitung und Kapitel 1.1 dargestellten Rahmenbedingungen und Entwicklungen ergeben sich vier grundlegende Fragestellungen:

Wie lässt sich die Diskrepanz zwischen den geschilderten sehr divergierenden Entwicklungen erklären?

Können die heutige Organisation politischer Entscheidungsträger und Gesundheitsunternehmen die anstehenden Herausforderungen bewältigen?

Durch welche strukturellen oder prozessorientierten Maßnahmen können sich Gesundheitsorganisationen besser auf den kontinuierlichen und bedarfsgerechten Versorgungsablauf der gesundheitlichen Versorgung von Migranten einstellen?

Wie stellt sich das praktische Versorgungsangebot von Migranten derzeit in seiner Entwicklung dar ?

Die für diese Arbeit zentrale These beruht auf zwei Säulen und lautet entsprechend:

„Eine gezielte Implementierung struktureller und formaler Bedingungen zur gesundheitlichen Versorgung von Migranten kann deren allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und an denjenigen der ansässigen Bevölkerung angleichen.“ „Eine Berücksichtigung und Einbindung der vorhandenen Ressourcen von Einwanderern (Empowerment) führt objektiv zu einer Verbesserung der gesundheitlichen Lage.“ Als Ergebnis der Arbeit soll zunächst herausgestellt werden, dass und wie ein gezielter Zugang zu allen Gesundheitsleistungen des bundesdeutschen Gesundheitssystems - auch für Migranten einen protektiven Effekt aufweist.

Die hier vorliegende Diplomarbeit zu ausgewählten Problemen der Gesundheitslage von Migranten in der BRD soll als bilanzierende Übersicht der Entwicklung wichtiger Mortalitäts- und Morbiditätskennziffern gegenüber der ein-heimischen, deutschen Bevölkerung sowie als Ergänzung zu bereits vorliegenden Ergebnissen zum Gesundheitszustand dieser Bevölkerungsgruppe aus epidemiologischen Studien verstanden werden.

Es sollen weiterführend Gestaltungsparameter, welche die anstehenden Veränderungsprozesse im Gesundheitswesen für Migranten effizienter und ziel-gerichteter steuern können aufgezeigt werden. In der BRD gibt es zahlreiche Modellprojekte zur Optimierung der gesundheitlichen Versorgung von Einwanderern. Wann immer möglich, werden „best practise“ Modelle bewertend aufgezeigt. Hier bietet z.B. die WHO mit ihrem „Setting - Ansatz“ als Kernphilosophie zu Gesundheitsförderungsprojekten („Gesunde Städte“, „Gesundheits-förderliche Schulen“, „Gesundheitsförderliche Krankenhäuser“) einen deutlichen Hinweis auf Interventionsmöglichkeiten für eine „soziale Einheiten“.

Eine erklärende statistische Analyse der hier übernommenen Daten ist nicht Gegenstand dieser Arbeit. Interpretationen – soweit vorgenommen – auf der Basis deskriptiver Betrachtungen und das Aufzeigen von Kausalzusammenhängen sollen hier in erster Linie als Diskussionsgrundlage - und Anreiz verstanden werden. Das Risiko einer Fehlinterpretation der vorhandenen Datenlage ist nicht unerheblich und lässt sich nur durch eine kritische Haltung und Sachkenntnis gering halten.

Wesentlicher Bestandteil dieser Diplomarbeit ist – ausgehend von epidemiologischen Ergebnissen zu Migration und Gesundheit - die Herausarbeitung einer salutogenetischen Betrachtungsweise zum Thema (siehe Einleitung).

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 7
Teil 1 Theoretischer Rahmen und forschungsleitende Vorgehensweise
1.1 Problemstellungen 12
1.2 Material und Methoden 14
1.3 Zielsetzung 15
1.4 Vorgehen und Aufbau 17
1.5 Vorschau auf die einzelnen Kapitel 18
1.6 Relevanz des Themas für die gesundheitswissenschaftliche Forschung. 20
1.7 Methodische Probleme zur Migrationsforschung 24
Teil 2 Empirische Untersuchungen in Deutschland
2.1 Historische Entwicklung der Problematik in der BRD 26
3. Verteilung von Migranten in der BRD 30
Räumliche Verteilung der ausländischen Bevölkerung nach Bundesländern 32
4. Gesundheitsstatus von Migranten 33
4.1 Derzeitige oder in jüngster Zeit abgeschlossene Forschungsprojekte zur gesundheitlichen Versorgung von Migranten in der BRD 35
4.2 Einzelne Krankheitsbilder unter Migranten in der BRD 37
4.2.1 Zahngesundheit 37
4.2.2 Infektionskrankheiten 39
4.2.3 Säuglings- und Müttersterblichkeit 43
4.2.4 Unfallhäufigkeit 45
4.2.5 Psychische und psychiatrische Erkrankungen 46
4.2.5.1 Kulturpsychiatrische Aspekte der Migration 49
4.2.5.2 Psychiatrische Erkrankungen türkischer Arbeitsmigranten 51
4.2.6 Cardiovasculäre und maligne Erkrankungen 52
4.2.7 Krankheiten des Magens und der Verdauungsorgane 52
5. Gesundheitsstatus und gesundheitliche Versorgung einzelner Bevölkerungsgruppen 54
5.1 Arbeitsmigranten 55
5.1.1 Beteiligung am Erwerbsleben in der BRD 57
5.2 Ältere Migranten 59
5.2.1 Zustand – und Bedarf in der Altenpflege von Migranten 62
5.2.2 Ethnische Rückbesinnung im Alter 64
5.2.2.1 Ethnizität Ressource oder Belastung im Alter?. 65
5.3 Frauen als Minoritäten in der deutschen Gesellschaft 65
5.4 Kinder – und jugendliche Migranten 69
5.5 Illegale Migranten in der BRD 72
5.5.1 Gründe für einen illegalen Status von Immigranten 75
5.6 Migranten türkischer Nationalität 76
5.7 Deutschstämmige Spätaussiedler aus der ehemaligen UdSSR 78
5.7.1 Drogensucht unter jugendlichen Aussiedlern . 79
5.8 Migranten unter laufenden Asylverfahren 80
6. Spezifische Schwierigkeiten in Bereichen der gesundheitlichen Versorgung von Migranten 83
6.1 Probleme der sprachlichen Verständigung 86
6.1.2 Die Sprachmittler 89
6.1.3 Kinder als Dolmetscher 89
6.2 Kulturell determinierte Schwierigkeiten 89
6.3 Wohnsituation der Ausländer in der BRD 91
6.4 Probleme der Eingliederungsprozesse 92
7. Rechtliche und politische Rahmenbedingungen für Migranten 92
7.1 Rechtliche Rahmenbedingungen 93
7.2 Politische Rahmenbedingungen 93
7.3 Hilfekulturen 95
7.4 Versuch einer Analyse für die BRD 96
8. Derzeitige Programme zur Förderung der gesundheitlichen Versorgung von Migranten in der BRD und anderen Nationen 98
8.1 Empowerment 99
8.1.1 Bedeutung von Empowerment 100
8.1.2 Empowerment Ansätze in der Gesundheitsförderung 100
8.2 Programme in der BRD 101
8.3 Aktivitäten der Schweiz 106
8.4 Programme in Österreich 107
9. Politische und strukturelle Anforderungen an ein transkulturelles Gesundheitswesen 107
10. Schlußbetrachtung und Reflektion 108
Abbildungsverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis 114
Definitionen und Abgrenzungen. 115
Eidesstattliche Erklärung 128
Literaturverzeichnis 118
Tabellenverzeichnis 5
Anhang A: Tabellen
Anhang B: Fragen zur Gesundheitssituation. Große Anfrage Bündnis Grüne

Automatisiert erstellter Textauszug:

Nauck (1993, S. 364) fügt die Benachteiligungssituation ausländischer Frauen in der BRD an und erwähnt die Opferrolle dieser Frauen welche jene zu einer fürsorglichen Behandlung prädestiniert. Hebenstreit (1984, S. 24-28) charakteriesiert die Lage der Migrantinnen in der BRD als „rückständig, isoliert und hilfsbedürftig“. Esser (1982, S. 89) führt spezifische Gründe für obige Thesen an und spricht von einer „Dreifachdiskriminierung“ ausländischer Frauen in Deutschland: · Als Arbeiterin ist die Ausländerin auf statusniedrige, unattraktive und mit hoher Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit und geringer Wahrscheinlichkeit von Aufwärtsmobilität betroffene Arbeitsplätze verwiesen ( sozusagen als letzte Einsatzreserve innerhalb der industriellen Reservearmee); · als Ausländerin und Minoritätenangehörige ist sie rechtlichen Diskriminierungen durch das Ausländer-Aufenthaltsrecht und sozialen Diskriminierungen auf dem Wohnungs-, Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ausgesetzt und in der Reichweite persönlicher sozialer Netzwerke begrenzt. Esser (ebenda, S. 151) gibt allerdings gleichzeitig zu bedenken, dass Sozialwissenschaftler zu den vielfältigen Vorurteilen z.B. gegenüber Türken beigetragen haben. Sie sieht hierin ein Musterbeispiel für wissenschaftliches Etikettieren (labelling by social science). Für Nauck (1993, S. 368) hat sich gleichzeitig durch „repetitives Zitieren eine eigene Ausländerinnen-Folklore herausgebildet“. Diese sei mit Fallbeispielen erfüllt, unterliege aber selbst einem Marginaliserungsprozeß. Nauck (ebenda) vermisst einen Ergebnisaustausch mit Wissenschaftlerinnen aus den Herkunftsländern sowie eine Rezeption der dortigen empirischen Sozialforschung. Derartigen Analysen wäre beispielsweise zu entnehmen, dass die Türkei nicht nur ein Land mit einer hohen Analphabetisierungs Quote ist, sondern gleichzeitig das Land (global gesehen) mit dem höchsten Anteil von Frauen im Professorenamt und in freiberuflichen akademischen Berufen. Nachfolgende Ausarbeitungen sollten demnach unter dem Blickwinckel einer bisher unvollständigen empirischen Sozialforschung verstanden werden. [...]

Ethnische Identitäten bestimmen nach Collatz (1995, S. 38) in sehr unterschiedlicher Weise die Erfahrung von Furcht, Ratlosigkeit, Angst, Scham, Ehre, die Erfahrung von Schmerz, was als Gesundheitsstörung und Krankheit bezeichnet werden soll und wie dies geäußert werden darf. Wünsche und Erwartungen an Heiler und Berater bzw. an Behandlungsmöglichkeiten variieren ebenfalls. Eine Problemlage ergibt sich hauptsächlich aus der Tatsache, dass außerhalb der wenigen ethnomedizinischen Zentren in Deutschland Gesundheitsleistungen nach standardisierten westlichen Mustern erfolgen. Solange vorhandene Ressourcen ethnischer Minderheiten in der BRD nicht genutzt oder gefördert werden, muß „Etnizität“ für die betroffenen Menschen als Belastung angesehen werden. 5.3 Frauen als Minoritäten in der deutschen Gesellschaft [...]

repräsentierung, es standen 2,9 % aller Migranten 16,4 % der deutschen Altersgruppe gegenüber. Obige Prognose wird somit einigermaßen fragwürdig. Tabelle 2 (siehe Anhang A:) gibt Aukunft über die Aufenthaltsdauer der ausländischen Bevölkerung am 31.Dezember 2000. Daraus ersichtlich wird, dass Migranten aufgrund ihrer vielfach langen Aufenthaltsdauer ein etablierter Bestandteil der bundesdeutschen Bevölkerung geworden sind. Den höchsten Anteil der 20 Jahre und länger in NRW lebenden Ausländer (ohne deutschen Pass) findet man nach Weilandt et al. (2000, S. 12) mit 72,9 % unter den Spaniern und Griechen (54,5 %). Aus dem ehemaligen Jugoslawien beträgt die Quote 27,6 % und aus der Türkei 36,5 %. Aufgrund der spezifischen Alterszusammensetzung und des noch stark überwiegenden Anteils "junger Alter" unter den Migranten können zunehmende gesundheitliche Probleme dieser Gruppe in Zukunft erwartet werden. Der Gesundheitszustand der heute ins Rentenalter eintretenden älteren ausländischen Bevölkerung wird allgemein als „schlecht“ bewertet. In der Einleitung wurde darauf hingewiesen, dass die heute älteren Migranten in jungen Jahren gegenüber der deutschen Bevölkerung überdruchschnittlich gesund waren (Selektion durch Anwerbung). Lechner & Mielck (1998, S. 715-720) betonen die Umkehrbarkeit des Gesundheitszustandes von Migranten mit zunehmendem Alter. Die Autoren sprechen in diesem Zuammenhang von einer „Verkleinerung des Healthy-Migrant-Effects“. Bestimmte Erkrankungen weisen heute bei der ausländischen älteren Bevölkerung im Vergleich zur deutschen Altersgruppe eine höhere Morbidität auf. Als Gründe zu diesem Sachverhalt werden folgende Faktoren genannt: · · · · · Ältere Migranten gehören durchschnittlich zu den einkommensschwachen Einwohnern; besitzen durchschnittlich ein geringeres formales Bildungsniveau; sind Zeitlebens von größerer Arbeitslosigkeit betroffen gewesen; leben unter schlechteren Wohnbedingungen als die bundesdeutsche Bevölkerung; die durch Migration ausgelößte Streßbelastung (life evants and daily hassles); [...]

Arbeit zitieren:
Brosch, Wilfried Dezember 2003: Gesundheit und gesundheitliche Versorgung von Migranten in der BRD, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Migrationsforschung, Integration, Empowerment, Gesundheitsstatus, Ethnizität

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